Ausgabe 
22.7.1890
 
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1890

Dienstag den 22. Juli

Nr. 167

Amts- und Anzemeblutt fflt? den Aveis Giehem

Hratisßeikage: Gießener AamikienökaLLer

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A3e Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeige« zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr.

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Ende der vergangenen Woche, irch i von ftattea geht. AuWig tit

Tölzer und Reichenhaller Gebirgsgegend. Der Fürst von Turn und Taxis überwies anläßlich seiner Vermählung Regensburger Stiftungen insgesammt 120 OOO Mark.

München, 19. Juli. Staatsminister Lutz begab sich heute nach dem Starnberger See, um seine völlige Wieder­herstellung abzuwarten.

Das vom Deutschen Jndustrieverein im März ge­gründete bayerische Maaren Haus für Offiziere und Beamte löste sich heute auf.

Lauterberg, 19. Juli. Major Wißmann beauftragte Gravenreuth, für die anläßlich seiner Krankheit aus aller Herren Länder eingegangenen Beweise der Theilnahme durch die Presse seinen Dank zu übermitteln, da er auf anderem Wege unmöglich danken könne. Das Befinden Wißmanns hat sich seit gestern unerwartet und erfreulich gebessert. Appetit und Schlaf kehren zurück.

Oeffnung, und jetzt sieht er hinein. Er reibt sich die Augen. Ist es ein Blendwerk der Hölle? Sieht er denn recht? Der Herr Actuar scheint zur Salzsäule geworden zu sein. Anbetend hat er die Hände gefaltet, starr steht er da, als sei das Leben aus ihm entflohen.

Ist ihm eine Enttäuschung geworden? Droht die Freude ihn zu tobten?

Er rührt sich immer noch nicht.

Doch da klopft es an der Thür, erst leise, dann immer stärker ... er wagt es nicht, zu öffnen.

Da hört er rufen, er erkennt die Stimme seiner Frau. Seine Gestalt bekommt wieder Leben, er zieht den Riegel von der Thür zurück und stürzt mit einem Freudenrus seiner ge­treuen Gefährtin in die Arme.

Frau Lucinde bleibt todteserschrocken am Eingänge stehen ... sie glaubt, daß ihr Mann den Verstand verloren habe.

Was ist geschehen?" bringt sie endlich hervor und ruft alle Heiligen an, die ihr im Augenblicke einsallen.

Doch ohne ihr zu antworten, führt sie der Herr Actuar feierlich an die verhängnißvolle Stelle, läßt auch sie in die Wand hineinblicken und sagt triumphirend:

Glaubst Du's nun? Jetzt hat alle unsere Roth ein Ende!"

Stören wir das glückliche Ehepaar nicht bei der beneidens- werthen Arbeit, einen reichen Schatz zu heben. Was sie finden, übersteigt ihre kühnsten Erwartungen. Sie machen Pläne, wie sie ihr künftiges Leben einrichten wollen, und Frau Lucinde scheint es besonders zu befriedigen, daß nun die Frau Actuar Müller nicht mehr so von oben herab aus ihr etwas abgetragenes Sonntagskleid werde zu sehen brauchen.

Der Schleier fällt und verbirgt in seinen Falten so viel Glück, wie nur des Menschen Herz erfüllen kann.

Die Bewohner des Städtchens P . . . ., welches das Glück hatte, der Geburts- und beständige Wohnort des Herrn Actuar Johann Gottfried Finkenschlag zu sein, waren von zwei Ereignissen so vollständig erfüllt, daß die ehrsamen Spießbürger, die allabendlich im Gasthause zumblauen Ochsen" bei einem Glase Bier zusammentrafen, jede politische Kannegießerei unterließen und sich nur von jenen unterhielten, die jetzt so vollständig ihr Interesse in Anspruch nahmen. Die Frauen, sogar die besten Wirthinnen und deren stellte P . . . . ein besonders großes Contingent erfüllten in größter Eile ihre Pflicht, um nur rechtzeitig, den unvermeid­lichen Strickstrumps in der Hand, bald dort, bald da beim Kaffee zusammen zu kommen. Wehe dem, der ihnen dabei Stoff zu einer besonderen, vielleicht gar zu einer geheimen Sitzung, zu der nur wenige Bevorzugte ausersehen waren, gab! Die spitzen Zungen drangen schärfer als die schneidigsten Schwerter ein, und die Wunden, die sie dadurch beibrachten, waren oft unheilbarer und gingen tiefer ins Innerste als jene zn bewirken vermochten.

Eine dieser brennenden Tagesfragen waren die fo rmf- sallend veränderten Verhältniffe des Herrn Actuar fynfen- schlag. Derselbe hatte sich von seinem Gehalt imi nur kümmerlich ernährt und machte jetzt Plötzlich einen v.nerhörten Aufwand, ging sogar jeden Tag ein Partiechen stielen. Er hatte ein ganz anderes Aussehen bekommen und, machte den Eindruck, als bekleide er sein Amt nicht aus R^hwendigkeit, sondern nur zu seinem Vergnügen. Und er? x gar die Frau Actuar! Wie ging sie jetzt einher! Soga* / Frau Regi­strator Müller, die doch nach jeder Richtun $ hin tonangebend war, konnte ihr es nicht mehr gleichthun . Jetzt machte sie sogar mit ihrem Manne, gerade wie d (cfc öor drei Jahren, eine Reise! War ihnen eine große, Erbschaft zugefaüen? Ihnen vielleicht ein Gold-Onkel in r Amsterdam gestorben?

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dauer und zweckmäßige Maßregeln zu erreichen sem. Die Zukunft der Colonie beruhe auf dem Elfenbeinhandel, der auf absehbare Zeit jedenfalls noch keine erhebliche Abnahme erfahren werde, ferner aus dem aussichtsreichen Plantagenbau und aus den mancherlei sonstigen noch unerschlossenen Schätzen des Grund und Bodens, endlich auch aus dem Einfuhrhandel, der dem Mutterlande noch bedeutenden Nutzen bringen könne. Ue&er den Zeitpunkt seiner Rückkehr nach Ostafrika hat sich Herr v. Gravenreuth noch nicht bestimmt geäußert, auch scheint es noch nicht so festzustehen, ob er auch wirklich die Geschäfte des Majors v. Wißmann bis aus Weiteres über­nimmt, obwohl Premierlieutenant v. Gravenreuth in Berliner colonialpolitischen Kreisen als der einstweilige Ersatzmann für Reichscommissar v. Wißmann bis zur endgültigen Neuregelung unserer Colonialverhältnisse in Ostafrika gilt.

Mit freudiger Theilnahme hat man in weiten Kreisen des deutschen Volkes die Nachricht von der glücklichen An­kunft Dr. Peters in Zanzibar vernommen, womit die seltsamen Kreuz- und Quersahrten dieses Gelehrten durch theilweise noch nie erforschte Gebiete des östlichen Afrikas zum Abschlüsse gelangt sind. Der eigentliche Zweck seiner Expedition, die Entsetzung Emin Paschas, ist freilich von Dr. Peters nicht erreicht worden, einfach, weil ihm hierin Mr. Stanley auf allerdings etwas fragwürdige'Weise zuvor­gekommen war, aber dennoch hat Dr. Peters auf seinem Unternehmen so Kühnes und Hervorragendes geleistet, daß er die Theilnahme und Anerkennung seiner Landsleute gewiß verdient. Ueber den Zeitpunkt seiner Rückkehr nach Deutsch­land sind noch nähere Nachrichten abzuwarten, dieselbe dürste aber wohl erst zum Herbst erfolgen, da Dr. Peters aus der Heimreise vermuthlich in Egypten einen Erholungs-Aufenthalt nehinen wird.

Berlin, 19. Juli. DerReichsanzeiger" enthält eine Bekanntmachung des Reichskanzlers, betreffend das zwischen dem Deutschen Reiche und auswärtigen Staaten unter Vor­behalt einjähriger Kündigung abgeschlossene Uebereinkommen wegen gegenseitiger Unterstützung hilfsbedürf­tiger Seeleute. Gleichzeitig wird der wesentliche Inhalt des Uebereinkommens mit Großbritannien vom 27. Mai 1879, mit Frankreich vom 16. Mai 1880, mit Schweden und Nor­wegen vom 31. Mai 1881, mit Dänemarck vom 31. März 1885, mit Oesterreich-Ungarn vom 10. November 1889 mit- getheilt.

Lüdenscheid, 19. Jul. Bei dem hier abgehaltenen west­fälischen Kriegersest explodirte heute Mittag ein Geschütz. 2 Mann wurden getödtet und 3 schwer verwundet.

München, 19. Juli. Der als Maler und Schriftsteller bekannte Ingenieur Professor Keller-Leuzinger ist ge­storben.

München, 19. Juli. Wolkenbrüche verwüsteten die

Berlin, 19. Juli. Trotz gegenteiliger Blättermeldungen erhält sich in unterrichteten Kreisen die Anschauung, daß Kaiser Wilhelm die Insel Helgoland demnächst be­suchen werde. Er werde allerdings nicht der Uebergabe der Insel an die deutschen Behörden beiwohnen, sondern etwas später, also wahrscheinlich auf der Rückreise des Monarchen von England nach Deutschland, dort eintreffen. Der Aufenthalt des Kaisers aus Helgoland werde dann wohl nur wenige Stunden dauern.

Ueber die gegenwärtige Lage und die Zukunft in Deutsch-Ostafrika hat sich Premierlieutenant v. Gra­venreuth, der designirte Stellvertreter des Reichscommiffars Major v. Wißmann, einem Redacteur desHannov. Cour." gegenüber in ziemlich ausführlicher Weise ausgelassen. Herr v. Gravenreuth bezeichnete in dieser Unterredung den Gewinn des bislang von der deutsch-ostasrikanischen Gesellschaft gepach­teten Küstenstreisens von Zanzibar als höchst günstig für die Weiterentwickelung Deutsch-Ostasrikas. Die bisherige eigen- thümliche staatsrechtliche Stellung der verschiedenen Theile des Schutzgebietes werde nunmehr hoffentlich eine endgiltige Regelung erfahren, und auch für die Begriffe der Eingebore­nen werde durch die Abtretung des Küstenstreisens an Deutsch­land Klarheit in die Verhältnisse gebracht. Bagamoyo, Dar es Salaam, Tanga und Lindi bezeichnete v. Gravenreuth als gute Häsen, die für die größten Seeschiffe hinlänglich Raum und Tiefe besitzen und wenn es auch nicht leicht sein werde, den Jahrhunderte alten Handelsweg über Zanzibar in andere Bahnen zu lenken, so werde dies schließlich doch durch Aus-

Täuschung! Hier klingt es beim Klopfen ganz anders, hier muß ein Verschlag sein!

Er hält einen Augenblick inne, es dreht sich alles mit ihm herum, die Sinne drohen ihm zu vergehen.

Hastig holt er dann das zu diesem Zwecke angeschaffte Werkzeug und schließt die Thür.

Er ist ganz allein.

Die taube Bedienungsfrau, die schon sünszehn Jahre ihm und seiner Gattin des Lebens Mühseligkeiten zu er­leichtern sucht, hat bereits ihr Tagewerk vollbracht und sich entfernt, die Nachbarn, denen das Klopfen möglicher Weise auffallen könnte, sind, wie er zufällig gehört hat, seit einigen Tagen, wie dies bei reichen Leuten Mode ist, aus Sommer­frische. Nichts stört ihn.

Er hämmert und hämmert, sein eigenes Herz übertönt fast die Schläge.

Jetzt ist es ihm endlich gelungen, eine Oeffnung in die Wand zu bringen. Große Schweißtropfen treten ihm aus die Stirn, er ringt nach Athem, er muß sich erst etwas zur Ruhe zwingen, er wagt es nicht, hineinzublicken.

Zitternd vor Aufregung, gelingt es dem Herrn Actuar erst nach wiederholt vergeblichen Versuchen, ein Licht an- zubrennen. Endlich hat er es vollbracht, er leuchtet in die

Au-laird.

London, 19. Juli. Das Parlament wird am 28. August vertagt.

London, 19. Juli. Graf Hatzseldt hatte gestern eine längere Unterredung mit Lord Salisbury.

Socholt, 19. Juli. DieHohenzollern", mit Kaiser Wilhelm an Bord, ist, von Olden kommend, angelausen und fährt durch den Nordfjord nach Geiranger. Die Land­partie von Olden und Faleide nach Geiranger unterblieb be­hufs Erledigung der Staatsgeschäste. Die Mehrheit des Gefolges reist nach Geiranger zu Lande.

Madrid, 19. Juli. Aus der Provinz Valencia werden von gestern 31 Erkrankungen und 10 Todesfälle an der Cholera gemeldet.

Petersburg, 19. Juli. Heute ist der deutsche Botschafter Schweinitz hier eingetroffen.

Sebastopol, 19. Juli. Die Königin von Griechen­land traf aus Petersburg hier ein.

Sofia, 19. Juli. Der Jrade betreffend die Einsetzung der bulgarischen Bischöfe für Uskub, Köprülü und Ochrida ist gestern veröffentlicht worden.

Newyork, 19. Juli. Der durch die Feuersbrunst in den Bureaux der Western Union Telegraph Compagnie und derAssociated Preß" verursachte Schaden wird auf 250,000 Dollars geschätzt. Der Telegraphendienst der Western Union wurde durch das Feuer erheblich gestört und die Geschäfte der Newyorker Börse auch sonst in Folge des Ausbleibens von Telegrammen bedeutend verzögert.

Buenos Aires, 19. Juli. Zum Januar dürfte eine National-Convention behufs Nominirung eines Präsident- schasts-Candidaten einberufen werden.

Die OppositionKpressc veröffentlicht einander wider­sprechende Nachrichten über ein angebliches Complott gegen

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D er Schatzgräber. Humoreske von E. Redenhall. (Fortsetzung.)

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Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.

Die Gießener

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Bekanntmachung.

Der Provinzialausschuß der Provinz Oberheffen hat für die Jahre 1891 bis 1894 zur Landescommission für die Einkommensteuer

als Mitglieder

die Herren: Stadtverordneten Heinrich Vogt zu Gießen, Bürgermeister Bopp zu Bellersheim, Georg Steinhäuser zu Friedberg;

al- Ersstzmitglieder

die Herren: Bürgermeister Stöpler in Lauterbach, Mühlenbesitzer W- Erk in Nidda, wiedergewählt.

Gießen, den 18. Juli 1890.

Großherzogliche Provinzial-Direction Oberheffen.

v. Gagern.

Athemlos, mit einer Kraft, die man dem kleinen, schwäch­lichen Manne gar nicht zugetraut hätte, rückt er die dort ihren Platz habende altmodische, eichene Commode weg, ent­kleidete die Stelle der Tapete und, o Himmel, es ist keine

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