1390
Sonntag den 14. December
Gießener Anzeiger
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(D. Ztg.)
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Franz ließ ihre Hand so plötzlich los, daß sie bis zum
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Die Gießener »**trteniratiti »erden dem Anzeiger wöchentlich fcretmel beigelegl.
Der
Gießener Anzeiger rricheint täglich, Mit Ausnshmr de- Montag-.
„Hanna, wahre Deine Zunge!" ries er mit unter-
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Amts- ttttb Anzeigedlatt ffit den Nreis Grenzen.
beten, auf welchen Stationen etwa ein solcher Zug zu halten hätte, ad 5) Eine weitere Inanspruchnahme des Zugpersonals durch Sonderzüge an Sonntagen soll thunlichst vermieden werden und wird diese Erwägung bei der schließlichen Entscheidung maßgebend sein, ad 6) Hinsichtlich der Ausgabe von Sonntagsfahrkarten muß die Direction unter Bezugnahme auf frühere Bescheidungen — in Uebereinstimmung mit früheren Ministerial-Erlassen — auf grundsätzlicher Ablehn-
Nr. 292. Zweites Blatt
die Pastillen gebraucht werden, für einen geographischen Begriff gehalten und das Deutsche Reich um eine pathologische Poststation bereichert. Der Brief ging dessenungeachtet schnurstracks nach Soden, die Bestellung wurde sofort ausgeführt und die Huster in Constantinopel haben somit keinerlei Ursachen, aus den Scharssinn und die Zuvorkommenheit der deutschen Post — zu husten.
Slugen anstarrend, „erst das Kind und dann vergreifst Du Dich an mir. Mach's kurz!"
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13^ zehrendem Feuer.
unter der Rubrik „Geburtsort" vielfach vor. Ein Schuhmacher in der Frankfurterstraße, der die Sache sehr genau nahm, schrieb als Geburtsort auf: „Spreedampfer zwischen Treptow und Eierhäuschen." — Die Fragen bezüglich der Ernährung der Säuglinge, ob mit „Muttermilch — Ammenmilch — Thiermilch", haben von vielen Seiten drollige Beantwortungen erfahren und sehr oft hat der Zähler zu constatiren gehabt, daß diese für die Säuglinge bis zu einem Jahre bestimmte flüssige Nahrung von „alten Herren" und „bejahrten Damen" laut Zählkarte in Anspruch genommen
Im Bahnwärterhäuschen.
Eine Weihnachtserzählung von H. Waldemar.
(Fortsetzung.)
„Der Herr hat uns schwer getroffen, Hanna, sehr schwer, nun müssen wir uns doppelt lieb haben, damit wir uns gegenseitig das Schwere tragen helfen."
„Ich habe mit einem Mörder nichts zu schaffen," stieß die junge Frau bebend hervor, während die Wirkung dieser Worte auf den erregten Mann eine schreckliche war. Seine
„Nun feiere Du Weihnachten allein, Du herzloses, verstocktes Weib!" stieß er hervor und stürzte in die Nacht hinaus, an der eben anlangenden, nach dem Kinde fragenden Großmutter vorüber.
Als er ihr keine Antwort gab, trat sie kopfschüttelnd ins Zimmer.
„Was hat denn der Franz?" wollte sie fragen. Das Wort aber kam nicht über ihre Lippen, als sie ihrer Tochter ansichtig ward, die noch an dem Bette saß.
„Hanna, ums Himmelswillen, was ist?" schrie sie auf.
Die junge Frau rührte sich kaum. Den trostlosen Blick zu der Mutter erhebend, deutete sie stumm aus das Lager und versank dann wieder in Brüten, unzugänglich für jedes Trosteswort, für jede Liebkosung der Mutter, unempfindlich aber auch für die Selbstvorwürfe der alten Frau, die ihrer Nachlässigkeit allein das entsetzliche Unglück zuschrieb. Hanna schien nichts zu hören, nichts zu sehen. Sie bemerkte auch nicht, daß ihre Mutter, als ihr keine Erwiderung ward und sie das Vergebliche ihrer Bemühungen einsehen mußte, wankend die Stube verließ, sie war wie versteinert, wie erstarrt durch den jähen Schmerz, den Wechsel von Glück zu namenloser Trauer. — —
Noch zwei Züge kamen an dem einsamen Wärterhäuscheu vorüber- Franz that seine Pflicht wie sonst- vorschriftsmäßig stand er an der Barriöre, sah wie vordem die feurigen Augen sich nähern, an ihm vorübereilen und verschwinden — alles wie vorher und doch so ganz, ganz anders! — Den Kops gesenkt, die Brust von qualvollem Weh Zusammengeschnürt, schritt er langsam dem Lichte zu, das aus den Fenstern des Zimmers kam, in welchem — Franz blieb stehen und drückte die überquellenden Augen an den rauhen Aermel seines Dienstmantels.
War eS denn möglich, fragte er sich, daß Hanna, sein Weib, das ihm freiwillig hier in diese Einöde gefolgt war, ihn dieses Verbrechens fähig hielt? Sein Kind sollte er — nein, nein, es war ja undenkbar, sie mußte vom Wahn be-
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fallen sein. Und was nützte es ihm, daß er gerne fein Leben hingeben würde, um die klaren Augen seines Lieblings wieder erstrahlen zu sehen? Was nützte es, daß er heimkehrte, er hatte ja gar kein Heim mehr, war ausgestoßen von ihr, die vor gar nicht langer Zeit in seinem Arm gelegen und ihn geküßt hatte.
An der Hausthüre blieb er wieder stehen und lauschte. Drinnen war alles still — todtenstill. Warum weinte, warum klagte sie nicht! Diese Starrheit war so unnatürlich, so — „Gott, mein Gott," stammelte er, „laß mich nicht an ihr verzweifeln und nimm ihr den wahnsinnigen Argwohn aus dem Herzen!"
Aber wehren konnte sie ihm nicht, wenn auch er hineinging und Todtenwache hielt, nein, es war so gut sein Kind, wie das ihrige, und wer weiß, ob ihn der Verlust nicht härter traf als wie sie. Ungestüm stieß er die Thüre auf und trat ein. Ein bitteres Lächeln huschte über sein Antlitz. Da lag noch das Bäumchen, wie er es im Zorne hingeschleudert. Aepfel und Nüsse waren auf der Diele verstreut, die Glaskugeln, deren Klingen seine Wuth wachgerufen, zerschmettert, die Süßigkeiten zerbröckelt, nur das kleine papierne Engelchen im Goldgewande war unversehrt geblieben, sein Wachsgesichtchen war ihm zugekehrt, wie auch die Posaune, die es in der Hand gehalten, nach ihm gerichtet schien. Wortlos schaute er auf den kleinen Engel, der ihm Frieden verkünden wollte, dann ließ er den thränennaffen Blick auf der wie zu Stein erstarrten Gestalt seines Weibes ruhen, das am Fußende des Bettes saß und die Hände im Schoße verschlungen hielt, machte einige rasche Schritte und stürzte mit einem Wehlaut vor dem Lager nieder.
„Hans, mein Liebling!" stöhnte er, „Du feierst Weihnachten in Gottes seligen Gefilden, o vergiß Deinen unglücklichen Vater nicht!"
(Fortsetzung folgt.)
g4)i» denn Du weißt jo gut wie ich, daß ich keine Schuld an dem Schrecklichen trage. Nimm es zurück!"
„Nein," sagte sie hart und unerschrocken. Ein böses Lächeln huschte um ihren Mund, als tv sie wüthend hin und
<>nw iairb’9en Glaskugeln erschien dem gequälten Mamie wie das Grabgeläute seincs Glücks, feiner Liebe. Einen Moment stützte er, dann ergriff er wüthend den Stamm und schleuderte
j-rovinzielles.
Bad'Nauheim, 7. December. Während der Badesaison ist bei einer Gesammtfrequenz von 8000—9000 ^Personen der Personen- und Güterverkehr auf der hiesigen Eisenbahnstation selbstverständlich ein sehr reger. Die Königliche Eisenbahndirection in Hannover ist diesem regen Verkehr in der Weise gerecht geworden, daß während der Saison auch die Schnell- und Curierzüge hier durchweg anhalten. Immerhin bleiben noch Desiderien Übrig, als deren Wortführer sich der hier bestehende Kur- und Verschönerungsverein aufgeworfen hat. Derselbe ist bei der Eisenbahndirection in Hannover mit folgenden Bitten vorstellig geworden: 1) Einführung directcr Billete Dresden—Bad-Nauheim und Köln— Bad-Nauheim, sowie zurück. 2) Einrichtung eines Coupes Gießen—Bad-Nauheim und Bad-Nauheim—Friedberg für combinirbare Rundreisebillels. 3) Späterlegung des letzten, um 8 Uhr 47 Min. von hier in der Richtung nach Frankfurt abgehenden Zuges, da der nächstfolgende Zug erst 3 Uhr 22 Min. Nachts, also nach einem Zeitabschnitt von über 6 Stunden, die hiesige Station passirt, oder 4) Einlegung eines besonderen, etwa um 10 Uhr Abends von Gießen nach Frankfurt verkehrenden Zuges. 5) Einlegung von Extrazügen an Sonn- und Feiertagen während der Saison. 6) Ausgabe von Sonntags-Retourbillets. — Die Eisenbahndirection hat hierauf Folgendes erwidert: ad 1) Bereits zur Einführung gelangt, ad 2) Eine Theilung des Fahrscheins Gießen— Friedberg zu dem Zwecke, Bad-Nauheim als Fahrscheinstation aufzunehmen, ist nicht erforderlich, da seit dem 15. Mai d. I. die Einrichtung getroffen ist, daß von und nach solchen Stationen der preußischen Staatseisenbahnen, welche in dem Ver- zeichniffe der Fahrscheine für zusammenstellbare Fahrscheinhefte als Fahrschein-Ansangs- ober -Endstationen nicht benannt sind, oder an einer in das Verzeichniß überhaupt nicht anfgenom- menen Eisenbahnstrecke liegen, für die Fahrt von der Reise- antrittsfia-ion bis zur nächsten Fahrscheinstation und von der dem Reiseziel nächst vorgelegenen Fahrscheinstation bis zur Reisezielstation und zurück seitens der Ausgabestellen der preußischen Staatseisenbahnen Ergänzungsfahrscheine den Heften eingefügt werden können, ad 3) Die Späterlegung des jetzt um 8 Uhr 47 Min. von Nauheim nach Frankfurt abgehenden Zuges ist unthunlich, weil sonst die vorhandenen Anschlüsse in Frankfurt a. M. verloren gehen würden, ad 4) Die Angelegenheit betreffs Herstellung einer Abend- verbindung zwischen Nauheim und Frankfurt, die sich indessen aus den Sonntagsverkehr zu beschränken hätte, ist in wohlwollende Erwägung genommen und wird um Mittheilung ge
druckter Heftigkeit. „Nimm das Won zurück, sag ich Dir,
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Bäumchen mit aller Kraft auf den Boden, daß der Züerrath sich nach allen Richtungen zerstreute.
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Humor bei der Volkszählung.
Eine ganze Reihe guter und schlechter Volkszählungswitze macht wie früher auch diesmal wieder die Runde und stellt das sonst so ernste und in starre Formen gezwängte Zählungswerk in ein etwas heitereres Licht. Am fruchtbarsten im Volkszählungshumor wird natürlich wieder die Haupt- und Residenzstadt Berlin thätig gewesen sein. So bemerkte ein bejahrter Schlossermeister mit Vornamen „August" hinter der den Stand betreffenden Frage: „JelernterSchlosser- mcester und Berliner, und da ist Aujust stolz drus." — Ein alter Dienstmann schrieb als Antwort auf die Standesfrage: „Mein Stand ist an'n DönhosfS- platz bei Kiskalten. Wenn schlecht Wetter ist, nebenan in’n Budikerkeller." — Ein Mann im Frankfurter Viertel, dem die Ehefrau seines lüderlichen Lebenswandels wegen kürzlich davongelaufen ist, bemerkte auf der die Ehefrau betreffenden Stelle: „Meine Frau ist weggeloofen, die hatte't bei mir zu jut." Die Antwort auf die Standesfrage gab derselbe dahin: „Den Sommer über und wo wat los ist, als Menschenfresser in Schaubuden und so, zuletzt bei's zehnte deutsche Bundesschießen. Im Winter jeh'n wir bei die Budiker am Viehhof knobeln." Als ihn ein Zählbeamter wegen der Ungehörigkeit solcher Beantwortungen zur Rede stellte, sagte der Mann: „Js die reene Wahrheit. Muß ich doch anjeben von wejen der Steuerreformation. Und übrigens duhn Sie man nicht so — knobeln werden Sie wohl ooch
Vermrisehter.
* Leipzig. (Nationales Ehrendenkmal der B uchdruckerkunst.) Die 450jährige Jubelfeier der Erfindung der Buchdruckerkunst, welche in diesem Jahre allerorten in Deutschland festlich begangen wurde, hat aus den Kreisen der Buchgewerbe heraus den Vorschlag entstehen lassen, die Buchdruckerkunst und ihre drei großen Erfinder und Förderer — Johannes Gutenberg, den Erfinder der Buchdruckerkunst, Alois Seneselder, den Erfinder des Steindrucks, und Friedrich König, den Erfinder der Schnellpresse — durch ein großes deutsches Ehrendenkmal am Hauptsitze der deutschen Buchgewerbe, in Leipzig, zu verherrlichen und zu dem Zwecke unter den Angehörigen der Buch- und Papiergewerbe eine bescheidene allgemeine Ehrensteuer unter dem Namen^„Guten- bergpsennig" auszuschreiben. Dieser Vorschlag hat in den weitesten Kreisen und allen Ständen, welche sich des Segens der Buchdruckerkunst erfreuen, lebhaften Anklang gefunden. Diese nationale Ehrensache hat jetzt ein Ausschuß in die Hand genommen, dem höchste Reichs- und Staatsbeamte, wie die Vertreter der deutschen Schriftstellerwelt und fast aller deutschen Vereinigungen der Buch- und Druckgewerbe angehören.
* Wo liegt der Ort Husten? Man hat sich an die Findigkeit der deutschen Post schon so sehr gewöhnt, daß man von ihren Leistungen auf dem Gebiete der geographischen Hieroglyphen-Entzifferung nur mehr in besonderen Fällen Notiz nimmt. Ein solcher Fall liegt vor. Weiß einer unserer Leser zufällig, wo die Stadt oder das Dorf Husten liegt? Wir glauben nicht, und dennoch ist ein Bries, der von Con- stantinopel aus an diesen schönen catarrhalischen Ort gerichtet worden, pünktlich an den Empfänger gelangt. Ein Handlungshaus in der türkischen Hauptstadt adressirte nämlich eine Bestellung auf Sodener Pastillen wie folgt:
Monsieur Fay’s Sodener Mineral-Pastillen bei Husten.
Der Briefschreiber hatte offenbar das Nebel, gegen das
Gestalt hoch aufrichtcnd, stürzte er auf Hanna zu, faßte sie ’.’Jr. am Handgelenk und zog sie vom Stuhle empor in die Mitte des Zimmerchens- sein Antlitz war leichenblaß und in dem- selben funkelten die sonst so sanften Augen in ganz ver-
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