läuteten die Glocken und wurden inni der Citadelle 30 Kanonenschüsse abgefeuert. Nach einer näheren Besichtigung der Kirche verließen die Allerhöchsten Herrschaften mit Gefolge das Gotteshaus. Inzwischen hatte sich die gesammte Garnison und die Militar-Schießschule in der Nähe der Kirche zum Parademarsch aufgestellt. Se. Majestät der Kaiser nahm die Parade ab und begab sich sodann nach dem Denkmale des Kurfürsten Joachim II., das nach einer begrüßenden Ansprache des Bürgermeisters einer Besichtigung unterzogen wurde. Hierauf folgte Se. Majestät der Kaiser mit dem Feldmar schall Grafen Moltke, dem Grasen Waldersee, dem Kriegsminister und Allerhöchst seinem militärischen Gefolge einer Einladung des Osfiziereorps des 3. Garde-Grenadier-Regi mcnts „Königin Elisabeth" zum Frühstück im Offizier-Casino. Die übrigen Allerhöchsten und Höchsten Gäste waren sofort nach der Parade mittels Sonderzuges nach Berlin zurückgekehrt. Die ganze Stadt prangte zur Feier des TageS in festlichem Schmuck und Ihre Majestäten wurden überall von der zahlreich versammelten Menschenmenge mit begeisterten Zurufen begrüßt.
Elberfeld, 16. März. Ein von Vohwinkel kommender Güterzng ist heute von dem bei Elberfeld über die Wupper- führenden Viaduet in den Fluß gestürzt. Mehrere Personen sollen getödtet sein. Amtliche Meldungen stehen noch aus.
Pest, 16. März. Das Amtsblatt veröffeutlichl die Demission des gesammten Cabinets, ferner ein überaus huldreiches Handschreiben deS Kaisers an TiSza, durch welches derselbe seiner Stelle als ungarischer Minister-Präsi deut aus eigene Bitte enthoben wird. In dem Handschreiben heißt es :
Ihre nahezu fünfzehnjährige Wirksamkeit ist an und für sich ein glänzender Beweis deS Vertrauens, welches Sie in dieser Reihe von Jahren sowohl meinerseits als auch Seitens des Landes unausgesetzt, und zwar mit Recht, begleitete, in dem die hervorragenden Dienste, welche Sie, oft unter schwierigen Umständen, beseelt vom reinsten patriotischen Gefühle, mit tiefer Einsicht, Selbstverleugnung und aufopfernder Thätigkeit mir, dem Lande und der ganzen Monarchie geleistet haben, fürwahr der Anerkennung würdig und auch immerdar in dankbarer Erinnerung bleiben werden. Empfangen Sie nebst dieser Anerkennung und Versicherung meiner unwandelbaren Gnade zugleich meinen innigsten Dank für die treuen Dienste, auf welche Sie mit dem reinen Bewußtsein patriotischer Pflichterfüllung zurückblicken können, und woran ich die Hoffnung knüpfe, daß Sie auch fernerhin den öffentlichen Angelegenheiten Ihre von reichen Erfahrungen und reiner Vaterlandsliebe geleitete Mitwirkung nicht entziehen werde.
Budapest den 13. März 1890.
Franz Joseph m. p.
Ein weiteres kaiserliches Handschreiben an den Grasen Szapary betraut diesen mit der Bildung des Ministeriums. Ferner veröffentlicht das Amtsblatt die folgende Zusammen- setzung des Ministeriums: Baron Orczy, Minister am königlichen Hoflager- Freiherr Fejervary, Minister für Landes- vertheidigung- Baroß, Handel- Graf Czaky, Cultus und Unterricht- Szilagyi, Justiz - Josipovich, Minister für Kroatien und Slavonicn- Bethlen, Ackerbau- mit der Leitung des Ministeriums des Innern ist der Ministerpräsident betraut. Ein weiteres kaiserliches Handschreiben enthebt den Grafen Teleky von der Leitung des Ministeriums des Innern unter Verleihung der Geheimrathswürde.
Paris, 16. März. Nach einer Meldung des „XIX Jahrhundert" wäre die französische Streitmacht bei Kotonu von 30000 Schwarzen, die mit Gewehren bewaffnet seien, blokirt.
Paris, 16. März. Wie das „Memorial Diplomatique" mittheilt, hätte der französische Botschafter in London, Waddington, dem englischen Premierminister Lord Salisbury aus eine Anfrage bezüglich des Vorgehens Frankreichs in Dahomey erklärt, Frankreich beabsichtige nicht die Annexion Dahomeys, indessen könnten die Uebelthaten des neuen Königs von Dahomey nicht geduldet werden.
Paris, 16. März. Herr v. Frey ein et hat die Verhandlungen wegen der Cabinetsbildung noch nicht abgeschlossen. * Es gilt nunmehr als gewiß, daß Constans wieder Minister des Innern werden wird. Das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten soll Ribot angeboten worden sein.
Paris, 16. März. Das „Journal des Debats" ist mit der Berufung Freycinets zur Cabinetsbildung sehr unzufrieden, weil dessen Programm lediglich in Nachgiebigkeit gegen die Radicalen bestehen würde. Alle, welche nicht die bisherigen Irrwege weiter verfolgen wollten — so schließt das Blatt seine Ausführungen — dürften eine Verantwortlichkeit für etwa bevorstehende Katastrophen nicht auf sich nehmen.
Rom, 16. März. Wie „Capitan Fracassa" meldet, hat König Men elik, um seine ernste Absicht, dem den Selaven- handel verbietenden italienisch - äthiopischen Vertrag nachzukommen, zu betätigen, die italienische Regierung ersucht, Abessynien auf der Brüsseler Anti-Selaverei-Conserenz durch einen eigenen Delegirten vertreten zu lassen.
Madrid, 16. März. Den bereits bekannten Delegirten Spaniens auf der Berliner Conserenz werden auch noch besondere Kenner der industriellen Verhältnisse Castiliens und der Minen von Rio Tinto folgen.
Lissabon, 16. März. Die Antwort, welche der König der studentischen Abordnung ertheilte, ging im Wesent lichen dahin, daß er sich glücklich schätze, seine innige Befriedigung auszudrücken über solch patriotisches Gefühl in den Schulen des Landes- er werde gern seiner Regierung ans Herz legen, ihre Entschließungen im Einklänge mit den Wünschen der Studirenden zu fassen.
Bern, 17. März. Im (Santon Wallis ist in der Nacht von Samstag auf Sonntag das Dorf Gampel, am Eingänge des Dötschthales gelegen, zu zwei Dritteln nieder- Z eb rannt- 70 Familien mit 300 Personen sind obdachlos.
Paris, 17. März. (Privatdepesche.) Uuterrichteterseits verlautet, daß das neue französische Cabinet wie folgt gebildet wurde: Fr ei einet Präsidium und Krieg, Constans Inneres, F a l l i e r s Justiz, R i b o t Auswärtiges, R o u v i e r Finanzen, Barbey Marine, Bourgeois Unterricht, D e r el le Ackerbau, I u le s R och e Handel, G u y o t Arbeiten. Die offizielle Bekanntgabe ist noch nicht erfolgt.
Locale» nn- provinzielle».
Gießen, 17. März.
— Die allgemeine Annahme, daß die am 28. März stattfindende Nachwahl eines Reichstagsabgeordneten für den 1. Hessischen Wahlkreis glatter von Statten gehen würde, als die Wahl am 20. Februar, hat sich nicht verwirklicht. Nicht weniger wie fünf Kandidaten werden den über 20000 Wahlberechtigten als besonders zur Vertretung des Wahlkreises geeignet empfohlen, und so ist wohl nicht zu viel gesagt, wenn angesichts der doch unfehlbar eintretenden Stimmenzersplitterung die Wähler sich auch noch auf eine Stichwahl gefaßt machen müssen. Es sind aufgestellt: Herr- Landrichter Dowe in Frankfurt a. M. von der deutschfreisinnigen Partei, Herr Fabrikant Louis HeyligenstaeVi in Gießen von der nationalliberalen Partei, Herr Schreiner und Gastwirth Corl Orbig in Gießen von der socialdemo- kratischen Partei, Herr Wilhelm Pickenbach in Berlin von der antisemitischen Partei und Herr Pros. A. Wagner in Berlin von der conservativen Partei.
— Am gestrigen Sonntag, wohl dem schönsten Tage in diesem Jahr, wurde die sterbliche Hülle unseres noch jungen Stadtrechners, Herrn Enders, zur Ruhe gebettet. Daß der Verstorbene es verstanden hat, sich in der kurzen Zeit seiner treuen und gewissenhaften Amtsführung tjc Zufriedenheit seiner Vorgesetzten und Aller, die in seinem -Dienste mit ihm verkehrten, sowie einen großen Bekanntenkreis hier und auswärts zu erwerben, dies bezeugte der stattliche Zug Leidtragender, darunter der Stadtvorstand, verschiedene Vereine, Herren aus der Umgegend und von Darmstadt, welche dem frühe Dahingeschiedeuen die letzte Ehre erwiesen. — Möge ihm die Erde leicht {ein!
— Am Samstag Abend wurde endlich die Leiche des am 2. Januar in der Lahn ertrunkenen Metzgerlehrlings Wirth aus Niederwöllstadt in der Nähe der Burk'schen Mühle gesunden. Hiermit fallen die über den Meister des betr. Lehrlings verbreiteten böswilligen Gerüchte, an die übrigens ein vernünftiger Mensch nicht zu glauben vermocht, in sich zusammen.
Friedberg, 15. März. Die hies. Realschule und das Progym nafium waren im verflossenen Schuljahre von 270 Schülern besucht und zwar von 136 einheimischen und 134 auswärtigen. Der Cvnfession nach vertheilten sich dieselben in 205 Evangelische, 25 Katholische und 40 Israelitische. Das Progymnasium besuchten 61 Schüler. Eröffnet wurde das Schuljahr mit 262 Schülern, eingetreten sind 8, abgegangen 11, so daß der Bestand am Schluffe des Schuljahres 259 Schüler beträgt. Die Prüfungen finden am 20. März, der öffentliche Schlnßaetus am 21. März statt.
Lauterbach, 15. März. Von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog wurde am 28. Februar dem Bürgermeister Friedrich Schrimpf zu Rixfeld, im Kreise Lauterbach, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für längjährige treue Dienste" verliehen.
Vermischtes.
nn. Darmstadt, 15. März. Die Landesbaugewerkschule beging gestern die Schlußfeier ihres 15. Jahrescurses. Aus diesem Anlaß hatten sich als Vertreter der Großherzogl. Regierung Herr Ministerialrath Emmerling, Geh. Bau- rath Müller, die Mitglieder der Großh. Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbeverein, Herr Geh. Baurath Sonne und Herr General - Secretär Dr. Hesse, sowie die Lehrer und Schüler der Anstalt in den neuerbauten Schulräumen eingefunden. Zunächst wurde die außerordentlich reichhaltige und 4 Schulsäle füllende Ausstellung der Schülerarbeiten eingehend besichtigt. Diese Ausstellung legt Zeugniß davon ab, daß die an der Anstalt für die technischen Fächer wirkenden Lehrer, und zwar im unteren Curs Herr Ingenieur Esselborn, in den beiden (Surfen für Bautechniker die Herren Professoren Müller und Baumeister Moritz, sowie in dem Curs für Metallarbeiter die Herren Ingenieur Ackermann und Alberti der Aufgabe, Heranbildung eines guten und tüchtigen Handwerkstandes, vollauf gerecht geworden sind, indem die Leistungen der Schüler als vorzüglich bezeichnet werden können. Der Präsident nahm daher auch Veranlassung, den Lehrern der Anstalt Dank zu sagen 'für ihre Thätigkeit. Im Laufe des Winters wurden von den Schülern sog. Ferienaufgaben selbstständig gelöst und für die besten Arbeiten Preise, bestehend in werthvollen Büchern aus dem Baufach ausgegeben. Es erhielten aus diesem Anlaß Preise die Schüler Gg. Härter, Maurer aus Darmstadt, F. Holzhammer, Maurer aus Heusenstamm, E. Buxbaum, Electrotechniker aus Bensheim, A. Krodel, Maschinenbauer aus Niederramstadt, G. Hubertus, Schlosser aus Darmstadt, Hch. Christ, Steinhauer aus Groß-Biberau und H. Glaser, Maurer aus Wembach i. Odenwald. — Nachdem noch der Präsident Großh. Centralstelle, Herr Geh. Baurath Sonne die Schüler ermahnte auf dem von ihnen betretenen Weg nicht stehen zu bleiben, sondern immer rüstig vorwärts zu schreiten und weiter zu arbeiten und zum Handwerk zu halten, damit dereinst ein tüchtiger Handwerkerstand erblühe, wurden dieselben entlassen.
Besucht wurde die Anstalt von 138 Schülern- davon waren 104 aus der Provinz Starkenburg, 16 aus Oberhessen, 15 aus Rheinhessen, 2 aus Preußen, 1 aus Sachsen. Abends vereinigten sich Lehrer und Schüler zur gemeinsamen Feier des Tages auf dem Chausseehaus zu einem guten Glase Bier aus dem Rummelbräu.
nn. Darmstadt, 16. März. Der wegen des Mordes an feiner Frau vom Schwurgericht zum Tod verurtheiltL 40jährige Jacob Zöller von Biblis wurde von Sr. Königl Hoheit dem Großherzog begnadigt und zu lebenslüng'' lichem Zuchthaus verurtheilt. Derselbe wurde heute Morges, unter scharfer Gendarmeriebewachung nach dem Landeszuchthaus Marienschloß verbracht.
— Gestern Morgen wurde aus der von Darmstadt nach Heidelberg führenden Landstraße, und zwar in dem sogen. Bickenbacher Wald, in dem Chausseegraben die Leiche eines' der Kleidung nach den besseren Ständen angehörigen älteren Mannes von Passanten aufgefunden. Derselbe hatte sich, wie die neben ihm liegende Flasche schließen läßt, mittelst Carbob säure vergiftet. Seine Identität konnte bis jetzt nicht fest- gestellt werdeit.
* Offenbach, 13. März. Ein seltsames Placat hat ein hiesiger Wirth in der Trinkstube aufgehängt. Wie es scheint wird bei diesem häufig gerauft, denn mittelst dieses Placats werden die „merken" Gäste ersucht, sich bei Schlägereien keiner Stühle oder Gläser zu bedienen, am Buffet ständen massenhaft Prügel zur Verfügung.
* △ Mainz, 16. März. In seiner am 14. d. Mts. stattgehabten Generalversammlung hat der Mainzer Rad, fahr er-Verein beschlossen, in diesem Jahre zwei Reunseste zu veranstalten. Das erste der Feste soll bereits am 4. Mai stattfinden, während für das zweite der Termin noch später bestimmt wird. Durch Anknüpfung freundschaftlicher Beziehungen zu den Mitgliedern der Allgemeinen Radfahrer-Union wurde schon vor einigen Wochen eine starke Betheiligung seitens der Fahrer aus Mannheim, Karlsruhe, Landau, Germersheim, Speyer, Dürkheim und Kaiserslautern für die nächsten Rennfeste gesichert und wird daher für den 4. Mai auf eine Anzahl Radfahrer gerechnet, wie sie in Mainz noch nicht znsammengekommen ist.
— Die städtische Verwaltung hat beschlossen, dem Mainzer Gewerbverein den Jahreszuschuß von 5000Mk. auf 10,000 Mk. zu erhöhen. An diesem Beschluß soll indetz nur dann festgehalten werden, wenn auch die hessische Staats- regiermig ihren Beitrag entsprechend erhöht.
* Babenhausen, 13. März. Einem Lcmdwirth unserer Nachbargemeinde Dudenhofen wurden seit einiger Zeit geringere Heu- und Strohquantitäten entwendet, ohne daß die Ermittelung des Thäters gelungen wäre. Ein Freund, dem der Bestohlene sein Leid klagte, gab ihm den Rath, sich in der Scheuer verborgen zu halten und den Thäter abzufassen. Er befolgte den Rath, ging anscheinend in den Wald, kehrte aber auf Umwegen zurück, versteckte sich am Heuhaufen und ertappte richtig auf frischer That seinen — Freund und Rathgeber, welcher die rasche Rückkehr nicht vermuthet hatte und die günstige Gelegenheit zum erneuten Heudiebstahl benützen wollte.
* Babenhausen, 12. März. Ein erschütternder Unglücksfall ereignete sich gestern in der hiesigen Dragonerkaserne. Bekanntlich werden auch unsere beiden Hessischen Dragonerregimenter gleich den Ulanen für die Zukunft ebenfalls mit der Lanze ausgebildet. Bei einer Hebung stürzte ein Dragoner so unglücklich vom Pferde, daß ihm die Lanzenspitze dabei in den Unterleib drang. Der Unglückliche ist schwer verwundet, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.
* Worms, 10. März. Das Aeltesten - Collegium (Arbeiter-Ausschuß) der Firma Doerr u. Reinhart in Worms hat folgende Kundgebung an die deutschen Arbeiter erlassen, um deren Interesse für diese Institution zu wecken: „In den Lederwerken der Firma Doerr und Reinhart besteht seit dem 15. Juni 1889 ein Arbeiter-Ausschuß. Derselbe wurde von der Arbeiterschaft gewählt und besteht aus acht Arbeitern, welche den verschiedenen Fabrikationszweigen angehören. In gemeinsamen Sitzungen bringt der Arbeiter - Ausschuß die Wünsche oder Beschwerden ihrer Mitarbeiter direct zur Kennt- niß von einem Mitglied der Firma, welches jeweils in der Sitzung den Vorsitz führt. Heber die Verhandlungen wird ein Protoeoll geführt und erhalten die betr. Antragsteller in einer folgenden Sitzung entweder gewährende ober ablehnende Antwort. Alle von dem Arbeiter-Ausschuß bis jetzt vorgebrachten Reclamationen wurden in einer die Arbeiterschaft zufriedenstellenden Weise erledigt. Durch den Arbeiter- Ausschuß wurde der schon Jahrzehnte lang bestehende persönliche Verkehr zwischen Arbeitgeber und Arbeiter in feiner Weise beeinträchtigt. Die Mitglieder des Arbeiter-Ausschusses haben die Erfahrung gemacht, daß die in den Betrieben der Firma Doerr u. Reinhart bestehende Einrichtung sich nach jeder Seite bewährt hat und halten es für Pflicht, im Interesse der Arbeiter sowohl, wie auch der Arbeitgeber, die Nachahmung dieser Einrichtung zu empfehlen."
* = Frankfurt a. M., 15. März. Bereits vor einigen Tagen tauchte in der hiesigen Presse die Nachricht auf, der Leiter der „ Fraukfurter Sparbank", einer im Jahre 1873 errichteten Verkaufsstelle von Anlehensloosen aus Raten, Theodor C. Wahlkampf sei flüchtig geworden, da ihm Verhaftung wegen Unterschlagung gedroht habe. Diese anfänglich etwas ungläubig aufgenommene Nachricht hat sich nunmehr bestätigt, die Staatsanwaltschaft hinterläßt hinter dem Genannten, der im Jahre 1838 zu Budapest geboren und österreichischer Offizier ist, einen Steckbrief. Als Aufsichtsräthe der genannten Bank fnngirten 4 Herren. Das nominale Actieneapital der „Frankfurter Sparbank", deren größter Aetionär Wahlkampf selbst gewesen zu sein scheint, betrug der „Fr. Ztg." zufolge 450,000 Mk., auf welches angeblich 270,000 Mk. eingezahlt waren. Ende 1888 sollten nach der Bilanz 31,000 Mk. Reserve vorhanden sein. Die Verbindlichkeiten waren damals mit 153,000 Mk., Kasse- und Loosbestände mit 60,000 Mk., gewöhnliche Debitoren mit 281,000 Mk., Debitoren aus dem Verkauf von Werthpapieren mit 33,000 Mk., Immobilien mit 89,000 Mk. verzeichnet. Die Verhältnisse Wahlkampfs galten schon lange als ungünstige. Wie man allgemein annimmt, hängen die Unterschlagungen mit dem Vertrieb von Anlehensloosen auf Raten zusammen. Nach dem Adreßbuch war W. auch Inhaber einer


