Nr. 114. Erstes Blatt Sonntag de» 18. Mai
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1890
Der
•Menet Anzeiger erscheint:aglich.
Bit Ausnahme des Montags.
Die Gießener ••«HUnlfÄttet Verden dem Anzeiger vSchentlich dreimal deigelegt.
Kenerat-Mnzeiger.
ießemr Anzeiger
vierteljähriger ZSonnementspreiAr 2 Mark 20 Mg, mV Bringerloyn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg
Aedaction, Expedition und Druckerei:
Achnkstraße Ar.,< Fernsprecher 51.
Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren.
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag, für den 6011**0* <’&r0601t0Y 0ttfif*ff 01* Äße «nnoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm«
folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Anzeigen für den .Gießener Anzeiger- mtgeg«.
Amtlichen Theil.
Bekanntmachung,
die Unterhaltung der Kreisstraßen betreffend.
Wir bringen hierdurch den Fuhrwerksbesitzern zur Kennt- ttt6, daß sich auf der Kreisstraße Gießen—Wieseck von Montag den 19. d. Mts. ab eine Dampfstraßenwalze in Thätigkeit befindet»
Gießen, am 17. Mai 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Lehrer-Conferenz
des Conferenz-Bezirks Gießen am 21. Mai, Vorm. 10 Uhr, in Gießen.
Lieder: 5. 130.
Die Kataloge der Kreisschulbibliothek mitbringen.
Gießen, den 16. Mai 1890.
Büchner, Schulrath.
Gefunden: 2 Armbänder, 1 Karte der Umgegend von Gießen, 1 Herrenhut, 1 Scheere, 2 Wagenketten, 1 Regenschirm, 1 Reisetasche mit Inhalt, 1 Ranzen mit Inhalt, 1 Geldbeutel mit Inhalt, 1 Gesangbuch, 1 Milchkanne.
Zugeflogen: 1 Kanarienvogel.
Gießen, den 17. Mai 1890.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Deutsches Reich.
Königsberg i. Pr., 15. Mai. Der Kaiser und die Kaiserin fuhren Nachmittags 4 Uhr nach Louisenwahl. Obwohl die Stunde des Besuches Vormittags noch nicht feststand, harte sich ein sehr zahlreiches Publikum in den Hufen eingefunden, das die Ankommenden enthusiastisch begrüßte. Nach einem viertelstündigen Besuche des Louisenhauses begab sich das kaiserliche Paar nach dem Fort Marienberg, um die dortigen neuen Arbeiten zu besichtigen. Um 6 Uhr erfolgte di'e Rückfahrt nach dem Schlosse. Zu dem auf 7 Uhr ange- gesetzten Diner waren mit Einladungen beehrt worden: der Oberbürgermeister, der Polizeipräsident, der Oberpräsident, owie mehre andere Herren.
2ln»laitö.
London, 15. Mai. Im Unterhause theilte der Unter- staatssecretär des Aeußeren, Sir James Fergusson auf eine Anfrage mit, Stanley habe mit den Häuptlingen im Innern Afrikas in seinem Namen Abmachungen getroffen, aber nicht unter der Autorität der englischen Regierung. Im östlichen Sudan herrsche noch große Unsicherheit und Noth; Abteilungen der Derwische beunruhigten fortwährend die dortige Gegend durch Einfälle. Die Handelscompagnie im Sudan habe mit den Häuptlingen vorläufige Abmachungen getroffen behufs des Baues von Baumwolle und der Oeffnung der Handelsstraße nach Berber. Was die Proclamation der Britisch-ostafrikanischen Gesellschaft vom 3. Mai angehe, so -werde durch dieselbe die Sclaverei in einem gewissen Bezirke des Gebietes der Gesellschaft und in einem Umkreise von zehn Meilen verboten. Die Proclamation berühre jedoch nicht die Sclaverei, wie sie jetzt bestehe. — Das Unterhaus nahm mit 339 gegen 266 Stimmen nach dreitägiger Debatte die Regierungsbill an, durch welche die Extrasteuer auf Spriri- tuosen und Bier an die Localbehörden überwiesen wird, die unter anderem ermächtigt werden, Schanklocale behufs deren Aufhebung anzukaufen.
Neueste Nachrichten.
Wolsts telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 16. Mai. Der Bundesrath überwies den Antrag, betreffend die Errichtung eines Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I., den Ausschüssen für Handel und Verkehr und für Rechnungswesen, und nahm von der Vorlage, betreffend die weitere Sammlung von Actenstücken über Ostafrika,' Kenntniß.
Königsberg, 16. Mai. Das Kaiserpaar besuchte gestern Nachmittag nach Rückkehr vom Louisenhause die Kirche in Juditten, die älteste des Samlandes und wohnte daselbst dem Gottesdienste bei. Abends war bei dem Kaiser kleine Tafel von 40 Gedecken, bei der Kaiserin Damentasel von 80 Gedecken. Um 91/3 Uhr war Zapfenstreich mit glänzen
dem Verlauf- der Kaiser zeigte sich wiederholt am Fenster in lebhafter Unterhaltung mit seinen Gästen. Der Schloßthurm strahlte in rothem und grünem bengalischen Feuer, Racketen stiegen aus. Nach dem Zapfenstreich um 101/4 Uhr erschien das Kaiserpaar bei dem Abmarsch der Musikcorps am Fenster und wurde vom stürmischen Jubel der Menge im Schloßhose begrüßt.
Königsberg, 16. Mai. Der Kaiser fuhr um 61/* Uhr über Devau nach Werben, darauf nach Quednau, woselbst er eine Festungsübung bei dem Fort Quednau persönlich leitete. Der Kaiser ließ das von ihm besetzte For- angreifen und vertheidigte es durch schweres Geschütz- mit Sturm schloß die Uebung. Hiernach begab sich der Kaiser zur Besichtigung des Hafens Pillau. In Pillau traf der Kaiser um 9 Uhr 30 Minuten ein, besichtigte die Land- und Seeforts. Nach der Besichtigung fuhr der Kaiser in die See hinaus, wo vier Torpedo-Boote liegen. Der hier vor Anker liegende russische Torpedojäger salutirte bei der Vorbeisahrt. Um lV/2 Uhr kehrte der Kaiser von Pillau hierher zurück und begab sich sofort in das Schloß. Die Kaiserin besuchte Morgens 9 Uhr das Krankenhaus der Barmherzigkeit, wohnte daselbst der Einsegnung zweier Hilfsschwestern bei und fuhr nach Kinderhort, woselbst ein achtjähriges Mädchen einen Blumenstrauß überreichte. Hieraus fuhr sie nach den Erziehungsanstalten.
Breslau, 16. Mai. Der „Breslauer Zeitung" wird aus Ratibor berichtet: 36 Personen ertranken gestern an der Oder-Ueberfähre bei Slawikau.
München, 16. Mai. Der Prinzregenr richtete an den hiesigen Erzbischof ein Handschreiben, worin er sein aufrichtiges Bedauern über die beabsichtigte Abhaltung des deutschen Katholikentages Hierselbst ausspricht, weil die Abhaltung in München nicht geeignet sei, hier den Frieden zu erzielen und zu befestigen,. der von Ruhigdenkenden aller Kreise der Stadt dringend erwünscht wird. „Es ist mein lebhafter Wunsch", heißt es in dem Schreiben, „daß Sie sich, ehe ich weitere Maßnahmen zu der meinen Rechten und Pflichten gemäßen Wahrung des Friedens ins Auge fasse, mit den katholischen Männern, insbesondere mit dem Domeapitel, nochmals be- rathen und mir das Ergebmß dieser Besprechungen baldigst anzeigen."
München, 16. Mai. Der Prinzregent gab die Genehmigung zu Sammlungen in Bayern für einen Thurm als Bismarckdenkmal am Starnberger See und zu dem Berliner Bismarckdenkmal.
Hamburg, 16. Mai. Der „Hamburgische Correspondent" meldet: Die Direetion der Gasanstalt ist durch neuangeworbene Arbeiter vom Nordostsee-Canalbau, theils Italiener, theils Schweizer, nunmehr in den Stand gesetzt, alle Bedürfnisse der Gaseonsumenten vollauf zu befriedigen.
Hamburg, 16. Mai. Gestern Zlbend war großer Andrang nach der Stcinstraße- starke Polizeiabtheilungen zu Pferde und zu Fuß hielten alle Zugänge besetzt und zerstreuten leicht die Ansammlungen. Gegen 11 Uhr wurde die Polizei zurückgezogen.
Bilbao, 16. Mai. Gestern Nachmittag kam es zu einem Conslict zwischen den Truppen und den Strikenden- einer der letzteren wurde getödtet und mehrere verwundet. Um acht Uhr Abends war die Ruhe wieder hergestellt. In den Grubenbezirken dauert die Agitation fort - die Strikenden zerstörten mehrere Hütten. Sämmtliche Bergwerke und die meisten Eisenwerke Bilbao's sind jetzt geschlossen.
Sofia, 16. Mai. Auf Verlangen der Advokaten Panitz as und der anderen Vertheidiger wurden die Verhandlungen des Propstes bis zum nächsten Dienstag verschoben. Der Seeretär des deutschen Generalconsulats, sowie die diplomatischen Vertreter Englands, Oesterreichs, Italiens, Rumäniens und Griechenlands wohnten der Sitzung bei.
Konstantinopel, 15. Mai. Nach einer Meldung der „Agence de Constantinople" sollen auf den kaiserlichen Domänen Djedil und im Dorfe Bellek in der Nähe Bagdads von dreizehn verdächtig erkrankten Personen sechs gestorben fein, die Anzeichen deuten auf Cholera hin. Aerzte und ein Gensdarmeriecordon sind bereits nach Bellek abgegangen.
Cocates und ^provinzielles.
Gießen, 17. Mai.
— Ihre Großh. Hoheit Prinzessin Alice von Heffen reifte heute Vormittag 9 Uhr 39 Min. von Frankfurt a. M. kommend, hier durch. Ihr Reiseziel war Kirchhain.
— Durch Entschließung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz wurden der Gerichtsaccessist Karl Schliephake in Gießen zum Regierungsassessor und die Gerichtsaccessisten Otto Schwarz in Gießen nnd Karl Wiener in Gießen zu Gerichtsassesforen ernannt.
— Im Personale unserer städtischen Aemter treten demnächst folgende, in der Stadtverordneten-Versammlung am 13. Mai beschlossene Aenderungen ein: Herr Armenkasserechner Lauber wird Stadtrechner, Herr Bürgermeistereigehilfe Dö'pfer (seither provisorisch mit der Führung der Stadtkasse betraut) wird Armenkasserechner. Der seitherige Kreisamtsgehilfe Allendorf wurde zum 1. Bürgermeisterei- fecretär ernannt. Die in Folge hiervon bei Großherzogl. Provinzialdireetion und dem Großh. Kreisamt freigewordene Stelle eines ersten Rechnungsgehilfen und Protocollführers ist bereits ausgeschrieben.
— Die hiesige Fleischerinuung hat, wie das Gewerbeblatt für das Großh. Hessen berichtet, von dem ihr nach §. 97a, pos. 6 der Reichs-Gewerbe-Ordnung zustehenden Recht Gebrauch gemacht und ein Schiedsgericht errichtet, welches berufen ist, Streitigkeiten zwischen den Jnnungsmitgliedern und deren Gesellen zu entscheiden, welche auf den Antritt, die Fortsetzung oder Aufhebung des Arbeitsverhältniffes, auf die gegenseitigen Leistungen aus demselben, sowie auf die Ertheil- ung oder den Inhalt der Arbeitsbücher oder Zeugnisse sich beziehen. Dieses Schiedsgericht ist schon seit längerer Zeit zur beiderseitigen Zufriedenheit in Wirksamkeit und hat gute Erfolge aufzuweisen.
— Verhaftet wurde eine Dienstmagd, welche sich in die Schlafräume eines Dienstmädchens und eines Kellners einer hiesigen Wirtschaft eingeschlichen hatte und diesen Geld und andere Werthsachen entwendete.
x Friedberg, 16. Mai. Nicht oft genug können Eltern und Lehrer den Kindern das unsinnige Hintenaufsitzeu auf Wagen verbieten. Für diese Unsitte mußte am Himmelfahrttage hier ein Kind schwer büßen. Es sprang auf eine ziemlich rasch fahrende Kutsche, konnte sich jedoch nicht schnell halten und fiel so unglücklich, daß ihm ein Rad über Hals und Kopf ging. Den Aerzxen gelang es zwar, das Kind zum Bewußtsein zu bringen, doch liegt es noch hoffnungslos darnieder.
* Friedberg, 15. Mai. Gestern Abend 9 Uhr brachten die hiesigen Gesangvereine Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog und Höchstdessen Familie einen solennen Fackelzug und Serenade im Schloßhof dar. Nach einer Ansprache durch den Großh. Bürgermeister Steinhäuser schloß die Ovation mit einem Hoch auf Seine Königliche Hoheit, worauf Höchst- derselbe den Großh. Bürgermeister Steinhäuser und die Vereinsvorstände zu empfangen geruhte und Allen feinen Dank aussprach.
* Friedberg, 16. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute in Audienz die Herren Oberamtsrichter Baur, Pfarrer Walz, Bergrath Jäger, die Medi- zinalräthe Dr. Abbee und Dr. Groedel, Bürgermeister Wörner, Badecommissär Major Frhr. von Rotsmann — aus Bad- Nauheim - die Herren Professoren Köstlin und Dr. Weifenbach vom Prediger-Seminar in Friedberg, Director Schäfer vom Lehrer-Seminar, Pfarrer Schneider von Romrod, Justizrath Reatz von Gießen, Kammerherr Frhr. von Löw zu Steinfurth.
N idda, 14. Mai. Einen Kornhalm von seltener Länge um diese Jahreszeit fand gestern ein hiesiger Bürger. Derselbe maß mit Aehre 1,90 Meter.
■fr Unterwiddersheim, 15. Mai. Der hiesige Flurschütz fand vorgestern in unserem Walde unter Laub verdeckt ein hochträchtiges Reh, welches durch zwei Schüsse kurz vorher getödtet worden war. Aus sofort erfolgte Anzeige hat Großh. Oberförsterei Untersuchung angeordnet. Dem Wilderer ist man auf der Spur.
□ Trais-Horloff, 16. Mai. Sicherem Vernehmen nach hält die hiesige Braunkohlengrube und Brikett-Fabrik „Friedrich" ihr diesjähriges Bergmannsfest Sonntag den 8. Juni d. I. allhier bei der „Linde" ab. Da die neue Direction in der kurzen Zeit ihres Hierseins sich das Vertrauen der Arbeiter sowie der hiesigen Einwohner in vollem Maße erworben hat, auch in vielen anderen Beziehungen sehr zuvorkommend ist, so steht zu erwarten, daß das Fest an Betheiligung und Gemütlichkeit hinter den vorhergegangenen nicht zurückstehen wird.
Stockheim i. d. Wetterau, 16. Mai. Ein so wundervoller Himmelfahrtstag, wie wir ihn gestern zu feiern das Glück hatten, dürfte feit vielen Jahren nicht mehr vorgekommen sein. Die schweren Gewitterregen, welche Tags vorher niedergingen und an der Bahn und anderen Orten Schaden angerichtet hatten, schlugen den Staub nieder und reinigten die Luft, so daß das Wandern in Wald und Feld ein wahrer Hochgenuß war.
-c- Riuderbügeu, 15. Mai. Mchdem die bessere Witterung eingetreten, ist unser kleiner, sonst vom Weltverkehr


