Dienstag den 21. Januar.
(Siebener Anzeiger.
Beilage jii Dir. 17. - 1890.
Zur Miidchenbilduug.
Allmählich^ freilich noch recht langsam, bricht sich die Einsicht Bahn, daß die Hauptsache in der Mädchenbildung die Vorbereitung für den Hausfrauen- und Mutterberuf ist und bleibt. Zu demselben gelangt ja doch noch immer die Mehrzahl der Mädchen und selbst die ledig bleibende Minderzahl wird durchweg leichter Unterkommen und dazu innere Befriedigung finden, wenn sie dafür ausgerüstet ist, als mit allem möglichen geistigen Flitterputz. Gar nicht emsig genug kann mithin daran gearbeitet werden, aus den Köpfen unserer Mütter die falschen Vorstellungen von weiblicher Bildung auszurotten. Versäumen sie, ihren Töchtern Sinn für Häuslichkeit und Schick für Haushaltung und häusliche Arbeit beizubringen, überladen sie die Armen dagegen mit Schul- und Privatstunden auf Kosten der Gesundheit, so nützt ihnen Alles, was sie etwa eingeheimst haben von Französisch, Englisch, Italienisch, Literatur- und Kunstgeschichte, Geographie, Astronomie, alter Geschichte, Clavierspiel, Malen, Sticken nichts, rein nichts — sie werden untauglich und unglücklich, als Frauen und Mütter dem Mann und den Kindern kein Segen und als alte Jungfern sich selbst und ihrer Umgebung eine schwere Last!
„Trübselige, langweilige Hausunken sollen also unsere Töchter werden, mit einem vernähten, verstrickten, verwaschenen Dasein?" — Weit entfernt. Nur eine angemessene, organische, ebenmäßige Bildung soll angestrebt, nicht gelehrter und vornehmer Schein angedrillt werden.
Mit Recht verlangt man immer dringender z. B. in Berlin mehr Mittelschulen für Mädchen, neben den „höheren Töchterschulen" mit lOjährigem Lehrgang und maßlos überfüllten Klassen, stellt auch in Frage, ob es nicht rathsam sei, den Mädchen in ihrer Entwicklungszeit vom 14. bis 16. Jahre anstatt der jetzigen fünf nur drei Schulstunden zu geben und deshalb entweder den Lehrgang zu verlängern oder, was vorzuziehen wäre, die Ansprüche zu vermindern, damit es der ärztlichen Zeugnisse über Blutarmuth, Kopfschmerz, Nervosität, Schwächlichkeit, Blutkreislausstörungen re. nicht immer mehr werde.
An der Königlichen Elisabethschule in Berlin beginnen soeben Fortbildungscurse, die den dereinstigen hausmütterlichen Beruf ins Auge fassen. Da wird u. A. in Gesundheitslehre, Haushaltung, häuslicher Buchführung unterrichtet, auch in deutscher Sittengeschichte mit besonderer Rücksicht auf Frauenleben und Frauenarbeit. Der erstgenannte Gegenstand, Gesundheitslehre, dringt in England, Frankreich, Belgien, Holland immer allgemeiner in den Schulunterricht. Verständige, sachliche Belehrungen durch eine gebildete Frau über Körperpflege, Lüftung, Kleidung', Bewegung im Freien, Nahrung, Heizung, Wohnungswahl, Sparsamkeit am rechten Orte und Einrichtung des täglichen Lebens, auch Winke über Kinderbehandlung sind zweifellos ausführbar und wohl angebracht. „Nicht um gelehrte Pädagogik", sagt Stephan Waetzold, „sondern um die einfachsten Wahrheiten und Gesetze
handelt es sich. Viele Thorheiten, Eitelkeiten und Mißgriffe würden dadurch verhütet." Soll sich Aussicht eröffnen aus die Wirksamkeit des Reformwerks, so darf dieses sich nicht auf Frauen und Mütter beschränken, sondern muß die Vorbereitung schon bei den Heranwachsenden Mädchen beginnen.
vermischtes.
— Die wahre Ursache der Influenza. Aus Rotterdam wird geschrieben: „Ein bibelfester Bäckergesell zu Breukelen (Utrecht) hat die wahre Ursache des Entstehens der Influenza entdeckt. Bekanntlich findet in den Niederlanden gegenwärtig eine Volkszählung statt. Zu diesem Zwecke hat jeder Einwohner eine Karte zur Ausfüllung empfangen. Als nun die Zähler von dem Bäckergesellen die Karte zurückverlangten, weigerte sich dieser, die nöthigen Angaben zu machen. Als man jedoch weiter dringend auf der Beantwortung der Fragen bestand, berief er sich auf die Bibel, wo im Buche Samuel, Kap. 24, Vers 1—10 zu lesen stände, daß, als Joab Israels Volk gezählt hatte, der Herr Gott sehr zürnte und Israel während drei Monaten mit einer Pest strafte, so daß von Dan bis Ber-Seba 70000 .Mann starben.
* Aus dem Rheingan. Daß ein Bräutigam bei der Trauung einschläst, dürfte ein seltener Fall sein. Ein solcher soll aber in I. wirklich vorgekommen sein. Während der Vorlesung der betreffenden Gesetzesparagraphen war der Bräutigam, der wahrscheinlich schon im Voraus des Guten etwas zu viel gethan hatte, auf seinem Sitze sanft eingeschlummert. Einer der Zeugen bemerkte dies und brachte ihn mit den Worten: „Ich glawe, der Kerl schläft aach noch", aus etwas unsanfte Weise wieder zum Bewußtsein, als die eigentliche Trauung vorgenommen werden sollte.
* Postalisches. Es besteht die Absicht, diejenigen Post- practikanten, welche die Secretärprüfung bis einschließlich 30. Juli 1887 bestanden haben oder denen anderweit das Dienstalter bis einschließlich 31. Juli 1887 beigelegt worden ist, in einiger Zeit als Postsecretäre, sowie diejenigen nicht angestellten, aus der Klasse der Civilanwärter hervorgegangenen Postassistenten, welche bis einschließlich 11. December 1884 die Postassistentenprüfung bestanden haben oder denen ander- weit das Dienstalter bis einschließlich 12. December 1884 beigclegt ist, binnen Kurzem als Post- oder Telegraphenassistenten etatsmäßig anzustellen. Ferner soll eine Reihe Assistenten mit Wirkung vom 1. Februar 1890 ab zu Oberassistenten befördert werden.
* Die Gründungen im Jahre 1889. Im verflossenen Jahre haben fast ebenso viele Gründungen stattgesunden wie in der sogenannten Gründerzeit, jedoch mit geringerem Capital. Es wurden im Jahre 1889 gegründet 360 Aktiengesellschaften mit einem Gesammtcapital von 402,54 Millionen Mark. 49 dieser Gründungen gehören der Bergwerks- und Eisenindustrie (107,68 Mill.), 14 dem Baugewerbe und der | Terrainspeculation (35,55 Mill., sämmtlich in Berlin) an
und 30 Gründungen (125,30 Mill.) fanden im Brauerei- gewerbc statt.
Citcratur «nd Kunft.
— Als eines der vornehmsten und eigenartigsten Unterhaltungs- blätler zeigt sich auch in dem uns vorliegenden letzten Quartalsbande wiederum die „Jllirstrirte Krauen-Zeitung" — vornehm in äußerer Ausstattung sowohl, rote seinem textlichen Inhalte nach, und eigenartig Dank der glücklichen Verbindung eines reichhaltigen schön- wissenschaftlichen Theils mit einem sorgfältig redigirten Modenblatte l Die „Jllustrirte Frauen-Zeitung" hat ihr Programm seit Jahren beständig erweitert, so daß sie heute in der Thal als die einzige Damen-Zeitung großen und eleganten Stils gelten kann. Zum Stamme ihrer Mitarbeiter zählen unsere besten Namen; so brachte der letzte Jahrgang u. A. folgende größere Erzählungen: „Isa von Pogwtsch" von Hermann Heiberg, „Capttän Massa" von Richard Voß, „Glaube und Liebe" von Ernst Wichert, „Eine homöopathische Kur" von E. Biller und andere Beiträge von Elise Polko, Doris Freiin von Svättgen, Heinrich Seidel, Adalbert Meinhardt, Hans Wachenhusen, Zoe von Neuß, Ballduin Groller, Gerhard von Amyntor, Friedrich Bodenstedt, Ernst Eckstein, Claire v. Glümer, Emil Peschkau, Gregor Samarow, E. Vely, Marie v. Ebner- Eschenbach, Jakob v. Falke, Jul. Lessing u. A. m. Die Illustrationen der „Jllustrtrten Frauen Zeitung" sind in ihrer meisterhaften technischen Ausführung wahre Cabinetsstücke; als besonders reizvoll möchten wir die mannigfachen Text-Btlder zu dm Erzählungen erwähnen. Der Mode-Theil des Blattes hat sich seinen Ruf längst fest begründet.
verkehr, Land« und Volkrivirthschaft.
— Das Ausrangiren alter Hühner. (Nachdruck verboten.) Von größter Bedeutung für die Rcutwilität der Geflügelhaltung zwecks Eierproduction ist das rechtzeitige Ausrangiren älterer Hühner. Während seiner ganzen Lebenszeit producirt ein gutes Lege-Huhn ca. 600 Eier. Hiervon werden die meisten im zweiten, dritten und vierten Lebensjahre gelegt. Entstammt das Huhn einer frühen Brut, so werden im günstigen Falle schon vor dem vollendeten ersten Lebensjahre bis 30 Eier gelegt, jedoch sind diese meistms klein und zum Ausbrüten ungeeignet. Im zweiten, dritten und vierten Jahre werden ca. 130, formt in Summa der ersten vier Lebensjahre rund 400 Eier gelegt. Nach dem vierten Lebensjahre nimmt der Legefletß bedeutend ab, sodaß der Rest der am Eierstock befindlichen Eier (ca. 200) erst ungefähr bis zum 10. Lebensjahre abgelegt wird. Eine Vermehrung der am Eierstock befindlichen Eikeime ist beim ausgewachsenen Huhne nicht denkbar; diese muß in der Jugend geschehen. Wird ein Huhn in der Jugend vernachlässigt, sowohl was Ernährung wie Pflege anbelangt oder leidet es während dieser Zeit unter Krankheiten, so werden sich nur wenig Eikeime bilden können, während man durch angemessene Behandlung die Zahl der Keime bis zu ungefähr 700 steigern kann. Aus Vorstehendem geht zur Genüge hervor, wie wichtig es ist, die Hühner mit dem vierten Lebensjahre zu schlachten oder zu verkaufen, da sie dann das gereichte Futter nicht mehr verwerthen können. Um dieses Ausrangiren aber möglich machen zu können, ist eine genaue Controlle des Alters noihroendtg. ______________
Grünberg, 18. Januar. (Fruchtpreise). Weizen JC 20,00, Korn 18,20, Gerste JL 18,20, Hafer X 15,10, Erbsen 00,00, Samen 00,00, Lein Jt 00,00, Kartoffeln Jt 0,00, Linsen Jü 30.
Frankfurt, 18. Januar. Erbsen ganze per Pfd. 14—18 H, do. geschälte 16—20 H, Linsen 15—25 H, weiße Bohnen 16—26 gilbe Kartoffeln per Gescheid 14—16 H, rothe Kartoffeln per Gescheid 12-14 H, Butter per Pfd. JL 0,90-1,00 Eier das Stück 7—9 H, Blumenkohl 40-80 A Weißkraut das Stück 12-20 H, Rothkraut 12—25 H, Wirsing 10—15
Ausschreibung.
Für die Menage der Unteroffiziere und Mannschaften des 2. Bataillons Infanterie-Regiments Nr. 116 sollen für den Zeitraum vom 1. April bis 31. October 1890 nachstehende
Weischwaaren
auf dem Submissionswege contractlich zur Vergebung gelangen:
Ochsenfleisch bezw. Rindfleisch, Schweinefleisch — frisch, gesalzen und geräuchert —, Kalbfleisch, Hammelfleisch, Nierenfett, Schweineschmalz und Speck, Frankfurter Würstchen, Brat-, Leber- und Blutwurst.
Bedingungen liegen auf dem Bataillons-Geschäftszimmer — Schloß- gaffe 19 — zur Einsicht offen.
Offerten sind unter der Aufschrift: „Angebot aus Lieferung von Fleisch- waaren für das 2. Bataillon" verschlossen an die Menage-Commission desselben bis zum 1. Februar 1890 einzureichen.
Gießen, 15. Januar 1890.
Die Menage'Commission des 2. Bataillons Infanterie-Regiments Nr. 116. Weimer
Hauptmann und Präses. 515
443] Flüssige natürliche
Kohlensäure
i" unübertroffener Reinheit aus dem abfließenden Mineralwasser gewonnen, empfehlen zur Selterswasserfabrikation und zum Bierausschank:
Schwalheimer Brunnen-Comptoir:
Cordes & Ellgatz [443
i. Schwalheim i/Hessen (Etat- Nauheim).
86] Wollene und wasserdichte Pferdedecken empfiehlt billigst
LoniS Wittich II., Sattler, Renstadt 6.
Pferde- und Mobiliar- Versteigerung.
Donnerstag den 23. d M., Vormittags 9]/2 Uhr beginnend, kommen auf der Oberjchmitter Papierfabrik zur nochmaligen Versteigerung:
1 Paar 12jährige Füchse,
1 schwerer Einspänner, Fuchs, lOjährig,
Ferner:
verschiedene Wagen, 1 Chaise, Pferdegeschirre, Möbel, als: Kleiderschränke, Sopha, Betten, Spiegel, Tische, Commoden, Nachttische rc.; Comptoirgegenftände,Pulte,Bücherschränke, Copirpreffe, Schlosserwerkzeug, 1 Schraubstock, 2 Am- . böse, 1 Bohrmaschine, 1 Schleif
stein, 1 Drehbank; eine Parthie Heu, 1 Häckselmaschine, verschiedene Decimalwaagen; eine Parthie Mauersteine, Ziegel, Packpapier, Briefumschläge (für Acten) und noch verschiedenes Andere.
Nidda, 17. Januar 1890.
Der Concursverwalter: 579 Ferd. Jost.
Täglich frisch gefüllte und ungefüllte
Kreppel.
H. Kinkel Nachf.,
395]___________Marktstr. 32.
■für Metzger!
Hackbretter und Hackklötze in allen Größen und Breiten stets vorräthig bei
85 Andreas Euler«
- 450] Eine Hosraithe, bestehend ans Vorderhaus, Hinterhaus, nebst daranstotzendem Garten, mitt, in hies. Stadt geleg., welche sich weg. den großen Räumlichk. z.jed. Gesch. eignet,f. Handels!., Handwerker, Fabrikant rc. rc-, ist preisro unter sehr günstigen Bedingungen zu verkaufen durch I. Blitz.
Dienstag den 21. Januar, Nachmittags 2 Uhr, Fortsetzung der Versteigerung
im Hause des verstorbenen Herrn Kanzleirath C l e m ur, Südanlage 17, und kommen unter anderen Gegenständen zum Ausgebot:
Ausziehtisch für 24 Personen, gern. Tische- Bettstellen mit Sprungfeder-Einlagen, Küchenschrank mit Glasaufsatz, schöner Glasschrank. Pfeiler-Spiegel mit Trumeau, 1 Kranken- fahrstuhl zum Verstellen, bester Construction, Klappsessel mit Stickerei, Sessel mit Einrichtung, ferner Gaslüstre mit 2 Flammen, mehrere Reisekoffer (Leder), bestes Material und vorzügliche Arbeit, Ofenschirme, großer Bügeltisch, Waschmange, Liqueur- Service, Stubenteppich und Läufer, großer runder Tisch, verschiedene Weine in Flaschen, altes Schwarzwälder Kirschwaffer, alter Fruchtbranntwein in Krügen, leere Weinflaschen, 3 sehr schöne Camelienstöcke, Parthie Brennholz, ein Haufen Stroh, gehauene Bausteine, verschiedene Turn- geräthe, Bohlen, 1 Schubkarren, 1 Regenfaß, mehrere Centner ZeitungSpapier re re.
Dienstag den 21. Januar, Nachmittags 2 Uhr, Fortsetzung und voraussichtlich Schluß der Versteigerung.
Großherzogliches Ortsgericht.
I. A.:
597 Vogt.
Bauplatz zu verkaufen.
Off u. B. 1 an die Exp- d- Bl. [320
435] Bringe hiermit meine Korb- u. Stuhlstechterei in empfehlende Erinnerung.
Ang. Werner, Korbmacher, Weidengasse 8, ___________vis-ä-vis dem Polizeiamt._____
569] Größeres Vereinsloeal ab- zugeben.Stadt Cassel.
531] Ich suche zum 1 März ein in Küche und Haus erfahrenes Mädchen mit guten Zeugnissen.
Frau Dr. Haupt, Asterweg _29_
Bouquets, Münze und dergleichen fertigt billigst 501
W. Wipper, Mäusburg 1.
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Näheres Wallthorstraße 23.
„Lirin 1889. Höchste Auszeichnung, Ehrendiplom mit Stern.“
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Hoflieferant Sr. Majestät des Kaisers und Königs etc.
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