Prämien entbehren könne. Die Landwirthschast habe kein Interesse an der Steigerung des Zuckergehaltes der Rüben. Das jetzige System führe die Ueberproduction herbei. — Abg. Dr. Witte stimmt der Vorlage zu und erklärt, dieselbe werde den Weltmarktpreis des Zuckers steigern und die Industrie auch ohne Prämien exportfähig erhalten. — Abg. Gras zu Stolberg-Wernigerode spricht sich dahin ans, daß die Abschaffung der Materialsteuer der Landwirthschast nicht gleichgiltig sei. — Abg. Oechelhäuser kann der Abschaffung des historisch berechtigten Prämiensystems nicht zustimmen und erbittet einen günstigeren Zeitpunkt für die Einbringung der Vorlage. — Abg. v. Kardorff verlangt die Aufrechterhaltung der Materialsteuer- es wäre sogar die Erhöhung der Prämien angezeigt. Die Abschaffung der Agrarzölle werde diejenige der Jnduftriezölle nach sich ziehen. — Staatssecretär v. Maltzahn erklärt die Vorlage als durch den zwingenden Druck der Verhältnisse veranlaßt. — Abg. Dr. Buhl stimmt der Vorlage Namens eines Theils der Nationalliberalen zu. — Abg. Dr. Barth verlangt rasche Aufhebung der Prämien. — Die Vorlage wurde an eine 28gliederige Commission verwiesen.
Um 4 Uhr wurde eine neue Sitzung eröffnet und in ihr der Handelsvertrag mit der Türkei in dritter Lesung einstimmig angenommen. — Nächste Sitzung 13. Januar n. I. Anträge, betreffend Lebensmittelzölle.
Berlin, 12. December. Das Emin-Pas cha-Comite hat in seiner heutigen Schlußsitzung die vorgelegte Abrechnung der deutschen Emin-Pascha-Expedition entgegengenommen und ertheilte sowohl dem Ausschuß wie Peters Entlastung. Die eingegangenen Gelder sind bis aus ungefähr 6000 Mk. für die Zwecke der Expedition verwendet worden. Der Restbestand dient zunächst als Reservefonds zur Deckung etwaiger Nachforderungen und soll, soweit er nicht hierzu verwendet wird, der Carl-Peters-Stiftung überwiesen werden. Indem das Comite sich auflöste, sprach es Peters und dessen Genossen nochmals den Dank' für die Hingebung, den Muth, die Thatkraft und Ausdauer aus, die zur Erreichung des hohen, Humanitären und nationalen Zieles geführt haben.
Berlin, 12. December. Heute trat im Landwirthschasts- ministerium unter dem Vorsitz Marcards die Central- Moor-Commission zur Berathung des Arbeitsplanes, des Etats der Moorversuchsstation u. a. zusammen. Anwesend waren Bennigsen, Landesdirector Hammerstein, Geheimrath Thiel, Fleischer-Bremen, Lammers, Poppe, Bockel- mann, Saatfeld und Regierungspräsident Heydebrand.
Breslau, 12. December. Die „Schlesische Zeitung" berichtet, daß 62 Professoren und Docenten der hiesigen Universität in einer Eingabe an den Cultusminister den Gym- nasialunterricht auf humanistischer Grundlage für die geeignetste Vorbildung zu Universitätsstudien erklärten, vorbehaltlich einer Aenderung hinsichtlich der Unterrichtsmethode in den klassischen Sprachen.
Köln, 12. December. Die Armen-Deputation, verstärkt durch die Hospital-Oberärzte und die in der Stadtverordneten- Versammlung befindlichen Aerzte, beschloß, bei der städtischen Verwaltung einen Credit für die Ausrüstung eines 1891 zu erbauenden, aus 120 Betten berechneten Krankenpavillons schon jetzt zu beantragen. Diese Betten seien für Lungenkranke sofort in den verfügbaren Räumen aufzustellen. Die Aerzte wurden beauftragt, geeignete Grundstücke für die Errichtung von Sanatorien für Lungenkranke in Kölns Umgebung auszuwählen.
München, 12. December. In der gestrigen Sitzung des Obermedicinalausschusses gedachte der Minister des Innern der epochemachenden Erfindung Kochs, welche hoffentlich der leidenden Menschheit zum Heile dienen werde. Der Minister erwähnte besonders das liebenswürdige Entgegenkommen des preußischen Cultusministers v. Goßler und Kochs selbst, wodurch die Koch'sche Lymphe rasch den größeren bayerischen Spitälern zugänglich wurde.
Bern, 12. December. Auf dem gestern in Zürich zu Ehren Professor Kochs veranstalteten Commers, an dem sich 30a Professoren, Studenten und Aerzte bctheiligten, hielt Professor Krönlein die Festrede. Er feierte Koch als einen der ersten Forscher in seiner Wissenschaft. Koch wurde telegraphisch beglückwünscht.
Paris, 12. December. Der „Tempo" theilt mit, daß die Lanze definitiv bei der Cavallerie eingeführl worden sei. Es würden gegenwärtig Versuche gemacht, wie das gleichzeitige Tragen des neuen Cavallerie-Carabiners und der Lanze durchführbar wäre. — Die Expeditions-Colonne unter Oberst Archinard nach dem Senegal ist 3000 Mann stark.
Paris, 12. December. Dem „Echo de Paris" zufolge ordnete der K r i e g s m i n i st e r die Beschtennigung des Baues
der Befestigungswerke und des verschanzten Lagers von Toul an. Die Arbeiten sollen bis Frühjahr beendigt sein.
— Der luxemburgische Ministerpräsident Eyschen traf gestern Abend hier ein - er wird heute Nachmittag als außerordentlicher Abgesandter des Großherzogs von Luxemburg dessen Thronbesteigung dem Präsidenten der Republik noti- ficiren.
Brüssel, 12. December. Die deutsche Militärdeputation besuchte heute die Kaserne der Guiden und wohnte den Exercitien der Truppen bei; sodann gab es ein Dejeuner in der Offiziersmesse, woran der deutsche Gesandte theilnahm. Dte österreichische Deputation besuchte die Kaserne der Carabiniers. Nachmittags stattete die deutsche Deputation dem Grasen von Flandern einen Besuch ab.
Petersburg, 12. December. Dem Reichsrat-H ging ein Entwurf zu wegen Einführung einer staatlichen Saaten- und Vieh Versicherung.
Petersburg, 12. December. Angesichts der Gemeinnützigkeit und der wohlthätigen Wirkung der antibacillarischen Mittel wurde die Anwendung der Koch'scheu Lymphe in Rußland unter staatliche Controle gestellt. Das Mittel wird in einem dazu speciell errichteten Laboratorium bezüglich seiner Echtheit untersucht. Es darf nur in Kliniken und anderen regelrecht eingerichteten Heilanstalten eingeimpst werden.
CecaU» *nt provtnsiette».
Gießen, 13. December.
— In welchem Maße die mit der Ectrotechnik in Zusammenhang stehenden Erfindungen und Fortschritte aus fast allen Gebieten des öffentlichen Lebens das Interesse des Publikums zu erregen vermögen, zeigte sich gestern Abend wieder bei dem von Herrn A. Egts in Steins Garten gehaltenen Vortrage: „Ueber Fernsprechwesen lyib Ferusprech- Apparate". Wie schon zu den beiden früheren Vorträgen, so hatte sich auch zu dem gestrigen eine zahlreiche, aus Damen und Herren bestehende Zuhörerschaft eingesundcn, um den Erläuterungen und interessanten Versuchen des Vortragenden zu folgen. Herr Egts knüpfte an die in den beiden früheren Vorträgen gegebenen Erklärungen über die Wechselwirkung zwischen Electricität und Magnetismus an und erklärte die Wirkung der Schallwellen auf die Membranen der Fernsprech- Apparate, die Zusammensetzung und Thätigkeit der letzteren. Mit Hilfe der neuesten im Saale aufgestellten Apparate, sowie einer nach einem entfernten Zimmer angelegten Drahtleituug konnte Herr Egts u. A. erläutern, auf welche Weise die Töne der Musik und des Gesanges nach von einander räumlich getrennten Stellen geleitet und dort vernommen werden können. Die auS dem Apparat kommenden Melodien der in einem entfernten Locale gespielten Streichinstrumente wurden deutlich vernommen, jede, auch noch so unbedeutende Disharmonie von den Zuhörern ohne Anstrengung bemerkt. Das Uebertragen der Töne von einem Apparat auf den am andern Saalende aufgestellten während des Spiels vermochte die Klangfülle und Deutlichkeit nicht zu beeinträchtigen. Herr Egts schloß seinen mit Betfall aufgenommenen Vortrag mit einer Erklärung des Photophons, eines ebenso intcrefianten wie verwendbaren, der Verständigung c uf weitere Entfernungen dienendeii Apparates.
— Wir erhielten nachstehende Zuschrift: „Bekannntlich hat die Centrumspartei einen Antrag auf Wiederzulasuug der Jesuiten im deutschen Reichstag eingebr«cht und dieser Antrag soll durch Maffenpetitionen, die in der katholischen Bevölkerung umgehen, ferner durch Erklärungen von Katholikenversammlungen unterstützt werden. In Folge deffen sind von evangelischer Seite in den meisten Gegenden unseres Vaterlandes Gegenpetitionen veranlaßt worden, die dem Willen des evangelischen Volkes Ausdruck geben sollen. So soll denn auch in unserer Stadt und Umgebung eine ähnliche Kundgebung an den Reichstag abgehen und darüber am nächsten Montag Abend 8 Uhr in Steins Garten beschlossen werden. (S. den Anzeigentheil des Blattes.) Die Nothwcndigkeit dieses Vorgehens bedarf der Ausführung an diesem Orte nicht. Alle Freunde der evangelischen Kirche und des inneren Friedens in unserem Vaterlande werden daher gebeten, sich an der Versammlung wie der Petition zu beteiligen. Diese wird in den nächsten Tagen auch in unserer Stadt in Umlauf gebracht werden."
— Theater. Nachdem unser verehrter Gast, Herr Adalbert Brümmer, das zweifelhaste Vergnügen hatte, in dieser Woche zwei Mal vor gähnend leerem Hanse zu spielen, so sieht derselbe sich gcnöthigt, sein auf 8 Vorstellungen berechnetes Gastspiel abzubrcchen und tritt derselbe noch einmal ausnahmsweise am Montag den 15. December in der
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Sonntag den 14. December
Erstes Blatt.
Nr. 292.
ießener Anzeiger
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—Direktor Bolz^
Felsenkeller.
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Eintritt gesucht, für tloiM, unb PmMn- Aeschäit chinMildurtz a-Lahn. Hebe man blred tm bit Mich von aLrnMM mgen zu lassen- Weitere -lsichFranW-Monta«^ stn.stM hier zu erthM
Anrtttchev Theil.
Bekanntmachung,
die Maul- und Klauenseuche zu Langsdorf betreffend.
Nachdem zu Langsdorf unter dem Viehstand des CH r i st i a n Köhler VII. der Ausbruch dsr Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, ordnen wir die Sperre über das Gehöft dieses Besitzers an.
Es gelten hiernach für den betreffenden Besitzer die Bestimmungen unter I. und für die Gemarkung Langsdorf die Bestimmungen unter II. unseres Ausschreibens vom 24. Juni l. I. — Kreisblatt Nr. 146 — mit Ausnahme der Ge- markungssperre.
Für die Gemarkunaen Muschenheim, Birklar, Lich wird bestimmt, daß Viehhändler Rindvieh, Schafe, Ziegen, Schweine, auch wenn es sich um Schlachtvieh handelt, nur ausführen dürfen, wenn sie im Besitz eines vorschriftsmäßigen thierärztlichew Zeugniffes sind. Die sonst gütige Bestimmung, wonach für Schlachtvieh, welches durch Händler verbracht wird, die Gesundheitsscheine durch die Bürgermeister ausgestellt werden dürfen, ist also für jene Orte aufgehoben.
Gießen, den 12. Deeember 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Au die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien Ullendorf a. d. Lahn, Garbenteich, Hausen, Klein- Linden, Lang-Göns, Rödgen, Treis a. d. Lda. und Wieseck.
Unser Ersuchen vom 24. v. M. (Anzeiger 9?r. 277) erlauben wir uns hierdurch zu wiederholen.
Gießen, den 12 December 1890.
Großherzogliches Steuer-Commissariat Gießen.
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Gefunden: 1 Cigarrenetuis, 1 Stock, 3 Taschentücher, Schürzen, 1 Hut, 1 Hundehalsband, 2 Krankenkassemarken, Hemd und 1 Dachfensterhaken.
Gießen, am 13. December 1890.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches ®onefpcnbcn$-®urec.u.
Berlin, 12. December. Der „Ncichsanzeiger" bestätigt über den Schluß der gestrigen Berathung der Schul- conferenz das bereits gestern im Wesentlichen Gemeldete unb berichtet weiter: In der heutigen Sitzung unter dem Borsitze des Cultusministers v. Goßler wurde über die Frage berathen, inwieweit es bei einer Verminderung der Gesammtzahl von Schulstunden möglich sei, durch intensiven methodischen Unterricht die Hauptarbeit in die Schule zu verlegen, namentlich in den unteren Klassen, sowie über die damit zusammenhängende Frage des Kaisers, ob der Ueber- bürdung für die Zukunft vorgebengt sei. Schiller (Gießen) erörterte dazu sechs Thesen, welche möglichste Beschränkung der häuslichen Schularbeit, Gestaltung des Lehrstoffs zum Mittelpunkte des Unterrichts, Verminderung des Lernstoffs in der alten und mittleren Geschichte, Beförderung des Kartenlesens und Zeichnens in der Geographie und allmähliche Umbildung des Fachlehrerwesens in ein System von Klassenlehrern betonen. Als Mitberichterstatter nahm Graf (Elberfeld) das Wort. Der Commissar des Kriegsministers, Oberstabsarzt Dr. Werner, sowie der Commissar des Cultusministers, Mhrenpsennig, machten Mittheilungen über körperlich Untaugliche unter den Einjährig-Freiwilligen. Die weitere Discussion über die Frage wurde zu ihrer Verbindung mit der Frage, was zur weiteren Hebung des Turnunterrichts unb körperlichen Ausbildung der Jugend zu geschehen habe, sowie mit der Frage des Kaisers, was außer rationellem turnen für die Schulhygiene geschehen solle, für später Vorbehalten. Eitner empfahl die Verdoppelung der Stundenzahl für die körperlichen Lieblingen und neben dem Turnen auch die Pflege der Jugendspiele und anderer Leibesübungen. Bei Schluß des Berichtes sprach Gußfeldt.
Berlin, 12. Decemoer. Der Reichstag nahm heute zunächst in erster und zweiter Lesung den Handelsvertrag mit der Türkei an und trat dann in die 1. Berathung über die Zuckersteuervorlage ein. Der Staatssecretär des Reichs- schatzamls von Maltzahn-Gültz weist auf die hohe Entwickelung der Zuckerindustrie hin, welche in Zukunst der
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