Ausgabe 
19.11.1890
 
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1890

Mittwoch den 19. November

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Meßmer Anzeiger

Keneral-Mnzeiger

Aints- unb Anzeigeblatt für den Nreis Gieren

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Der

ffUtzever Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

2lmtfid?er Theil.

Bekanntmachung.

Donnerstag den 4. December l. I., Vormittags 111/2 Uhr, findet in unserem Gerichtssaale Nr. 18 in öffent­licher Sitzung die Ausloosung der Schöffen für 1891 statt.

Gießen, am 10. November 1890.

Großherzogliches Amtsgericht.

Fresenius.

Lehrer-Conferenz

des Conserenz-Bezirks LichHungen.

Mittwoch den 26. November, Vormittags 10 Uhr, in Lich. - Lieder: 19. 33. 34.

Gießen, den 18. November 1890.

Büchner, Schulrath.

j?oUttsche Ueberficht.

Gießen, 18. November.

Eine vom 1. Mai 1889 datirte Cabinetsordre des Kai­sers an das preußische Staatsministerium über den Schul­unterricht gelangt erst jetzt zur öffentlichen Kenntniß. In ihr entwickelt der Kaiser seine Ansichten über die Grundlagen der im Schulunterricht zur Bekämpfung socialistischer und com- rnunistischer Ideen anzustrebenden Reformen und sollen die­selben namentlich dem Religionsunterricht und dem Unterricht in der vaterländischen Geschichte gewidmet sein.

Dem Bundesrath ist das Etatsgesetz für 1891/92 in Verbindung mit dem neuen Anleihegesetz zugegangen. Das Etatsgesetz weist eine Gesammteinnahme und eine Gesammt- ausgabe von 1 134 491 942 Mk. aus; die für Zwecke der Verwaltung des Reichsheeres und der Marine, sowie der Reichseisenbahnen, der Post und Telegraphie aufzunehmende Anleihe beziffert sich auf 68 831963 Mk.

Die großartige Entdeckung des Prof. Robert Koch in Berlin, die Auffindung eines Mittels zur sicheren Heilung der Schwindsucht, hat begreiflicher Weise namentlich in der rnedicinischen Welt des Inlandes wie Auslandes das größte Aufsehen und Interesse erregt. Bereits weilt eine stattliche Versammlung hervorragender Aerzte, unter ihnen viele aus­ländische Autoritäten, in der deutschen Reichshauptstadt, um das Koch'sche Verfahren zur Heilung der Schwindsucht an der Quelle zu studiren. Am Sonntag Vormittag fand in der Levy'schen Klinik zu Berlin eine Demonstration der bisher daselbst durch Anwendung des Koch'schen Mittels geheilten Fälle von Schwindsucht vor zahlreichen Aerzten statt. Mit besonderem Interesse beobachteten die ärztlichen Gäste den Fall von Hauttuberkulose (lupus), bei welchem zuerst die volle Wirksamkeit des Koch'schen Mittels zu Tage trat. Die frem­den Aerzte schieden mit Ausdrücken höchster Befriedigung von dem Leiter der Klinik und seinen Assistenten. Der Versandt des Koch'schen Mittels, welches von seinem Entdecker mit dem vfficinellen NamenParatoloidin" belegt worden sein soll, nach auswärts hat schon begonnen, natürlich zunächst nur zu Ver­suchen. Nach Mittheilungen in der in Wien kürzlich abgehal- tenen außerordentlichen Sitzung des k. k. Obersanitätsrathes will die österreichische Regierung Vorsorge treffen, daß der Koch'sche Heilstoff alsbald in inländischen Staatsanstalten her- grstellt werde.

Dem Reichstage soll dem Vernehmen nach eine Vorlage zugehen, welche die Gewährung einer Dotation im Betrage von einer Million Mark aus Reichsmitteln für Professor Dr. Koch vorschlägt. Es würde im Anschlüsse hieran, wie die Freis, ßtg." versichert, auch die Zusammensetzung des Koch- schen Heilmittels bekannt gegeben werden.

Merkwürdiger Weise wollen gerade jetzt auch französische Aerzte ein untrügliches Mittel zur Bekämpfung der Schwind­sucht entdeckt haben. In der Pariser biologischen Gesellschaft Iheilten die Doctoren Richel und Höricourt ihre Jmpfungs- versuche mit, welche/sie^ an Schwindsuchts-Kranken mit von Mikroben ausgeschiedenen chemischen Substanzen angestellt hätten. Die beiden Forscher erklärten diese Versuche als er­folgreich und es wäre demnach ein geradezu wunderbares Zusammentreffen, daß genau zur gleichen Zeit mit Prof. Koch und völlig unabhängig von ihm auch in Frankreich ein Mittel zur Berämpsung der Schwindsucht entdeckt worden sein sollte. Freilich wird noch abzuwarten sein, ob sich das Mittel der Herren Richel und Höricourt ebenso bewähren wird, wie dies von dem Koch'schen Verfahren schon jetzt fast mit Bestimmt­heit behauptet werden kann.

Der österreichisch-ungarische Minister des Auswärtigen, Gras Kalnoky, hat von seinem kaiserlichen Souverän einen Nachurlaub bewilligt erhalten und wird daher der Rückkehr Kalnokys nach Wien erst Ausgangs November entgegengesehen. Jedenfalls erhellt aus dem langen Urlaube des Grafen, daß es zur Zeit in der auswärtigen Politik des Donaukaiserstaates durchaus nichts Dringendes gibt, welche Erscheinung mit dem so friedlichen Zuge in der allgemeinen Lage ja auch vollkom­men übereinstimmt. Uebrigens weiß Graf Kalnoky sehr wohl, daß er in dem Sectionsches Grafen Szögiennyi einen höchst zuverlässigen und orientirten Vertreter besitzt.

In Italien herrscht jetzt das Wahlfieber und eine Wahl­rede jagt da die andere. Zu den bedeutenderen oratorischen Leistungen dieser Art gehört die römische Banketrede des ehe­maligen Unterrichtsministers Bacelli, in welcher sich Bacelli begeistert für das Festhalten Italiens am Dreibund aussprach. In den wärmsten Ausdrücken gedachte der Redner der deutsch­italienischen Freundschaft und hob namentlich hervor, daß Italien seine heutige Machtstellung zum größten Theile der treuen Freundschaft Deutschlands verdanke, welche Italien auch den Weg nach Rom gebahnt habe. Zugleich betonte Bacelli, daß Kaiser Wilhelm II. durch seinen Besuch in Rom das Recht Italiens auf Rom in feierlicher Weise anerkannt und besiegelt habe. Die Zuhörer begleiteten die Rede Bacellis mit stürmischen Hochrufen auf Kaiser Wilhelm und Deutsch­land.

Die französische Regierung sieht sich genöthigt, ihre Auf­merksamkeit wieder etwas mehr dem dunklen Treiben der Anarchisten im Lande zuzuwenden. Sie hat das in London erscheinende AnarchistenblattL'Jnternational", welches in der Maske einer religiösen Broschüre nach Frankreich eingesührt worden war, verboten, weil die Sprache dieses Blattes immer aufreizender wurde. Ein Artikel der letzten Nummer enthielt sogar die Aufforderung an die Pariser Anarchisten, die Große Oper in die Luft zu sprengen! Aus welchen Gründen dieses wahnwitzige Verbrechen empfohlen wird, ist allerdings noch nicht bekannt, hoffentlich verbleibt cs aber bei dieser von den Londoner anarchistischen Kreisen gegebenenAnregung".

Deutscher Reich.

Darmstadt, 17. November. Seine Königliche Hoheit der Großherzog und Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Heinrich von Preußen sind gestern Abend 6 Uhr 42 Min. nach Berlin abgereist. Seine Königliche Hoheit der Erb groß Herzog haben sich, von Gießen kommend, den Allerhöchsten Herrschaften zur Weiter­reise nach Berlin in Fulda angeschlossen. Im Gefolge der Allerhöchsten Herrschaften befanden sich Gräfin Rantzau, Capitänlieutenant v. Basse, Obersthofmarschall General­lieutenant z. D. v. Westerweller und Flügeladjutant Haupt­mann Frhr. Röder v. Diersburg.

Darmstadt, 17.November. Das Amtsb latt des Groß-, herzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz/ Section für Justizverwaltung, Nr. 14, enthält Ausschreiben an die Justizbehörden, insbesondere den Oberstaatsanwalt und die Vorsteher der Provinzialarresthäuser und Haftlocale d. d. Darmstadt, am 5. November 1890, betreffend die Be­sichtigung der Provinzialarresthäuscr und Haftlocale im Jahre 1889.

Berlin, 16. November. Die heute hier zusammengetretene socialdemokratischeGewerkschaftsconferenz war von etwa 70 Gewerkschaften aus allen Theilen des Reiches beschickt. Auch mehrere weibliche Vertreter waren anwesend. Die Conferenz bezweckt, die Arbeiterorganisation in ganz Deutschland vorzubereiten. Die Einzelgestaltung der Organi­sation soll dem allgemeinen deutschen Gewerkschastscongresse Vorbehalten bleiben.

Arber Robert Kochs neues Hritorrfahren

Wird derFrankfurter Zeitung" aus Berlin, 17. November, telegraphirt: Der durch Kochs Entdeckung nach Berlin ge­lenkte Strom der Aerzte und Kranken nimmt eine Aus­dehnung an, die alle Erwartungen übertrifft und der Be­schreibung spottet. Alle an der Entdeckung Betheiligten oder richtig gesagt, im Besitz des Geheimmittels, denn das ist es vorläufig, Befindlichen wissen sich vor den sie bestürmenden Aerzten und Patienten kaum zu retten, alle zur Verfügung stehenden Räume sind bereits überfüllt, auch Hotels fchon stark belegt. Man hört über Preise, die für Cur und Ver­pflegung gefordert und geboten werden, bereits Dinge die ernste Bedenken, namentlich auch in ärztlichen Kreisen erregen. Es geschieht nicht ohne Absicht, wenn ein Gelehrter, wie Professor Rrieger, zu constatiren bittet, daß er an keiner

privaten Unternehmung zur Heilung Tuberkulöser nach der Koch'schen Methode betheüigt sei. Es scheint die Gefahr vorzuliegen, daß die große Entdeckung des selbstlosen Forschers, einer von diesem am Wenigsten gewünschten Überschätzung und einer allerdings auch durch den Ansturm der Hülfe- suchenden veranlaßten, aber doch den bisherigen vornehmen Anschauungen ärztlicher Praxis nicht ganz entsprechenden Fructificirung verfällt. Der Staat und das Reich können gar nicht schnell und nachhaltig genug eingreisen, um den Nutzen der neuen Entdeckung allen Leidenden, nicht nur den mit kräftigen Ellbogen und großem Geldbeutel Versehenen, zu Theil werden zu lassen. Zu warnen ist auch vor über­triebenen Erwartungen, zu denen Kochs Publication am wenigsten Anlaß giebt. In dem demonstrativen Vortrag, den Professor Bergmann gestern vor einem ärztlichen Elite­publikum hielt, hat er bei der höchsten Anerkennung für die neue Methode, doch auch ausgeführt, was die Behandlung der inneren Erkrankungen, z. B. der Lunge anlangt, so sei man noch im Ungewissen. Die Besorgniß liege nahe, daß bei Anwendung des Mittels Erstickungsgefahr eintrete, wenn die abgelösten Theile sich in der Luftröhre und der Kehle festsetzten. Bei einem Kehlkopfkrauken habe das Koch'sche Mittel ebenso wie bei den äußeren Erkrankungen gewirkt/ die abgelöste Haut sei dann glücklich durch eingetretenen Husten entfernt worden. Ob das auch bei tiefer liegenden inneren Leiden zu erwarten stehe, sei noch nicht sicher. Im Anschluß hieran verlas Oberstabsarzt Köhler die Resultate, welche er im Verein mit Dr. Westsal an einigen Kranken des Charitö- Krankenhauses seit fünf Wochen gesammelt hatte, Ergebnisse, welche die von Koch publicirten Beobachtungen im Wesent­lichen bekräftigen. Von einem wirklichen Fall von Heilung kann Köhler indessen nicht berichten,- doch sei bei zwei Patienten die Besserung eine derartige, daß man demnächst endgültige Heilung erwarten dürfe. Die Nachricht hiesiger Blätter, daß das Koch'sche Heilmittel Paratalo'idin sei und in einer hiesigen Apotheke verkauft werde, ist natürlich un­richtig. Der Verein für innere Medizin hielt heute unter Anwesenheit fremder ärztlicher Celebritäten, darunter Professor Ziemssen-München eine überfüllte Sitzung ab. Bei Beginu derselben feierte Leyden die großen Verdienste Kochs, der darauf zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Hieraus trug Professor Fränzel über 12, nach Koch'scher Methode behandelte Fälle von Lungentuberkulose vor, von welchen 4 bereits in sehr vorgeschrittenem, die Uebrigen im Anfangsstadium zur Behandlung gelangten. Entsprechend den eigenen Angaben Kochs, aber doch zur Ernüchterung der zu weit gehenden an die Entdeckung geknüpften Folgerungen und Hoffnungen sei bemerkt: es ging aus der sehr detaiüirten Mittheilung hervor, daß der Erfolg bei den 4 schweren, durch bereits eingetretene Höhlenbildung complicirten Fällen, ein negativer, in den acht anderen Fällen nach vier- bis achtwöchentlicher Behandlung der Erfolg ein überraschend günstiger gewesen ist. Die Tuberkel-Bacillen verschwanden aus dem Auswurf zum Theil ganz, dieser selbst wurde geringer. Das Allgemeinbefinden hob sich, es trat bedeutende Gewichtszunahme ein. Der Verlauf entsprach durchaus den Angaben in Kochs Publicationen.

Neueste Nachrichten.

Wolffb telegraphisches Torrespondenz-Bureau.

Berlin, 17. November. DerReichsanzeiger" publicirt die auf Ansuchen erfolgte Entlassung des Staats- Ministers von Lucius unter Belassung des Titels und Ranges eines Staatsministers und unter Verleihung des Sterns und Kreuzes der Großcomthure des Hohenzollernjchen Hausordens, sowie die Ernennung des Regierungspräsi­denten von Heyden zum Staatsminister und Minister für Landwirthschast, Domänen und Forsten.

Berlin, 17. November. Nach demReichsanzeiger" sind bei den 16 Armeecorps der preußischen Contingentsverwaltung während des Sommerhalbjahrs 82 Mann vom Hitzschlag betroffen worden, von denen 10 gestorben sind. Während der Herbstübungen in den Monaten August und September wur­den 48 Mann vom Hitzschlag betroffen, von denen 4 Manu gestorben sind. Es ist nur der Aufbietung aller Vorsichts­maßregeln und der Anwendung der schnellsten Hilfsmittel zu verdanken, daß die Zahl der Todesfälle durch Hitzschlag ver- hältnißmäßig gering geblieben ist.

Berlin, 17. November. Bei den gestrigen Demonstra­tionen über Kochs Heilverfahren harren fünf Lupuskranke Einspritzungen erhalten, bei Allen trat Fieber und Entzündung ein. Bergmann führte aus, die unfehlbare Sicherheit, wo­mit das Mittel Fieberanfall und Schüttelfrost herbeiführe, sichere demselben das volle ärztliche Interesse. Die nächsten drei Patienten, welche bereits einige Zeit in Behandlung.