Rom, 18. Juni. In der Kammer erklärte Crispi, den Nachrichten über die in Spanien vorgekommenen Krankheitsfälle sei vorläufig keine große Bedeutung beizumessen. Es handle sich nicht um die asiatische Cholera. Die Regierung werde übrigens nöthigenfalls entsprechende Schutzmaßregeln treffen.
Madrid, 18. Juni. Die Aerzte Valencias sollen in den Auswürfen der Kranken in Puebla de Rugat den K o ch'schen Cholera-Bacillus erkannt haben. Die Consuln benachrichtigen ihre respectiven Regierungen.
Madrid, 18. Juni. Der Justizminister theilte im Senate mit, Privatdepeschen aus Malaga berichten, daß sich daselbst einige Fälle gelben Fiebers gezeigt haben. Man glaubt, dasselbe sei durch einen Dampfer aus New-Orleans eingeschleppt worden, eine osfizielle Bestätigung jedoch fehle.
— Im Congreß werden die konservativen Deputirten ein Amendement zum Budget einbringen, welches der Regierung vorschlägt, eine Revision des Zolltarifs eintreten zu lassen, um den Schutz der nationalen Industrie zu sichern, die Einnahmen aus den Zöllen zu vermehren und die Beziehungen zu den fremden Mächten zu erleichtern.
Valencia, 18. Juni. Die Cholera fälle in Puebla de Rugat haben nachgelassen, dauern jedoch in der Nachbarschaft an, von wo gegenwärtig 60 Fälle von Erkrankungen und heute ein Todesfall unter verdächtigen Erscheinungen gemeldet wird.
Valencia, 18. Juni. Die spanischen Mittelmeerhäsen sind als choleraverdächtig erklärt und Ueberwachungs- maßregeln längs der Landesgrenze getroffen worden.
Bukarest, 18. Juni. Der Minister des Auswärtigen hat dem Senat die Acten über das Handels Übereinkommen mit Frankreich zugehen lassen, zur Benutzung für die angekündigten Interpellationen in Betreff der Erneuerung der Handelsverträge. — Infolge der Meldung über den Ausbruch der Rinderpest in Bulgarien hat das rumänische Gesundheitsamt strenge Maßregeln zur Verhinderung der^EinschlePpung getroffen.
Konstantinopel, 18. Juni. Die spanischen Provenienzen, welche seit dem 15. Juni abgelassen wurden, werden in den türkischen Häfen einer Observation unterzogen.
Cocates «nd provinzielle».
Gießen, 19. Juni.
— Auf der Tagesordnung der am 25. Juni stattfindenden Sitzung der Ersten Kammer der Stände stehen u. A.: Berathung und Beschlußfassung über:
Mittheilung der Zweiten Kammer bezüglich der Vorlage Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, die Herstellung einer directen Verbindung der südlichen Stadt- IheUe am Seltersberg zu Gießen mit den Bahnhöfen 6etr. ;
Mittheilung der Zweiten Kammer bezüglich der Vorlage der Großherzoglichen Ministerien des Innern und der Justiz und der Finanzen, die Erhöhung des für die Finanzperiode 1888—91 bewilligten Zuschusses zu den Ausgaben der Landes- Universität zu Lasten der Ueberschüsse der Hauptstaatskasse um den Betrag tion *69,475 Mk. tetr.;
Mittheilung der Zweiten Kammer bezüglich der Vorlage der Großherzoglichen Ministerien des Innern und der Justiz und der Finanzen, betr. den in dem Hauptvoranschlag der Staats-Einnahmen und -Ausgaben für die Finanzperiode 1888—91 unter den außerordentlichen Ausgaben unter Capitel 132 Titel 2 vorgesehenen Bau einer psychiatrischen Klinik bei der Landes-Universität zu Gießen und einer Irrenanstalt in Verbindung damit.
— Schwurgericht. Die heutige Verhandlung richtet sich gegen den ehemaligen Mühlenbesitzer Th omas Pas sing von Merkensritz, der im vorigen Jahre seine Gläubiger, deren er mehrere mit höheren Forderungen hatte, um die Summe von 4000 Mk. geschädigt hat. Aus der Vernehmung des Angeklagten, dessen Antworten infolge Stammelns kaum verständlich sind, läßt sich Folgendes seststellen: Angeklagter war seit 1883 Eigenthümer einer in Merkensritz gelegenen Mühle, die er für die Summe von 9000 Mk. kaufte und mit 3000 Mk. Anzahlung übernahm. Im Laufe der Zeit ließ er mehrfache Neueinrichtungen in der Mühle vornehmen, die ihm nach seiner Schätzung im Ganzen das Sümmchen von etwa 22 000 Mk. kosteten. Das Geschäft ging gut, jedoch war. auch eine erhebliche Schuldenmasse vorhanden, die, wenngleich dieselbe vorerst nicht drückend war, den Angeklagten mit Besorgniß der Zukunft entgegensehen ließ. Im Monat
April v. I. entfernte sich Passing von Hause und ging nach Bayreuth, um seinen dort wohnenden Schwager um Gewährung eines größeren Darlehns anzugehen. Bei dieser Reise steckte er auch sein ganzes baares Geld im Betrage von ca. 4000 Mk. zu sich, um damit, wie er heute erklärt, auf dem Rückwege von Bayreuth bei einigen Gläubigern Abschlagszahlungen zu leisten. Diese Angabe, widerspricht derjenigen in der Voruntersuchung über diesen Punkt gemachten, worin er die Mitnahme des Geldes mit dem Mangel eines sicheren Behältnisses zur Aufbewahrung im Hause erklärte. Als er, ohne das erhoffte Darlehen erlangt zu haben, von Bayreuth nach Hause zurückkehren wollte, faßte er den Plan, nach Amerika zu gehen und seinen dort wohnhaften und in guten Verhältnissen lebenden Bruder um ein Darlehen zu bitten. Von diesem Entschlüsse gab er einem seiner Gläubiger bei seiner Abreise nach Amerika Kenntnis. Nack Bekanntwerden des Verschwindens des Angeklagten wurde auf An- tehen der Gläubiger Concurs über sein Vermögen erkannt und bei der durch den Concursverwalter erfolgten Inventaraufnahme stellte sich das Fehlen einer weiteren Summe, die die Höhe des von Passing mitgenommenen Betrags annähernd erreichte, heraus. Auf Vorhalt nach dem Verbleib dieses Geldes hat Angeklagter nur die eine Antwort: es sei zur Tilgung von Schulden nach und nach verwendet worden- an wen die Zahlungen geleistet worden sind, vermochte er nicht anzugeben, was auch erklärlich scheint, da bei der Buchführung Passings, so lange er dieselbe selbst besorgte, viel zu wünschen blieb, dieselbe aber namentlich eine Uebersicht des Vermögensstandes gänzlich vermissen ließ. Gravirend für den Angeklagten ist der Umstand, daß er nach seiner Ankunft in Amerika statt dem Verdienste nachzugehen, unnöthige Reisen, um nicht zu sagen Vergnügungsreisen zu Landsleuten machte; erst später nahm er in einem Restaurant die Stelle etnes Kassiers an und nachdem er diesen Posten wieder verlassen, kaufte er von dem mitgenommenen Gelde eine Speisewirthschaft, die sich indessen nicht rentirte, was ihn zur baldigen Aufgabe derselben und zur Rückkehr nach Europa veranlaßte und für welche er den Rest des Geldes verwandte. Er ging zunächst nach der Schweiz, von wo er Nachrichten an seinen Gläubiger Kriegk gelangen ließ. In Zürich wurde er nach einem, mehrwöchentlichen Aufenthalt in der Schweiz verhaftet und hierher ausgeliefert. Angeklagter giebt die Versicherung, daß es nie in seiner Absicht gelegen habe, seine Gläubiger zu schädigen, er sei vielmehr ernstlich bemüht gewesen, für aller Gläubiger Befriedigung zu sorgen, was ihm jedoch nicht gelungen. Passing ließ noch den größten Theil seines Vermögens in Merken- fritz zurück und befand sich überhaupt in keiner solchen mißlichen Lage, die ihn zur Verlassung seiner^Familie und seines Hauses hätte veranlassen können, da ihm immer noch Hülfs- mittel zu Gebot standen. Aus der Concursmasse haben die Gläubiger theilweise Deckung mit 55% erhalten. Die Verhandlung schloß mit Freisprechung des Angeklagten von Strafe und Kosten.
— Die Mitglieder der am 18. Lahnthal-Sängerfest mit- wirkenden Vereine seien auch an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, daß die auf Freitag den 20. Juni angesagte Probe in Steins Garten erst nächsten Dienstag im Cafe Leib stattfindet. (Siehe auch Inserat.)
Friedberg, 17. Juni. Zur Großherzoglichen Tafel waren heute der Großherzogl. Kammerherr Freiherr Gustav v. Löw nebst Frau Gemahlin und Fräulein Tochter von Steinfurth, sowie Freiherr Gilb recht v. Löw und Frau Gemahlin von Nieder-Florstadt eingeladen.
R. Wieseck, 18. Juni. Gestern veranstaltete der Inhaber der Firma ArnoldMüller, Herr Gustav Müller in Gießen, aus Anlaß seiner stattgehabten Vermählung den Arbeitern seiner Fabrik eine schöne Feier. Mittags wurden die Geschäftsräume geschlossen und begaben sich sämmtliche Arbeiter nach unserem Orte, wo viele derselben ihren Wohnsitz haben, in die Restauration Karl Dorfeld. Hier entwickelte sich bald in dem geräumigen Saale ein munteres Treiben. Bei Concert, heiteren Vorträgen und schönen Gesängen vergingen die Stunden des Festes, welches allen Theil- nehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird, nur allzu rasch. An Toasten auf das Wohl der Neuvermählten, sowie das fernere Blühen und Gedeihen der Firma fehlte es natürlich auch nicht.
Bad Nauheim, 17. Juni. Der ehemalige luxemburgische Staatsminister Servais ist heute hier gestorben.
r. Rüddingshausen, 17. Juni. Heute Nachmittag ertrank in einem der Gemeinde gehörigen Brunnen ein dreijähriges Bübchen. Dasselbe spielte mit einigen andern Kindern, kam wohl während des Spiels dem Brunnen zu nahe und, da derselbe, wie die meisten hiesigen Brunnen, immer offen steht, so mußte das unschuldige Kind diese Nachlässigkeit mit seinem Leben bezahlen. Hoffentlich gibt der traurige Fall Veranlassung, mit solchen verrotteten, lebensgefährlichen Zuständen baldigst aufzuräumen!
vermischtes.
nn. Darmstadt, 18. Juni. Unter dem Vorsitz der Prinzessin Ludwig von Battenberg findet am Donnerstag Nachmittag im alten Palais eine Sitzung der Stiftsdamen der Alicestiftung statt. Nach der Sitzung sind sämmtliche Damen zum Thee geladen.
nn. Darmstadt, 18. Juni. Als ein Zeichen, daß das Jnnungswesen immer mehr Fortschritte macht und von den Gewerbetreibenden die Bedeutung eines einigen Zusammengehens zur Bekämpfung des Pfuscherthums immer mehr erkannt wird, ist es zu begrüßen, daß nun auch die Perrückenmacher- und Friseur-Innung zu Mainz dem Beispiel der Darmstädter gefolgt und zu einer Innung zusammengetreten ist. Auf freundliche Einladung eines prov. Comites nahmen an einer Ende voriger Woche stattgehabten constituirenden Versammlung in Mainz sämmtliche Mitglieder der hiesigen Friseur- und Perrückenckacher-Jnnung unter Anwesenheit ihres Obermeisters, Herrn Nachtigall, Theil. Das Referat hatte Herr Graser-Darmstadt übernommen. In einstündiger Rede setzte derselbe die Zwecke und den Nutzen der Innung eingehend auseinander, die Collgen zu Mainz zum Eintritt in die Innung auffordernd und auf die segensreiche Wirksamkeit der Darmstädter Innung hinweisend. Die zahlreich erschienenen Collegen folgten mit lebhaftem Interesse den Ausführungen des Redners und traten sofort zu einer Innung zusammen. Für das freundliche und collegialische Entgegenkommen wurde Seitens der Mainzer Collgen der Darmstädter Innung herzlichen Dank ausgesprochen und vereinigte man sich noch einige Stunden zu gemächlichem Zusammensein.
* Marburg, 18. Juni. Der bekannte Spruch von den Gefahren gewisser deutscher Hochschulen, der in der geläufigsten Form, auf die thüringisch-sächsischen Universitäten beschränkt, heutzutage lautet:
„Wer kommt von Halle ohne Weib,
Von Leipzig mit gesundem Leib, Von Jena unzerschlagen, Der kann von Glücke sagen"
hat schon eine lange Geschichte und mag vielleicht gar bis ins sechszehnte Jahrhundert hinaufreichen. Eine alte Fassung, ja, soviel wir wissen, die älteste, die man kennt, ist in diesen Tagen gelegentlich der Vorarbeiten ausgefunden worden, welche dis Herren Archivrath Dr. Könnecke, Archivrath Dr. Reimer und Oberst Nebelthau seit Wochen der würdigen Herrichtung unserer Druckerei-Ausstellung widmen. Sie steht in dem Encomium Marpurgi („Lob Marburgs") eines gewissen Hieronymus Sivert aus Magdeburg, das 1645 hier bei Jos. Dietr. Hampel gedruckt und dem Rector Mag- nificentissimus Ernst August, Herzog zu Braunschweig nebst anderen vornehmen Herren zugeeignet wurde, und hat sol- gendKr Wortlaut:
Wer von Tübingen kompt ohne Weib,
Von Wittenberg mit gesundem Leib, Von Helmstatt ohne Wunden, Von Giessen ohne Schrunden, Von Marpurg ohne fallen,
Hat nicht studirt in allen. (Ob. Ztg.)
* Chef (zu seinem ältesten Buchhalter, der sein 25jähriges Jubiläum feiert): „Ich kann nicht umhin, an Ihrem heutigen Jubeltage Ihnen eine entsprechende Gratifikation iür Ihre 25jährige treue Dienstzeit zukommen zu lassen; hier nehmen Sie diese 500 Mk. in Gold von mir, davon gehen ab sieben Mark fünfzig, die üblicken 2%pCt. per comptant."
-------7T. >. -■.....■ ■ ...........
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