Wr. 168
Mittwoch den 23. Juli
1890
Amts- und Anzeigeblatt filv den Tlveis Gieren.
| Gratisbeilage: Gießener Kamikienötatter.
gilt
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Affe Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmm Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Die Gießener I«mitienktLiter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 21. Juli. Der „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge es als unwahrscheinlich, daß die Kaiserin beim Be-
Der chießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Vierteljähriger AVonnementspreis i 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn.
Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expeditton und Druckerei:
Schntstraße Ar.V.
Fernsprecher 51.
den Actuar schon viele Jahre kannte, „ bringen?"
DeritscheK Heid).
Berlin, 21. Juli. Die Nordlandssahrt Kaiser Wilhelms neigt sich ihrem Ende zu. Am 23. Juli gedenkt der Kaiser in dem Badeorte Molde einzutreffen, welcher nach den Reisebestimmungen des Monarchen den nördlichsten Punkt seiner diesjährigen norwegischen Reise bildet. Von Molde aus begiebt sich der Kaiser mit der Flotte nach Bergen zurück und tritt am Abend des 26. Juli von letzterer Stadt aus die Heimfahrt an.
— Kaiser Wilhelm soll beabsichtigen, auf seiner bevorstehenden Reise nach England dem König der Belgier in Ostende einen Besuch abzustatten.
— Ueber die kürzliche Unterredung, welche ein Redacteur der „Dresdener Nachrichten", Dr. Erwin Reichardt, mit dem Fürsten Bismarck in Friedrichsruh hatte, bringt jetzt das genannte Blatt einen fast drei Spalten langen Bericht. Hiernach begann das Gespräch mit Auseinandersetzungen über die deutsche Presse, anknüpsend an die bekannten Äußerungen des Fürsten bei seiner Unterredung mit dem Herausgeber des „Franks. Journals". Nochmals betonte der Fürst, der von ihm gebrauchte Ausdruck „Feigheit" habe sich auf das Gebühren der ihm früher nahe gestandenen Presse, speciell der „Post", der „Köln. Ztg." und der „Nordd. Allg. Ztg.", bezogen, denn sie habe nicht den Muth gefunden, ihn gegen die albernen Anfeindungen und Ansichtsentstellungen in Oppositionsblättern zu vertheidigen. Im weiteren Verlaufe des Gespräches bezeichnete Fürst Bismarck die Ansicht, als ob zwischen ihm und dem Kaiser eine gewisse Gespanntheit bestünde, als irrig, ebenso die Meinung, er hege den Wunsch, nochmals in sein Amt zurückzukehren, dazu sei er zu alt und besitze er hierzu auch zuviel Selbstgefühl. Ziemlich eingehend ließ sich Fürst Bismarck über die socialistische Frage aus. Er erklärte die socialistische Gefahr als die weitaus größte für Deutschland und um ihr zu begegnen, gab es nur zwei Wege, entweder den Forderungen der Socialdemokraten nachzugeben oder zu kämpsen. Der Kaiser habe sich für ersteren Weg entschieden, er, Bismarck, habe kämpsen wollen und diese Meinungsverschiedenheit sei einer der Gründe gewesen, aus denen er sein Amt niedergelegt. Er habe beabsichtigt, im Socialistengesetz an Stelle der Ausweisung Verbannung zu setzen, damit sei er aber nicht durchgedrungen. Im letzten Grunde sei übrigens die Socialistensrage eine militärische Frage. Wenn das Geschwür aufgegangen, könne man die socialdemokratischen Ausschreitungen ja gewaltsam unterdrücken, dann trete vielleicht an Stelle des kleinen Be-
Pola, 21. Juli. Ein österreichisches Geschwader, das bestimmt ist, die Nord- und Ostseehäfen zu besuchen, ist heute in See gegangen.
Klauseuburg, 21. Juli. Der Frankfurter Bankier Wahlkamps wird nach Pest überführt, wo die gerichtliche Schlußverhandlung gegen ihn stattfindet.
Molde, 21. Juli. Gestern Abend fand an Bord des „Hohenzollern" ein Diner statt, mit Prinz Heinrich und den Admiralen Deinhard und Schröder. Heute unternimmt der Kaiser mit Gefolge eine größere Parthie nach Romsdal.
Gibraltar, 21. Juli. Die königliche Dacht „Victoria und Albert", mit der Kaiserin Friedrich an Bord ist, begleitet von dem britischen Kreuzer „Melpomene", um 10 Uhr Vormittags hier eingetroffen.
Paris, 21. Juli. Wie das „Echo de Paris" meldet, hat der Kriegsminister angeordnet, bei den Versuchs- Mobilisirungen je zwei Bataillone eines jeden Landwehrregiments dem correspondirenden Linienregimente zu- zutheilen.
Paris, 21. Juli. Zur Feier des 28. Geburtstags des Prinzen Victor Napoleon hielten die bonapartistischen Comitss gestern eine Festversammlung unter dem Vorsitz des Senators Poriquet. In dem bei dieser Gelegenheit verlesenen Dankestelegramm des Prinzen Victor erklärte derselbe, daß er, gestützt aus die Plebiszite zu Gunsten des napoleonischen Namens ungeduldig den Wahrspruch des Volkes erwarte.
London, 21. Juli. Im Unterhaus erklärte Fergus s o n, der Grund der Weigerung Hollands, die Convention der Brüsseler Antisclavereiconferenz zu unterzeichnen, sei die Erhebung der Eingangszölle. Holland erachte dieselben als im Widerspruch mit der Berliner Congoacte, welche abzuändern die Brüsseler Conserenz imcompetent sei. Sir Fergusson sprach indeß die Hoffnung aus, die gegenwärtigen Unterhandlungen würden den Einwand beseitigen, aber die Convention bleibe im Allgemeinen schwebend, bis sie von allen den Mächten unterzeichnet sei, welche die Congoacte unterzeichnet haben. Fergusson erklärte ferner mit Bezug auf die jüngsten Ruhestörungen in Erzerum, daß der Pöbel die Straße, wo das englische Consulat gelegen ist, besetzt und dessen Fenster wie diejenigen der anderen Häuser zertrümmert habe. Der Consul hißte sofort die Flagge und verständigte den Gouverneur, welcher eine Wache von acht Gensdarmen, der später Truppen nachsolgten, schickte und die Straße säubern ließ. Unter den in Folge dessen vom englischen, französischen und russischen Consul gemeinsam gemachten Vorschlägen seien auch die aus
Dieser verstand noch immer nicht, um was es sich eigentlich handle, und flehte die Diener des Gesetzes an, ihm doch zu sagen, was er begangen habe.
Diese waren empört über sein Gebühren, das sie für die vollendetste Heuchelei hielten, und auch der Beamte, welcher ihm erst so wohlwollend zugesprochen, forderte ihn jetzt barsch auf, ihm unverzüglich zu folgen.
Alles Jammern und Bitten blieb erfolglos. Der Herr Actuar wurde abgeführt.
Frau Lucinde fiel ohnmächtig der theilnehmenden Bedienungsfrau in die Arme.
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht in der Stadt.
„Also daher der Reichthum, der Aufwand!" zischelten die bösen Zungen.
„Dazu hat ihn nur die Putzsucht der Frau gebracht!" sagten Einige.
„Der Hochmuthsteusel muß ihn verführt haben!" meinten Andere.
Seine Vorgesetzten schüttelten den Kopf. Er war doch immer ein ordentlicher Mensch gewesen, und jetzt ein gemeiner Einbrecher ... ein Dieb. Es war fast unglaublich.
Die Untersuchung wurde mit Eile betrieben, ein Verhör folgte dem andern. Der Herr Actuar betheuerte immer und immer wieder seine Unschuld, verweigerte jedoch hartnäckig jede Auskunft darüber, wie er in den Besitz all dieser kostbaren Gegenstände gekommen sei. Dies, sowie die That- sache, daß Herr Jppelberger jedes Stück als sein Eigenthum erkannte, und daß nur einige Werthpapiere bereits fehlten, sprach zu belastend gegen ihn, als daß man nicht an seine Schuld glauben sollte.
Noch einmal, ehe die Richter zur Verurtheilung schritten, gewährten sie dem Actuar, da sein bisher so unbescholtenes, । tadelloses Leben für ihn sprach, ein letztes Verhör, und sein I früherer Vorgesetzter redete ihm eindringlich ins Gewissen,
Feuilleton.
Der Schatzgräber.
Humoreske von E. Redenhall.
(Schluß.)
Kein schützender Engel trat zu ihnen heran und zeigte ihnen wie in alten Märchen, die sie in der Kindheit gelesen, den Abgrund, welcher sich vor ihren aufthat. Keine warnende Stimme sagte ihnen, welchem Verhängniß sie entgegengingen. Freudig betraten sie die heimische Schwelle, um es sich nun recht behaglich und gemüthlich einzurichten. Der Frau Actuar schwebte es als ein langersehntes und nun erreichtes Glück vor, daß auch sie nun werde einmal eine Kaffeegesellschaft geben können, und dabei sollte die Bewirthung so glänzend sein, wie es noch Niemand zuvor in P . . . . gethan.
• Doch ehe sie diesen löblichen Vorsatz ausführen konnte, trat ein Ereigniß an sie heran, so schrecklich, so vernichtend, so unheilvoll, wie es nicht ärger gedacht werden kann, und zwar in Gestalt zweier Polizeidiener, die etwas stürmisch Einlaß begehrten und, indem sie dem entsetzten Actuar ein donnerndes „Im Namen des Königs!" entgegenriefen, in der unbefangensten Weise, als handle es sich um eine Besichtigung harmlosester Natur, eine Haussuchung bei ihm vornahmen.
Das Entsetzen des noch immer an einen Jrrthum glaubenden Ehepaares zu schildern, ist unmöglich. Zitternd verlangte der Herr Actuar Aufklärung.
„Werden schon sehen," sagte barsch einer der Beamten. „Ha!" schrie er plötzlich aus, „wer hätte so etwas ver- muthet! Da haben wir ja, was wir schon so lange vergeblich suchen!"
Einen silbernen Gegenstand nach dem anderen brachte er hervor; sein Erstaunen kam fast dem Entsetzen des Actuars gleich.
„Alter Mann," sagte ernst der andere Beamte, der
lagerungszustandes der allgemeine Kriegszustand, der freilich nicht auf die Dauer angehen würde. — Von der Arbeiterschutzgesetzgebung sprach Fürst Bismarck abfällig, ein näheres Eingehen auf die letzte Militärvorlage verweigerte er.
— Zwischen Deutschland einerseits, England, Frankreich, Schweden-Norwegen, Dänemark und Oesterreich-Ungarn anderseits sind unter Vorbehalt einjähriger Kündigung Ueber- einkommen zur gegenseitigen Unterstützung hilfsbedürftiger Seeleute abgeschlossen worden.
Neustadt a. d. H., 20. Juli. Das hiesige ^Schütze n- fest hat heute Mittag mit einem Festzuge, an welchem auch die gestern hier eingetroffenen Newyorker Independent-Schützen theilnahmen, unter lebbaftem Jubel der zahlreichen Menschenmenge begonnen.
Frauenfeld, 20.Juli. Das eidgenössische Schützen- fest wurde heute unter lebhafter Theilnahme der Bevölkerung eröffnet. Die ausländischen Schützen sind noch nicht alle eingetroffen.
Gießener Anzeiger
General-Wnzeiger.
suche nm russischen Hose den Kaiser begleitet- unrichtig Ai die Nachricht, der StaatSiccretär Marschall begleite den Kai'ser imdy England.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet aus Helgoland vom 18. Juli: Eine ungewöhnlich stark besuchte Volksversammlung beschloß, die Helgoländer sollten durch den Gouverneur eine Adresse an die Königin von England absenden mh d.n-i- ndcr Verabschiedung von ihr in dem Augenblick, da die Helgrlch.der mit ihrem stammverwandten Volke wieder vereinigt werden sollen. Die Adresse wurde sofort, sehr zahlreich unterschrieben, dem Gouverneur übergeben.
Halle a. d. S., 21. Juli. Der als pädagogischer Schriftsteller bekannte frühere Seminardirector Jütting ist gestern Abend in Burg gestorben.
Kiel, 21. Juli. Der französische Admiral Planche passirte hier auf der Reise nach Stockholm ohne Aufenthalt und ohne die Marineanlagen zu besichtigen.
Lauterberg, 21. Juli. Die katarrhalischen und rheumatischen Erscheinungen in Wißmanns Zustande nehmen weiter ab. Das allgemeine Befinden ist bei gutem Schlaf erfreulich, der gesteigerte Appetit befriedigend.
„Wenn ich auch alles dadurch, daß ich mein Schweigen gebrochen habe, wieder verliere, so mag es immerhin sein."
Als er mit seiner Erzählung zu Ende war, konnten sich die Richter vor Lachen nicht mehr halten. Jetzt war Ihnen alles klar.
Der gute Actuar ahnte jedoch noch immer nicht, daß er unbewußt einen Einbruch verübt hatte. Er war bei seiner Schatzsucherei in den Wandschrank seiyO Nachbars, des Kaufmanns Jppelberger, eingedrungen. Dieser verwahrte darin all seine Werthsachen, da die für den Uneingeweihten fast unsichtbare Tapetenthür keinen Schrank vermuthen ließ und ihm dadurch die meiste Sicherheit bot. An die Möglichkeit, daß die Wand vom Nachbarhause durchbrochen werden könne, hatte Herr Jppelberger ebenso wenig gedacht, wie der Herr Actuar es vermuthete, daß er dies gethan und das Eigenthum eines Anderen angegriffen habe, da die Verwirklichung dessen, was ihm der Traum versprochen hatte, ihm ganz natürlich erschienen war.
Sogar des Bestohlenen bemächtigte sich die größte Heiterkeit, als er hörte, wie es zugegangen war, und er stimmte mit den Vertretern der weltlichen Gerechtigkeit überein, den ehrlichen Delinquenten sofort sreizulassen.
Von Dank erfüllt gab dieser alles zurück, was er besaß. Es brannte ihn jetzt ordentlich in den Fingern und er dankte dem Schöpfer, daß es noch so geendet hatte. Eine Lehre zog er aber aus dieser bitteren Erfahrung: nicht außerhalb nach trügerischen Schätzen zu suchen, sondern die richtigen in der eigenen Brust aufzufinden- sie heißen Pflichtcrfiillung und Zufriedenheit.
Diese täuschen niemals. Sie sind die glückbringendsten und getreuesten Gefährten im Leben.
was konnte Sie dazu | doch die volle Wahrheit zu bekennen, da ein offenes Bekennt- niß seine Strafe noch mildern könne. Da widerstand er nicht länger. Er erzählte alles ganz getreu vom Beginn an, was ihm der Traum verheißen und wie er den Schatz aufgefunden habe, und schloß resignirt seinen Bericht mit den Worten:
F,d« Storni.
llunS.Xeaenweg9,
"kmal.
•-*n**^
"«"-LZ
10“ Mdaer,
und) langem Rtantyin unsere
Theilnahme bittet ÄPttfl und Fam'/ie.
ag den 22. Juli, Nachmittags
-terstr. 89) aus statt. WO
d »mz^liche «anSÄ?
Albrecht, Sener- Tartegnius Gebhard, Schmiedern., Wke gratis Annahme von rl Stvz am 29. April, Juni, s°rm. ,357g
ung-
ifl unserer geliebten, treuen
Hirsch
für die reichen Blumen- 6115
1 Hinterbliebenen-
an«.
R Worte des Herrn Weste« Dank.
U 6101
16t 13* 5 16- $
' Hldrentr v- ffff* ——
AK"
ß-rr.


