1890
Donnerstag den 18. September
Nr. 217
Amts- und Anzeigrblntt für den Areir Giehen.
chratisöeikage: Kießener Kamilienölätter
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Amtlicher Theil.
iHt 8 Tage erscheint, ist
Feuilleton
Sie
da werde ich
nett,
großer Ruhe gibt,
In diese Gedanken
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
ich Sie aber kein Mädchen
Besuch.
(Nachdruck verboten.) aus?" — Sin zwöls- athemlos in die Küche am Herde hantirte.
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Es werden nur solche Bullen angekört, welche entweder schon sprungfähig sind oder dies wenigstens in kurzer Zeit werden. _ . C1,r L .
Die Bullen müssen an einem Nasenring geführt werden.
Gießen, den 5. September 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Ein ungelegener
Von M. Laue.
tärischen Schauspieles fuhr die Kaiserin im offenen Wagen nach Liegnitz zurück, ihr folgte unmittelbar der Kaiser, an der Spitze der Fahnencompagnie reitend. Bei der Ankunft in Liegnitz wurde das Kaiserpaar von den Spitzen der Behörden, von Ehrenjungfrauen, den Schulen und den Corpo- rationen ehrfurchtsvoll begrüßt. Nachmittags fand im königlichen Schlosse zu Liegnitz großes Paradediner statt, bei welchem der Kaiser in huldvollen, die Leistungen des- Armeecorps anerkennenden Worten einen Trinkspruch auf das Wohl des 5. Armeecorps ausbrachte. Der commandirende General v. Seeckt dankte mit der Versicherung der Hingebung und Treue des Armeecorps für Se. Majestät. Abends erstrahlte die Stadt in prachtvoller Illumination - vor dem Schießhause ließ der Kaiser den ihm gebrachten Fackelzug an sich vorüberziehen und hörte dem Zapfenstreich zu. Die Kaiserin reiste noch Abends nach Breslau zurück. Am Spätabend des Mittwoch gedachte alsdann die hohe Frau tnt Neuen Palais bei Potsdam wieder einzutreffen.
König Albert von Sachsen hat sich nach Schlesien begeben, woselbst er der Begegnung der Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef beiwohnte, um sich dann gemeinsam mit den beiden Kaisern in das Terrain der Manöver des 5. Armeecorps gegen das sechste zu begeben.
Der preußische Finanzminister, Herr Dr. Miquel, hat vor Kurzem eine Probeveranlagung nach dem System seines neuen Gewerbesteuereutwurses veranstalten lassen. Nach den bislang hierüber vorliegenden Mittheilungen hätte dieselbe einen sinanziellen Minderertrag gegenüber den Erträgnissen aus der bisherigen Gewerbesteuer ergeben, so daß der Miquel'sche Entwurf schon jetzt der Gegenstand von Angriffen geworden ist, obwohl noch nicht einmal eine authentische Mittheilung über die Grundzüge des Entwurfes vorliegt. Aber jedenfalls läßt sich nach dieser einmaligen Probeveranlagung durchaus noch kein sicherer Schluß auf die wirklichen Erträgnisse der reformirten Gewerbesteuer ziehen und außerdem muß unter allen Umständen anerkannt werden, daß die neue Veranlagung schon nach dem Wenigen, was bislang hierüber bekannt geworden ist, einen Fortschritt zum Bessern gegenüber dem jetzigen Modus der Gewerbesteuer bedeutet. Denn der Miquel'sche Entwurf spricht in seinem Grundgedanken eine nicht unbeträchtliche Steuerentlastung der kleineren Gewerbebetriebe und 'dafür eine stärkere Belastung der Großbetriebe aus und dies ist eine so nothwendige Reform, daß selbst ein vorläufiger Minderertrag der neuen Steuer mit in den Kauf zu nehmen wäre. Aber sicherlich ließe sich der Miquel'sche Entwurf, sollte er in seinen financiellen Wirkungen in der That nicht ganz den gehegten Erwartungen entsprechen, noch
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geschoben?"
„Du hattest gestern bei der Wäsche keine Zeit, mir zu helfen, liebe Mama, und hast mich aus heute vertröstet."
Die kleine Anni hat Recht. Gestern konnte die Mama nicht und vorgestern konnte Annichen nicht, weil sie lieber spielen wollte. Letzteres verschweigt sie jedoch und die Mutter forscht nicht weiter nach, wann die kleine Saumselige es früher hätte thun können. Thatsache ist, daß es jetzt sofort geschehen muß, da die Partie heute Nachmittag nur gemacht wird, wenn die drei Kinder ihre Schularbeiten fix und fertig haben. Da aber das Töchterchen, wie das letzte Zeugniß besagt, „nur dann versetzt werden kann, wenn es sich im Französischen bessert", sieht sich Mama veranlaßt, ihr bei den betreffenden Schularbeiten zu Helsen. Inzwischen sind Karl und Albert auch aus der Schule gekommen, mit der- selben Frage wie Anni, und geben nun ihrer Freude aus das bevorstehende frohe Ereigniß durch Johlen, Pfeifen und
„Und was glauben Sie, Frau Doctor, was sie darauf thut? Nun, ich schweige —"
„Gottlob," denkt die andere mit einem Seufzer der Erleichterung.
„Ja, zu beseufzen ist diese gräßliche Geschichte," fährt die Frau Director fort, „die sich in der Elite der Gesellschaft zugetragen hat, aber ich will nicht Diejenige sein, die es unter die Leute bringt,- man ist es seinem Kreise und der Gesellschaft schuldig, daß man es bemäntelt und verschweigt. Nun aber, da wir gerade so ganz unter uns sind, will ich sie Ihnen unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertrauen."
Hätte sie gewußt, daß alles, was jetzt ihren redseligen Lippen entströmt, taube Ohren trifft, daß die gelegentlichen Exklamationen der Frau Doctor: „wie schrecklich", „wie entsetzlich" deßhalb so von Herzen kamen, weil sie mehr den Folgen dieses langen Besuches galten, als der sensationellen Erzählung — hätte sie das gewußt, sie hätte vielleicht ein menschliches Rühren gefühlt und ein Ende gemacht. Endlich ist sie am Schluß der Geschichte, wie es scheint,- die Doctorin sagt abermals, da sie es für passend erachtet: „Wie schrecklich ist das," und denkt nun endlich erlöst zu fein; jifoer nein, jetzt werden die Folgen prophezeit, die Moral des Ganzen weislich erwogen. „Nicht wahr, wie entsetzlich?"
„Ja, ganz entsetzlich," echoet die wie auf heißen Kohlen sitzende Frau, aber was sie entsetzlich findet, ist die Rückkehr ihres Gatten, dessen Stimme sie soeben — von draußen vernimmt. „Jetzt sollte nun das Essen auf dem Tische stehen und die ganze Familie full dress fein!"
„Ah, da ist Ihr Herr Gemahl, jetzt gehe ich, denn Sie müssen speisen."
„Sie müssen speisen!" Das sagte sie so ruhig und sollte doch als Hausfrau wissen, daß das Essen sich Nicht von selbst kocht und nicht allein auf den Tisch marschirt. Doch — man hat sich in der That erhoben — „aber beinahe hätte ich vergessen, weßhalb ich eigentlich herkam. Wo wohnt doch Ihre Schneiderin? Ich sand das neue Kleid, das Sie.
Bekanntmachung,
die Abhaltung landwirthschastlicher Vorträge betreffend.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Landwirthschastslehrer Leithiger von Alsfeld
1) Sonntag den 21. September 1890, Nachmittags 2Vr Uhr, einen Vortrag über: Molkereiwesen in dem Locale des Herrn Wirths Konr- Weil III. zu Lang-Gon-;
2) Sonntag den 28. September 1890, Nachmittags 2 Uhr, einen Vortrag über: landwirth- schastliche Buchführung in dem Gasthofe „Zum Rappen" zu Grünberg;
3) Sonntag den S. Oktober 1890, Nachmittags 2 Uhr, einen Vortrag über: Anlage von Gewannwegen in dem Locale des Herrn Joh. Heiland zu Lich halten wird.
Alle Mitglieder des landwirthfchaftlichen Bezirksvereins, der landwirthfchaftlichen Localvereine und alle Freunde der Landwirthfchast werden zu diesen Versammlungen hierdurch ergebens! eingeladen.
Die Herren Bürgermeister der Gemeinden, in welchen Vorträge gehalten werden, sowie die der benachbarten Gemeinden werden hierdurch ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.
Gießen, den 8. August 1890.
Der Director des landwirthfchaftlichen Bezirksvereins Gießen. Jost, Regierungsrath.
j-olittsche Nebevsicht.
Gießen, 17. September.
Die Kaifertage in Schlesien nehmen ihren erhebenden und glanzvollen Fortgang. Am Montag Vormittag fand bei Liegnitz die Parade des 5. (posen'schen) Armeecorps vor dem Kaiser statt, die in glänzender Weise verlief. Der Kaiser führte hierbei zwei Mal das Leibgardehusaren-Regiment vor, Prinz Ludwig von Bayern zwei Mal das niederschlesische Infanterie-Regiment Nr. 47. Nach Beendigung des mili-
Bekanntmachung,
die Abhaltung der öffentlichen Faselfchauen betreffend.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß in Verbindung mit der am 22. l. M. zu Hungen stattfindenden Viehvreisvertheilung Vormittags 9 Uhr eine öffentliche Faselschau durch die Körcommifsion vorgenommen werden wird. Aus dem Markt zu Gießen am 23. L M. wird dagegen eine öffentliche Faselschau durch die Körcommisfion nicht abgehalten werden. Die Schau am 22. d. M. in Hungen findet nur zum Zweck der Ankörung statt. Die Körcommisfion wird vorzugsweise Fasel der Berner und Simmenthaler Rasse (Reinzucht und Kreuzung) und der Vogelsberger Rasse (Reinzucht) berücksichtigen und Bullen anderer Raffen nur dann, wenn die Thiere besonders schön sind.
„Mutter, wir fahren doch heute jähriges kleines Mädchen rufts fast Hinein, wo die also Angeredete eifrig
„Ja, liebes Kind, und ich denke, wir werden bei dem prachtvollen Wetter recht vergnügt draußen sein. Also die Schule ist aus, so spät ists schon? Da werde ich noch alle Hände voll zu thun haben, damit wir recht pünktlich essen können. Auch muß ich noch ein weißes Kleid für Dich Plätten, Dein Sonntagskleid möchte heute zu warm sein. Du kannst unterdessen den Tisch decken."
„Ja. Aber, Mama, ich muß auch noch für morgen Französisch präpariren —"
„Kind, hast Du denn wieder Deine Arbeiten aus-
eiu gelegentliches Zupfen an den laugen braunen Zöpfen ihres Schwesterchens Ausdruck. Und wie sie fliegen, diese Zöpfe! Anni eilt wie eine Gazelle hin und her. Jetzt ist die Tafel gedeckt uud sie hat sich mit ihrem Buche aus dem Corridor etablirt, wo die Mutter bereits am Plättbrett beschäftigt ist, nebenbei ihre Töpfe in der Küche beaufsichtigt und ihrem Töchterchen als Dictiouair dient. Da werden Schritte auf der Treppe hörbar, unmöglich schon der Papa — nein, es rauscht ein Gewand, eine Dame . . .
„Ah, guten Tag, Frau Director, wie angenehm," —- sie sagts, aber sie denkt: „Ach, wäre die doch, wo der Pfeffer wächst!"
Die Frau Director will aber gar nicht stören, sie wollte nur einen kurzen Besuch machen. Jetzt ist sie ins Empfangszimmer hineincomplimentirt.
„Aber wenn Sie nach N. fahren wollen, müssen Sie ja gleich nach Mittag aufbrechen. Kommt denn die kleine Emma auch mit?"
„Gewiß, das erhöht ja das Vergnügen, wenn wir sie alle um uns haben. Augenblicklich schläft die Kleine, da wird sie nachher recht frisch und munter sein."
Bekanntmachung.
Wir bringen hiermit zur Kenntniß der Interessenten des Greifes, daß die Heu- und Stroheinkäufe für das Magazin des Königl. Proviant - Amts Bockeoheim fortgesetzt werden, sowie daß der Ankauf von Hafer in nächster Zeit beginnen wird.
Der Hafer soll möglichst direct von den Producenten angekauft werden. x , , _ , „
Das Königl. Proviantamt in Bockenheim ist bereit, specielle Auskunft über die Qualitäts-Ansprüche und die zu gewährenden Preise mündlich oder schriftlich zu ertheilen, sofern Seitens der Producenten bemusterte Offerten demselben vorgelegt werden.
Gießen, den 16. September 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Während sie sich so den Anschein denkt sie mit Schrecken an das weiße Kleid, das zu trocken zum Plätten wird, an den Braten im Ofen, der verbrennen kann, an die arme Anni, die gerade an einer so schweren Stelle ihrer französischen Lectüre war. In diese Gedanken vertieft, hat sie gar nicht bemerkt, wie die Frau Director im eifrigen Erzählen einer sehr pikanten Geschichte ist, die sich In einer bekannten Familie ereignet.
Der tutetet **|dger erscheint täglich, eit Ausnahme deS MontagS.
Die Gießener V«»ttte«»räitet •«tben dem Anzeiger «Schentlich dreimal ^eigelegt.
jederreit Abonnements an. Mich die Administration V.
„Ach, da wird Ihnen aber der Kopf noch warm werden, bis alle die Kinder reisefertig sind. Nun will
ichmer Anzeiger
Kenerak-Anzeiger.
Her, » enktafeln "gischen Graniten Hrung liefern die ie Bensheim n (in Men).
n Lagers Wichst ein. Auf beiunsgekauft.Denkniäler.
ien Realkau miil*chen en'Real-Polytechnische
»Beruf oder ei„ E Runden ungerichtet.
September.
;ber: Dr. Kübel, ihofstrasse 45.
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Bekanntmachung.
Es wird zur öffentlichen Kenntniß hierdurch gebracht, daß hie landw. Winterschule zu Alsfeld den 27. October l. I., Vormittags 10 Uhr,- eröffnet und kurz vor Ostern gefchlossen werden wird. Da ein rationeller Wirthfchaftsbetrieb nicht auf handwerksmäßiger, sondern auf wissenschaftlicher Grundlage basirt, so empfehlen wir hierdurch den Herren Landwirthen, die verhältnißmäßig nicht großen Opfer, die mit dem Besuch einer landw. Schule verbunden sind, aufzubringen und ihre erwachsenen Söhne eine landw. Schule besuchen zu lassen.
Gießen, den 16. September 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v Gagern.
auch nicht länger aufhalten, denn da haben . . ."
„Nun, die Anni hilft mir schon ganz noch längst fertig."
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