schreiben des Geh. Cabinetsraths v. Lucanus auf die an den Kaiser abgesandte Beileidsadresse mit. — Betreffs der projectirten Uebernahme der städtischen Turnhalle durch den Turnverein wurde mitgetheilt, das; der Verein gegenüber den von der Stadt gestellten Bedingungen auf den Ankauf der Turnhalle verzichte. Es wurde seinerzeit in der Stadtverordneten-Versammlung beschlossen, dem Turnverein die Turnhalle zum Preise von 32,000 Mk. käuflich zu überlassen und zwar unter Dreingabe des zur Erbauung einer Turnhalle in der Flucht der verlängerten Bismarckstraße bestimmten, von der Stadt erworbenen Geländes und unter der Bedingung, daß nicht niet-, nagel- und bandfeste Gegenstände, soweit solche in einer Schulturnhalle Verwendung finden können, der Stadt verbleiben sollen. — Mit Rücksicht auf die Klagen über den Gang der Parzellenvermessung hat Großh. Bürgermeisterei untern 2. October v. I. an die obere Behörde, den Großh. Steuertnspector, berichtet, daß die Frist, welche dem ausführenden Geometer gestellt, abge- laufen, ohne daß die Arbeit vollendet worden sei. Einer vom Großh. Obersteuerinspector damals vorgeschlagenen Bewilligung einer letztmaligen Frist bis zum 1. Januar 1890 wnrde im Stadtvorstande zugestimmt, ohne daß die Stadtverordneten- Versammlung, mit Rücksicht auf den seitherigen Fortgang der Arbeiten, der Versicherung des betreffenden Geometers, daß die letztgestellte Frist voraussichtlich nicht überschritten werden würde, Glauben zu schenken vermochte. Die Zweifel an der Fertigstellung der geometrischen Arbeiten haben ihre Bestätigung gefunden, denn nach Mittheilung des Großh. Obersteuerinspectors ist nur ein kleiner Theil der betreffenden Acten abgeliefert worden. Der Mitrheilung, daß nunmehr bei Großh. Ministerium Strafantrag gestellt worden sei, fügt Herr Bürgermeister Gnauth bei, daß auch von der Stadt aus der Klageweg beschritten werden würde, daß er aber die Methode des Großh. Steuerinspectors, wiederholte Fristertheilungen veranlaßt zu haben, nicht billigen könne. — Der letzte Gegenstand unter „Mittheilungen" betrifft den Beschluß der nichtöffelttlichen Stadtverordneten-Sitzung vom 9. Januar über das Angebot der jeweiligen Besitzer des Schüler'schen Gartens. Wir haben denselben in voriger Nummer dieses Blattes bereits mitgetheilt. Die Versammlung erklärt sich damit einverstanden, daß über das Angebot nunmehr ad acta verfügt werde. — Die folgenden beiden Gegenstände der Tagesordnung betrafen Gesuche um Er- theilung der Concession zum Wirthschastsbetrieb. Herr PH. Rühl hat die Restauration zum „Lahnstein" übernommen, Herr Friedr. Jordan will in seinem Specereigeschäft in der Bismarckstraße (Werner'sches Haus) Branntweinverkauf über die Straße betreiben. Beide Gesuche werden befürwortet. — Herr L. Huh n beabsichtigt, an der Ecke der verlängerten Flügelsgasse und der Nordanlage ein Wohnhaus zu errichten und ersucht, da ohne den Besitz eines Theiles des Ernst Wallenfels'schen Geländes dies nicht zu ermöglichen, die Forderungen für das benöthigte Gelände auch zu hohe seien, gemäß § 69 der Allgemeinen Bauordnung um Einleitung des Enteignungsverfahrens über das näher bezeichnete Gelände. Aus Grund des eben angeführten Paragraphen wie der Ausführungsverordnung zur Allgemeinen Bauordnung wurde ein Vergleichsversuch zwischen den Interessenten angebahnt; derselbe hat jedoch zu keinem Ergebniß geführt, da Herr Wallenfels nur das ganze Wiesengelünde zum Preise von 45 Mk. pro Quadratklaster und unter der
Bedingung der Belassung eines 6 Fuß breiten Fußweges nach der Nordanlage abzutreten gewillt ist, wogegen Herr Huhn nur einen, im Plane mit a. b. c. d. bezeichneten Theil zu dem angegebenen Preise erwerben will. Die Baudeputation hat beantragt, daß über den von Herrn Huhn bezeichneten Geländetheil, also nicht über das Ganze, das Enteignungsverfahren eingeleitet, von Herrn Huhn aber in Anbetracht der der Stadt durch Einleitung des Verfahrens erwachsenden Verbindlichkeiten eine Caution von 5000 Mk. gefordert werden solle. Herr Huhn hat sich zur Stellung dieser Caution bereit erklärt, worauf die Versammlung im Sinne des Depntations- antrages beschließt.
— Unter Hinweis auf die Anzeige des Kaufmännischen Vereins (siehe Inserat) gestatten wir uns, unsere Leser auch an dieser S.ellc auf den morgen (Samstag) Abend in den oberen Sälen deS Cafe-Restaurant „Bavaria" stattfindendcn Vortrag des Herrn Wilh. Käser über „Die mißliche Lage der deutschen Creditverhältnisse, ein Krebsschaden an der Entwickelung unserer Volkswohlfahrt" aufmerksam zu machen. Wie wir in Erfahrung gebracht haben, behandelt der Vortragende erwähntes Thema vom volkswirthschaftlichen Standpunkte, angesichts dessen solches Jedermann, namentlich aber auch den Gewerbetreibenden Nützliches und Belehrendes bietet. Bemerken wollen wir noch, daß der Eintritt frei ist.
's GroßeN'Liudcn, 16. Januar. Gestern wurde hier wegen eines in einem Ladengeschäft verübten Betrugsversuchs eine Zigeunerin verhaftet.
Friedberg, 16. Januar. Gestern gegen Abend erschoß sich in seinem Logirzimmer, aus der Kaiserstraße gelegen, ein aus Kreuznach gebürtiger Architect, Namens Hartmann. Derselbe war bei der Erbauung des hiesigen neuen Post- gebäudes beschäftigt und stand in dem noch jugendlichen Alter von 18 Jahren. Das Motiv der That ist unbekannt. — Auf dem großen Bauterrain an dem Johannisberg zu Nauheim, welches dem Herrn Sanitätsrath Dr. Müller gehört, wird ein großes Actien-Hotel nebst fünf kleineren Villen errichtet. Für das Unternehmen, an dessen Spitze Herr Dr. Müller steht, sollen über 600,000 Mk. verwendet werden.
Vermischtes.
A Mainz, 16. Januar. Vorder Strafkammer des hiesigen Landgerichts kam heute ein Proccß zur Verhandlung, dem Wechfelfälfchungen im Betrag von nahezu 200 000 Mk. zu Grunde lagen. Angeschuldigt, Wechsel in dieser Höhe gefälscht zu haben, ist ein aus angesehener Familie stammendes 29 jähriges Frauenzimmer, Josephine Best von Osthofen, Geschäftsführerin einer dortigen, ihrer Familie gehörenden, im Herbst vorigen Jahres in Concurs gerochenen Zucker-, Stärke- und Backstein-Fabrik. Nach dem Tode ihres Vaters übernahm die damals erst 19 jährige Angeklagte mit Rücksicht auf die große Familie — außer der Mutter waren noch 8 unmündige Geschwister zu ernähren — die Geschäftsführung und arbeitete mit großem Fleiß. Das Geschäft nahm einen erfreulichen Aufschwung, bis ein größeres Capital gekündigt wurde. Um die hierdurch entstandenen finanziellen Schwierigkeiten von dem Geschäft fern zu halten, machte die Angeschuldigte alle Anstrengungen, um schließlich, als gar nichts mehr helfen wollte, auf das verfehlte Mittel zu ver
fall?!?, Wechsel zu fälschen, die sie den Geschäftsfreunden als Zahlung gab. Das Urtheil lautete gegen die Angeschuldigte auf 3 Jahre Gefängniß, wobei das Gericht als strafschärfend die hohe Summe der Fälschungen nnd als strafmildernd in Erwägung zog, daß die Angeschuldigte ein Opfer der Kindes- und Geschwisterliebe geworden.
* Heppenheim a. d. B., 15. Januar. In der Gemeinde E. sollte am letzten Sonntag eine großartige Hochzeitsfeier stattfinden, wozu der Brautvater 4 Mastschweine und ein feistes Rind geschlachtet und nicht weniger als zehn Dialter Getreide für Hochzeitsgebäck verwendet hatte. Doch der Liebe Mühe war umsonst, denn sowohl die Brautleute als auch die meisten der geladenen Hochzeitsgäste erkrankten plötzlich an der unheilvollen Influenza und verspürten nicht den geringsten Appetit. Unter sothanen Umständen mußte die Hochzeitsfeier einstweilen unterbleiben und die guten Sachen werden „altbacken^.
* Marburg, 16. Januar. Am Mittwoch den 22. Januar beabsichtigt, gutem Vernehmen nach, die conservative Partei eine Reichstags Wahl-Versammlung in den Saal des Cafe Quentin ein^uberufeu. Die Einladung wird sich nicht allein auf die Conservativen, sondern auch auf die Liberalen erstrecken, welche die Candidatur Steinmetz unterstützen. Der Herr Geh. Rath Steinmetz wird sich in der Versammlung den Wählern vorstellen und seine politische Stellung entwickeln.
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Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde. Gottesdienst.
2. Sonntag nach Epiphanias, 19. Januar.
Vormittags 9V, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser.
Bibelstunde am Mittwoch den 22. Januar, Abends8Uhr, in der Kleinkinderschule, Offenbarung Johannis, Cap. 1, von Vers 4 an, Zueignung und Inhalt des Buchs. Pfarrer Dr. Nau mann.
Am Sonntag den 26. Januar: Beichte und heiliges Abendmahl im Abendgottesdienft.
Die Kirchencollecte am 1- Christfeiertag für die Klein- kinder-Bewahranftalt betrug 41,81 JL, die am 2. Christfeiertag für die Armen 47,18 jl, die am Neujahrstag für die Armen 33,42 Jt, die am Landesmissionsfest für die Heidenmission 43,45
Für den Kirchbaufonds gingen weiter ein: aus den Opferbüchsen in der Kirche im October, November und December v. I. 79 at, von N- N- durch Herrn Pfarrer Schlosser 10 X, von Fräulein Kißner im Andenken an ihre verstorbene Mutter, Frau Pfarrer Kißner, 100 JL Gesammtbetrag jetzt 14372 «X 53
Die Pfarrgeichäite in der Woche vom 19. bis 25. Januar besorgt Pfarrer Dr. Naumann.
Katholische Gemeinde.
2. Sonntag nach Epiphanie, 19. Januar.
Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um V28 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte.
Sonntag: Morgens von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 'Izl Uhr Austheilung der hl. Communion; um V>8 Uhr Frühmesse; um 3/tl0 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags um Uhr sacramentalische Bruderschastsandacht mit Predigt.
Gottesdienst in der Synagoge.
18. Januar.
Freitag Abend 416 Uhr, Samstag Morgen 830 Uhr, Samstag ■ Mittag 3m Uhr, Samstag Abend 515 Uhr.
Bekanntmachung.
Im Genossenschastsregifier des unterzeichneten Gerichts ist eingetragen, daß der landwirthschaftliche Consumoerein zu Reiskirchen laut Beschluß vom 11. September 1889 den Zusatz „eingetragene Genoffenschast mit unbeschränkter Haftpflicht" in seine Firma ausgenommen und in folgenden Punkten Statutenänderung beschlossen hat:
1. Gegenstand des Unternehmens ist: gemeinschaftlicher Einkauf von Verbrauchsstoffen und Gegenständen des Haus- und land- wirthschaftlichen Betriebs, sowie gemeinschaftlicher Verkauf land- wirthschastlicher Erzeugnisse;
2. die Bekanntmachungen der Ge« nossenschast erfolgen in der deutschen landwirthschastlichen Ge- noflenschaftspreffe;
3. Willenserklärung und Zeichnung des Vorstandes muß durch zwei Vorstandsmitglieder geschehen, die Zeichnung geschieht durch Beifügen der Namensunterschriften zu der Firma der Genossenschaft.
Gießen, 6. Januar 1890. Großh. Amtsgericht.
__Kullmann.______549
Samstag den 18. d. Ms.,
versteigere ich zu Gießen:
» Mittags 12 Uhr auf der sog. Insel bei der nuteten Burk'schen Mühle »Zusammenkunft bei dieser Mühle):
1 Fischernachen (fast neu),
b. Nachmittags 2 Ubr in der früber Bram m'schen Hofratthe:
2 Verticows, 1 Sopha, 1 Commode, 2 Kleiderschranke und andere Mobilien- Versteigerung a. bestimmt, die der übrigen Sachen voraussichtlich theilweife
Gießen, den 15. Januar 1890.
Sngel, 537 Gr. Gerichtsvollzieher.
Ausschreibung.
Für die Menage der Unteroffiziere und Mannschaften des 2. Bataillons Infanterie-Regiments Nr. 116 sollen für den Zeitraum vom 1. April bis 31. October 1890 nachstehende
Fleischwanten auf dem Submissionswege contractlich zur Vergebung gelangen:
Ochsenfleisch bezw. Rindfleisch, Schweinefleisch — frisch, gesalzen und geräuchert —, Kalbfleffch, Hammelfleisch, Nierenfett, Schweineschmalz und Speck, Frankfurter Würstchen, Brat-, Leber- und Blutwurst.
Bedingungen liegen aus d<m Bataillons-Geschäftszimmer — Schloßgasse 19 — zur Einsicht offen.
Offerten sind unter der Aufschrift: „Angebot auf Lieferung von Fleisch- waaren für das 2. Bataillon" verschlossen an die Menage-Commission desselben bis zum l. Februar 1890 einzureichen.
Gießen, 15. Januar 1890.
Die Menage Cc mmission des 2. Bataillons Infanterie-Regiments Nr. 116.
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II. aus ter Koppeljagd im Mitgebrauchswalde auf ca. 406 ha soll Freitag Den 24 d. Mts», Nachmittags 2 Uhr, auf dem Rathhause dahier auf weitere 6 Jahre bis zum 31. Januar 1896 verpachtet werden.
Treis a./Lda., den 14. Januar 1890. Großh. Bürgermeisterei Treis a./Lda. 497 Benn er.
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Das Haus Nestle hat an der Pariser Weltausstellung 1889 die höchsten Auszeichnungen, einen GROSSEN PREIS und eine GOLDENE MEDAILLE erhalten.
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