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18.1.1890
 
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Nr. 15.Samstag den 18. Januar

1890

Der Kießener Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Mamikieuvkätter werben dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

(Eichener Anzeig er

Kenerat-Wnzeiger.

Vierteljähriger AöonnemcntspretLr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Schutßraße Ar.7.

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Amts- unb Zlnzeigeblatt für bett Kreis Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr.

chratisöeikage: Gießener Aamikieuötätter.

Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlicher Theil.

Gießen, den 16. Januar 1890.

Betr.i Die Berichtigung der Forst- und Feldstrafen von der VI. Periode 1889/90.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Wir beauftragen Sie, alsbald und jedenfalls noch vor Ende dieses Monats in Ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt machen zu lassen, daß die Be­richtigung der im Monat Januar 1890 gerichtlich erkannten Forst- und Feldstrasen in den ersten 25 Tagen des Monats Februar 1890 und zwar mit Ausschluß des 12., 13. und 14. an die betreffenden Districtseinnehmereien stattzufinden hat und daß nach fruchtlosem Ablauf dieser Frist gegen die säumi­gen Schuldner das für sie mit Kosten verbundene Beitreibungs­verfahren eingeleitet wird.

_________ v. Gagern.

Bekanntmachung,

die Feldbereinigung in der Gemarkung Staufenberg betreffend.

Nachdem Großh. Kreisamt Gießen die Einleitung des Verfahrens der Feldbereinigung und der Anlage von Wegen in den Baumstücken in der Gemarkung Staufenberg beantragt hat, nachdem von der Großh. Landescommission für Feld­bereinigung das beantragte Verfahren als zulässig erachtet und der Unterzeichnete als Commissär zur Leitung der Ab­stimmung bestellt worden ist, wird Tagsahrt zur Abstimmung über den gestellten Antrag auf

Mittwoch den 39. Januar 1890, Vormittags Don 10 bis 12 Uhr, in das Gemeindehaus zu Staufenberg

anbecaumt und zu derselben die betheiligten Grundeigentümer unter hem Rechtsnachtheil eingeladen, daß diejenigen, welche in dem Termin weder persönlich noch durch gehörig Bevoll­mächtigte abstimmen, als für den gestellten Antrag stimmend angesehen werden

Gießen, am 7. Januar 1890.

Der zur Leitung der Abstimmung bestellte Commiffär: Nebel, Amtmann.

Bekanntmachung.

Nach Beschluß der Generalversammlung des landwirth- schaftlichen Bezirks Vereins Gießen soll auf dem Saatmarkte zu Frankfurt a. M. am 3. Februar l. I. der Bezug von

Saatfrucht, und zwar Hafer und Gerste, aus fremden Gegenden durch eine Commission,

bestehend aus den Herren: Gutsbesitzer Schlenke, Rentner Georgi von Gießen und Pachter Schuchard von Neuhof bei Leihgestern, vermittelt werden.

Es wird dies unter dem Anfügen zur öffentlichen Kennt- niß gebracht,

1) daß Landwirthe, welche durch Vermittelung des land- wirthfchaftlichen Vereins Saatfrucht zu beziehen wünschen, ihre Anmeldungen bis zum 1. Februar l. I. bei dem Unterzeichneten oder Einem der oben genannten Commissionsmitglieder einzureichen haben;

2) daß bei Bestellungen von Mitgliedern des landwirthschast- lichen Bezirksvereins, welche den Betrag von 30 «X nicht übersteigen, die Kosten des Transports der Saat- frucht bis zur Eisenbahn-Station Gießen auf die Bezirks­vereinskaffe übernommen werden, daß bei größeren Be­stellungen dagegen die Vereinsmitglieder die Kosten des Transports der Saatfrucht insoweit zu übernehmen haben, als die Bestellung den Betrag von 30 «X über­steigt;

3) daß Bestellungen von Landwirthen, welche nicht Mit­glieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins sind, ebenfalls ausgeführt werden. Dieselben haben aber, wenn sie nicht vorher noch Mitglieder des landwirth­schaftlichen Bezirksvereins werden und sich zu diesem Behufe bei dem Unterzeichneten anmelden sollten, den vollen Kostenbetrag für Ausführung ihrer Bestellungen zu vergüten;

4) daß die Zahlung bei Empfang der Saatfrucht alsbald zu erfolgen hat;

5) aus welcher fremden Gegend die Saatfrucht zu beziehen ist, ift dem Gutachten und Beschluffe der Commission überlasten.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, vorstehende Bekanntmachung in Ihren Gemeinden veröffentlichen zu lassen, Anmeldungen entgegenzunehmen und umgehend und längstens bis zum 1. Februar l. I. einzusenden.

Gießen, den 16. Januar 1890.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen- Jost.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 16. Januar. Das Amtsblatt des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Section für Justiz­verwaltung, Nr. 25, enthält Ausschreiben vom 19. December

1889, betreffend die Feststellung und Ablieserung der reinen Einkünfte (Jnrraden) ans dem Vermögen der in die Landes- Waisen-Anstalt ausgenommcnen Waisen an diese Anstalt.

Darmstadt, 16. Januar. Am Sonntag den 19. Januar, Nachmittags 2 Uhr, findet hier im Saale derStadt Psnng- stadt" eine Vertrau ensmä nner-Versammlung der nationalliberalen Partei des Wahlkreises Darmstadt-Groß- Gerau statt. Die Versammlung wird die Aufstellung eines Candidaten, sowie die Berathnng über die alsbald einzuleitende Wahlagitation zum Gegenstand haben.

Ans dem Großherzogthum Heffen, 15. Januar. Unfall­versicherung der Feuerwehrleute. Bei der Bera- thung des Gesetzentwurfs, die Landes-Feuerlöschordnung be treffend, stellten die Abgeordneten Dr. Gutfleisch und Genossen den Antrag:Die großh. Regierung zu ersuchen, den Ständen baldigst eine Gesetzesvorlage zu machen, welche die Versicherung der Feuerwehrleute gegen Unfall regelt." Zur abschließenden Verhandlung kam der.Antrag indessen damals nicht, vielmehr wurde derselbe, im Einverständniß mit den Antragstellern und der Regierung, zur besonderen Berichterstattnng an den Gesetzgebungsausschuß verwiesen. Aus dem jetzt dort erstatteten Bericht ist ersichtlich, daß die Großh. Regierung den Antrag in eingehende Erwägung ge­zogen, namentlich einen sehr ausführlichen Bericht seitens der großh. Brandversicherungs-Commission erhoben hat, jedoch es für empfehlenSwerth hält, erst nach dem Inkrafttreten der Landes-Feuerlöschordnung und nachdem der in derselben für Verwaltung der Feuerlöschkaste vorgesehene Ausschuß gebildet sein werde und mit gutachtlichem Bericht gehört werden könne, in Berathung über den gestellten Antrag ein­zutreten. Diesen Standpunkt billigen auch Antragsteller und Ausschuß, weshalb der letztere beantragt:Großh. Regierung zu ersuchen, nach Inkrafttreten der Feuerlöschordnung und nachdem der in derselben für Verwaltung der Landes-Feuer- löschkasse vorgesehene Ausschuß gebildet sein wird, diesen letz­teren über den Antrag Guts lei sch und Genossen gutachtlich zu hören und der Kammer demnächst entspechende weitere Mittheilung zugehen zu lassen- damit den Antrag vorerst für erledigt zu erklären." F- I-

Deutscher Reichstag.

44. Plenarsitzung. Donnerstag den 16. Januar 1890, 1 Uhr.

Eingegangen ist eine Sammlung von Actenstücken über Ostafrika.

Die zweite Etatberathung wird fortgesetzt beim Etat der Reichspost- und Telegraphen- Verwaltungen.

Fenilleton.

Der Humor in der Mcdicin

Wenn man die ebenso ernste als schwere Berussthätig- keit des Arztes betrachtet, so ist man wohl zu glauben ge­neigt, daß dieselbe eine heitere Weltanschauung nicht leicht auskommen lasse. Wer, wie der Arzt, Tag für Tag und unter Umständen auch noch oft des Nachts das Leben von seiner Kehrseite erblickt, wer den viel belobten homo sapiens so vielfach nicht nur vom Mißgeschick ereilt, sondern auch als Opfer seiner Unvernunft und seines Leichtsinns dahingestreckt findet, und wer dabei oft genug zum eigenen Leidwesen seine Kunst und Wissenschaft rathlos sieht, wie der Arzt, von dem kann es eigentlich nicht Wunder nehmen, wenn ihm die heitere Lebensauffassung geschwunden ist und der bittere Ernst des Daseins all sein Denken und Thun begleitet. Und doch würde man irren, wollte man diese Consequenz im Allge­meinen ziehen und den ärztlichen Berus als ein durchaus unergiebiges Feld für den Humor ansehen. Auch unter den Aerzten gibt es Männer von Witz und Laune und gerade mehrere der berühmtesten und erfolgreichsten Vertreter der Heilkunst haben sich gleichzeitig durch ihre lustigen Einfälle und ihre komische Schlagfertigkeit einen Namen gemacht. Ern vor Kurzem erschienenes Buch*), das als Vorläufer einer ganzen Bibliothek des Humors auftritt und mit vielem Fleiß und Geschmack die verschiedenen Erzeugnisse dieser Art zu­sammenstellt und nicht allein in ärztlichen Kreisen, sondern auch weit darüber hinaus Anklang finden wird, führt uns das in eclatantester Weise vor Augen. Da sehen wir den Arzt im Alterthum wie in der Neuzeit, im Orient wie Occi-

*) Bibliothek desHumors. Elster Band : Medicmischer Humor. Gesammelt und herausgegeben von E. O. Hopp. Verlag von Fried­rich Pfeilstücker, Berlin. Preis des einzelnen, sein gebundenen Bandes 2 X 320 Seiten stark.

deut, diesseits wie jenseits des Oceans und der Allopath wie der Homöopath, die wirkliche Heilkünstler wie der frivole Charlatan und Quacksalber ziehen abwechseld an uns vorüber. Nachstehend wollen wir aus dem reichen Schatz des Merkchens einige auss Geradewohl herausgerissene Proben mittheilen.

* . *

Von demalten Heim", der in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts in Berlin wirkte, wird u. A. erzählt:

Kurz vor dem Beginn der Freiheitskriege war der Kur­fürst von Hessen in Berlin auwesend. Heim wurde dem Fürsten vorgestellt, welcher aus seinem Sessel sitzen blieb. Sarkastisch lächelnd, sagte Heim zu ihm:Durchlaucht stehen Sie mal auf!" Erstaunt und überrascht erhebt sich der Fürst.So, nun drehen Sie sich mal um." Auch dies geschah.Sehen ganz so steifpetrig aus, wie ich mir einen Kurfürsten immer vorgestellt habe", war Heims weitere Be­merkung, und die Folge davon war, daß Heim auch Leibarzt des Fürsten wurde.

Zelter schreibt an Goethe:Unser Huseland (der berühmte Leibarzt Friedrich Wilhelms III. von Preußen) stellte den alten Heim zur Rede über den 'häufigen Gebrauch des Arseniks, besonders auch über den Schaden, welchen junge Aerzte, seinem Beispiele folgend, anrichten könnten. Wie wollen Sie, lieber Freund, es an jenem Tage bei Gott verantworten, wenn er Ihnen Rechenschaft darüber ab- sordert? Was können Sie dann sagen?" Heim erwiderte: Was ich sagen werde? He! (indem er die Hand ans Hufelands Schulter legt.) Ick werde ihm sagen:Alter Junge, das verstehst Du nicht!""

Eine öfters an heftigem Kopfschmerz leidende Dame bat Heim in merklicher Beklemmung und mit vielen Umschweifen um Entschuldigung, wenn sie sich eines Mittels bediene, welches ihr als unfehlbar gerühmt worden jei. Sie sollte nämlich, wenn ihr Hebet eintrete, den Kopf mit Sauerkohl

bedecken.Sehr gut", antwortete Heim,aber vergessen Sie nicht, auch eine Bratwurst oben daranf zu legen."

Der größte Gartenkünstler seiner Zeit, P. I. Lenne, stand eines Sonntags mit dem Sammelteller am Ausgange der Friedenskirche in Potsdam. Er war unmittelbar vorher krank gewesen und dachte mehr an feine Krankheit als an das Geldsammeln. Als die Königin Elisabeth, die Gemahlin Friedrich Wilhelms IV., die Kirche verließ, fragte sie den alten Gartenkünstler im Vorbeigehen:Nun, Lenne, nehmen Sie viel ein?"Nur noch Bitterwasser, Majestät", er­widerte Lenne.

Zu den populärsten Aerzten Lübecks gehört Dr. Binder, ein äußerst urwüchsiger Mann, der heute noch trotz seines Greisenalters eine große Praxis ausübt. Von ihm wird das Folgende erzählt: In einem Krankenhause lag vor Jahren ein armes Mädchen an einem schlimmen Arm darnieder. Man sagte ihm, der Arm müsse abgenommen werden. Die Unglückliche konnte sich zu der Operation nicht entschließen. Sie entfernte sich aus dem Krankenhause und suchte bet Dr. Binder Hilfe.Also den Arm woll'n se di afnehmen, min Dirn?" sagte Dr. Binder.Ja, dormit sünd se rasch bi de Hand, mit datt Ansetten geht dat öwer nich so rasch." Er heilte den Arm innerhalb sechs Wochen. Das Mädchen kam nach ihrer Genesung und sprach ihm ihren Dank aus. Wat bin ick Se schuldig, Herr Doctor?"Hest ock wat? Du hest jo nicks. Mack dat Du rut kümmst. Ower eenen Gefallen kannst mi dohn. Gah doch mal na dem Doctor von dat Krankenhus un wis' em mal den Arm un feg em, de Schinnerdoeter Herr em curirt."

Ein berühmter französischer Arzt und Professor hatte behauptet, jede Krankheit komme von Entzündung her. Beim Seeiren eines seiner gestorbenen Patienten fand sich keine Spur von Entzündung. Da sprach er zu seinen