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Uni nach dem Eindrücke der gestrigen Ausführung find wir fieber, daß die folgenden Vorstellungen eine ihrem wirklich hohen Kunstwerth mehr entsprechende Beachtung finden werden.
— Theater. Etwas besser als am letzten Dienstag war die letzte Vorstellung besucht, wenn auch noch längst nicht so reichlich, wie man nach den gegenwärtig hier ja so hoch gehenden Wogen neuerwachten KunstinteresseS hätte vermuthen können. Die beiden Stücke, die die Direction neu hatte ein- studiren lasten, das zweiactige Lustspiel von A. Bahn „Man sucht einen Erzieher" und der Moser'sche Einacter „Der Schimmel" können an sich betrachtet keinen Anspruch auf höhere poetische Bedeutung machen, aber sie bieten in ihren weit überwiegenden Hauptpartien einem Schauspieler von Talent die umfassendste Möglichkeit, seine Fähigkeiten nach allen Seiten hin in die hellste und vortheilhaftesle Beleuchtung zu rücken. Einen besonderen Reiz gewährt ins- --sondere eben die Nebeneinanderstellung der beiden Stücke, indem in dem Bahn'schen Lustspiel als Titelheld (Arthur v. Marsam) ein blasirter und überlegener Weltmann figurirt, während in dem Moser'schen „Schimmel" ein natürlicher und frischer Mensch, Gustav Rohr, im Mittelpunkte der Handlung steht. Ein Schauspieler, der den Anforderungen beider Rollen gleichmäßig gerecht werden will, wird demnach über ein ganz bedeutendes Characterifirungsvermögen verfügen müssen. Daß dem Gaste am „Neuen Theater", Adalbert Brümmer, ein solches in hoher Vollendung eignet, bedurfte nach dem, was wir bereits seither von ihm gesehen haben, deS Beweises nicht mehr, hat aber gestern aufs Neue eine fulminante Bestätigung erfahren. §err Brümmer hat sich ja ein eng und scharf begrenztes Gebiet für feine Thätigkeit ausgesucht. Aus diesem ist er aber auch Meister, und was er in Bezug auf geistreiche und feine Differeuzirung seiner Charactere, die ja äußerlich betrachtet doch alle demselben Fache angehören, leistet, und wie er der äußerlichen Hilfsmittel Zur Characteristik beraubt, infolge feinster psychologischer Beobachtungen doch die verschiedenartigsten Individualitäten zu verkörpern versteht, ist geradezu erstaunlich. Der Beifall, den Brümmer fand, war denn auch geradezu stürmisch, namentlich am Schluste des ersten Stückes,
— Hier hat sich unter dem Namen „Schlachtvieh-Ver- stcherungs'Berem" eine fast sämmtliche Metzger Gießens umfassende Vereinigung gebildet, deren Zweck es ist, sich gegenseitig gegen Verluste zu schützen, wenn das Fleisch des von Vereinsmitgliedern geschlachteten Viehes ganz oder theilweise für Menschen ungenießbar befunden wird. Jedes Vereins- nntglied ist lt. Statut verpflichtet, sein zum Schlachten bestimmtes Vieh bei dem Verein zu versichern- das Mitglied hat sofort unter genauer Angabe des Selbstkostenpreises eines Thieres dem Vorstande Anzeige zu machen und den Namen des Vorbesitzers anzugeben, wenn das Fleisch des betr. Thieres vom Fleischbeschauer des städtischen Schlachthauses für ganz oder theilweise ungenießbar erklärt worden ist. Eigenmächtige Verwerthung aller oder einzelner Theile eines nicht gesund befundenen SchlachtthiereS, wofür Entschädigung verlangt wird, st't nicht gestattet- eine Verwerthung soll vielmehr durch den Vereinsvorstand bewirkt werden und zwar, soweit thunlich, burd? eine bestimmte Perlon in der Freibank des Schlachthauses. Der Erlös für auf diese Weise verwerthete Schlacht- theile fließt in die Vereinskasse, welche dem betr. Vereinsmitglied den vollen Betrag der festgestellten Entschädigung thunlichst schnell und baar auszahlt. Die Versicherungsgebühr beträgt: sür einen Ochsen oder Fasselochsen 3 Mk., sür ein Rind, Stier, Kuh oder Fasselftier 1.50 Mk., für ein Schwein 20 Pfg., für ein Schaf, Hammel ober Kalb 10 Pfg. Die Gebühr ist vor der Schlachtung zu entrichten. Sollten die in einem Monat auszuzahlenden Entschädigungen die Einnahmen und den Kaflenbestand übersteigen, so wird der Fehlbetrag durch Umlage bei allen Mitgliedern nach Maßgabe der von diesen im vorhergehenden Monar im Schlachthause ge- ‘ schlachteten Thiere aufgebracht. Die Leitung und Verwaltung aller Vereinsgefchäfte besorgt ein aus drei Mitgliedern bestehender Vorstand und drei Stellvertreter.
— In der gestrigen Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffeu, der einzigen im 4. Quartal 1890, wurde
Christian Weisel von Freienseen wegen gewaltsamer Vornahme unzüchtiger Handlungen zu einer Gesängnißstrase von 9 Monaten verurtheilt.
Friedberg, 15. December. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht: Am 4. December den Landwirthschastslehrer l)r. Hugo Tobisch zu Friedberg auf fein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner geschwächten Gesundheit mit Wirkung vom 1. April k. Js. au in den Ruhestand zu versetzen.
Bad-Nauheim, 14. December. Am vorigen Samstag wurde die achte außerordentliche Generalversammlung des Spar- und Vor sch ußver e ins, e. G. m. u. H., dahier abgehalten. Die Versammlung galt der Ergänzung des Aufsichtsraths und der Abänderung der §§ 54 und 55 des VereinSstatuts, wonach zwar der Höchstbetrag des Stamm- antheils für ein Mitglied auf die Summe von 500 Mk. wie bisher festgesetzt bleiben soll, die Mitglieder aber nur zur Einzahlung von 50pCt. dieses Betrags, also von 250 Mk. entweder sogleich oder durch Nachzahlung innerhalb 10 Jahren mit mindestens 2 Mk. monatlich verpflichtet erscheinen. Da die erforderliche Anzahl von einem Drittel aller Mitglieder nicht vollzählig erschienen war, so ist weitere Generalversammlung auf den 18. l. M. zur definitiven Erledigung der vorgeschlagenen Statutsveränderung anberaumt.
E. Nidda, 15. December. Ernannt wurden am 13. December der Kreisveterinärarzt des Kreisveterinäramtes Nidda, Jacob May, zum Kreisveterinärarzt des Kreisveterinäramtes Friedberg und der Kreisveterinärarzt des Kreisveterinäramtes Reichelsheim, Christian Schmidt, zum Kreis- veterinärarzt des Kreisveterinäramtes Nidda.
Ockstadt, 12. December. Vergangene Nacht um 10 Uhr brannte ein großer Strohhaufen, der auf dem Felde nach Nieder-Rosbach zu faß, nieder. Man vermuthet, daß ein entlassener Kriecht denselben aus Rache ansteckte.
x Unter-Widdersheim, 14. December. Nachdem verschiedene Nackibargemeinden die Drainirung ihrer Feldgemarkungen vorgenommen haben, wird im nächsten Jahre mit der Drainage auch in unserer Gemarkung begonnen werden.
Folgende Städte des deutschen Reichs haben jetzt mehr als 100 000 Einwohner: Berlin, Hamburg, Leipzig, München, Breslau, Köln, Dresden, Magdeburg, Frankfurt a. M., Hannover, Königsberg, Düsseldorf, Altona, Nürnberg, Stuttgart, Chemnitz Elberfeld, Bremen, Straßburg, Danzig, Barmen, ©tettii:, Aachen, Crefeld, Halle a. S., Braunschweig.
* Offenbach, 14. December. Rach der neuesten amtlichen Zusammenstellung beträgt die hiesige Einwohnerzahl 35 809.
* Michelstadt, 11. December. Die Vo lkszählung ergab für Michelstadt 3068 (gegen 3157 in 1885), Stockheim 258, Momart 324, Rehbach 214, Bullau-Entergrund 447 Personen.
* Gernsheim, 11. December. Die Volkszäh lung ergab 3647 Seelen, gegen 3557 Einwohner im Jahre 1885, somit einen Zuwachs von 90 Personen.
* Alzey, 13. December. Eine Dame von 26 Jahren, welche an ziemlich vorgeschrittener Kehlkopftuberkulose erkrankt war, starb gestern, nachdem sie mehrmals mit dem Koch'schen Impfstoff behandelt worden war.
* Lampertheim, 12. December. Das Ergebniß der am 1. December ftattgesundcnen Volksz ählung beträgt für Lampertheim mit Hüttenfeld, Neuschloß und Rosengarten 6753 Seelen (3248 männlich, 3505 weiblich), gegen 6445 im Jahre 1885- fonach eine Vermehrung von 3u8 Seelen.
* Müöfter, 11. December. Bei der am I. December stattgefundenen Volkszählung war die hiesige orts- anwesende Bevölkerung 2111 Personen (1042 männliche, 1069 weibliche). 1885: 2028, mithin eine Zunahme von 83 Personen.
* Ergebnisse der Volkszählung vom 1. December 1890. Coblenz 32 669, Fulda 12944, Danzig 119 714, Iserlohn 22 026, Essen 78 5U0, Elbing 40714.
Nnirx-sität». Nachricht«,.
— Dir UtttversiLt Königsberg zählt in diesem Winter 682 Studirende (659Preußen, 22Ntchtpreußen). — Bonn 1219. — Greifswald 773 (675 Preußen, 98 Ntchtpreußen). — Marburg 855 (691 Preußen, 164Ntchtpreutzm ) — Halle 1585 (1287 Preußen, 237 Nichtpreußen). - Göttingen 890 (658 Preußen, 232 Nicht- prcußen). — Basel 388 (319 Schweizer, 69 Nichtschweizer).
— Wie aus Straßburg geschrieben wird, ist an der Kaiser- Wilhelms-Untoersität die bisherige höchste Besuchsziffer — 936 im vorigen Winter — wieder etwas überschritten worden. Die Uni- oerfität zählt im laufenden Semester 947 immatriculirte Studenten, wovon 121 auf die theologische, 203 auf die juristische, 329 auf die medictnische, 127 aus die ph-losopbtsche und 167 auf die mathematisch- naturwissemchastliche FacultÜt entfallen. Von den Staaten, denen die Studenten angehören, ist Elsaß-Lothringen selbst mit 382 vertreten, weitaus die höchste Zahl von Elsässern, die je hier studirt hat, Preußen mit 257, dann Baden mit 65 und Bayern mit 57. Ausfallend groß ist wieder, wie gewöhnlich, die Zahl der hier studirende« Ausländer: 62 aus europäischen Staaten, 19 Amerikaner und 6 Japaner, zusammen 87, also mehr als der elfte Theil der Gesammt- zahl; bei den europäischen Staaten geben 20 Schweizer, 13 Engländer und 10 Luxemburger den Ausschlag. Außer den immatriculirten Studenten haben noch 51 Personen die Erlaubniß zum Besuche der Vorlesungen; die Zahl der überhaupt zum Hören Berechtigten beträgt also 998.
£iteratur unO Munft
— Geschenkliteratur. Als herrliche Gaben für den Weihnachtstisch deutscher Frauen und Jungfrauen dürfen zwei Werke: »Herzend- klänge", Dichteraltmm von Arnold Pers (Leipzig, E. A. KowS Verlag, Preis tn Prachtband 3 X 60 H), und ,LiebeSvlütherr", reiche Auswahl der schönsten älteren und neueren Liebeslieder von G. Amor (Leipzig, E. A. Kochs Verlag, Preis in Prachtband 2 X 50 H) bestens empfohlen werden.
Zur Saison!
Bei Vorbereitungen von Familtensesten, wo die Hausfrau neben dem Hauptzweck, ihren Gästen etwas Gutes zu bieten, ein wachsames Auge auf Sparsamkeit und Erleichterung der Küchenarbeit hält, möge sie stets an die Hälfe denken, welche der vorzügliche Artikel Mandantin, fabrlcirt von der schottischen Firma Brown & Polson, ihr leisten kann. r
Mondamin, ein Maisproduct — zu Puddings, Fruchtspeisen, Sandtortm rc. anwendbar — besitzt vermöge einer eigenen Herstellungsart resp. völliger Entölung neben anderen werthoollen E'gen- schaften eine speciell bemerk nSwerthe Etgentbümlichkett. Eine Dton- damtnspeise nämlich nimmt außerordentlich leicht jeden Geschmack an, welcher derselben verliehen werden soll. Jnfolgedesien erspart man bei Mondaminsveisen wesentlich an Zuthaten, wie Zucker, Vanille, Citronen re., indem das allerkleinste Quantum davon genügt; ferner wird in solchen Speisen der besondere Geschmack jeder dazu verwendeten Frucht- oder Obstsorte rein erhalten. AuS demselben Grunde erzielt man mit Mondamin beider allergeringsten Beifügung von Eiern einen sehr seinen, wohlschmeckenden Pudding. Wenn man an die große bindende Kraft des Mondamin erinnert, wodurch Gelatine fast überall ersetzt wird, sowie daran, daß damit in der kurzen Zeit von 10 Minuten eine schöne Speise bereitet werden kann, so rechtfertigt sich der gute Ruf, welchen Mondamin thatsächlich bei den Köchen besitzt.
Man lasse jedoch nicht außer Acht, daß Mondamin, mit Milch gekscht, als Nahrung für Kinde, und Neconvalescenten gleich hohen Werth besitzt, und es bedarf in dieser Beziehung kaum weiterer Empfehlung, da in allen Theilen Deuischlands von Müttern und Krankenpflegern Mondamin hochgeschätzt wird.
Aus den von Zett zu Zeit in diesem Blatte erscheinende» Annoncen ist zu ersehen, daß der Artikel In allen besseren Deltcateß-, Speceret- und Droyuenbandlur'gen zu haben ist.
Gieße«, 16. December. Marktbericht. Auf Dem heutige» Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pft>. X 1,05—1,20, Hühnereier
1 St. 7-9, 2 St. — Enteneier 1 St.--H, 2 St. -
Käse pr. St. 5—7 H, Käse matte pr. St. 3 Erbsen vr. Liter 18 4, Ansen pr. Liter 28 H, Tauben pr. Paar 0,40—0,50, Hühner pr. Stück Jfc 0,80—1 00, Hahnen pr. St -* 0,75—1,00, Enten pr. Stück 1,40—1,80, Ochsenfletsch pr. Pfd 70—74 H, Kuh- und Rindfleisch 60-64 Schweinefleisch 60 -70 L, Hammelfleisch 62 -68H, Kalbfleisch 60-64 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 5,(0-0,00, Weißkraut or St- 3—7 .51, Zwiebeln per Centner X 6,00—0,00, Milch per Liter 12-18 4. Äänse pr- Pfd. 50—60 H.
x Hungen, 15. December. Der heute dahier stattgefundene sogenannte „Wethnachtsmarkt" war nicht so zahlreich besucht, wie man es sonst gewohnt ist. Es mag wohl hieran die kalte Witterung schuld gewesen sein, so daß namentlich der Vtedmarkt beeinflußt wurde. Von Setten der Landwirthe waren verhältn tz- mäßig wenig Fetkel und Läufer, von dm Händlern jedoch eine ziemliche Anzabl au^etrteben worden. Die Preise waren keine sonderlich hoben. Das Paar Ferkel wurde mti 20 bis 35 X und daS I Paar Läufer mit 35—50 .X bezahlt, je nach Alter und Qualität. — ! Der nächste Markt, unser sogenannter „Frühjahrs-Markt", findet am 2. März n. I. statt.
Wekanntwachung.
Diejenigen hiesigen Emwobrer,' welche im Laufe dieses Jahres Hunde obgeschafft haben, wollen dies spätestens bis zum 31. December d I entweder schriftlich oder mündlich in Selbstperson bei der unterzeichneten Stelle anzeigen, indem sonst die Verbindlichkeit zur Entrichtung der Hundeabgaben auch im folgenden Jahre und solange fortbauert, als diese Anzeige versäumt wird
Gießen, den 14. December 1890.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Gnaurh. 10445
in dem Arnsburger Walde.
Freitag de» 19. December 1. IS sollen in den Districten Hain, Deckelborn, Hardt, Mucken- und Ganterbachs * Wäldchen öffentlich Versteigert werden:
13 Eiche^-Schnittbolz-Abschnitte mit 14 fm (40—FO cm m. Durchm.), 100 Eichen - Stämme (Bou-, Schwellen- und Wagnerholz) mit 53 fm
(20 40 cm nt. Durchm),
33 Buchen-Stamm-Abschnitte mit 24 fm (35-50 cm m. Durchm.),
90 Fichten-Stämme mit 25 fm (15—40 cm m. Durchm.),
13 Kiesern-Stämme mit 7 fm (25-35 cm m. Durchm.),
6 rm Eichen-Nutzschefiholz
13 rm Fichten-Nutzprügelholz.
Zusammenkunft Vormittags 10 llbr im Distr. H^in am Vflanzgarten.
Dos Eichenfcbnittholz in den Dfftr. Haidt und Muckenwälvchen wird etrst von 10z Ibr Nachm. ab verkauft.
Arnsburg, den 9. December 1890. 10347
Gräfliche Revi-rverwaltung.
! Bekanntmachung.
Habe Geschäfte aller Art zum An- und Verkaufe, An- und Ablage von Hypotheken, besonders noch Beleihung j auf Feldgrundsiücke. [1046t
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