sein Gast sei. Auf Befehl des Sultans würden Zimmer im Uldiz-Kiosk für den Kronprinzen in Stand gesetzt. Auch der König von Griechenland und der König von Rumänien hätten dringend gebeten, daß der Kronprinz ihre Gastfreundschaft annehme.
Turin, 18. Januar. König Humbert traf heute Nachmittag hier ein und begab sich sofort ins Palais. Der Herzog von Aosta, dessen Zustand recht bedenklich ist, wurde durch die Ankunft des Königs sehr bewegt. Die Prinzessinnen Clotilde und Laetitia, der Herzog von Genua, sowie die Söhne des Kranken wohnten der ergreifenden Begegnung der beiden Brüder bei.
Brüssel, 18. Januar. In dem amtlichen Anzeiger des „Unabhängigen Congostaates" werden Verfügungen veröffentlicht, durch welche den katholischen und protestantischen Missionen, welche im Congostaate Niederlassungen haben, die Rechte juristischer Persönlichkeiten zugestanden werden.
London, 18. Januar. Die Beisetzung der Leiche des Generals Lord Napier of Magdala erfolgt nächsten Dienstag in der St. Pauls-Kathedrale neben der Gruft Wellingtons. Der Wittwe des Verstorbenen sind von der Königin, dem Prinzen von Wales und den übrigen Mitgliedern der königlichen Familie, sowie von Ihren Majestäten dem Kaiser Wilhelm und der verwittweten Kaiserin Friedrich Beileidsschreiben zugegangen.
Madrid, 18. Januar. Die Königin beauftragte den Kammerpräsidenten Alonzo Martinez mit der Bildung eines neuen Cabinets, derselbe übernahm den Auftrag und will ein Ministerium der Versöhnung bilden.
Petersburg, 18. Januar. Behufs Maßnahmen zu einer erfolgreichen Neubewasfnung der Armee sind vom Kaiser zwei temporäre Commissionen eingesetzt worden, von denen die eine unter dem Präsidium des Kriegsministers, die andere unter dem Adjunkten des General-Feldzeugmeisters Großfürsten Michael Nikolajewitsch, General Sofiano, stehen soll.
Konstantinopel, 18. Januar. General Strecker Pascha, ehemaliger Commandant der ostrumelischen Miliz, ist gestorben.
DeuUcher Reichstag.
46. Plenarsitzung. Samstag den 18. Januar 1890, 1 Uhr.
Der Abg. Ziegler (nl.) für 1. Anhalt ist gestorben.
Das Haus tritt in die Tagesordnung ein. Die Titel „Matricularbeiträge und außerordentliche Deckungsmittel und das Etatsgesetz" werden nach calculatorischer Feststellung der einzustellenden Summen genehmigt, nachdem noch eine kurze Debatte über den von der Commission gestellten Antrag statt- gefunden hatte, einen Theil der im Etat als einmalige, aus der Anleihe zu deckende Ausgaben in die laufenden Ausgaben einzustellen und um den entsprechenden Betrag die Matricularbeiträge zu erhöhen. Im Sinne dieses Antrages sprachen der Referent Abg. Frhr. v. Huene (Ctr.), Kalle (nl.) und Dr. v. Bennigsen (nl.), während Rickert (dfr.) Bedenken gegen dies Princip hat, deren Darlegung er sich für die dritte Lesung vorbehält.
Es folgt die dritte Berathung des Antrages v. Huene (Ctr.), betr. die Wehrpflicht der Geistlichen. Hierzu liegen mehrere Abänderungsanträge vor. Abg. v. Kleist-Retzow (cons.) wünscht für den Fall der Ablehnung der Vorlage eine anderweite Fassung, wonach die von dem Anträge gewünschten Vortheile nur für römisch-katholische Theologen gewährt werden sollen. Dem Sinne nach das Gleiche bezweckt ein Antrag v. Kardorff (Rp.).
Abg. Frhr. v. Huene (Ctr.) bedauert, daß aus evangelischen Kreisen dem Anträge so entschiedener Widerspruch entgegengesetzt wird. Die Vortheile des Gesetzes werden Niemandem ausgedrängt, also mit einem Angriff auf die Ehre der Theologen ist es nichts. Die Stimmung kann auch — wie heut schon in Württemberg — umschlagen, dann werden Sie uns bereit finden, für die evangelischen Theologen dasselbe zu bewilligen, was für die katholischen Theologen heute gesordert wird.
Abg. v. Kleist-Retzow (cons.): Ohne eine gewisse Ungerechtigkeit gegen die evangelischen Theologen kann man dem Anträge Huene nicht zustimmen. Die Gleichstellung der Subdiaconatsweihe mit der Aufnahme in das Candidatenamt, wie sie in der Vorlage stattfindet, trifft nicht zu.
Abg. Dr. Enneccerus (nl.): Der evangelische Geistliche soll voll und ganz im Volke stehen, das den Militärdienst für die höchste Pflichterfüllung und für das höchste Recht hält. Diejenigen Elemente aus der Mannschaft fernzuhalten, welche geeignet sind, religiöse Gesinnung zu verbreiten, wäre ein Fehler. Practisch handelt es sich bei dem Anträge um Befreiung der Theologen beim Kriegsdienst, denn ungeübte Leute kommen bei den modernen, schnellen und kurzen Kriegen gar nicht zur Verwendung. In diesem Sinne lauten alle Petitionen, welche gegen die Vorlage eingelaufen sind. Ich kann aus diesen Gründen nicht für das von Herrn v. Huene den evangelischen Theologen zugedachte Privilegium stimmen- aber ich werde auch nicht für das Pri- vllegium der katholischen Geistlichen stimmen, denn ein Be- dürsniß hierfür ist nicht nachgewiesen. In den Seminarien und klösterlichen Anstalten verlieren die Theologen den Zusammenhang mit der Außenwelt- entziehen sie diese Leute riun auch noch dem Militärdienst, so geschieht das nicht zum Vortheil der Theologen und der Bevölkerung. Die jungen Leute werden, wenn man ihnen freistellt, ob sie dienen wollen oder nicht, unnöthig vor eine schwere Entscheidung gestellt. Für den Antrag v. Kleist wird ein Theil meiner Freunde stimmen. Diese Resolution v. Kleist verletzt das Princip der allgemeinen Wehrpflicht- ich werde deshalb gegen dieselbe stimmen. (Die Resolution v. Kleist geht dahin, den Kanzler zu ersuchen, herbeiführen zu wollen, daß einjährig-freiwillige Theologen in Friedenszeiteu auf ihren Antrag' nach halbjährigem Dienste mit der Waffe das zweite Halbjahr in der Krankenpflege dienen.)
Abg. Robbe (Rp.) will den Katholiken geben, was sie verlangen - dafür sollten diese aber den protestantischen Standpunkt anerkennen und darauf verzichten, die Wohlthat des Antrages den protestantischen Theologen aufzudrängen, die eng mit dem Volke verwachsen sind und kein Privilegium verlaugen.
Abg. Frhr. v. Huene (Ctr.): Die protestantische Kirche mit unserem Anträge zu schädigen, wie Enneccerus meinte, war nicht unsere Absicht. Es giebt aber auch noch andere Autoritäten der evangelischen Kirche, welche dieser Ansicht des Abg. Enneccerus widersprechen. Ich habe solche Autoritäten bereits früher genannt.
Abg. Dr. Baumbach (dfr.) freut sich, ausnahmsweise einmal mit dem Abg. v. Kleist-Retzow übereinzustimmen.
Abg. Dr. Enneccerus (nl.) constatirt, daß die „Schädigung" der Kirche nicht von ihm, sondern von Geistlichen, Facultäten und anderen theologischen Körperschaften in den Petitionen behauptet ist.
Abg. v. Ellrichhausen (Rp.) wird für den Antrag v. Kleist-Retzow stimmen und giebt seiner Freude darüber Ausdruck, daß die evangelischen Theologen es als eine Ehre betrachten, den Rock ihres Königs zu tragen.
Der Antrag Huene wird mit 121 gegen 89 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten außer Centrum, Elsässe.rn, Polen und Socialdemokraten einige Mitglieder der Reichspartei und einige Deutschfreisiunige.
Darauf wird der Antrag von Kardorff (Kleist-Retzow), welche das verlangte Privilegium nur für kathol. Theologen wollen, angenommen, ebenso gelangt die Resolution von Kleist- Retzow zur Annahme, die Theologen nach halbjährigem Dienste mit der Waffe im Lazarethdienst zu beschäftigen.
Hieraus wird der Antrag W i n d t h o r st (Ctr.), betr. die Aufhebung des Gesetzes über die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern, debattelos in 3. Lesung angenommen.
Es folgt die dritte Berathung des Antrages Windthorst betreffend die Sicherung der Culte in den deutschen Schutzgebieten.
Von dem Abg. Stöcker (cons.) ist beantragt: unter Ablehnung der Vorlage die Regierung zu ersuchen, Maßregeln zu treffen, durch welche bei Festhaltung des Grundsatzes der Parität das gleichzeitige Wirken- von Missionären verschiedener Consession in denselben Bezirken möglichst verhütet wird.
Abg. Kulemann (ntl.) erklärt sich gegen den Antrag Windthorst, der in seiner Form weit über das angestrebte Ziel hinausgehe.
Abg. Stöcker (cons.) Der betr. Passus der Congo- acte hat einen ganz anderen Sinn, als ihm hier untergelegt wird. Abgesehen davon ist es im höchsten Maße bedenklich, die fanatische Mission des Islam in unseren Schutzgebieten zu legalisiren. In der vorliegenden Form ist der Antrag Windthorst unannehmbar. Ohne eine Abgrenzung der Wirkungskreise für die Mission wird sich die Sache nicht ordnen lassen, in vielen Fällen haben auch die Leiter der Missionen bereits Vereinbarungen untereinander getroffen. Afrika ist groß genug, lassen Sie uns theilen und herrschen.
Abg. Windthorst (Ctr.): Wenn nicht einmal die Bestimmungen der Congoacte für die Colonien von uns anerkannt werden, so ist zu fürchten, daß die Pforte gegen uns Repressalien übt, was sie bis jetzt nirgends gethan hat. Wir lassen den evangelischen Missionen die Anstellung ihrer Missionare aus allen Richtungen ihrer Kirche, wir verlangen dasselbe auch für uns, namentlich soll man die Missionare aller Orden, auch der Jesuiten, in den Schutzgebieten zulassen. Wir verlangen die gleiche Freiheit wie die evangelische Kirche und das Recht, die von uns erkannte Wahrheit zu verbreiten.
Abg. Stöcker: Verschiedene Richtungen der evangel. Kirche kommen bei der auswärtigen Mission nicht in Betracht. Repressalien durch die Türkei sind nicht zu fürchten, denn die Zahl christlicher Missionen in der Türkei ist nicht groß.
Abg. Struckmann (ntl.). Für das Gesetz ist ein Be- dürsniß nicht nachgewiesen. Wir würden uns durch dasselbe eine völlig unmögliche Situation schaffen. Das wollen wir nicht und werden deßhalb gegen das Gesetz stimmen.
Abg. W i n d t h o r st: Das Bedürfnis ist unzweifelhaft vorhanden. Es wäre vielleicht eine gute Gelegenheit, wenn wir in den Colonien anfangen, um in Deutschland zum Frieden zu kommen; aber der erste der dagegen ankämpft, ist der Abg. Struckmann. Staatsrechtlich sind beide Kirchen gleichberechtigt. Es ist unnöthig, daß diese Gleichberechtigung auch überall Berücksichtigung findet.
Abg. Kulemann (ntl.) bestreitet dem Abg. Stöcker gegenüber, daß die freisinnige Richiung bei der auswärtigen Mission nicht in Betracht komme. — Hierauf wird der Antrag Windthorst abgelehnt, ebenso die Resolution Stöcker.
Es folgt die dritte Berathung über die Anträge Ackermann (cons.) u. Gen. und Aichbüchler (Ctr.) u. Gen., betreffend den Befähigungsnachweis. Die Anträge werden, nachdem die Abgg. D u v i g n e a u (ntl.) und Grillenberger (Soc.) dagegen gesprochen, angenommen- dafür stimmen Conservative, Centrum und Reichspartei, letztere gegen etwa 6 diffentirende Mitglieder. Als über die einzelnen Theile der Vorlage abgestimmt war, beantragte der Abg. Kröber (dfr.) auch die Abstimmung über Ueberschrift und Einleitung des Gesetzes und bezweifelt zugleich die Beschlußfähigkeit des Hauses. Das Haus theilt diese Zweifel. Der Namensaufruf ergibt die Anwesenheit von 188 Abgeordneten. Das Haus ist also nicht beschlußfähig.
Nächste Sitzung Montag 12 Uhr: Dampser-Subventions- Vorlage; Kleine Vorlagen - Rechnungssachen.
Schluß 51/2 Uhr.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 19. Januar. Der Kaiser empfing heute Nachmittag 123/^ Uhr das Präsidium des Abgeordnetenhauses und sprach die Hoffnung aus, daß der Landtag seine
Geschäfte zum Segen des Vaterlandes erledigen möge. Der Kaiser kam auf die Frage der Gehaltsverbesserung der Beamten zurück und bekundete seine Theilnahme daran. Schließlich dankte der Kaiser für das Beileid des Hauses anläßlich des Heimgangs der Kaiserin Augusta. Um 1 Uhr empfing die Kaiserin Friedrich das Präsidium.
Berlin, 19. Januar. Das Vormittags - Bulletin über das Befinden des Freiherrn v. Franckenstein lautet: Nachdem der Kranke den gestrigen Nachmittag und Abend unter erneuertem Fieber und zeitweise erheblichen Athem- beschwerden verbracht hat, sind in Folge einer befriedigenden Nachtruhe die letzteren viel geringer, doch ist der günstige Zustand von gestern Nachmittag noch nicht wieder erreicht.
Wien, 19. Januar. Die „Presse", welche, wie schon mitgetheilt, die Gerüchte von dem bevorstehenden Rücktritt- v. Dunajewskys und Falkenhayns, sowie des Statthalters Grafen Thun als durchaus erfunden bezeichnet, bemerkt in Bezug aus Letzteren: Graf Thun-Hohenstein werde berufen sein, die in den Conferenzen getroffenen Vereinbarungen im Rahmen seiner amtlichen Competenz in Böhmen durchzuführen.
Paris, 19. Jauuar. Wie die „France" erfährt, ist vor etwa 4 Tagen auf französischem Gebiet eine Karawane angegriffen worden, die von Djibutil bei Obock nach Hasar bestimmt war.
Paris, 19. Januar. Mit Bezug auf den Austritt des Deputirten Martineau aus dem boulangistischen Comite meint der „Temps", die Boulangisten könnten fortan weder Royalisten noch Republikaner sein, sie müßten wegen Geldmangels aufhören zu existieren, v - Das gestrige Protest- Meeting der hier lebenden Portugiesen gegen England hatte bei der Anwesenheit Zorillas und des italienischen Agitators Cipriani einen entschieden republikanischen Character und wird deshalb mehrfach von den Blättern als eine Bedrohung der freundschaftlichen Beziehungen zu der portugiesischen Dynastie getadelt. — Der „Temps" veröffentlicht eine Note des argentinischen Ministers des Auswärtigen gegen die deutschen Schiffsagenten wegen schlechter Behandlung der Auswanderer an Bord der deutschen Dampfer.
Rom, 19. Januar. König Humbert telegraphirte dem Ministerpräsidenten Crispi die Nachricht vom Ableben des Herzogs von Aosta mit folgenden Worten: „Mein geliebter Bruder ist um 6 Uhr 45 Min. verschieden. Seine letzten Worte galten dem Vaterlande und der Armee, indem er sagte, daß er sie mit heißester Liebe geliebt habe und nur deshalb bedauere, so frühzeitig zu sterben, weil er ihnen nicht mehr werde dienen können. Ich drücke Ihnen schmerzerfüllt die Hand. Ihr wohlgeneigter Humbert." Ebenso wie gestern bleiben auch heute hier alle Theater geschlossen.
Rom, 19. Januar. Der Papst hat der Herzogin von Aosta telegraphisch sein Beileid anläßlich des Ablebens des Herzogs ausgesprochen. — Der König äußerte dem Bürgermeister und den Präfecten von Turin gegenüber, er habe in dem Herzog von Aosta seine theuerste und stärkste Stütze, einen sicheren, ihm ergebenen Rathgeber verloren, vor dem sein Herz keine Geheimnisse hatte. Die Municipalitäten von Rom und Turin veröffentlichen Trauermanifeste. — Der Kronprinz hat sich gestern Abend in Palermo an Bord der „Arabia" eingeschifft.
Turin, 19. Januar. Das Hofmeisteramt des Herzogs von Aosta zeigte das Ableben des Herzogs sämmtlichen Höfen an. Der Herzog und die Herzogin von Genua kehrten eine halbe Stunde nach eingetretenem Tode in ihr Palais zurück. Nur der König blieb bei der Wittwe und den Kindern des Herzogs. Das Leichenbegängniß findet voraussichtlich am Dienstag statt. Aus allen Theilen Italiens treffen Beileidskundgebungen der Municipalräthe an den Gemeinderath von Turin ein.
Zanzibar, 19. Januar. Das Befinden Emin Paschas hat sich etwas gebessert. — Der britische Kreuzer „Conquest" ist hier eingetroffen. Gegenwärtig befinden sich hier vierzehn englische Kriegsschiffe, welche mit Kohlen beladen werden. — Der Sultan hat der Regierung des Congostaates die Anwerbung von 1200 zanzibaritischen Arbeitern gestattet. — Das Kabel zwischen Mombassa und Zanzibar ist nunmehr fertig, und wird die directe telegraphische Verbindung mit Europa heute eröffnet.
Locale» unö provinzielles.
Gießen, 20. Januar.
— lieber die Ziele der antisemitischen Volkspartei sprach gestern Nachmittag hier der Reichstagsabgeordnete Dr. Böckel von Marburg. Das Publikum war zu diesem Vortrag zahlreich erschienen und obendrein durch eine große Anzahl der Anhänger Dr. Böckels aus der Umgegend, namentlich Fronhausen, so angewachsen, daß die Räume aus dem Lahnstein sich als zu klein erwiesen und der Redner genöthigt war, aus der Terrasse zu sprechen. Im großen Ganzen erging sich Redner in bekannter Weise darin, für die Ursachen vieler wirthschaftlicher, socialer und politischer Mißstände das Juden- thum verantwortlich zu machen, dessen Bekämpfung Aufgabe eines jeden guten Deutschen fein müsse. Zum Schluffe seiner Rede, die er mit seine Anhänger zu lebhaften Bravorufen veranlassenden Schlagwörtern zu würzen verstand, empfahl Dr. Böckel ein entschiedenes Eintreten für die Sache der „antisemitischen Volkspartei", als deren Candidat für den Wahlkreis Gießen er sich vorstellte. In den Wahlkreisen Marburg, Dillenburg, Alsfeld und Wetzlar sind, wie Dr. Böckel mittheilte, ebenfalls Candidaten der antisemitischen Volkspartei ausgestellt worden. Die Versammlung verlief in bester Ordnung. Gegenreden wurden, wie vielfach vermuthet worden, nicht gehalten.
— Im oberen Locale der „Bavaria" hielt am Samstag Abend Herr Will). Köser den angekündigten öffentlichen Vortrag „über die mißliche Lage der deutschen Kredit, verh'ältnisie, ein Krebsschaden an der Entwickelung unserer Volkswohlfahrt". Der mit großer Sorgfalt und eingehen-


