Ausgabe 
15.5.1890
 
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Nr. 112

Donnerstag den 15. Mai

1890.

Der

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Gießener Anzeiger

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Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.

Amtlicher» Tdeil.

Gießen, sm 13. Mai 1890. Betr.: Die Vertilgung der Maikäfer.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Wir beauftragen diejenigen von Ihnen, in deren Ge­markungen die Maikäfer zahlreich austreten, die Einsammlung und Vertilgung derselben gegen Vergütung aus der Gemeinde­kaffe alsbald zur Durchführung zu bringen. Zum Ein­sammeln wird sich die Verwendung von Schulkindern besonders empfehlen.

v. Gagern.

Gießen, am 12. Mai 1890. Betr.: Die Regulirung der Gewerbfteuer.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

arr die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Soweit Sie mit Erledigung unserer Verfügung vom 24. v. Mts. Anzeiger Nr. 97 noch im Rückstände sind, erinnern wir Sie hieran mit 8 Tagen Frist.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

Betriebseröffnung der Nebenbahn Hungen-Laubach betr.

Die landespolizeiliche Abnahme der Bahnstrecke Hungen- Laubach soll Freirag d-rn 30 Mai stattfinden.

Alle Diejenigen, welche wegen Einzelheiten der Bahn­anlage Einwendungen zu erheben oder Anträge zu stellen haben, werden hiermit aufgesordert, solche am genannten Tage entweder um V22 Uhr im Stationsgebäude zu Hungen vor­zubringen, oder den Revisionszug, welcher um 2 Uhr von Hungen nach Laubach abgehen wird, an der Grenze ihres Gemeindebezirks zu erwarten-

Gießen, am 12 Mai 1890.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 12. Mai. Für die 59. Sitzung der Zweiten Kammer der Stände am Montag den 19. Mai d. I., Vormittags Uhr, ist folgende Tagesordnung ausgestellt:

I. Verkündigung neuer Einläufe.

II. Berichtsanzeigen.

III. Beantwortung, event. Besprechung folgender Inter­pellationen :

Fenilletsn.

A m V s i n g st m o r g e n.

Novellette von M. Elsner.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung,)

Was ihn jahrelang schwere Kämpfe gekostet hatte, das war ihm nun allgemach zur zweiten Natur geworden. Weil es keine fröhlichen, sonnigen, nur der Freude am Dasein geweihten Pfingsttage für ihn geben durfte, damals, als es ihn beim ersten Frühlingsgrün allmächtig und fast un­widerstehlich mit den andern hinausziehen wollte in Wald und Feld darum hatten sie nun in der Thal jeglichen Reiz für ihn verloren, seitdem cs ihm sreigestanden hätte, sie ganz nach seinem Belieben zu genießen.

Bis heute war es ihm ganz recht so gewesen, und es mußte wohl eine gewisse körperliche Indisposition sein, wenn eS ihn gerade an diesem Abend so wehmüthig stimmte, daß er nicht fröhlich sein konnte mit den Fröhlichen, und daß dies Pfingstfest, dem alle Herzen so freudig entgegenschlugen, nur ihm nichts versprach weder Glück noch Enttäuschung. Oder ob die junggrünen Blätter des Kastanienbaumes die Schuld daran trugen, die leuchtenden Augen der spielenden Kinder und das selig verträumte Antlitz seines sonst so auf­merksamen und gewissenhaften Buchhalters?

Als er die Treppe zu seiner Wohnung emporstieg, über­kam es ihn wie ein Grauen vor der Einsamkeit der langen Abendstunden, die noch vor ihm lagen, und nach einem kurzen Zaudern ging er an seiner Wohnungsthür vorüber um eine Stiege höher hinanf, wo unter dem Glockenzuge ein Porzellan­schildchen mit der Aufschrift:Frau Baldenius" befestigt

a. des Abgeordneten D'mth, die Krankenversicherung der in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäf­tigten Personen betreffend -

,b. der Abgeordneten OL'iola und Bogt, die Kranken­versicherung der in .land- und sorstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen betreffend -

des Abgeordneten Lautz, betreffend die Gesängniß- arbeit gegenüber der Arbeit des freien Handwerks- d. des Abgeordneten Schönberger, dre Berwerthung

von Stammholz aus -den Domanial-Waldungen betreffend -

e. Anfrage der Abgeordneten Osann und Schröder, betreffend die Ausführung des Artikel 40 des Gesetzes über das Dammbeuwesen re. vom Juni 1887.

IV. Berathung über:

1) Vorstellung und Bitte der Firma S. Merzbach in

Offenbach a. M., betreffend Begründung einer Großherzoglich Hessischen Staats-Klaffen-Lotterie, sowie die hierzu weiter eingegangeuen Vorstellungen-

2) das Gesuch des Großherzoglichen Steuerraths i. P.

Fröhlich zu Darmstadt um Erhöhung seiner Pension-

3) das Gesuch des Canzleidieners i. P. Heinrich Kirch­mann zu Darmstadt, betreffend Regulirung seiner Pensionsverhältniffe -

4) Antrag des Abgeordneten Kredel auf Aushebung des Gesetzes vom 22. November 1872, die Mitwirkung der Forensen bei der Feststellung des Gemeindevor­anschlags betreffend -

5) den Antrag des Abgeordneten Arnold, die wirthschaft- liche Lage des Odenwaldes, insbesondere die Erträg­nisse aus Lohrinden betreffend,

sowie

die Eingaben der Großherzoglichen Handelskammern zu Worms, Mainz, Offenbach, Gießen und Bingen zu diesem Antrag -

ß) den Antrag des Abgeordneten Schröder, Unter­stützung von Gemeinden bei Schulhansbauten be­treffend -

7) den Antrag des Abgeordneten Wasserburg wegen Beschaffung genügender Unterkunftsräume für die Garnison in Mainz -

8) den Antrag des Abgeordneten Wasserburg, betreffend Aenderung des Gesetzes vom 8. November 1872 über die Zusammensetzung der beiden Kammern der Stände.

(D Darmstadt, 13. Mai. Die General-Versammlung der Lan dw irth sch a stlich en Genossenschaftsbank hat gestern im Saale desDarmstädter Hofes" dahier statt­gefunden. Die Bank ist bekanntlich ein Resultat der Selbst­hilfe, indem sie im Jahre 1884 von Mitgliedern der Con-

war. Wenn auch die Tageszeit, um welche man Besuche zu machen pflegt, längst vorüber war, konnte sich Hans Borne­mann doch recht wohl die Freiheit nehmen, hier noch in später Stunde vorzusprechen, denn den beiden Damen, welche das Quartier innehatten, war er längst kein Fremder mehr.

Als vor acht Jahren sein Freund Baldenius gestorben war, hatte er der verzweifelnden Wittwe in den schwersten Tagen ihres Lebens getreulich und ohne viel Aufhebens da­von zu machen, mit Rath und That'zur Seite gestanden- er hatte die verwickelten Verhältnisse deS Abgeschiedenen mit manchem heimlichen Opfer so trefflich zu ordnen gewußt, daß gegen alle Erwartung genug übrig blieb, um Frau Baldenius und ihr einziges, damals vierzehnjähriges Töchterchen vor wirklicher Noth zu bewahren er war seitdem in allen wichtigen Fragen der gewissenhafte und uneigennützige Be- rather der wenig weltkundigen Fran geblieben.

So gehörte es denn keineswegs zu den außergewöhn­lichen Dingen, daß er gelegentlich ein Abendstündchen da oben verplauderte, und auch heute ließ ihn das kleine, saubere Dienstmädchen ohne Weiteres in das bei aller Schmucklosig­keit seiner Einrichtung so freundlich anheimelnde Wohnzimmer ein. Aber es wollte dem Eintretenden doch bedünken, als ob er da zum erstenmale nicht ganz gelegen gekommen sei. Wohl wurde er mit der gewohnten Freundlichkeit begrüßt, doch Fran Baldenius sah viel ernster aus als sonst und die schönen Augen des anmuthigen jungen Mädchens, das sich bei seinem Eintritt in sichtlicher Verwirrung erhoben hatte, waren leicht geröthet wie von vergossenen Thränen.

Es lag nicht in der Art des Herrn HanS Bornemann, sich ungebeten in die Angelegenheit Anderer einzumischen, und da die beiden Damen nicht Willens schienen, ihm aus eigenem Antrieb die Ursache ihrer unverkennbaren Verstimm­ung mitzutheilen, so bewegte sich die Unterhaltung eine

sum- und Creditvereine gegründet wurde und aus kleinem Anfänge sich bereits zu stattlichen Leistungen emporgeschwungen hat, wie die nachfolgenden kurzen Notizen andeuten sollen.

Im abgelausenen Geschäftsjahre stand die Bank mit 82 Creditgenoffenschasten in Geschäftsverbindung. Im vor­hergehenden Geschäftsjahre waren es nur 76 Genossenschaften. Der eingeräumte Credit betrug pro 1889 1,425,201 Mk., in 1888 = 1,288,200 Mk.

Die landwirthschastlichen Consumvereine hatten im Jahre 1889 einen Gesammtumsatz von 1,464,015 Mk., im vorher­gehenden Jahre 1888: 1,418,351 Mk. Der Umsatz ist also im langsamen, aber stetigen Steigen begriffen.

Es ist oberster Grundsatz der Bank: Die Vereine und deren Mitglieder sollen Geld so billig als möglich erhalten und die Ueberschüffe der Vereine und deren Mitglieder sollen so günstig wie möglich wieder angelegt werden. Von fetten Dividenden wird ganz abgesehen- mehr wie 5 pCt. dürfen sie satzungsgemäß gar nicht betragen.

Wie segensreich darum dieses Institut wirken muß, wie kräftig es dem Wucher steuert, bedarf keiner weiteren Schil­derung. Die Verwaltungskosten, als da sind: Gehalte, Schreibhülfe, Aufsichtsraths- und Revisionskosten, Steuern, Miethe, Heizung und Beleuchtung, Bücher, Druck- und Zei­tungskosten, Porti, Stempel u. dgl. verlangten die geringe Summe von 13 149 Mk. Man vergleiche, was andere Geld­institute in dieser Rubrik verrechnen, und man wird mit Be­friedigung von dieser Zahl Kenntniß nehmen.

Von dem Ueberschüffe erhielten die vollberechtigten Actien 5°/0, die halbberechtigten Actien 2I/2% Dividende. Dem Reservefonds wurden satznngsgemäß 20% zugewiesen und aus Gewinn- und Verlustconto wurden pro 1890 947 Mk. vorgetragen.

Es wird nicht leicht wieder ein Geldinstitut gefunden werden können, welches seinen Mitgliedern solche Vortheile bietet wie die landwirthschaftliche Genossenschaftsbank und es ist deshalb zu wünschen, daß die Vereinsmitglieder recht fleißigen Gebrauch davon machen.

Deutscher Reichstag.

5. Plenarsitzung. Dienstag, 13. Mai 1890, 1 Uhr.

Die erste Berathung des N a ch t r a g s - Et at s (Colonial­forderungen 5,000,000 Mk.) wird fortgesetzt.

Staatssecretär des Auswärtigen Frhr. Marschall v. Bieberstein theilt mit, daß nach soeben eingegangenen Nachrichten die Station Lindi nach Beschießung durch Se. Maj. Schiff Carola gewonnen ist. (Bravo!)

Bundescommissar Major Liebert: Ich bin seit Kur­zem aus Ostafrika zurückgekehrt und möchte nicht unterlassen, den unwahren Behauptungen des Dr. Fischer entgegen zu

Viertelstunde lang ziemlich mühselig und schleppend über aller­lei gleichgiltige Gegenstände, die sichtlich für keinen von den dreien von irgend welchem Interesse waren. Und nach Ab­lauf der Viertelstunde erhob sich Fräulein Martha Baldenius mit der halb geflüsterten Bemerkung, daß sie sich ein wenig angegriffen fühle, und reichte, ohne die Augen vom Fuß­boden zu erheben, Herrn Hans Bornemann zum Gutenacht­grüße die Hand. Unzähligemale schon hatte er diese kleine, weiche, lebenswarme Hand in der seinigen gehalten, ohne dabei etwas Besonderes zu empfinden, und es war sicherlich nur auf die Rechnung seines merkwürdigen Unwohlseins zu setzen, wenn es ihn heute bei der flüchtigen Berührung so seltsam heiß durchströmte und wenn er eine ganz eigenartige Beklommenheit in der Gegend des Herzens spürte. Es drängte ihn, der jungen Dame, die in feinen Gedanken bis­her eigentlich immer das kleine Mädchen von früher geblieben war, noch etwas recht Warmes und Freundliches zu sagen, aber ihm, der sich sonst jederzeit so klar und verständig aus­zudrücken wußte, versagten merkwürdigerweise in diesem Augenblicke die Worte, und so kam es, daß er sich gerade heute viel steifer und fremder von dem jungen Mädchen ver­abschiedete als sonst.

Als Martha das Zimmer verlassen hatte , vermochte Frau Baldenius die Ursache ihrer Bekümmerniß vor dem treuen und erprobten Freunde nun doch nicht länger zu ver­bergen, und so erfuhr Herr Hans Bornemann aus ihrem Munde in ziemlich weitläufiger Erzählung, daß ein junger, gut situirter Kaufmann, mit dem die Damen vor mehreren Monaten durch einen Zufall bekannt geworden waren, heute in aller Form um die Hand ihrer Tochter angehalten habe, und daß Martha zu ihrer Bestürzung fest entschlossen scheine, diesen in jeder Hinsicht erfreulichen und vortheilhasten Antrag abzulehnen.