Australien
Tudamerika
EE.."'L'sL
—■___
«l
7^— Lye(ononfc'
M btt btm S-mr-al.Agenttt ir. Emil Dcrsc-liow,
Offenbach a. M,
M bW«* ug. Kraft, Butzbach. ?S?3SäS IÄl.«»*
^hi/fs-Verlegung. 5^3 •Sj*** >d$w«5
ftrc<«87 sito §eltelsK--x^«A
W»r»v,
fat °°n -, f 'ftB
»J 1
S-BZM
MSVZS-
rJi»|tl,”(»tg''' S »c*
: Vuztw*
neuen SMbampfrrn>|
N°rddeuts<hen
i«nn man bie $ei[e Wl
fernen in Amcnkn
1 n •’ Tagen
’>’"■ (Jemer fahren Santpfer
AorddeutsHen Kyd
°°n | Bremen I »ad
Dienstag den 21. Oktober
Nr. 245.
Gießener Anzeiger
General'-Mnzeiger.
Bit Gießener -»««ttienSkäliir »erden dem Anzeiger »Gchemlich dreimal deigelegt.
Der WUtzener Anreger erscheint täglich, w4t Ausnahme deS MontagS.
1890.
Viertel jfähriger ASonnementr-rriSL 2 Mark 20 Pfg. mR Bringerlohn Durch hie Post bezöge» 2 Mark 50 Piz.
Webactton, Expedtti«» und Druckerei:
-chntSrahe Ar.i F«rutprecher 51.
Amts- und Anreigeblutt Mr» drn "Kreis Gietzen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de?, t-ltzenden Tag erscheinenden Nummer di- Vorm. 10 Uhr.
F GraLisSeilage: Gießener AaMilienMLLer. !
'______' „.7. - ..„.n-nTLK-
_______m
Alle Annoncen.Bureaux deS In- und Auslandes -ichrr.c« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgrat.
...... ' i m ■ ■ i ■
politische Uebevslcht.
Gießen, 20. October.
Die gesummte kaiserliche Familie wohnte nebst den sürst- lichen Anverwandten von auswärts am Samstag Vormittag der feierlichen Einweihung des Mausoleums der Potsdamer Friedenskirche, in welchem die irdische Hülle Kaiser Friedrichs die letzte Ruhestätte gefunden hat, bei. Die Weiherede bei der ergreifenden Feier hielt der Ober-Hofprediger und Schloß- pfarrer Dr. Kögel, die Gesänge wurden vom königlichen Domchor ausgesührt.
Die Einberufung des preußischen Landtages wird für die erste Novemberwoche erwartet und verlautet, daß ihn von den angekündigten Reform-Vorlagen zunächst der Landgemeindeordnungs-Entwurf und die Entwürfe des neuen Einkommensteuer- und des Gewerbesteuergesetzes beschäftigen werden. Zweifelhaft erscheint es dagegen, ob der Entwurf des neuen Volksschullastengesetzes bis zum Beginne der Session wird fertiggestellt werden können. Ferner wird dem Landtage noch eine Vorlage, betr. die Umgestaltung der Erbschaftssteuer, zugehen und auch ein Gesetzentwurf, betr. die Ueberweisung von Grund- und Gebäudesteuecn an die Gemeinden, soll in Aussicht stehen.
Mit der vom Kaiser durch besondere Ordre verfügten Einrichtung des Colonialrathes im Auswärtigen Amte ist eine Maßregel verwirklicht worden, die sich als unumgänglich nothwendig zur wirksamen und practischen Förderung unserer colonialen Angelegenheiten erwiesen hat. Der Colomalrath ist bestimmt, als Beirath der colonialen Abtheilung des Auswärtigen Amtes zu sungiren und hieraus erhellt als selbstverständlich, daß seine Mitglieder Persönlichkeiten sein müssen, die vollkommen vertraut mit den Bedürfnissen der deutschen Colonialpolitik sind und hierin practische Erfahrungen besitzen. Dementsprechend wird der Reichskanzler, welchem die Ernennung der Mitglieder der neuen Behörde zusteht, die mit einem Schutzbriefe ausgestatteten oder in deutschen Schutzgebieten thätigen bedeutenden Colonialgesellschaften auffordern, geeignete Persönlichkeiten zu Mitgliedern des Colonialrathes vorzuschlagen. Diese Mitgliedschaft ist ein Ehrenamt, wie aus der bezüglichen Verfügung des Reichskanzlers ersichtlich ist, und bestimmt letztere, datz der Colonialrath sein Gutachten über alle ihm überwiesenen Angelegenheiten der Colonialabtheilung abzugeben hat und befugt sein soll, über selbstständige Anträge seiner Mitglieder zu beschließen. Die Sitzungsperiode des Colonialrathes ist eine einjährige, außerhalb derselben kann auch ein ständiger Ausschuß von drei Mitgliedern über Einzelfragen befragt werden. — Gleichzeitig mit der beschlosfenen Errichtung des Colonialrathes scheint in den Berliner leitenden Kreisen auch Beschluß in der Angelegenheit des Reichscommissars Major j v. Wißmann gefaßt worden zu sein. Wenigstens wird aus ,
zuverlässiger Quelle mitgetheilt, daß Herr v. Wißmann in Begleitung seines Adjutanten, des Dr. Bumiller am 25. October die Rückreise nach Ostafrika antreten werde und darf man wohl annehmen, daß jetzt über die künftige Stellung und Verwendung Herrn v. Wißmanns im colonialen Dienste des Reiches eine Verständigung erfolgt ist. Endlich hat in diesen Tagen noch eine Angelegenheit colonialpolitischer Natur ihre Erledigung erfahren, indem laut Meldung des „Reichsanzeigers" ein Einverst'ändniß zwischen der Reichsregierung und dem Sultan von Sanzibar dahin getroffen worden ist, daß letzterer sich verpflichtet, die Hoheitsrechte über den an die deutsch - ostasrikanische Gesellschaft verpachteten Streifen der Zanzibarküste gegen eine Entschädigung von 4 Millionen Mark an Deutschland abzutreten.
Die Aussichten für das Zustandekommen des nationalen Ausgleichs in Böhmen sind fortdauernd sehr schwankende. Nach der Freitagssitzung der Ausgleichs-Commission des böhmischen Landtages zu urtheilen, nimmt sich der Stand der Ausgleichsangelegenheit augenblicklich wieder etwas günstiger aus, insofern, als der Altczechenführer Dr. Rieger in genannter Sitzung Plötzlich erklärte, er sei, gleich den Vertretern des Feudaladels, gewillt, an allen Wiener Ausgleichs-Festsetzungen aufrichtig sestzuhalten. Von den Jungczechen verlangte Dr. Gregr, daß erst die Wahlordnungsreform und dann das Wahlcurien- gesetz berathen werden soll- deutscherseits sprach Plener für das Curiengesetz, welches den Deutschen Gerechtigkeit widerfahren lasse.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 18.
Großherzogliche Reg'.
1. Gesetz, die Abänderung des Gesetzes vom 10. Juni 1879 über das Verfahren in Forst- und Feldrügesachen betreffend.
2. Verordnung, die Ausführung des Gesetzes vom 30. September 1890 wegen Abänderung des Gesetzes vom 10. Juni 1879 über das Verfahren in Forst- und Feldrügesachen betreffend.
Berlin, 18. Oct ob er. Der „Staatsanzeiger" schreibt in seinem nichtamtlichen Theit: An die Kaiserin Friedrich ist von vielen Personen, welche das Andenken des Kaisers Friedrich feiern wollten, die Bitte gerichtet, den Zutritt zu dem heute geweihten Mausoleum zu gewähren. Die Kaiserin ist tief gerührt über diese Zeichen der Anhänglichkeit und Verehrung für den hohen Entschlafenen und hegt keinen heißeren Wunsch, als diese Gefühle zu pflegen und zu erhalten. Für jetzt ist es indeß nicht möglich, den Besuch des Mausoleums zu gestatten, weil die Arbeiten noch nicht beendet sind. Sobald
dies der Fall ist, wird die Stätte den weitesten Kreisen der Bevölkerung zugänglich gemacht.
Berlin, 18. October. Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters v. Forckenbeck hielten die Vertreter größerer deutscher Städte heute eine Versammlung ab, welche zur Förderung einer gemeinsamen Adresse der deutschen Städte an Moltke die Einsetzung eines Comites beschloß. Das Comite bilden: v. Forckenbeck (Berlin), Fritsche (Charlotten- burg), Küper (Dortmund), Liebetrau (Gotha), Hellfritz (Greifswald), Saude (Halle), Boie (Potsdam), Hack (Stuttgart), Bankdirector Koch (Berlin).
Potsdam, 18. October. Heute Vormittag 11 Uhr sand die feierliche Einweihung des Mausoleums für Kaiser- Friedrich statt. Der Kaiser, die Kaiserin, die drei ältesten Prinzen, die Kaiserin Friedrich mit ihren Töchtern, der Großherzog und die Großherzogin von Baden, der Großherzog von Hessen, alle hier anwesenden Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses, Prinz Adolf von Schaumburg und andere Fürstlichkeiten wohnten bei. Gesänge des Domchors eröffneten und begleiteten die Feier. Das Weihegebet hielt Oberhofprediger Kögel. Nach freiem Gebet des Predigers Persius endete die erhebende Feier mit dem von Kögel ertheilten Segen.
Potsdam, 18. October. Das Mausoleum blieb heute bis Nachmittags 5 Uhr geöffnet. Tausende besuchten es. Eine wahre Völkerwanderung bewegte sich nach der Friedenskirche. Das Innere des Mausoleums war mit Kränzen bedeckt.
Spandau, 18. October. Ein aus hiesigen Bürgern ae- bildetes Comits unter
Dresden, 18. October. Die Einfuhr lebender Schweine aus Oesterreich-Ungarn ist bis aus Weiteres auch den Städten Pirna, Meißen, Meerane, Frankenberg und Döbeln gestattet.
Halle, 18. October. In dem benachbarten Giebichstein wurde das Kassack'sche Denkmal der Kaiser Wilhelm I. und Friedrich feierlich enthüllt. Superintendent Bethge hielt die Weiherede.
Halle a. d. S., 18. October. Der Soci allsten- Congreß wählte den Parteivorstand nach den Vorschlägen der Commission. Als Controleure wurden in die Parteileitung Behrend, Dubbert, Ewald, Herbert, Jacoby, Kaden und Schulz (Berlin) entsendet. Liebknecht wurde als Chef- redacteur des Centralorgans bestätigt. Die Delegirten von Berlin und Umgebung erklärten schriftlich, auf dem Boden der Partei zu stehen, sich jedoch das Recht der Kritik zu wahren.
Feuilleton.
Moderne Piraten.
Nautische Lcizze von Friedrich Meister.
(Schluß.)
Die Leute auf dem zweiten Dampfer winkten uns zu, als wir vorüber kamen, denn der Platz, wo wir auf den Strand gesetzt werden sollten, war genau bestimmt- der Lootse aber liebte sein Leben. Die Mannschaft war natür- lich aus unserer Seite, Capitän Hammer lag unten auf dem Sopha und „rammte den Kops in die Kissen", wie der Bootsmann mir von der Treppe herauf meldete.
Ich ließ den Lootsen nicht eher los, bis wir den gefährlichen Canal hinter uns hatten.
In Jenikale kam ein englischer Herr an Bord, der Vertreter einer Anzahl Versicherungsgesellschaften. Ich erzählte ihm in kurzen Worten den Sachverhalt. Das war der erste positive Beweis für das Vorhandensein der Piratenbande- man hatte längst dergleichen gemuthmaßt, ohne jedoch Jemand beschuldigen zu können.
Als der Bootsmann die Cajütstreppe herauskam, war er kreidebleich.
„Der hats hinter sich," sagte er.
„Wer?"
^Der Captain. Da, lesen Sie."
Er reichte mir ein Stück Papier. Ich las:
„Ich war bisher ein ehrlicher Mann. Die Noch drängte mich, ta ließ ich mich verleiten, unehrlich zu werden. Da- sür sterbe ich jetzt."
Der arme Hammer hatte sich das Leben genommen. Ich bedauerte ihn von Herzen.
Auf das dringende Zureden des englischen Versicherungsmannes reiste ich mit ihm über Odessa und Berlin nach London, um daselbst Zeugniß abzulegen. Der Bootsmann und der zweite Steuermann begleiteten uns. Wir wohnten vierzehn Tage lang im „Royal Hotel", mußten einer Menge von Sitzungen beiwohnen und schließlich votirten die Gesellschaften uns eine Belohnung. Auf meinen Theil kamen fünfhundert Pfund Sterling.
Seitdem bin ich Ehemann und Capitän des „Bismarck" geworden.
Hippel ist rechtzeitig gewarnt worden und seitdem verschwunden.
Das war Capitän Winzers Erzählung von den modernen Piraten.
Dieselbe wurde mir wieder lebhaft in das Gedächtniß zurückgerufen, als mir vor Kurzem die folgende Zeitungsnotiz zu Gesicht kam:
„Der mehrfach erwähnte Prozeß gegen die Kertscher Piraten wegen böswilliger Vernichtung von Schiffen durch Ausstellung falscher Signale zur Erlangung der Versicherungsgelder, welcher mit einem Freispruch (!) sämmtlicher Angeklagten endigte, hat noch ein Nachspiel zur Folge. Der frühere englische Viceconsul in Kertsch, Josef Chicken Colledge, welcher die Seele des ganzen „Unternehmens" gewesen, bei Entdeckung desselben nach England flüchtete und nicht mehr vor die Schranken des Gerichts von Odessa gebracht werden konnte, ist plötzlich wieder aufgetaucht und hat, wie die „Od. Zeitung" hört, in Folge des Freispruchs der ganzen Bande eine ganze Reihe von Verleumdungsprozessen gegen nicht weniger als sünfundvierzig englische Zeitungen, einschließlich „Globe" und „St. James Gazette", welche sich zuerst erkühnten, gegen diesen Ehrenmann vorzugehen, angestrengt. Von jeder Zeitung verlangt Mr. Colledge 2000 Psd.
Sterling, was das nette Sümmchen von 90,000 Pfund Sterling oder 1,800,000 Mark ausmacht."
Das war für mich ein ebenso unerwarteter, wie eigen- thümlicher Schluß dieser Angelegenheit. Man darf aber nicht vergessen, daß der Prozeß in Rußland geführt wurde.
Die Zeit, wo der Seeraub ein lohnendes Handwerk war, ist wie der Leser gesehen hat, noch immer nicht vorüber.
* Beim Apotheker. Eine junge Dame kommt in eine Apotheke: „Herr Apotheker kann man nicht Ricinusöl einnehmen, ohne daß man es schmeckt?" — „Nichts leichter als das, mein Fräulein. Ich werde Ihnen gleich das Nöthige präpariren. Bitte, nehmen Sie inzwischen zur Erquickung eine Himbeerlimonade." — „Sie sind sehr gütig, mein Herr." (Nach einer geraumen Zeit.) „Bekomme ich jetzt das Präparat, Herr Apotheker?" — „Sie haben also nichts geschmeckt?" — „Was denn?" — „Das Ricinusöl. Es war in der Limonade. — „Um Gotteswillen, mein kleiner Bruder sollte es ja einnehmen."
* Der kluge Zakob. Lehrer: „Jakob, wie wirst Du c5 machen, um mit Deiner Schwester gleich zu theilen, wenn Du unter einem Baume drei Aepsel liegen siehst und Du dieselben nehmen darfst?" — Jakob: „No b'halt i zwoi formt und gieb meiner Kathr'eu oin." — Lehrer: „Nein, das ist nicht richtig, Du mußt so theilen, daß jedes von Euch beiden gleich viel bekommt." — Jakob: „Dann werf i non' runter."
* Frau: „Steh nur, diese ungezogenen Jungen! Jetzt prügeln sie sich schon mit den Betten." — Mann: „Laß' nur, eS sind ja doch die Keil-Kissen!"


