1890
Dienstag den 18. Februar
Nr. 41
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
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Neueste Nachrichten.
Wolff« telegraphisches Correspondcnz-Bureau.
Volosea, 16. Februar. Nach dem heute Vormittag über
Vierteljähriger AvonnementLpreisr 2 Mark 20 Pfg. mtt Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Nedaction, Expedition und Druckerei:
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Fernsprecher 51.
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haben abgenommen.
Paris, 16. Februar. Der Großsürst Georg Micha- lowitsch ist hier eingetroffen. — Das „Echo de Paris" kündigt die Ergänzung einiger Garnisonen an der Ostgrenze an in Folge der Bildung der neuen deutschen Armeecorps. Die „Republique sran^aise" sagt, die Initiative des deutschen Kaisers in der Arbeiterfrage sei ein wichtiger Akt, der Frankreich die Pflicht auferlege, den Problemen eine beständige Aufmerksamkeit zu widmen. Das „Memorial Diplomatique" äußert bezüglich der Einladung zur Conferenz, die Regierung wolle, bevor sie eine Entscheidung treffe, noch abwarten, ob die Schweiz ihre Einladungen sür die Berner Conserenz ausrecht erhalte. Ferner glaube die Regierung, mit den zur Berliner Conserenz geladenen Cabineten einen Meinungsaustausch über die zu sormuliren- den Reserven und etwa erwünschte Abänderungen des Con- ferenz-Programms vornehmen zu sollen- es wäre also voreilig, zu behaupten, Frankreich werde die Einladung Deutschlands zur Conserenz ablehnen. — Dem „Figaro" zufolge hätte sich Marschall Mac Mahon bei dem Marquis Beauvoir eingeschrieben, um den Herzog von Orleans zu seiner Haltung zu beglückwünschen.
London, 16. Februar. Die Delegirten der Vereinigung der Bergarbeiter von Großbritannien beschlossen in einem
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Staatsrath: Ohne Uebertreibung kann man sagen, daß die ganze Welt mit ungetheilter Aufmerksamkeit der kaiserlichen Worte harrte. Das energische, von umfassendem Blicke geleitete Austreten des Deutschen Kaisers in der Arbeiterfrage wird ohne Zweifel nicht blos von der größten Bedeutung sein für die materielle und moralische Lage der Arbeiter, es wird auch eine belangreiche Rückwirkung auf das gesammte politische Leben Deutschlands äußern. Die „Presse" schreibt, die Ansprache Sr. Majestät des Kaisers entspreche in vollstem Maße den durch die kaiserlichen Erlasse in ganz Europa rege gemachten hohen Erwartungen. Hoher, sittlicher Ernst, überzeugende redliche Entschlossenheit, rein menschliches Wohlwollen und Alles erwägende Klugheit und Vorsicht treten vereint und imponirend aus diesem in correctester Form gefaßten Staatsacte hervor. Das „Neue Wiener Tageblatt" hebt hervor, der Kaiser führe eine Sprache, die von gewissenhafter Rücksicht aus die bestehenden Staatseinrichtungen und von dem vollen Gefühle der Verantwortung zeuge, die der Kaiser sür das Gelingen von Bestrebungen übernommen habe, welche eine neue gesellschaftliche Ordnung anbahnen sollten. Die „Deutsche Zeitung" schreibt, in Worten voll hohen Schwunges, voll Gedanken und edler, herzensechter Empfindung habe der Kaiser die Aufgaben des Staatsraths in seiner Ansprache entwickelt.
Paris, 15. Februar. Wie verlautet, soll die Regierung in Folge der in den letzten Tagen stattgesundenen Mani- sestationen entschlossen sein, den Herzog von Orleans so lange in Gewahrsam zu halten, bis die ganze Assaire von der öffentlichen Meinung und der Presse nicht mehr besprochen wird- sodann solle der Herzog, ohne daß Jemand davon vorher verständigt würde, über die Grenze gebracht werden. — Nächsten Dienstag wird der Ministerrath über das Gefängniß, wo der Herzog von Orleans fernerhin in- ternirt bleiben soll, eine Entscheidung treffen.
London, 15. Februar. Das Bureau Reuter meldet aus Toronto von heute, daß die dortige Universität mit dem Museum und der Bibliothek von 33000 theilweise unersetzbaren Bänden, deren Werth aus hunterttausend Dollars geschätzt wird, gänzlich abgebrannt ist. Der Gesammtschaden wird auf l^/.z Millionen Dollars beziffert, wovon nur 160000 durch Versicherung gedeckt sind.
Neapel, 15. Februar. In dem neuen Stadtviertel Arenaccia stürzte heute Nachmittag ein im Bau begriffenes Haus ein, wobei 31 Arbeiter verschüttet wurden. Bisher sind zwei Todte und vier Verwundete aus den Trümmern hervorgezogen worden.
Liffabon, 15. Februar. Die Polizei hat den hiesigen Studentenverein als republikanischer Bestrebungen verdächtig aufgelöst und sämmtliche Papiere desselben beschlagnahmt.
Washington, 15. Februar. Das Repräsentantenhaus hat den Amendements des Senats zu der Vorlage betreffend die Erhebung eines Eingangszolls von 50 pCt. auf seidene Bänder zugestimmt. _______________
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Bekanntmachung
Wider den zur Versügung der Ersatzbehörden entlassenen Gardisten Heinrich Betschin: aus dem Landwehr-Bezirk Colmar, geb. am 6. April 1858 zu Daubringen, Kreis Gießen, evang., Taglöhner, ist wegen Fahnenflucht in contumaciam das kriegsgerichtliche Verfahren eröffnet worden.
Derselbe wird hiermit aufgefordert, sich spätestens am Donnerstag den 12. Juni 18.90, Vormittags 11 Uhr, im hiesigen Militär - Gerichts - Locale — Broglieplatz 16 — einzufinden, widrigensalls die Untersuchung geschloffen, der Abwesende sür fahnenflüchtig erklärt und mit einer Geldbuße von 150—3000 Mark bestraft werden würde.
Straßburg i. E., den 12. Februar 1890.
Königl. Gericht der 31. Division. _____
Amts- rmd Anzeigeblatt für den Areis Hieben.
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Die Gießener A«mitienvtä1ter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen
politische Uevevsicht.
Gießen, 17. Februar.
Seit vorigem Freitag tagt in Berlin wiederum der preußische Staatsrath und hiermit hat die bevorstehende neue Reichstagssession ihren Vorläufer gesunden. Der Staatsrath ist eine Schöpfung des Königs Friedrich Wilhelm III. und von diesem am 20. März 1817 in's Leben gerufen worden, doch war die genannte Körperschaft in neuerer Zeit fast der Vergessenheit anheimgegeben bis Kaiser Wilhelm I. durch Erlaß vom 20. April 1884 ihre Wiedereinberufung befahl und durch einen zweiten, vom 11. Juni des nämlichen Jahres datirten Erlaß den damaligen Kronprinzen, den späteren Kaiser Friedrich, zum Präsidenten des Staatsrathes, den Reichskanzler zum Vicepräsidenten desselben ernannte. Gleichzeitig wurden 71 neue Mitglieder des Staatsrathes berufen, wodurch die Mitgliederzahl auf 80 anwuchs, da aus früheren Zeiten noch neun Beisitzer des Staatsrathes vorhanden waren, abgesehen von denjenigen Persönlichkeiten, welche dem Staatsrathe durch ihre Geburt oder ihr Amt von selbst angehörten. Der jetzige Kaiser endlich hat wiederum neun neue Mitglieder in den Staatsrath berufen. Der Staatsrath wurde nach seiner erstmaligen Ergänzung im October 1884, dann noch im Januar', März und April 1885 einberufen und bildeten damals die Begutachtungen über die Grundzüge der Unfallversicherung, dann der Entwürfe, betreffend die Reichspostdampferlinien, die Börsensteuer und die Postsparkassen, schließlich auch die Begutachtung der Kreis- und Provinzialordnung sür Hessen-Nassau seine wesentlichsten Aufgaben.
Zu wichtigen Berathungcn ist der Staatsrath diesmal einberufen worden und der Kaiser selber bezeichnet in seiner Rede am Freitag die der gedachten Körperschaft harrende Ausgabe als ernst und verantwortungsreich. Die Zusammensetzung der hohen Versammlung berechtigt indessen zu der bestimmten Erwartung, daß ihr die Erledigung des ihr durch die kaiserliche Ansprache vorgezeichneten socialpolitischen Arbeitsprogrammes voll und ganz gelingen werde und alsdann wird eine Grundlage gewonnen sein, aus welcher der neue Reichstag bei der eigentlichen Berathung jener bedeutungsvollen Gesetzentwürfe erfolgreich weiterarbeiten kann.
Die lauge und theilweise mehr oder minder heftige Wahlbewegung im Reiche steht vor ihrem Ausgange, denn am nächsten Donnerstag werden die Wähler das entscheidende Votum abzugeben haben. Die Reichstagswahlen sind schon an und für sich stets ein wichtiger Act, aber diesmal erhöht sich dessen Bedeutung noch wesentlich dadurch, daß es die ersten allgemeinen Wahlen im Reiche unter Kaiser Wilhelm 11. find, daß ferner der neue Reichstag zum ersten Male aus fünf Jahre gewählt wird und daß ferner von ihm ganz besonders wichtige Aufgaben zu lösen sind. Die nächste derselben wird die Entscheidung über das Socialistengewtz/ "ie bedeutungsvollste aber sicherlich die Fortführung der )ocuu= politischen Gesetzgebung sein, und zwar innerhalb des neuen Rahmens, wie ihn Kaiser Wilhelm in seinen jüngsten Erlaßen und dann wieder in seiner Ansprache an den preußlichen Staatsrath scizzirt hat. Hoffentlich wird die deutsche Nation am 20. Februar Männer in das Reichsparlament entsenden, welche in ihrer großen Mehrzahl wahrhaft deutsch gesinnt und die entschlossen sind, mit allen Kräften freudig für des Reiches Glanz und Wohlfahrt, für seinen Ruhm unb feine Stärke nach innen luie nach außen einzutreten mochten in diesem Sinne die Wahlen vom 20. Februar ausfallen.
lieber die Stellungnahme der schweizerischen Regierung in der Frage, wie es nun mit der von ihr zum 5. Mai nach Berii einberusenen internationalen Arb^iterschutzconserenz angesichts der gleichen von Deutschland ausgegangenen An-
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regung werden soll, ist noch immer nichts Authentisches bekannt. | Es verlautet indessen jetzt immer bestimmter, daß die Schweiz ihre Conferenzeinladungen zu Gunsten Deutschlands zurückziehen werde und dies wäre auch das Richtigste. Der schweizerischen Regierung bliebe es dann immerhin unbenvM'- men, auf der von Deutschland geplanten Conferenz ihr Programm über die Discussionspunkte wieder vorzubringen, wie dasselbe in ihren Einladungsschreiben vom vorigen Jahre enthalten war.
In Frankreich scheint der durch den Herzog von Orleans hervorgerufene Zwischenfall mit der gerichtlichen Verurtheilung des Herzogs seinen vorläufigen Abschluß erhalten zu haben. Zwar wird aus Paris noch von einigen royalistischen Demonstrationen berichtet, unter Anderm gaben die royalistisch gesinnten Studenten der Pariser Universität dem Herzog von Luynes, bei welchem der Herzog von Orleans bekanntlich abgestiegen war, einen „Punsch", aber einen besonderen politischen Character tragen alle diese Kundgebungen zu Gunsten des verurtheilten Prinzen nicht. Die französische Regierung selber mißt dem ganzen Zwischenfalle keine tiefere politische Bedeutung bei und dementsprechend sollen auch die bei den royalistischen Tumulten im Pariser Justizpalaste verhafteten Personen einfach der Polizei wegen groben Unfuges übergeben werden.
Der in Zanzibar durch den Tod des Sultans Said Chalifa, dessen jüngerer Bruder Ali nunmehr den Thron bestiegen hat, eingetretene Thronwechsel ist bis jetzt von keinerlei Unruhen in Zanzibar begleitet gewesen. Immerhin sind aber solche nicht unmöglich und die vor Zanzibar ankernden englischen Kriegsschiffe sind deßhalb für alle Fälle zum Eingreifen bereit.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 13. Februar. Zur Ausführung des Jnvaliditäts- und Al t e r s v er s i ch e r u ng s g es etz e s erläßt das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz eine Versügung, in welcher die Bestimmungen des Gesetzes näher dargelegt und erläutert werden. Danach besteht hinsichtlich der Organisation hierseits die Absicht, sür das Großherzvgthum Hessen eine Landesversicherungsanstalt zu errichten. Diese Anstalt soll durch einen von der Landescentralbehörde zu bestellenden Vorstand, zu dem auch Vertreter der Arbeitgeber und Arbeiter hinzutreten können, geleitet werden. Der Vorstand wird die Eigenschaft einer öffentlichen Behörde haben, die Verwaltung der Anstalt soll im Uebrigen nach Maßgabe eines Statuts stattfinden. Dieses Statut wird durch eine Versammlung, welche aus Vertretern der Arbeitgeber und Versicherten besteht, festgesetzt und unterliegt der Genehmigung des Reichsversicherungsamts. Die erwähnten Vertreter gehen aus einer, von den Krankenkaffenvorständen und in deren Ermangelung von den Vertretungen der weiteren Communalverbände oder den Verwaltungen der Gemeindekrankenversicherung zu veranstaltenden Wahl hervor. Die Versammlung der Vertreter sührt den Namen Ausschuß. Als speciell eontrolirendes Organ kann außerdem noch ein Aussichtsrath durch des Statut bestellt werden.
Berlin, 15. Februar. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung des Reichskanzlers, welche die diesjährige ordentliche Generalversammlung der Reichsbank- antheilseigeuer aus Mittwoch den 5. März, Vormittags 111/2 Uhr einberuft.
Spandau, 15. Februar. Der Kriegsminister mit sämmt- lichen Departementschess conserirte heute Morgen im Saale der Munitionsfabrik mit den Arbeiterdeputationen (von den 5 Fabriken je 4 Mann) über die Wohnungsfrage- die Anlage von Arbeiterwohnungen Hierselbst ist geplant.
Essen, 15. Februar. Der Vorstand des bergbaulichen Vereins beschloß in seiner vorgestrigen Sitzung, nach der „Rhein.-Westf. Ztg.", den Verwaltungen der Herner Zechen und der Zeche Clerget die Ablehnung der neuen Forderungen der Belegschasten derselben zu empsehleu. Zugleich wurde das Statut über einen sämmtliche Zechen des Oberbergamtsbezirks umfassenden Ausstandsversicherungsverband mit einem Fonds von ungefähr 1200 000 Mk. festgesetzt. Hiernach haben die Zechen nur Anspruch aus Schadenersatz, wenn vom Verbandsvorstande die Rechtmäßigkeit des Widerstandes gegen die Forderungen der Bergleute anerkannt wird und die Zahl der Strikenden einer Zeche ein Drittel der Belegschaft übersteigt. Für die Tonne Productionsfall erhält die Zeche 1.50 Mk.
Ausland.
Wien, 15. Februar. Das „Fremdenblatt" bemerkt bei Besprechung der Ansprache des Kaisers Wilhelm an den


