Ausgabe 
19.2.1890
 
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Mittwoch den 19. Februar.

(Stegner Anzeiger.

Beilage zu Nr. 42. - 1890

Der Bericht über die Ergebnisse der Erhebungen über die Lage der Landwirthschast

ist von dem hierfür eingesetzten Sonder-Ausschusse fertig- gestellt. Die Einleitung zum allgemeinen Theil führt die bei der Enquete ausgestellten zehn Fragen auf, berichtet über die Wahl des Sonder-Ausschusses (zu dem die Herren Dr. Gutfleisch, Haas, Kredel, Michel, Möhn, Schade und Dr. Schröder gehören) und die wegen der Reichhaltigkeit des Materials nothwendig gewordene Arbeitstheilung in demselben, sowie über die bezüglichen Anträge der Großh. Centralstelle für die Landwirthschast an die Großh. Regierung. Der Abschnitt II. des Berichts gibt allgemeine Betrach­tungen über die Ergebnisse der Enquete, insbesondere die Frage der Rentabilität des Betriebs, sowie über die aus der Zusammenstellung gezogenen Schlußfolgerungen. Wird auch der Plan, die Fragestellung re. der Enquete als richtig an­erkannt und der Nutzen des Enquetewerkes im Ganzen als von weitreichender Bedeutung bezeichnet, so werden doch vom Sonder-Ausschuß die von der Enquete-Commission aus den Enquete-Ergebnissen gezogenen Schlußfolgerungen viel­fach als unrichtig bezeichnet.

Hinsichtlich der Frage der Rentabilität des Betriebes lieferte die Enquete das Resultat, daß von den 68 in Unter­suchung gezogenen Wirthschaften nur 34 eine Rente von über 1 pCt., während 11 unter 1 PC., 1 keine Rente lieferte und 22 mit einem mehr oder weniger bedeutenden Deficit arbeiten. Der Bericht des Sonder-Ausschusses gelangt bei Untersuchung dieses Ergebnisses zu dem Resultat: Nur in den von der Natur beson ^Wr s begünstigten Gegenden des Landes ergibt sich eine mäßige Bodenrente, in den weniger begünstigten Landestheilen rentirt die Landwirthschast nicht

mehr. Hierbei constatirt der Sonder-Ausschuß eine auch bei uns in Hessen stattgehabte Werthbessernng der wichtigsten landwirthschastlichen Erzeugnisse und gibt in seiner Mehrheit der Ansicht Ausdruck, daß eine Abschaffung der land- wirthschafrlichen Zölle, wie sie vor einiger Zeit im Reichstage beantragt war, unter den jetzt b e st e h e n d e n allgemeinen wirthschaftlichen Verhältnissen ein schwerer Schlag für die hessische Landwirth- schaft sein würde. Ein weiterer Grund für die un­befriedigende Rentabilität gewisser abgelegener Gegenden liegt in der totalen Umgestaltung unserer Verkehrs- und Absatz­verhältnisse. Die Erbauung von Seenndärbahnen erscheine auch als im landwirthschastlichen Interesse gelegen. Der mächtigste Hebel zur Besserung dieser schwierigen Ver­hältnisse liege aber in der Selbsthülse. Vor Allem müsse jeder Landwirth bestrebt sein, durch intensive Bewirth- schastung die höchstmöglichen Erträge aus dem Boden heraus­zuholen.

Der Abschnitt B. besonderer Theil behandelt III. Technik des landwirthschastlichen Betriebs, Nebengewerbe, Arbeiter­verhältnisse, Hausindustrie u. s. w. und zerfällt in die 17 Unterrubriken: Getreidebau, Viehzucht, Viehhandel und Viehabsatz, Fleischbeschau, Molkereien, Weinbau, Obstbau, Handelsgewächsbau, Zustand der Staatsgüter, landw. Neben­gewerbe, Hausindustrie, Arbeiterverhältnisse, Maschinenwesen, Düngung, Streuabgabe, Prämiirung ganzer Wirthschaften. Beim Getreidebau spricht sich der Sonderausschuß dahin aus, daß derselbe zu einem rationellen landwirthschaftlich technischen Verrieb gar nicht zu entbehren und das Barometer für die Rentabilität der Landwirthschast sei, denn da, wo er nicht mehr rentire, rentire die Landwirthschast überhaupt nicht mehr. Bei der Viehzucht liege der wich­tigste Schritt in der Bildung von Zuchtgen ossen-

sch asten und die landwirthschastlichen Bezirksvereine sollten angelegentlichst dahin wirken, dieselben überall ins Leben zu rufen. Für diese Vereine und diese Zuchtgenossenschaften sei es auch eine sehr dankbare Ausgabe, den Viehhandel besser zu organisiren und reeller zn gestalten, namentlich auch den kostspieligen Zwischenhandel entbehrlich zu machen. Bei der Fleischbeschau wird gewünscht, daß man nicht jeder angeschwollenen Halsdrüse rc. wegen ein sonst ganz gesundes Stück Vieh für tuberculös erkläre, wodurch dem Besitzer ohne Noth ein empfindlicher Schaden zugefügt würde. Bei der Molkerei fei für den Kleinbesitz eine genossenschaftliche Organisation erforderlich. Der Wiesenbau müsse besser als bisher gepflegt werden. Der Weinbau liefere wohl in den hierzu geeigneten Gegenden eine ergiebige Einnahmequelle, doch habe man vielfach feine Bedeutung als Quelle des Wohlstandes überschätzt. Beim Obstbau sollte man mehr auf eine zweck­mäßige Behandlung der vorhandenen Bäume und deren Wiederersatz, als auf eine ungemessene Vermehrung sehen. Bedauert wird das Aufhören der Flachs- und Hans­en ltnr u. s. w. Abschnitt IV des Berichts behandelt die Besitzvertheilung, Grundbesitz des Staats, Fideicommiß- verhältnisse und Anerberecht, Grundverschuldung, Personal­verschuldung, Grund- und Personalcredit, Pachtverhältnisse, Stempel und Gebühren. Abschnitt V Versicherungswesen. Abschnitt VI Steuern und Zölle. Abschnitt VII Handel, Verkehr und Verkehrswege. Abschnitt VIII Landwirtschaft­liches Unterrichtswesen.

Schiffrnachvlchten.

Der PostdampferBklgrnlond" derRed Star Line" in Ant­werpen ist laut Leu graium am 13 Februar wohlbehalten in Newyork angekommen.

Reichstagswahl.

Mittwoch den 19. Februar 1890, Abends 8 Uhr, im großen Saal des Eaf<? Leib:

1402

Allgemeine Wlihlerverjaminlllng.

Das freisinnige Wahlcomits.

Königliche Eisenbahn Direktion Hannover. Königliches Eisenbahn-Betriebs-Amt Lasset.

(Main Wefsr Bahn.)

Verdingung«

Für den Neubau des Güterschuppen- nebst Bureau- gebaude auf Bahnhof Bad-Nauheim sollen

Loos I: Die Erd-, Maurer-, Asphalt- und Steinmetz-Arbeiten, Loos II: Die Zimmer-, Dachdecker- und Klempner-Arbeiten, Loos III: Die Tischler-, Glaser-, Schlosser- und Anstreicher-Arbeiten einschließlich der Material-Lieferungen, in Loosen getrennt oder auch im Ganzen, auf Grund der Bedingungen für die Bewerbung um Arbeiten und Lieferungen vom 17. Juli 1885 öffentlich verdungen werden. Angebote mit der Aufschrift:Angebote auf Loos......zur Herstellung des Güter­

schuppens auf Bahnhof Bad-Nauheim sind versiegelt an die unterzeichnete Eifenbahn-Bauinfpection bis Montag den 3. März 1890, Bor- mittag- 10 Udr, gebührenfrei einzusenden.

Verdingungsanschläge, Zeichnungen und Bedingungen liegen ebendaselbst während der Dienststunden zur Einsichtnahme aus; auch können dieselben gegen gebührenfreie Einsendung von 2,50 Mark in Baar (nicht Briefmarken) von hier bezogen werden. Angebote, welchen die vorgefchriebenen, mit Namens­zug und Siegel versehenen Proben nicht beigefügt sind, werden nicht berück­sichtigt. Zuschlagsfrist 3 Wochen. 1327

Frankfurt a. M., den 13. Februar 1890.

(Gallusanlage 4.)

Königliche Eifenbahn-Bauinspection.

Bekanntmachung

Au» der Plockischen Stiftung sind von der Stadtverordneten- Versammlung mehrere Pfründen zu besitzen, welche unentgeltliche Aufnahme in dem städtischen Hospital solchen in Gießen geborenen Personen gewähren, die durch kein lüderliches und verschwenderisches Leben in Armuth gerathen sind".

Bewerber wollen ihre Meldungen binnen 14 Tagen bei der unter­zeichneten Stelle anbringen.

Gießen, am 15. Februar 1890.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. __Gnauth.__ 1*12] Etn Dienstmädchen, welches 1390J Ein zuverlässiger Pferdeknecht melken kann, gesucht durch mit guten Zeugnissen gesucht.

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Neustadt 15. [1360

Allgemeine Wähler-Versammlung 3386* Mittwoch den 19. d. Mt».. Abends 8 Uhr, in Steins Garten.

Tages-Ordnung: Reichstagswahl.

Alle Wähler, besonders die Arbeiter, find hierzu sreundlichst ringelnden. 1362

Das ArbMrMahtConM.

Den Wählern bringen wir zur Kenntniß, daß die Stimmzettel für unseren Candidaten das gl iche Format und Papier haben, wie die der übrigen Candidaten. 1363

Das Arbeiter-Wahl-Comit6.

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