wurde. Unter diesen Umständen wird der Frankfurter Wald, sonst der Haupt-Ausflugspunkt unserer Einwohnerschaft, bald seine Anziehungskraft verlieren.
*= Frankfurt a. M., 17. Mai. Ein Complice L i e s k e s, der wegen Ermordung des Polizeiraths Dr. Rumpfs vor einigen Jahren zum Tode verurtheilt wurde, soll dingfest gemacht worden sein. Diese Nachricht durchlief bereits vor einigen Wochen bte Blätter, wurde damals aber sofort wieder dementirt, so daß man keine Veranlassung hatte, aus die Sache einzugehen. Heute wird der „Kl. Pr." neuerdings diese Meldung gemacht und zwar, wie die Redaetion dazu bemerkt, mit so bestimmten Angaben, daß allem Anschein nach die Ermordung Rumpffs nochmals die Gerichte beschäftigen werde. Dem genannten Blatte schreibt man aus Oppenheim: „Vor einigen Monaten gelang es zwei hiesigen Gendarmen, einen äußerst verwegenen Verbrecher, den Schreiner Wilhelm Gebhardt aus Dexheim, Kreis Oppenheim, auf dessen Ergreifung eine Geldprämie ausgesetzt war, dingfest zu machen. Nachdem derselbe im Jahre 1883 wegen verschiedener verübter Einbrüche zu einer langjährigen Zuchthausstrafe verurtheilt war, gelang es ihm durch einen äußerst frechen Coup aus dem Gefängniß zu entweichen. Bald darauf tauchte er mit einigen Complieen in seinem Vaterorte wieder auf, wo er damals gegen einen reichen Junggesellen am hellen Tage einen Raubmordversuch unternahm, der nur durch das energische Eingreifen eines Dienstmädchens vereitelt wurde. Von diesem Zeitpunkte an fehlte von G. jede Spur und er galt als verschollen, bis er vor einigen Monaten, vom Elend getrieben und jeder Mittel bar, bei seinem in Dexheim wohnenden Bruder Unterstützung suchte. Hier erfolgte seine Verhaftung
und es wurde seine Uebersührung nach dem Untersuchungs- gefängniß in Mainz angeordnet. Die mit großer Energie geführte Untersuchung hat gegen den fast gelähmten Verbrecher außerdem noch Verdachtsmomente so gravirender Art ergeben, daß von Neuem unsere Gerichtsbehörden sich für lange Zeit mit demselben zu befassen haben werden. Neben der Anklage, die sich aus den obengenannten Thatsachen ergibt, soll G. hinreichend verdächtig erscheinen, mit dem Mörder des Polizeirath Dr. Rumpff in Verbindung gestanden zu haben. 'Dieser- halb wurde G. vor etlichen Tagen in Frankfurt einem längeren Verhör unterzogen. Im anderen Falle ist der Verbrecher schwer verdächtig, bezüglich des Attentats aus dem Niederwald gelegentlich der Einweihung des Nationaldenkmals mit dem vor Jahren Hingerichteten Anarchisten Reinsdorff Beziehungen gehabt zu haben. Wegen dieses letztgenannten Delietes soll G. demnächst nach Leipzig übergeführt werden." So der Correspondent der „Kl. Pr." Auf die weitere Entwicklung dieser Sache darf man gespannt sein.
verkehr, Land- und volkswirthschaft.
Vietze«, 20. Mai. (Marktbericht). Auf dem heutigen Wochemnarkt kostete: Butter pr. Pfd. M. 1,30—0,00, Hühnereier 1 St. 5, 2 St.--H, Enteneier 1 St. 5-6 H, 2 St. — H,
Gönseeier 10— 4, Käse pr. St. 5—6 H, Käsematte pr. St. 3 Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen vr. Liter 30 4, Tauben pr. Paar JL 0,60—0,90, Hühner pr. Stück AL 1,30—1.60, Hahnen pr. St. AL 1,50—1,80, Enten pr. Stück AL 2,00—2,30, Gänse pr. Pfd. 50—60 H, Ochsenfleisch pr. Pfd. 68—72 H, Kuh- und Rindfleisch 60—62 H, Schweinefleisch 60—70 H, Hammelfleisch 56—68 4, Kalbfleisch 52-60 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo AL 2,80—3,50, Weißkraut I pr. St. 6—8 H, Zwiebeln per Eentner AL 17,50—00,00, Milch per ' Liter 12—18 H, Kirschen per Pfd. AL 1,20.
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Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in Gießen.
20. Woche, :80m 11. Mai bis 17. Mai 1890. Einwohnerzahl: 20 500 (tncL 1600 Mann Militär).
Sterblichkeitsztffer: 25,4 °/oo.
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
Diphtherie 2 (1)
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr:
—
- 2(1)
Lungenschwindsucht 2 (1) Tuberkulöser Hirnhaut
2 (1)
entzündung 1
—
— 1
Hirnentzündung 1 (1)
Chronischer Nieren
1 (1)
— —
entzündung 1
1
— _
Eingeklemmtem Bruch 1 (1)
1 (1)
— —
Krebs 2
2
— —
Summa: 10 (4) 7 (3) — 3 (1)
Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenben Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen
Temperatur der Lahn und der Lnst
am 20. Mai, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15i/2/ Luft 17^ Gr.
Rübs am en.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß mit dem am 3. Juni d. I. dahier stattfindenden Rindvieh- rnarkt auch
Schweinemarkt
abgehalten werden soll.
Lang-Göns, den 10. Mai 1890.
Großherzogliche Bürgermeisterei Lang-Göns.
Brück el. 4500
Bekanntmachung,
Ein Keller unter dem Schulhause in der Schillerstraße soll Mittwoch, 28. dieses GkonatS, Vormittags 11 Uhr, im Bürgermeisterei-Bureau anderweit verpachtet werden.
Gießen, 16. Mai 1890.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen Gnauth. 4444
DolMtsterWüng
Künftigen Mittwoch den 21. d. MtS., von Vormittags 9 bis Nachmittags 2 Uhr, soll die erste auswärtige Erhebung von Freiherrlich von Rabenau'schen Holzgeldern in der Wirthschast des Herrn Caspar Ranft in Beuern ftattfinden.
Londorf, 17. Mai 1890.
Der Rentmeister: 4448 Schmidt.
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