Ausgabe 
15.4.1890
 
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Deutsches Reich.

Darmstadt, 13. April. Der von Seiner Konigl. Hoheit I dem Grobherzog anläßlich der Feier des Großherzogl. Hess. : 25. Artillerie - Regiments an dasselbe gerichtete Tages­befehl lautet:

An

Mei« Md Artillerie-Regiment Pr. 25

(Großherzogliches Artillerie-Corps).

Tages-Befehl.

Schon unter Meinen Vorfahren im 16., 17. und 18. Jahrhundert bestand eine kleine AbtheilungHessischer Artillerie", welche in den mancherlei Kriegen vielfach mit Auszeichnung focht, jedoch zuerst bei dem Regierungsantritt Meines Herrn Urgroßvaters, des Großherzogs Ludewig I., Königliche Hoheit, ruhmreichen Angedenkens, vor nun hundert Jahren eine bestimmte Organisation erhielt.

In den Kriegsjahren 17931797 am Rhein und in den Niederlanden, 1806 und 1807 in Preußen und Polen, 1809 in Oesterreich, 1812 in Rußland, 1813, 1814 und 1815, sowie in Spanien von 18081814 waren Theile des Regiments auf das Ehrenvollste betheiligt. Was ins­besondere Hessische Artillerie in Spanien und Rußland in musterhafter Standhaftigkeit und Manneszucht erduldete und vollsührte, ist ein Ruhmesblatt in der Geschichte Eures Regi­ments für alle Zeiten.

Die lange Friedensperiode von 18151848 benutzte das Regiment fleißig, sich in jeder Richtung zu vervoll­kommnen, so daß es bei allen kriegerischen Vorkommnissen und Gelegenheiten der Jahre 1848 und 1849 sich durch musterhafte Haltung, große Tapferkeit und felsenfeste Treue auszeichnete. Stets wurde ihm das besondere Lob Meiner Hohen Ahnherrn, des Großherzogs Ludwig II. und Groß­herzogs Ludwig III., zu Theil. Durch die großen Fort­schritte der Waffentechnik, welchen ein wissenschaftlich gebil­detes Osfiziercorps gerecht zu werden verstand, die Mobil­machungen von 1855 und 1859, die Kriegsersahrungen von 1866 und die folgenden Jahre angestrengtester Thätigkeit -war das Regiment beim Beginne des Krieges von 1870/71 aus einer hohen Stufe der Bewaffnung, Ausrüstung und Ausbildung angelangt.

In der That übertrafen die Leistungen des Regiments in diesem ruhmreichen Feldzuge der Deutschen Heere gegen den gemeinsamen Feind die gehegten Erwartungen. Auf den Schlachtfeldern von Metz, bei Mars la Tour am 16., Gravelotte-St. Privat am 18. Noiseville am 31. August und 1. September erntete das Regiment wohlverdiente Lor­beeren. Nicht minder im weiteren Verlaufe des Feldzuges an der Loire in den Gefechten und Schlachten um Orleans. Ein Ehrentag wird in besonderem Maße stets der 18. August 1870 für das Regiment bleiben. Was die Batterien Meines Artillerie-Regiments in den Nachmittags­stunden des 18. August am Bois de la Cusse in stunden­langem, heißem, verlustreichem Kampfe an der Seite der Batterien des Garde- und 9. Corps geleistet haben, wird bis in die fernsten Zeiten unvergessen bleiben.

Ich war Zeuge dieser Heldenthaten, Ich und Mein Haus, Euer Heffenland und das große Deutsche Vaterland werden dieses Ruhmestages für immer gedenken?

Artilleri ft en!

Feiert den heutigen Tag im Rückblick auf die hundert­jährige Ruhmesgeschichte Eures Regiments und gelobe sich Jeder, wenn Unser Allerhöchster Kriegsherr Seine Majestät der Kaiser und König rufen sollte, es den Vätern gleich zu thun unter dem alten hessischen Wahlspruch:

Mit Gott für Ehre und Vaterland!"

Gegeben Darmstadt, den 12. April 1890.

Ludwig.

In Erinnerung der vorzüglichen Haltung und Führung Meines Feld-Artillerie-Regiments Nr. 25 (Großherzogliches Artillerie-Corps) zu allen Zeiten, will Ich demselben durch nachstehende Gnadenbeweise am heutigen Tage Mein beson­deres Wohlwollen zu erkennen geben.

1) Ich verleihe dem Regiment schwarze Haarbüsche, in­soweit dasselbe nicht bereits mit solchen versehen ist. Ferner verleihe Ich dem Regiment eine Trompeten­standarte.

2) Ich verleihe:

dem Oberst und Regiments-Commandeur Abel das Comthurkreuz 2. Klasse,

Major a. D. Hallwachs,! früher in dem

a. D. Herpel, j Regiment,

Hauptmann und Batteriechef Scheller,;

Wagner vom Feld-Artil-1

lerie-Regiment Nr. 33, 1

Schnittspahn, L la ouitel früher

des Feld-Artillerie-Regi-l iu bem ments General-Feldzeug-) .

meister (2. Brandenbur-i '^v gisches) Nr. 18, Mitglieds ment, der Artillerie - Prüfungs- \ Commission, /

das Ritterkreuz 1. Klasse,

Premier-Lieutenant Draeger, m // // a n g,

,, Second-Lieutenalit und Regiments-Adjutant Graf

Schweinitz und

Zahlmeister Höhne

das Ritterkreuz 2. Klasse,

Wachtmeister und Zahlmeister-Aspirant Jung,

Wagner,

Bicewachtmeifter Vogt,

// Bach,

Sergeant Richter,

z, Trompeter (Sergeant) Achebach und

n // . // Dörr,

das Silberne Kreuz Meines Verdienstordens Philipps des Großmüthigen-

3) dem Stabstrompcter Stützet verleihe Ich den Titel Militär-Musik-Director.

Darmstadt, den 12. April 1890.

Ludwig.

Darmstadt, 12. April. Aus Anlaß des 100jährigen Stiftungsfestes des Großh. Feld-Artillerie-Regimcnts Nr. 25 Großh. Artillerie-Corps) haben Seine Majestät der Kaiser nachstehende Gnadenbeweise ertheilt, und zwar erhielten der Oberst z. D. v. Heinceeius und der Oberst z. D. Hartmann den Charaeter als Generalmajor- der Oberst und Regiments-Commandeur Abel den Rothen Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife, der Oberstlieutenant a. D. Frieß, der Major und Abtheilungs-Commandeur Draudt und der Major a. D. Lichtenberg den Kronenorden 3. Klasse, der Hauptmann und Batteriechef Mertens und der Major a. D. Bellaire den Rothen Adlerorden 4. Klasse, der Premier-Lieutenant Koch und der Second- Lieutenant Graf v. Spee den Kronenorden 4. Kl.

Darmstadt, 12. April. Das gestern ausgegebene Groß- herzogliche Regierungsblatt Nr. 12 enthält:

1. Allerhöchste Verordnung, die Staatsprüfung für die Collegialmitglieder und Secretäre der Ober - Rechnungs­kammer, sowie für das Revisionspersonal der 1. Justificatur- Abtheilung betreffend.

2. Gesetz, die Landesfeuerlöschordnung betreffend.

Berlin, 12. April. DerReichsanzeiger'' ist ermäch­tigt, die gestrige Meldung derBerl. Polit. Nachr." betreffs der neuen Organisation der Neichscentralbehörden, sowie daß Erwägungen in dieser Richtung an maßgebender Stelle statt­fänden, als jeder thatsächlichen Unterlage ent­behrend zu bezeichnen.

Düffeldorf, 12. April. In der heutigen 19. Haupt- Versammlung desVereins zur Wahrung der wirthschastlichen Interessen von Rheinland und Westfalen", Vorsitzender Com- mercienrath Dr. Janson, wurde, nachdem Dr. Beumer einen Vortrag über das Wirtschaftsjahr 1889 gehalten, eine Re­solution angenommen, in welcher die Nothwendigkeit der Einführung von Postsparkassen im Reiche aus­gesprochen wird.

München, 12. April. Wie dieAllg. Ztg." meldet, erhielt die Regensburger Handelskammer von der ober- pfälzischen Kreisregierung, sowie der Oesterreichischen Donau- Dampsschifffahrts-Gesellschast die bestimmte Versicherung, die Dampfschifsahrt würde bis Regensburg weiter jorcirt werden. Diesbezügliche Zeitungsmeldungen von der Be­drohung der Bayerischen Donau-Dampfschifffahrt sind gänzlich unbegründet.

Ausland.

Wien, 12. April. Nach einer Mittheilung derPolit. Corresv." auS Konstantinopel hat der deutsche Botschafter v. Radowitz in feiner Unterredung mit dem Gross- vczir Kiamil Pascha und dem Minister der Auswärtigen An­gelegenheiten Said Pascha im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm die förmlichste Versicherung der Stabilität der deutschen Politik, sowie dafür ausgesprochen, daß der Wechsel in der Person des Reichskanzlers in keiner Weise einen Systemwechsel bedeute. Der Botschafter gab gleichen Versicherungen auch im Auftrage des Reichskanzlers General v. Caprivi Ausdruck.

Wien, 12. April. DasFremdenblatt" sagt anläßlich des Besuches des Kaisers Wilhelm in Wiesbaden: Die ritter­liche Huldigung des Monarchen bekräftigt aufS Neue auch äußerlich die ganze Innigkeit und Herzlichkeit der Beziehungen zwischen den beiden Nachbarreichen und ihren Fürsten, deren Völker sich geeint wissen zu mächtigem Friedensbunde. Die Nationen gedenken in ehrfurchtsvoller Sympathie der Be­gegnung in Wiesbaden.

Paris, 12. April. Amtlich wird die stetige Zunahme der Vieh zu fuhr in La Billette angekündigt. Algerische Schafe sind in Folge der Seestürme noch nicht eingetroffen. Aus Südsrankreich werden von gestern Schneefälle gemeldet.

Cannes, 12. April. Stanley traf heute Vormittag um 11^ Uhr hier ein und wurde am Bahnhofe von Mackinnon und dem englischen Consul empfangen. Die Anwesenden begrüßten ihn mit Beifall. Stanley begab sich alsbald zum Prinzen von Wales.

London, 12. April. Einer Reutermeldung aus Mozam­bique zufolge haben die Makokolos den portugiesischen Marine­lieutenant Baladin, den Civilbeamten Almeida und 150 ein­geborene Soldaten ihres Gefolges niedergemacht.

Kopenhagen, 12. April. Der wegen Betrugs verhaftete Seifenfabrikant Philipsen hat jetzt bekannt, daß er den Boten Meyer, welcher für ein hiesiges Geschäft Geld einkassirte und feit dem 7. Januar spurlos verschwunden war, durch Er­drosselung ermordet und den Leichnam nach Amerika gesandt hat.

Madrid, 12. April. Der Senat nahm den Bericht der Commission an, die sich für die Bestrafung des Generals Daban mit Arrest ausspricht.

Madrid, 12. April. Die internationale Conferenz zum Schutze des industriellen Eigenthums hat heute ihre Be- rathungen geschlossen. In der nächsten Woche findet noch eine Sitzung statt zur endgiltigen Feststellung des Protokolls. Bon den Beschlüssen der Conferenz verlautet bis jetzt noch nichts. Die Delegirten der Conferenz werden morgen von der Königin empfangen werden.

Madrid, 11. April. In der Deputirtenkammer brachte der Abgeordnete Alix die Unruhen in Baleneia zur Sprache; er behauptete, die Stadt Valeneia habe sich während voller 7 Stunden in den Händen der Ausrührer befunden. Der Minister des Innern gab in seiner Erwiderung dem Bedauern der Regierung über diese Vorgänge Ausdruck, die sic nicht verhindern konnte. Die Nachrichten in den Zeitungen seien jedoch übertrieben. Einige der Brandstifter seien verhaftet worden. Alix meldet für morgen eine Interpellation an.

Im Senat kündigt Sardoal an, daß er über die Ereignis., in Baleneia interpelliren werde. Der Conservative Casal« brachte einen Resolutionsantrag ein, in welchem ein Xabc gegen die Regierung ausgesprochen wird, weil sie in de, gestrigen Sitzung die Monarchie nicht energischer vertheibja )abe. Dieses Tadelsvotum wurde bei der Abstimmung mY 114 gegen 57 Stimmen abgelehnt.

Petersburg, 12. April. Der Kaiser verlieh dem russische, Botschafter in Konstantinopel, Wirkt. Geh. Rath Welibota den Alexander Newski-Orden und dem russischen Botschaftei in Paris, Baron von Mohrenheim, denselben Orden iB Brillanten. Ferner erhielten der Direetor des asiatischer Departements, Sinowjew, den Alexander Newski-Orden. der Generaleonsul in Danzig, Baron Wrangell, den St. Annen orden erster Klasse; der Botschaftsrath Graf Murawjew ch Berlin den Stanislaus-Orden erster Klasse- der Fregatten^ Capitän und Marine-Attache bei der russischen Botschaft in Berlin, von Krüger, den St. Annenorden zweiter Klasse der Botschafts-Seeretär in Berlin, Hofrath von Bacharacht, der Bieeeonsul in Hamburg, Wywodzew, und der Biceconsiü in Thorn, Arsinowitsch, den Stanislaus-Orden zweiter Klasse.

Tanger, 12. April. Die außerordentliche andtschast des Kaisers Wilhelm reift heute zum Sultan nach Fez ab.

Washington, 12. April. Der Vorsitzende des Repräseii tantenhaus-Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Mr. Hitt, brachte im Hause einen Resolutionsantrag ein, i; welchem gesagt wird : Nach der Meinung des Nepräsentameir- hauses würden intimere Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den anderen Staaten Amerikas von gegenseitigem Nutzen sein. Das Haus würde den Ab- chluß von auf Gegenseitigkeit beruhenden Verträgen begriißm, durch welche die Zölle auf die besonderen Erzeugnisse jedes einzelnen Landes durch Coneessionen aus beiden Seiten mobr- icirt und durch welche die Märkte für die Produete aller Länder erweitert würden. Solche Verträge würden zugleich die freundschaftlichen Beziehungen der Vereinigten Staaten mit ihren Nachbarstaaten befestigen.

Darmstadt, 14. April. Seine Königliche Hoden der Großherzog begibt sich heute Nachmittag zu mehrtägiger Auerhahnbalz nach Alsfeld und Grebenau.

Locales «nd provinzielle».

Gießen, 14. April.

Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnete, am Donnerstag den 17. April 1890, Nachmittag- 4 Uhr :

1. Mittheilungen. 2. Kaiser Friedrich - Denkmal bei Wörth. 3. Hilfsverein deutscher Angehöriger zu Prag. 4. Gesuch des Oberhessischen Vereins für Loealgeschichte u® Ueberlassung eines Zimmers im Bürgermeistereigebäude an einem Nachmittag der Woche. 5. Den Betrieb des Schlachi- hauses- hier die Vornahme von Verwiegungen u. s. rr. 6. Anschaffung von künstlichem Dünger. 7. Anlegung von Kapitalien der Löber'schen Stiftung. 8. Gesuch des Vorstandes der israelitischen Religionsgesellschast Gießen um Abtretuvz von Gelände. 9. Das an Kaufmann Karl Wenzel verpachten städtische Gelände aus dem Seltersberg. 10. Gesuch ötJ Johannes Seibel um Trottoirpflasierung vor seinem Hauie auf dem Seltersberg. 11. Gesuch um Erweiterung der kleinet Sandgasse. 12. Gesuch des Karl Vogt II. um Erlaubnis zur Auffüllung der Löberstraße vor seinem Hanse. 13. Dar Begießen des Realschulhoses.

R. Gestern tagte in der Restauration Schnell bahil5 der letzte Turntag des Lahn-Wetter-Gaues. Nachdem Her Gauvertreter Herbert über die am 16. März stattgehabü gemeinschaftliche Sitzung der Ausschüsse des GaueZ Hesse: und des Lahn-Wetter-Gaues Bericht erstattet und als Rr fnltat die Vereinigung des Lahn-Wetter-Gaues mit dem Gc> Hessen verkündigt, wurde dieselbe vom Gauturntag bestätig Der Gesammtkassenbestand fließt der Kasse des Gaues Hesse zu, während das vorhandene Kassen- und Protoeollbuch der Archiv des Turnvereins Gießen zur Aufbewahrung ilbe: geben wurden. Als Ausschussmitglieder, welche dem Au-: schuß des Gaues Hessen bis zur Neuwahl im Jahre 186 beitreten, wurden die Herren Will). Herbert-Gießen u» Ludwig M a n k - Wieseck gewählt. Nachdem noch die w handenen Utensilien vertheilt, wurde der letzte Turnte, des Lahn-Wetter-Gaues mit einemGut Heil" geschlossen.

Daö Speeialitüten-Theater von C. Wallenda, welche gegenwärtig aus Oswalds Garten Vorstellungen gibt, erfrer sich seit seinem Hiersein des zahlreichsten Besuchs. Daö b jeder Vorstellung wechselnde Programm bietet auch dem vc- wohnten Besucher neue Pieeen und können wir den W( des Theaters ganz besonders empsehlen.

lieber den am nächsten Donnerstag unter Dstectnc. des Herrn F. Baars zur Eröffnung gelangenden Opetttt^ Cyclus schon jetzt zu urtheilen, wäre verfrüht. Nach was aber über die Leistungen der Gesellschaft von auöwar'- berichtet wird, scheint uns in der That etwas Hervorragr^ des demnächst geboten zu werden. So berichtet z- 1 Oberhess. Ztg? über die während der Osterseiertage Marburg gegebenen Vorstellungen u. a.:Wenn nnr 1 heute ein definitives Urtheil über die hier weilende und Operetten-Gellschaft abgeben, so geschieht solches, i erst die einzelnen Kräfte zu prüfen. Nachdem drei stellungen vorüber sind, können wir mit Recht unser ur q dahin abgeben, dass etwas derartig Gutes hier bet uns Haupt noch niemals geboten wurde. Beim ®erla?c . Vorstellung horte man im Publikum nur ein Urthett,

Wunderschön, prächtig u. s. w. Hier vereint ficy^ Tüchtige, vorzügliche Gesangs- und Schauspielkrafte guter Chor, ein verständnißvolles Arrangement, «owl vorzüglicher Kapellmeister, so dass ein brillantes Um erzielt wird, dazu kommt die wirklich elegante AusstattMS