Beilage zu Nr. 191. - 1890
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I Nauheims Umgebung ist nicht von großer Bedeutung, die Curgäste sind deshalb so ziemlich ganz auf Nauheim angewiesen und in Nauheim selbst wiederum aus das Curhaus und seine Terrasse.
Die Badedirection hat nun dafür gesorgt, daß dieser Hauptausenthaltsort auf der Terrasse bei der Musik ein sehr angenehmer und anregender geworden ist. Auf der Terrasse am Curhaus concertirt nämlich die sehr starke und vorzüg-
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liche Curcapelle. Diese Capelle wird schon seit Jahren von Herrn Capellmeister Machts dirigirt und ist durch ihre stets ausgezeichneten Leistungen zum Haupt- und Mittelpunkt der Nauheimer Unterhaltungen geworden. Die Capelle spielt täglich dreimal und bietet — selbst dem verwöhntesten Geschmack — ein stets abwechselndes und neues Programm. Herr Capellmeister Machts, der selbst Componist ist (seine Ouvertüren zu Othello und Hamlet, die ungarische Fantasie „Zigeunerleben", das sinfonische Festvorspiel „Feierklänge zum Ludwigstage", das Märchen, Idyll und die Fantasie „Der Traum des PrinzA Carneval" werden hier oft verlangt), verwendet wirklich Mühe und Kunst für seine Concerte. Jede Woche sind neben den feststehenden Concerten noch zwei bis drei Wagner-, Beethoven-, Liszt-, Mendelssohn-, Weber-, Schubert-, Operetten- u. s. w. Abende, welche stets ein sehr zahlreiches Publikum anziehen. — Von den Concerten sind hervorzuheben: Ein Rubinstein- und ein Internationaler Componisten-Abend, sowie ein ungarisches Concert.
Zu den Abendunterhaltun^en gehören auch die Theater- Aufführungen des Sommer-Theaters (Widmanns Ensemble vom Königl. Opernhause zu Bayreuth). Die Vorstellungen finden wöchentlich dreimal statt. Director Widmann ist ein ganz vorzüglicher Comiker.
Es wird dunkel und das Herz muß Ruhe haben. Ein kühler Wind zieht leise flüsternd durch den Park, sonst ist Alles ruhig. — Doch nein, da murmelt und braust etwas durch die Stille! Jetzt braust es stärker und fftärker, dann scheint es wieder zu verhallen wie 'ein fern rollendes unterirdisches Geröse. — Ich sehe schärfer in die Nacht. — Der Sprudel! Das Wahrzeichen von Nauheim, die Hoffnung der Herzleidenden!
verrutschter.
* Berlin, 12. August. Beim Liebeswerben „gekentert". Eine größere Gesellschaft hatte einen Ausflug nach Treptow unternommen, an welchem sich auch der auf dem Gesundbrunnen wohnende 25jährige Kaufmann L. be- theiligte. Herr L. ist ein eifriger Verehrer jeder Frauen- fchönheit und so war es ganz natürlich, daß er der 22jährigen hübschen Tochter eines in der Pankstraße wohnenden Unternehmers sich ganz besonders widmete. Fräulein D., welche an ihm ebenfalls Gefallen fand, nahm feine Einladung zu
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Ivas über das Herz lesen." — „Du lieber Himmel, wer ird denn als Herzleidender medicinische Pücher lesest, da legt man ja Herzklopfen!" — Der Herzleidende kriegt jetzt on Herzklopfen und sagt schüchtern: „Ich will ja nur etwas er das Herz lesen, wo man nämlich über sein Herz lachen ch." —
Die Curmusik beginnt und die Herzleidenden müssen still jiti. Eben ist es auch 5 Uhr und da unten im Parke, an n Badehäusern beginnt stolz und mächtig eine weiße Schaumule in die Höhe zu steigen- immer höher und brausender, las ist der berühmte Nauheimer Sprudel, ein Strahl der offnung im besten Sinne des Wortes!
Das Wasser der Nauheimer Soolquellen hat schon manchen raufen geheilt oder erquickt. Als Badegast Nr. 1 figurirt jemand Geringeres als — der heilige Bonisacius. Durch n Engagement als Reichscommissär und Apostel der Deutschen m Bonisacius im Jahre 720 in die hiesige Gegend. Der dpsere Mann war aber z. Z. etwas leidend und sollte doch tkanntlich eine dicke Eiche umhauen. Um sich nun zu stärken, jarb er in Nauheim Badegast. Wo jetzt Nauheim steht, war Ides seligen Bonifacius Zeiten noch Alles Wildniß, niedriger falb und Schwarzdornen; aber zwischen wildem Dorn- sträuche rieselte schon damals einsam eine Salzquelle dahin, äumend von der einstigen Größe und Herrlichkeit des Bades Nauheim im Zeitalter der Herzleidenden.
Bonifacius nahm also Bäder, ging dann direct nach eismar und fällte dort, infolge der Nauheimer Thermen, ! Leichtigkeit die uralte heilige Eiche des Donar.
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ne Herzleidendeu, seine Bäder und seine Unterhaltungen.
Von Einem, der herzleidend war.
Das leidende Herz hat in den Soolbädern von Bad- lvheim eine Zufluchtsstätte gefunden und manch klopfendes, «hcndes Herz darf hoffen, dort Besserung zu finden, ja selbst nz zu gefunden.
। Die Vorzüge der Nauheimer warmen Quellen für jeumatismus und Herzleiden und die oft großartigen uren sind nun auch endlich in der ganzen Welt bekannt, is allen Ländern kommen die Herzleidenden nach Bad- luheim und in den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl r Badegäste verdoppelt. Für dieses Jahr wird die Zahl )0O überschritten werden.
Die meisten Besucher von Nauheim sind herzleidend. — i sitzen sie bei der Musik am Curhaus und unterhalten sich in ihren Herzfehlern. Die älteren Patienten belehren ge- ihnlich die jüngeren. — „Lesen Sie ja nicht so viel", irnt eine Dame- „mein Mann und ich haben neulich auch viel gelesen und konnten die ganze Nacht nicht schlafen, chten zwei Schlafpulver nehmen." — „Aber ich möchte
einer Bootsfahrt gerne an und bald hatte sich das junge Paar den Blicken aller Neugierigen entzogen. Nun konnte Herr L. seine Liebesgefühle nicht wehr zurückhalten- kurz entschlossen kniete er zu den Füßen der Angebeteten nieder, um ihr „den Brand" in seiner Brust zu schildern. Ob nun aber die Liebeserklärung des Kaufmanns zu lebhaft war, oder der Nachen die Größe seiner Liebe nicht zu fassen vermochte, lassen wir dahingestellt, kurz, das Boot schlug plötzlich um und beide Insassen fielen ins Wasser. Zum Glück war der Vorgang bemerkt worden und so gelang es, das Pärchen zu retten.
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— Zum Einmachen -eS OdsteS. (Nachdruck verboten.) Die Verluste, welche in den meisten Haushaltungen durch Verderben eingemachter Früchte alljährlich verursacht werden, sind sehr groß und werden nur zu oft durch Fehler, welche beim Einmachen begangen werden, verursacht. Zum Einmachen des Obstes benutzt man Zucker oder Luftabschluß. Beide Momente verhindern, daß die niederen Lebewesen, wie Schimmel u. s. w. ihre zerstörende Thätigkeit ausüben können. In einer concentrirtm Zuckerlösung können sie nicht leben, ebensowenig wie sie unter Lustabschluß eindringen können. Ist die Zuckerlösung jedoch nicht stark genug, so läßt der Zucker nicht nur ihre Lebensfähigkeit zu, sondern bient ihnen als hauptsächlichstes Nahrungsmittel. Der Zucker muß deshalb in genügender Concentratton angewandt werden, Sparen ist hier nicht am Platze. Weiter ist zu beobachten, daß die Conseroirungsmittel sich innig und vollkommen mit dem zu conservtrenden Obst vereinigen müssen. Bleibt noch eine undurchtränkte Stelle in den Früchten zurück, so kann diese ,$ur Verderbniß des Ganzen führen. Der Saft des Obstes darf nicht aus demselben herauögepreßt werden, weil dadurch das Eindringen der Zuckerlösung erschwert wird; man rechne aber bei der Bestimmung des Zuckerquantums von vornherein mit diesen Saftmengen, damit die Zuckerlösung nicht zu dünn wird. Wiederholtes Abgießen, Aufkochen und Wiederaufgießen des Saftes ist zu empfehlen, wenn es sich darum handelt, Früchte auf Jahre hinaus auch ohne besonders sorgsamen Verschluß haltbar zu machen. Leider büßen die Früchte durch die starke Verzuckerung meistens an ihrem angenehmen Aroma und säuerlichen Geschmack ein; will man diese sich erhalten, so ist eine Aufbewahrung unter Luftabschluß nothwendig. Haupterforderntß ist hierbei aber, daß so kleine Gefäße zur Verfügung stehen, daß der Inhalt zu einer Mahlzeit verbraucht werden kann, denn nach dem Oeffnen tritt schon in kurzer Zett Verderbniß ein. Haupterforderntß ist, daß die Früchte kurz vor dem Einfüllen in die Gefäße tüchtig gekocht haben, damit alle in denselben befindlichen Gährungsketme getödtet sind. Bet längerem Stehen nach dem Aufkochen kommen neue Keime hinein, welche später zur Verderbniß Anlaß geben. — Der Verschluß muß durch Uebergießen mit Fett und zwar sofort nach dem Einfüllen des Obstes in die Gefäße geschehen. Die Fettschicht darf nicht zu dünn sein; harter Rtndstalg eignet sich am besten dazu. Ein sorgsames Verbinden mit Darm- oder Blasenhäuten ist außerdem unumgänglich nothwendig. Reinlichkeit ist ebenfalls in peinlichster Weise zu beachten, besonders Brotkrumen rc. sind gefährlich. Alte Korken dürfen beim Einmachen in Flaschen niemals verwandt werden. Ein kühler Aufbewahrungsort mit frischer Luft ist der beste, jedoch muß derselbe frostfrei sein. Ein öfteres Nachsehen des Eingemachten ist nothwendig, da man, falls sich Schimmelbildung zeigen sollte, durch Umkochen, Zusatz von Essig, baldigen Verbrauch ost Vieles retten kann, was sonst schon in kurzer Zeit der völligen Verderbniß anheimgefallen wäre.
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