weittragender ist der Schaden der Raben durch Vertilgung der Eier und Jungen der 'nützlichsten Vögel, der sich meist unserem Auge entzieht, dessenungeachtet aber sactisch ist. Auch der Jagd schaden sie nicht unerheblich. So erzählte uns dieser Tage ein Landmann, er habe beim Mähen in einer Wiese ein Rebhühnernest entdeckt, in dem das Huhn über mehr als 20 Eiern brütete. Selbstverständlich flog die Henne, durch die Mäher scheu geworden, von den Eiern. Der Landmann ließ um das Nest, damit es vom Gras nicht zugeworfen wurde, einen Grasbüschel stehen. Nach vollendeter Mahd der Wiese sah er nochmals ms Nest und nicht mehr ein (Si war darin - die Raben hatten sie alle geholt. Und wie vielen jungen Häslein wird nicht von diesen räuberischen Vögeln der Garaus gemacht! Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß man dem schädlichen Rabengesindel energisch zu Leibe rückt.
— Der Verein der Hessen in Berlin veranstaltete am vergangenen Freitag zu Ehren der landsmännischen Schützen einen Commers in seinem Vereinslocal, dem Lindenhotel, Unter den Linden, kleine Kirchgasse 3/4, welcher gut besucht war und zur allgemeinen Befriedigung verlief. Der Vorsitzende des Vereins, Herr G. Wagner (Gießen) eröffnete die Versammlung, indem er die Gäste aus das Herzlichste begrüßte und in warmer Rede aus den Verlauf des Festes und den überaus begeisterten Empfang, welchen die Schützen in Berlin gesunden, hinwies. Derselbe betonte besonders, daß der Glanzpunkt der Feier, der Festzug, welcher die Schützen deutscher und der uns befreundeten Nationen brüderlich vereint dem Festplatze zuführte, ein Triumphzug in des Wortes vollster Bedeutung gewesen sei. Die Begeisterung habe hier ihren Höhepunkt erreicht. Das Grüßen, Hüte- und Tücherschwenken, Blumenspenden und Hochrufen habe kein Ende gefunden — ein lebendiges Zeugniß dafür, daß die deutsche Einigkeit herrliche Früchte gezeiiigt habe. In erster Linie verdienten aber auch die Schützen solchen Empfang, da dieselben nicht nur einen Sport betrieben, sondern Hand und Auge in der Handhabung der Waffen übten, um jederzeit gerüstet für die deutsche Ehre eintreten zu können. Indem Herr Wagner noch den Wunsch aussprach, daß unsere Landsleute einen ebenso freundlichen Eindruck von unserem Verein wie von der Stadt Berlin mitnehmen möchten, bat er, die Grüße des Vereins der Heimath zu überbringen und schloß mit einem Hoch aus unsere lieben Landsleute, „die hessischen Schützen", welches begeisterten Widerhall fand. Hieraus dankte Herr Hickler (Darmstadt) im Namen der Gäste für die freundliche Begrüßung und hob hervor, daß der Empfang der Schützen in Berlin in jeder Beziehung ein über alles Erwarten herzlicher gewesen sei. Man habe gedacht, daß bei dem colossalen Verkehr der Millionenstadt das Schützenfest wenig zur Geltung kommen würde, aber der großartige und herzliche Empfang der Stadt Berlin stehe keinem anderen, weder in München noch Frankfurt, nach. Unter den besten Glückwünschen für das Gedeihen desselben schloß Herr Hickler mit einem Hoch aus den Verein der Hessen. Viele andere der landsmännischen Schützen — aus der Provinz und dem Großherzogthum — schlossen sich den Ausführungen des Herrn Vorredners an und waren alle des Lobes voll. Es wurden noch viele Toaste, auf unseren erhabenen Kaiser, unseren all- verehrten Landesvater den Großherzog u. s. w., ausgebracht und an Letzteren ein Ergebenheitstelegramm der Versammlung abgesandt. Mit besonderer Begeisterung wurde es ausgenommen, daß das nächste deutsche Bundesschießen in Mainz stattfinden soll, und nachdem noch die Mainzer Schützen versprochen, Alles auszubieten, um einen gleich herzlichen Empfang zu bereiten, schloß der officielle Theil der Feier unter dem Versprechen, daß man sich dort Wiedersehen wolle, und einem Hoch auf Mainz.
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* Ein automatischer Photographie-Apparat. Eine ganze Reihe Hamburger Blätter vom gestrigen Tage (16. Juli) — „Reform", „Hamburger Nachrichten", „Fremdenblatt", „General-Anzeiger" re. — spricht sich in höchst anerkennender Weise über die Erfindung eines hessischen Landsmannes, Herrn C. Ramspeck in Hamburg (Bruder des Redacteurs der „Neuen Hess. Volksbl." in Darmstadt) aus: Die Herstellung eines automatischen Photographie-Apparats, der einige bereits bestehende Systeme dieser Art in jeder Weise überflügelt. Der Apparat, welcher gegenwärtig in Hamburg ausgestellt ist und dort allgemeine Bewunderung
erregt, verfertigt aus rein mechanischen Wege ohne jegliche menschliche Hülfe Bilder auf Blechplatten (sog. Ferro- typen), welche vorzüglich gelingen und ein durchaus ausdrucksvolles Gepräge zeigen. Die sinnreiche Erfindung beruht ausschließlich aus dem Rotationssystem, dessen großer Vorzug- im Gegensatz zu den anderen Systemen, in dem raschen und sicheren Functioniren, sowie in der billigen Fabrikation des Apparats besteht. Jeder sich Photographirende muß zunächst ein Uhrwerk, welches die alleinige Thätigkeit ausübt, aufziehen, alsdann eine bestimmte Münze in den Apparat werfen, wodurch dieser zu functioniren beginnt. Jetzt hat der Betreffende genügend Zeit, sich aus einen vor dem Objectiv bereit stehenden Stuhl zu setzen. Alsbald ertönt eine electrische Glocke, welche das Zeichen zum Stillsitzen giebt- nach einigen Secun- den verstummt ^>as Läuten — und die Aufnahme ist erfolgt. Nach ca. 45 Secunden fällt das fertige Bild aus eine erwärmte Metallplatte. Während dieser Zeit kann der Betreffende durch Einwurf einer zweiten Münze dem Apparat einen Rahmen zum Bild entnehmen. Der ganze Vorgang, vom Einwurf der Münze bis zum Herausfallen des Bildes, währt 2^2—3 Minuten, mithin liefert der Apparat nicht nur 20 Bilder pro Stunde, sondern präparirt dazu gleichzeitig selbst die nöthigen Blechplatten, eine Leistung, die kein anderer Apparat erreicht und in Anbetracht des chemischen Prozesses in einer kürzeren Zeit kaum ausführbar ist. Der Apparat ist für alle Länder des Continents, sowie für England und überseeische Länder patentirt. Der Erfinder, Herr C. Ramspeck, hat sich bereits früher durch sinnreiche Automaten, z. B. den automatischen Münzprüfer, bekannt gemacht.
Kandwirthschastliche Umschau.
△ AuS Oberhessen, 18. Juli.
Muß man nicht sagen: Die Scenerie ist völlig verändert, wie durch einen Zauberschlag ist es über Nacht anders geworden, das Hangen und Bangen in schwebender Pein ist einer schaffensfreudigen Zuversicht gewichen, denn wir stehen mitten in der Kornernte und diese fallt recht befriedigend aus. Die energische Julihttze, welche sich dem vorangegangenen aprilmäßigen Wetter gegenüber etwas empfindlich geltend macht, zeitigt die Halmfrüchte rasch; es knistert in den Aehren und über den wogenden Getreidefeldern flimmert die heiße Luft. „Sanct Margrit bringt die Schnitter mit!" Diese Bauernregel ist im laufenden Jahre so zu sagen auf Tag (13. Juli) und Stunde eingetroffen und veranlaßt mich, einige Bemerkungen über Bauernregeln und sog. LooStage hier folgen zu lassen. Die Tage Pauli Bekehr (25. Januar), Lichtmeß (2. Februar). Petri Stuhlfeier (22. Februar), Georgi (23. April), Pankraz-Servaz (12. und 13. Mat), Johanni (24. Juni), Peter und Paul (29. Juni), Margarethentag (13. Juli), Jacobi (25. Juli), Bartholomäi (24. August), Michaeli (29. September), Gallustag (16. Octobcr), Stmon-Judä (28. October), Martini (11. November), Kathartnentag (25. November), Nikolaustag (6. December) u. n. v. A. sind sog. Loostage, an die der Bauer gereimte Sprüchlein knüpft, die Bezug aus seine Thätigkeit haben. Diese Bauernregeln Leuten ganz allgemein an, wie das Wetter ist oder sein wird, und was der Bauer zu gewissen Zetten thun oder unternehmen soll. Sie sind schon Jahrhunderte alt und wurden aus den Erfahrungen vieler Jahrhunderte abgeleitet. Wer sich also streng an diese Regeln halt, der kann große Mißgriffe machen, denn durch die intensivere Bodencultur, durch größere Entwaldungen, durch Austrocknen von sumpfigen Gegenden und manches Andere sind die klimatologischen Verhältnisse ganzer Landstriche völlig verändert worden. Kommen dann sehr zeitige oder sehr späte Frühjahre hinzu und der Landwirth läßt sich von seiner Regel nicht ad- brtngen, dann fügt er sich ganz bedeutenden Schaden zu. Ein Beispiel für viele! Der Mai 1889 war ein so wundervoller, wie er alle hundert Jahre nur einige wenige Male auftritt. Die Vegetation entwickelte sich so rasch, daß in der ersten Junidekade ein Vorsprung von 2 bis 3 Wochen vorhanden war und daher mit der Heuernte hätte begonnen werden müssen, denn die Gräser traten in Blüthe. Alle rationelle Landwirthe verlangten das Mähen des Heugrases, aber es half nichts: Johannistag war noch nicht gekommen, eS mußte gewartet werden. Als dieser Tag endlich erschien, waren die Gräser überständig geworden; die Wtesengründe sahen eselsgrau aus und die beste Kraft des Futters war verloren. Wir sehen daraus, daß das Heumachen nicht an den Johannistag, sondern an die Reife der Graser geknüpft werden muß. Ader unsere oberhesstschen Landwirthe sind sehr eigensinnig und lassen sich nur sehr schwer zn neuen Cultur- arten über führen, selbst wenn die Vorlheile so klar und deutlich vor Augen liegen, wie bei dem Zuckerrübenbau. Ihre Zeitung brachte dieser Tage einen kurzen Berndt über die autzerordentlichen Erfolge der Stockheimer Zuckerfabrik. Sie wurde 1884 gegründet, steht also jttzr in ihrem 7. Eampagnejahr und ist in dieser kurzen Zeil im Stande, für das abgelaufene Jahr 11%, sage elf Procent Dividende zu verthetlen. Und dabei hört man fortwährend über schlechte Zeiten, ungenügende Ertrage, ungenügende Bodenrente klagen. Welcher Geschäftsmann, Handwerker, Fabrikant, Beamte kann von elfprocenttger Dividende sprechend Nun sollte man glauben, überall da, wo es die Bodenverhältnisse gestatten, fände der Rübenbau begeisterte Aufnahme, denn solche Resultate wären in der Land- wirthschaft ja gar nicht mehr zu finden! Das ist aber ein Jrrthum. Man steht der Cultur, besonders auch von Seiten des weiblichen Theils der landwirthschaftlichen Bevölkerung, ablehnend gegenüber,
obgleich die elf Procent Dividende noch lange nicht alle Vortheile in sich schließen, die der Zuckerrübenbau im Gefolge hat. Hier Ist in erster Linie der treffliche Bau hervorzuheben, in den die Rüben- äcker versetzt werden. Von Tiefeultur wußte man früher wohl etwas, that aber nichts dafür. Wenn ein Bauer 15 Eentim. pflügte, meinte er schon viel gethin zu haben. Jetzt pflügt man 25 bis 30r ja sogar 40 Eentim. tief mit dem Dampfpfluge und man holt da unten Boden herauf, der noch ganz jungfräulich ist und die reichlichsten Ernten liefern kann. Durch das fleißige Behackm des Ackers wird er rein von Unkraut, die Bodenkrumme wird productionsfähiger und die nachfolgendm Getreideernten werden quantitativ und qualitativ bester als früher, was sich am deutlichsten dadurch zeigt, daß. man alle früheren Rübenäcker in den Fluren jofort herausfindet und daß die Zuckerrübenbauern ihre Scheuern vergrößern laffen müssen. Diese wenigen Andeutungen mögen für heute genügen. Wir werden später bei einer anderen Gelegenheit Veranlassung finden, auf diesen ungemein wichtigen Gegenstand noch einmal zurück zu kommen. — Vielfach ist man der Ansicht gewesen, daß die 14tägigen Regen in letzter Zett empfindlich geschadet hätten, wenigstens hat der Vogelsberg sein Heu eingebüßt. Gerade der Vogelsberg hat aber durch den reichlichen Regen ungemein in Bezug auf feine Sommerfrüchte r Heu «Nd Hafer gewonnen. Ohne die kühle feuchte Witterung wärm nämlich — wie ich in einer Reihe von Gemarkungen beobachten konnte — jene Getreidearten gar nicht aus den Hosen gekommen, hätten also nur sehr geringfügige Erträge geliefert. Die Hackfrüchte machen jetzt dem Landmanne das Leben sauer; er muß dm Roggen heimbringen, denn die Gerste zeitigt äußerst rasch bei dieser Witterung und kommt in nächster Woche sicher. Dabei sollen Runkelu und Zuckerrüben noch einmal behackt werden, weil das Unkraut sonst übermächtig wird. Ja wenn der Bauer jetzt 4 oder 6 Hände und der Tag 36 Stunden hätte, da ließe sich eher darkommen. Dtejmt- gen, welche für einen 8stündigen Arbeitstag (wir gönnen ihn Jedem von Herzen) schwärmen, könnten in jetziger Zeit bei dem Bauer einsehen lernen, daß oft 16 Stunden zu wenig sind.
Gegenwärtig ist die Ernte der Beerenfrüchte gekommen unb die fleißigen Hausmütter haben alle Hände voll zu thun, um ba& Einkochen zu besorgen. Zwar die Erdbeerm sind, weil es im Juni rauh und trocken war, nicht sonderlich ausgefallen, aber Heidelbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren und Stachelbeeren giot es genug. Die Brombeere folgt etwas später. — Alle Gemüse- und Gartengewächse- sehen vortrefflich aus. Bohnen und Gurken, welche anspruchsvoll in Bezug auf Wärme sind, standen etwas still, sind aber jetzt wieder thätig geworden. Alle Salatarte« waren seither ausgezeichnet. Solch' prächtige Salatköpfe, die mitunter die Stärke von kleinen Weißkrauthäuptern erreichen wie in diesem Jahre, sieht man selten.
Die Gewitter in den letzten 24 Stunden Haben etwas Abkühlung gebracht, was ein wahrer Segen ist. Menschen und Thiere leiden schwer in der tropischen Hitze. Hie und da haben Blitzschläge Schaden gethan, der aber gegen den großen gespendeten Nutzen verschwindet.
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— Vorn ^Universum", der allbeliebten Familienzeitschrift, ist soeben das 24. Heft erschienen, reichhaltig und werthvoll nach Inhalt und Ausstattung. Schon die Kunstbeilagen, Vollbilder und Vignetten machen einen bestechenden Eindruck; anziehende Sujets vereinigen sich mit vollendet schöner Ausführung. Der Bilderschmuck ist ein Schatz für die Familie, durch den sie mit allen bedeutenden Erscheinungen der modernen Kunst vortrefflich vertraut wird. — Der Lesestoff ist erfreulich reichhaltig. Neben Hafis von Spielbergs spannendem Roman „Der Alte von Güntersloh" und A. von Perfalls lebensfrischer Eircusgeschichte „Anca" finden sich anziehende belehrende Schilderungen in glücklichster Wahl, sodaß auch in dieser Beziehung das „Universum" vollkommen auf der Höhe steht.
verkehr, £a»O- und vslk»wir1hf<hafk
— WarmeS Futter für Hühner. (Nachdruck verboten.)- Eine aus der Fundgrube stammende Notiz, welche auch in verschiedene landwirthschaftliche Fachzeitungen übergegangen ist, empfiehlt- warmes Futter als etwas besonders gutes für die Hühner; wir machen darauf aufmerksam, daß eine solche Fütterungswetse jeder wissenschaftlichen Begründung, wie practischeu Erfahrung widerspricht. Warmes Futter wirkt erschlaffend auf den Organismus, setzt die Nervenkraft und Nerventhätigkeit, somit die Leistungsfähigkeit herab und ist daher zu verwerfen. Nur bei Mastgeflügel ist eine Fütterung mit warmem Futter zulässig, hier schaden die genannten Nachtheile nicht, denn die Thiere werden bald zur Schlachtbank geführt, dauernde Leistung wird nicht beansprucht. Man spart bet der warmen Fütterungsweise die Nahrung, welche verbraucht wird, um das Futter auf die Körpertemperatur zu bringen.
Der Postdampfer „Westernland" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 16. Juli wohlbehalten in Newyork angefommen.
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