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Nr. 241.

Dn Gießkner Avzeigrr rrlchrmr r«glich, w*t Ausnayme M MonlogS.

Bit Gießener |6e«f.Heti8C6((tt akrbni dem Anzeiger «Schentlich dreimal heigelegt.

Donnerstag den 16. October

1890.

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reßener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

Bierteljähri-ger Avo«neme«Ls preis» 2 Maik 20 Pfg. vnR Bringerlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pf,.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den felgenbtn lag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

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AwtlZchev Ehe».

Bekanntmachung,

Waffergenoffenschast Langsdorf betreffend.

Nachdem Großh. Ministerium des Innern und der Justiz mit Verfügung vom 16. v. Mts, zu Nr. M. I 24075 dem Statut der rubr. Wassergenoffmschast die Genehmigung ertbeilt hat, wird in Gemäßheit des Art. 38 des Gesetzes vom 30. Juli 1887 nachstehender Auszug aus demselben unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Statut mit seiner Verkündigung in Kraft tritt.

1) Name der Genossenschaft: Waffergenoffenschast Langs­dorf.

2) Sitz derselben: Langsdorf.

3) Gegenstand des Unternehmens: Entwässerung der Flur XII der Gemarkung Langsdorf

4) Die von der Genossenschaft ausgehenden Bekannt­machungen werden unter der Bezeichnung:Waffer- genossenschaft Langsdorf" im Kreisblatt für den Kreis Gießen bekannt gemacht und vom Vorsteher unter­zeichnet.

Gleichzeitig wird Tagfahrt zur Wahl des Ge- nossenschaftsvorstandS auf

Freitag den 31. October l. I . Nachm. LVr Uhr, in das Gemeindehaus zu Langsdorf anberaumt und zu derselben die GeneraiVersamMlung der Genossen­schaftsmitglieder hierdurch einberufen.

Gießen, den 12. October 1890.

Großherzoaliches Kreisamt Gießen.

v- Ga gern. _

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß aebracht, daß das 1. Bataillon Jnf.-Regts. Nr 116 am 21. October l. I. von 9 Uhr Vormittags bis 4 Uhr Nachmittags auf der Schaf- weide bei Wismar eine Schießübung mit scharfen Patronen abhalten wird. Die Schußrichtung läuft vom Bogen der Lahn her in nordwestlicher Richtung gegen die Teufelsberge. Es wird daher gewarnt, das. Feld und den Wald 4000 Meter nordwestlich der Schafweide, speciell die von Wrsmar nach Crumbach, Kirchners, Salzböden führenden Waldwege, sowie die über die Teufelsberge führenden Feldwege zu betreten. Sodann wird das Betreten der Straße Ruttersyaufen-Wlsmar untersagt. ,

Gießen, am 13. October 1890.

Großherzogliches Kreis amt Gießen, v. (Sagern.

Bekanntmachung.

Wegen Chausfirung des Warthweges vom Tonnenschuppen aufwärts ist der Verkehr daselbst für Fuhrwerke, Reiter und Viehtrieb bis auf Weiteres untersagt.

Gießen, am 14. October 1890.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Bekanntmachung.

Dem geprüften Hufbeschlagmeister Ernst Kliemchen aus Dresden wurde die Stelle eines LrhrschmiedeA an Großh. Veterinäranstalt dahier übertragen und dieselbe von ihm heute übernommen.

Gießen, am 14. October 1890.

Die Direction Großh. Veterinäranstalt.

Pros. Dr. Pflug

Bekanntmachung.

Die Heberollr über die Beiträge zur -wb und forstwirtschaftlichen BerufSgerroffenfhruf liegt von heute an während vierzehn Tagen aus der unter­zeichneten Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Innerhalb einer weiteren Frist von zwei Wochen nach Ablaus der Offenlegungs­frist kann der in der Heberolle als beitragspflichtig in Anspruch Genommene gegen die Beitragsberechnung bei dem Vorstande der land- und forftwirthschaftlichen Berufsgenoffenschaft Einspruch erheben (f. § 21 der Verordnung vom 11. Juli 1888, Reg.- Blatt S. 83).

Gießen, am 14. October 1890.

Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen

Gnauth.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. October. In seinem nichtamtlichen Theile schreibt derReichsanzeiger": Betrachtungen über die Per­sonen höherer Offiziere und Beamten, verbunden mit Vermuthungen über deren fernere dienstliche Verwendung, haben in der Presse neuerlich in Bedenken erregender Weise ; zugenommen. Wenn auch die überwiegende Mehrzahl solcher i Auslassungen sich unschwer als aus Erfindung oder mehr oder . weniger geschickter Combination beruhend Erkennen läßt, so | werden dieselben doch nur zu bereitwillig ausgenommen und weitergegeben. Selbst eipe wohlwollende Besprechung ist unter j diesen Umständen für die Betreffenden fast immer unangenehm. I Offiziere wie Beamte aber stehen, durch dienstliche und persön-

dfcmüeton.

Moderne Piraten.

Nautische Scizze von Friedrich Meister.

(Nachdruck verboten.)

Es war im Juli des Jahres 1888. Ich befand mich an Bord des DampfersBismarck" auf der Fahrt von Ham­burg nach London. ...

Ich schritt mit dem Schiffsführer, Capttan Theodor Winzer, auf dem Achterdeck aus und ab- es war gegen Abend des zweiten Tages der Reise und in einigen Stunden mußte der englische Lootse an Bord kommen.

Wir redeten über dies und das, hauptsächlich aber über die Seefahrt und über die mannigfachen Erfahrungen, die der Beruf eines Seemannes mit sich bringt.

DerBismarck" ist das erste Schiff, das ich als Capi- tän fahre," sagte mein Gefährte, nachdem er einen langen Blick voraus in die dunkelnde Ferne gethan hatte.Die Londoner Fahrt bringt nicht viel Abwechselung - der Rhederei liegt daran, daß ihre Dampfer möglichst viel Reisen machen, daher muß alles beschleunigt werden, das Laden, das Löschen und die Fahrt. Und so ist meine Aufgabe nur eine ein­förmige. Meine letzte Reise als Steuermann war aufregender. Lassen Sie sich erzählen. , , .

Im Frühjahr vorigen Jahres machte ich mein Schiffer- eramen. Kaurn hatte ich mein Patent in der Tasche, da sah ich mich auch schon nach einer Stellung um. Mein Zeugniß war ein gutes und ich meinte, daß mir die Schiffe nur so zufliegen müßten. Das aber war ein Jrrthum. Die Rheder, bei denen ich ansragte, benahmen sich zwar sehr freundlich und wohlwollend, allein ich erschien ihnen noch zu jung. So verging eine Woche nach der andern und meine Mittel wurden immer spärlicher.

Niedergeschlagen saß ich eines Morgens in einem Gast­hause am Hasen, wo sich stets eine Anzahl von Capitänen

zu versammeln pflegt, um gegenseitig ihre Neuigkeiten aus­zutauschen. Ich starrte zum Fenster hinaus und grübelte darüber nach, welche Rhederei ich noch mit meinem Anerbieten beglücken sollte, als mir Jemand aus die Schulter schlug.

Hören Sie, Winzer," sagte ein mir befreundeter Schiffer,Sie wissen hier am Lande ja besser Bescheid als ich, können Sie dem Capitän Hammer nicht einen tüchtigen Obersteuermann nachweisen? Es soll nach dem Schwarzen Meer gehen."

Damit stellte er mir den Capitän Hammer vor, einen großen, sehr nett aussehenden und für einen Schiffer sehr gewählt gekleideten Herrn.

Was ist's für ein Schiff?" fragte ich.

Eine Barke von elshnndert Tonnen."

Capitän Hammer hatte wirklich ein äußerst angenehmes, männlich kühn geschnittenes Gesicht und dabei ein Paar präch­tiger, dunkelblauer Augen. Er maß mich bei der Vorstellung mit einem schnellen Blick von oben bis unten und lächelte mir freundlich zu.

Ich dachte einige Secunden nach und dann sagte ich:

Wenn es Ihnen recht ist, melde ich mich selber zu der Stellung."

Mein Freund sah mich erstaunt an.

Wollen Sie nicht lieber noch eine Weile warten?" meinte er.Es wäre doch schade, wenn Ihr Capitänspatent müßig im Kasten liegen sollte."

Ich sagte ihm, daß ich lieber mein Patent müßig liegen lassen, als mich selber noch länger müßig herumdrücken wollte, und in zehn Minuten war die Sache abgemacht. Hammer theilte mir mir, daß ein Heuerbaas ihm bereits die Mann­schaft an Bord geschickt habe, daß ich also dieser Mühe über­hoben sei.

Es ist ein zusammengewürfeltes Volk," lächelte er, aber ich denke, daß wir sie im Zug haben werden, noch ehe wir Finisterre passiren."

liche Rücksichten gebunden, diesem Treiben gegenüber nahezu wehrlos da. Auch die Regierung ist nur selten in der Lage, sich der Besprochenen öffentlich annehmen zu können. Selbst wenn sie sich daraus beschränken wollte, die bezüglichen That- sachen richtig zu stellen, würde sie Gefahr laufen, der weiteren Discussion von Verhältnissen, die ihrer Natur nach eine öffent­liche Behandlung ohne Schädigung dienstlicher und staatlicher Interessen nicht ertragen, Vorschub zu leisten und den Schwer­punkt für die Beurtheilung von Personalien mehr und mehr aus den Händen der berufenen Organe in die der Presse gleiten zu sehen. Es ist dringend zu wünschen, daß die Er- kenntniß der schweren Bedenken, welche gegen die angedeutete Tendenz der Presse sprechen, und der ernsten Gefahren, welche für die Disciplin daraus erwachsen können, sich mehr verbreiten und daß die Blätter, welchen die Erhaltung des Staatswohls am Herzen liegt, es sich versagen, an diesem Unwesen theil- zunehmen.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Eorrespondenz-Burcau.

Berlin, 14. October. DerNordd. Allgem. Ztg." zu­folge hat der Oberbürgermeister Forckenbeck die Bürgermeister aller deutschen Städte von über 50,000 Einwohnern zu einer Versammlung nach Berlin eingeladen, um über die Betheilig­ung dieser Städte an den Ovationen für Moltke zu beschließen.

Greifswald, 14. October. Der Universitäts'Curator Pro- feffor Drechsler ist in Folge eines Schlaganfalles heute früh gestorben,

Breslau, 14. October. DieSchles. Ztg." berichtet aus Räuden über das Jubiläum des Herzogs von Ratibor. Zur Gratulation waren Beamte des Union» elubs, die Pächter und Beamten der herzoglichen Güter, die Gemeindevorsteher der fünfzig herzoglichen Dörfer, sowie sämmtliche Wald- nnd Feldarbeiter und -Arbeiterinnen sammt der Raudener Schuljugend erschienen. Der Herzog gab den Arbeitern ein Fest, auf dem er mit seinen Angehörigen er­schien. Abends brachten Mitglieder der herzoglichen Familie im Schloßtheater ein voki Schricker verfaßtes, Huldigungen für den Herzog enthaltendes Festspiel zur Aufführung.

Berlin, 14. October. Die Enthüllung des Lessing- Denkmals im Thiergarten erfolgte heute Vormittag im Beisein des Prinzen Leopold, der Minister v. jBötticher, v. Goßler, Dr. Miquel, der Vertreter der Behörden und einer überaus zahlreichen Festversammlung. Studentische Corpora- tionen in Wichs bildeten Spalier auf dem Festplatze. Nach einer Instrumental-Einleitung durch die Bläserklasse der Kgl.

Die bloße Erwähnung des brandungumtosten Caps von Finisterre ließ mein Herz schon höher klopfen, so sehr sehnte ich mich nach dem blauen Wasser.

Wir plauderten noch eine Weile und dabei machte ich die Wahrnehmung, daß Capitän Hammer ganz auffällig viel Grog trank, was mich um so mehr wunderte, als sein ganzes Wesen und Aussehen dafür sprach, daß er nichts weniger als ein Trinker sei.

Als wir uns endlich erhoben, sagte er:

Noch ein Glas, zu guterletzt. Ich weiß nicht, mir ist heute Morgen gar nicht so recht. Hier, Kellner! Aber sparen Sie den Rum nicht so wie bei den vorigen."

Mein Freund sah ihn kopfschüttelnd an, als ob er nicht wisse, was er davon denken solle.

Wie kommen Sie mir denn vor, Hammer?" sagte er. Das ist bereits Ihr siebentes."

Der Capitän lächelte wie einer, dem es gar nicht fröh­lich zu Sinne ist, und entgegnete:

O, ich bin heute nun einmal in der Laune."

Und damit goß er den brennend heißen Stoff auf einen Zug hinunter.

Damals war mir der Grund dieses Benehmens unbekannt, heute aber weiß ich, daß er sich dadurch innerlich Festigkeit verleihen wollte.

Am nächsten Tage ging ich mit meiner Seekiste an Bord und zwei Stunden später bugsirte uns der Schleppdampfer der offenen See zu. Die Bark war ein schmuckes Fahrzeug, das wohl ein Seemannsherz erfreuen konnte, und auch die Mannschaft war noch lange nicht die schlechteste.

Nach einer Weile kam der Cajütsjunge und meldete mir, daß der Rheder mich in der Cajüte zu sehen wünsche. Ich legte meine Mütze ans die Bank neben der Cajütskappe und ging hinunter.

Herr Hippel, der Eigenthümer der Bark, saß neben dem Capitän am Tisch.

Sie müssen mit uns auf eine glückliche Fahrt anstoßen,