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Donnerstag den 21. August
Nr. 193
1890
Kichmer Anzeiger
Aenerat-Mnzeiger.
Amts- und Anzrigeblatt für den Ureis Gieren.
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Der
Otetzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.
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Amtlicher Shell.
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Bataillone des Großh. Infanterie-Regiments Nr. 116 am Samstag den 23. l. M- und Samstag den 30. l. M. in dem Gelände westlich Allendorf a. d. Lahn—Lützellinden Schießübungen mit scharfen Patronen abhalten werden. Die Schußrichtung läuft von Allendorf a. d. Lahn nach dem Finsterloh, zwischen Groß-Rechtenbach und Münchholzhausen hindurch.
Das Schießen beginnt am 23. l. M. um 9 Uhr Morgens, am 30. l. M. 5 Uhr Nachmittags. Es wird daher gewarnt, an diesen Tagen und zwar am 23. l. M- von 8 bis 11 Uhr Morgens, am 30. l. M. von 4 bis 7 Uhr Nachmittags das Gelände innerhalb folgender Grenzen zu betreten:
1) Weg von Allendorf a. d. Lahn nach Münchholzhausen. 2) Weg von Münchholzhausen nach Büblinghausen.
3) Chaussee Wetzlar—Groß-Rechtenbach von Büblinghausen bis Groß-Rechtenbach.
4) Chaussee Groß-Rechtenbach nach Lützellinden.
5) Chaussee Lützellinden—Allendorf a. d. Lahn.
Gießen, den 19. August 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.:
Jost, Regierungsrath.
Bekanntmachung.
Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat mit Rücksicht auf den Stand der Ernte und der Weinberge bestimmt, daß die Heegzeit für Feldhühner in dem ganzen Großherzogthum .im lausenden Jahre mit dem 24. d. Mts. endigt.
Die Jagd auf Feldhühner ist hiernach im Kreis Gießen mit dem 25. l. M. eröffnet.
Gießen, am 18. August 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.:
Jost, Regierungsrath.
Betr.: Die Feldbereinigung in der Gemarkung Saasen.
Bekanntmachung.
Die Verhandlungen über die Ausstellung des allgemeinen Meliorationsplanes für die Gemarkung Saasen liegen zur Einsicht der Betheiligten vom 25. August bis 8. September l. I. auf dem Amtszimmer der Bürgermeisterei Saasen offen, nämlich:
1) die Karte mit Einzeichnung des neuen Wege- und Grabennetzes;
2) die Erläuterungen dazu mit den Beschlüssen der Vollzugscommission in einem Hefte;
3) das Protocoll über die Prüfung dieses Meliorationsplanes durch die Landescommission vom 4. Juni L I.;
4) die Acten über die geplante Regulirung der Gemar- kungSgrenze von Saasen mit:
a. Lindenstruth,
b. Göbelnrod, c. Harbach, d. Reinharvshain;
5) die Acten wegen Anlage verschiedener Waldtheile zu Feld und umgekehrt.
Am 10. September l. I., Vormittags 9 Uhr, wird der Unterzeichnete mit der Vollzugscommission aus dem Bürgermeistereibureau in Saasen zur Auskunftsertheilung und Entgegennahme von Anträgen anwesend sein.
Etwaige Einwendungen gegen die vorgenannten Arbeiten müssen bei Meldung späterer Nichtberücksichtigung entweder während obiger Frist schriftlich bei der Bürgermeisterei Saasen überreicht oder in der erwähnten Tagfahrt den 10. September eingebracht werden.
Darmstadt, den 11. August 1890.
Der Vollzugscommissär:
Nover, Regierungsrath.
Bekanntmachung.
Nachstehendes Verzeichniß der von den Mitgliedern des Alsfelder Zuchtvereins verkäuflich abzugebenden Bullen und Bullenkälber der Simmenthaler Rasse
1) Johannes Orth zu Niederbreidenbach, Bulle Vr Jahr.
2) Konrad Zulauf zu Niederbreidenbach, Bulle Vr Jahr.
3) Pachter Hesse zu Lehrbach, Bulle 1 Jahr, 3 Bullenkälber Vs Jahr.
4) Karl Graulich zu Zell, Bulle 7 Monat.
5) Andreas Lepper III. zu Zell, 4 Bullen 7 Monat.
6) Johannes Simon III. zu Zell, 2 Bullen 7 Monat.
7) Konrad Eisfelder II. zu Zell, 5 Bullen 7 Monat.
8) Konrad Ditschler II. zu Zell, 1 Bulle 1 Jahr.
9) Johannes Kreuder I. zu Vadenrod, Bulle 1 Jahr.
10) Karl Psannftiel zu Angenrod, 6 Bullen.
11) Peter Kalbfleisch zu Billertshausen, Bulle 10 Monat.
12) Bürgermeister Dippel zu Reibertenrod, Bulle Vr Jahr.
13) Kr. Grost zu Kleinfelds 1 Bulle 1 V< Jahr, wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Gießen, den 19. August 1890.
Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen.
Jost, Regierungsrath.
Feuilleton.
Deutsche Herzen.
Erzählung aus btn Kriegejahren von 1870/71.
Von Carl Cafsau.
(Schluß.)
Lieutenant v. d. Beck hatte zuletzt bei dem General Adjutantendienste thun müssen. Er hatte den Abzug des gefangenen Franzosenkaisers gesehen und erzählte voll Begeisterung davon.
An diesem Tage war es auch, an welchem bei dem Diner König Wilhelm die denkwürdigeu Worte sprach:
„Sie, Graf von Bismarck, haben Unsere Politik auf die jetzige Höhe gebracht/ Sie, Kriegsminister v. Roon, haben Unser Schwert geschärft, und Sie, General v. Moltke, haben es so meisterhaft geführt. Es lebe die tapfere deutsche Armee!"
Ludwig und Hans waren unverwundet geblieben.
Noch aus dem Schlachtfelde setzte der zum Hauptmann ernannte Herr v. d. Beck es durch, daß Ehrbrecht und Martin als kämpfende Soldaten in das Regiment eingereiht wurden, denn ihre Tapferkeit und Brauchbarkeit stand über allem Zweifel erhaben.
Die beiden jungen Männer freuten sich über die Ehre, als deutsche Soldaten für das Vaterland mitkämpsen zu dürfen, über alle Maßen und wollten sich noch extra bei ihrem Hauptmann dafür bedanken.
Dieser lachte aber und sagte:
„Bei Gott, Ehrbrecht, Sie sind ein braver Kerl und in Frankreich dem deutschen Vaterlande nicht untreu geworden, And Ihrem Gefährten Martin muß ich das gleiche Lob spenden!"
Am 11. September stand die Compagnie, bei welcher Ludwig und Martin dienten, in Rheims.
Nahe der Kathedrale bewohnte Herr Charles Masson, Ludwigs Vormund, ein großes Haus, an dessen Front mit Riesenschrift die Firma prangte.
Während des Marsches hatte sich der Hauptmann bei dem commandirenden Generale dafür verwandt, daß nicht etwa seitens der französischen Behörden Ludwigs Vermögen wegen seines Uebertritts in die deutsche Armee confiscirt würde, ein Fall, der wegen Ludwigs Zukunft vermieden werden mußte.
In der That wurden die betreffenden Documente ausgeliefert und so Ludwigs Vermögen von der deutschen Heeresverwaltung vorläufig sichergestellt.
Einen großen Schrecken bekam der edle Herr Masson nun, als er seiner Schwester Kittd in der deutschen Uniform plötzlich vor sich stehen sah. Ludwig aber sagte ernst:
„Lieber Onkel, lassen Sie Ihre Strafpredigt/ ich bin ein Deutscher und hatte einmal keine Anlage zum Franzosen! Nicht wahr, wir wollen ohne Groll von einander scheiden?"
Herr Masson hatte, von der Wendung der Dinge überrascht, wie so viele Franzosen völlig den Kopf verloren. Er nickte wortlos und reichte Ludwig die Hand. Dieser sagte warm:
„Nach Jahren, wenn Sie eingesehen haben werden, daß es so kommen mußte, sehen wir uns vielleicht versöhnt wieder. Leben Sie jetzt wohl."
Er ging, um mit Hans Martin noch der Akademie einen Besuch abzustatten, aber die Akademie war bis auf den alten la Haisse, den man dort fand, leer.
„Schade", meinte Ludwig. „Der einzige Ehrenmann hier war — dieser Stelzfuß. Adieu, Vater la Haisse !u
Bekanntmachung,
die Abhaltung landwirthschaftlicher Vorträge betreffend.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Landwirthschastslehrer Leithiger von Alsfeld
1) Sonntag den 24. August 1890, Nachmittags 2i/2 Uhr, einen Vortrag über; die Aufzucht und Pflege des Jungviehes in dem Locale des Herrn Wirths Theiß in Weiter-Hain;
2) Sonntag den 31. August 1890, Nachmittags 2 V2 Uhr, einen Vortrag über: landwirth- schastliche Buchführung in dem Locale des Herrn Wirths Konr. Weil III. zu Lang-Gon-;
3) Sonntag den 7. September 1890, Nachmittags 2 Uhr, einen Vortrag über: Molkereiwesen im „Rappen" zu Grünberg;
4) Sonntag den 14. September 1890, Nachmittags 2 Uhr, einen Vortrag über: die Trockenlegung der Grundstücke in dem Locale des Herrn Joh. Heiland zu Lich;
5) Sonntag den 21. September 1890, Nachmittags 2V2 Uhr, einen Vortrag über: Molkereiwesen in dem Locale des Herrn Wirths Konr. Weil III. zu Lang-Goa-;
6) Sonntag den 28. September 1890, Nachmittags 2 Uhr, einen Vortrag über: landwirth- schaftliche Buchführung in dem Gasthose „Zum Rappen" zu Grünberg;
7) Sonntag den S. October 1890, Nachmittags 2 Uhr, einen Vortrag über: Anlage von Gewannwegen in dem Locale des Herrn Joh. Heiland zu Lich halten wird.
Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins, der landwirthschaftlichen Localvereine und alle Freunde der Landwirthschaft werden zu diesen Versammlungen hierdurch ergebenst eingeladen.
Die Herren Bürgermeister der Gemeinden, in welchen Vorträge gehalten werden, sowie die der benachbarten Gemeinden werden hierdurch ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.
Gießen, den 8. August 1890.
Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Jost, Regierungsrath.
politische Uebersicht.
Gießen, 20. August.
Nach herrlicher Meeresfahrt weilt Kaiser Wilhelm seit Sonntag auf russischem Boden, von der Czarenfamilie wie von der russischen Bevölkerung herzlichst empfangen, während
Der alte Invalide weinte und sagte:
„Ja, es mußte so kommen! Ich sehe es diesen tapferen deutschen Soldaten an, daß wir sie nicht besiegen konnten! O, mein armes Frankreich, wie haben übele Rathgeber Dich zu Grunde gerichtet!"
Am 19. September sahen die Deutschen die Thürme von Paris, aber erst am 28. Januar 1871 eapitulirte nach unendlichen Kämpfen die Riesenfestung/ Metz und Straßburg waren bereits früher gefallen.
Ludwig Ehrbrecht und Hans Martin zogen später mit dem 1. bayerischen Corps unter dem General v. d. Tann gegen die Loire-Armee, welche nach vielen anderen Kämpfen endlich bei le Mans vernichtet ward. Beide tapferen jungen Leute avaneirten nach dieser Schlacht zu Unteroffizieren. Hans Martin blieb nach dem Friedensschlüsse noch bei dem bayerischen Heere und wurde später Feldwebel. Ludwig Ehrbrecht wurde, da er ein gebildeter junger Mann war, als Einjährig-Freiwilliger anerkannt und bestand das Offiziersexamen, ward später Reserve-Lieutenant und nahm nach abgelaufener Dienstzeit den Abschied, um sich in München ebenfalls eine Zeitlang niederzulassen. Er studirte hier, um später die Landwirthschaft betreiben zu können, da er sich von seinem Erbtheil ein Landgut zu kaufen gedachte.
Kurze Zeit vor seiner Abreise aus München tritt Ludwig eines Tages in einen Laden, um sich Cigarren zu erhandeln. Dort trifft er einen langbärtigen Soldaten in Feldwebelunisorm.
„Beim heiligen Lambertus, meinem Schutzpatron!" rief der alte Feldwebel da aus. „Sie sind ja Ludwig Ehrbrecht!"
Ludwig umarmte ihn mit Thrünen und erwiderte:
„Bäumle, lieber alter Bäumle, mein guter, braver Ser


