Ausgabe 
14.8.1890
 
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Nr. 187.

Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.

Die Gießener MsmikienStätier Verden dem Anzeiger »öözenllich dreimal beigelegt.

Donnerstag den 14. August _______

Meßmer Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

1890

Vierteljähriger ASonncmentsprcisi 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die P-ost bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Redactton, Expeditto» und Druckerei:

SchulstraßeKr.H.

Fernsprecher 51.

Amts- und Anzeigeblutt für den Nreis Gieren.

politische Uebersicht.

Gießen, 13. August.

In ausführlicher Weise sind jetzt die ersten, ziemlich dürftigen telegraphischen Mittheilungen über die Uebergabe Helgolands und den anschließenden Kaiserbesuch aus Helgoland durch weitere Meldungen des osficiösen Telegraphen ergänzt worden. Dieselben lassen erkennen, daß die festlichen Ereignisse, welche sich am 9. und 10. August auf dem nun wieder deutschen Felseneilande in der Nordsee abspielten, sich in ihrer Gesammt- heit zu einem äußerst glänzenden und eindrucksvollen Bilde vereinigten, aus dem aber die Anwesenheit Kaiser Wilhelms auf Helgoland immer wieder besonders hervorragt. Kaum fünf Stunden weilte der Kaiser auf dem jüngsten Gebiet des deutschen Reiches, dennoch werden diese bedeutungsvollen Stunden der Bevölkerung wie den bei dem festlichen Ereignisse zugegen gewesenen Besuchern Helgolands sicherlich unvergäng­lich im Gedächtniß haften, denn sie schlossen ja eine Reihe von bedeutungsvollen Vorgängen ein. Aus ihnen heben sich namentlich der Kaiser Wilhelm bei seiner Landung im Nord­hasen bereitete jubelnde Empfang, der ergreifende Feldgottes­dienst am Fuße des Leuchtthurms, die Verlesung der kaiser­lichen Proclamation an die Helgoländer seitens des Staats- secretärs o. Bötticher, die Ansprache des Kaisers an die auf­gestellten Marinetruppen, in welcher der Monarch erklärt, Besitz von der Insel zu ergreifen, das Diner im Gouver­neurshause mit dem Toaste des kaiserlichen Gastes aus die Königin von England und die Wiederabfahrt des Kaisers als wirkungsvolle Momente ab.

In der Proclamation sichert der Kaiser den Helgoländern, ihren Rechten, heimischen Gesetzen und Gepflogenheit seinen Schutz und seine Fürsorge zu und erklärt, daß das gegen­wärtige helgoländische Geschlecht von der Dienstpflicht in Heer wie Flotte befreit bleiben und daß auf eine Reihe von Jahren an dem aus der Insel bestehenden Zolltarif nichts geändert werden solle- auch werden alle von Personen oder Vereinig­ungen gegenüber der englischen Regierung an Helgoland er­worbenen Vermögensrechte in Geltung bleiben. Besonders warme und herzliche Töne aber schlug de§ Kaiser in seinem Trinkspruche auf die Königin Victoria Ezüglich Helgolands

Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für b;tiGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den chratisKeikaqe: chießmsr TanrilienßMer folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr. v -- c -- _____

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

In neuerer Zeit soll Saccharin dem Bier zugesetzt wer­den, um minderwertigem Bier den Schein einer besseren Be­schaffenheit zu geben, sowie um bei verdorbenem, insbesondere sauer gewordenem Bier die eingetretene mangelhafte Beschaffen­heit zu verdecken.

Eine solche Verwendung des Saccharins ist nach § 10 des Nahrungsmittelgesetzes vom 14. Mai 1879 strafbar.

Wir verwarnen deshalb alle Bierbrauer und Wirthe vor Verwendung des Saccharins zu dem angegebenen Zwecke und werden in Uebertretungsfällen die Bestrafung der Be­treffenden unnachsichtig veranlassen.

Gießen, am 8. August 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I V.:

Jost, Regierungsrath.

Gießen, am 8. August 1890.

Betr.: Die Verwendung des Saccharins in der Bierbrauerei. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an Gr?oßh- Pvlizriamt Giesten und die Großh.

Bürgermeistereien des Kreises.

Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung empfehlen wir Ihnen das Polizeipersonal geeignet zu instruiren und Zuwiderhandlungen zur Anzeige bringen zu lassen.

__________________Jost, Reqierungsrath.__________________

Bekanntmachung.

Der landwirthschaftliche Bezirksverein des Kreises Gießen wird

Donnerstag den 28. August 1890 in Grünberg auf dem Tummelplatz (Lehmkaut) in der Nähe des Wagner- schen Gartens eine Ausstellung von Zuchtvieh, verbunden mit einer Viehpreisverthellung veranstalten.

An derselben können sich alle im Kreise Gießen wohnenden Viehzüchter mit ihren Zuchtthieren mit Ausnahme der Vieh­händler betheiligen.

Prämien werden nur für Zuchtthiere der Vogelsberger Rasse (.Reinzucht) und der Simmenthaler Rasse (Reinzucht und Kreuzung) erthellt.

An Geldpreisen hat der landwirthschaftliche Provinzial­verein zur Prämiirung von Vogelsberger Vieh 200 «X und der landwirthschaftliche Bezirksverein zur Prämiirung von Simmenthaler und Vogelsberger Vieh 500 zur Disposition gestellt.

Preise werden bewilligt:

1) für Bullen im Alter von einem Jahre und darüber, 2) für Rinder im Alter von einem Jahre ab und für Kühe jeden Alters.

Rur preiswürdiges Vieh wird prämiirt. Sämmtliche auszustellende Thiere müssen bis Morgens 8 Uhr auf dem Tummelplatz zu Grünberg aufgetrieben fein. Bullen im Alter von iy2 und mehr Jahren müssen an ememRasenring geführt und an demselben auf dem Ausstellungsplatzr angebunden werden.

Gelegentlich der Thierschau kann die Ankörung sprung- fähiger Bullen durch die Körcommission stattfinden. Es finden daher Gemeinden und Bullenhalter daselbst günstige Gelegen­heit zum Ankauf von Gemeindebullen.

Gießen, den 5. August 1890.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. __________________Jost, Regierungsrath._________________ ^Lekmmtmachung,

die Abhaltung landwirthschaftlicher Vorträge betreffend.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Landwirthschaftslehrer Leithiger von Alsfeld

1) Sonntag den 24. August 1890, Nach­mittags 2y2 Uhr, einen Vortrag über: die Aufzucht und Pflege des Jungviehes in dem. Locale des Herrn Wirths Theiß in WeiterShain;

2) Sonntag den 31. August 1890, Nach­mittags 21/2 Uhr, einen Vortrag über: landwirth- schastliche Buchführung in dem Locale des Herrn Wirths Konr. Weil III. zu Lang-GonS;

3) Sonntag den 7. September 1890, Nach­mittags 2 Uhr, einen Vortrag über: Molkereiwesen imRappen" zu Grünberg;

4) SonntaK den 14. September 1890, Nach­mittags 2 Uhr, einen Vortrag über: die Trocken- legung der Grundstücke in dem Locale des Herrn Joh. Heiland zu Lich;

5) Sonntag den 21. September 1890, Nach­mittags 2Vr Uhr, einen Vortrag über: Molkerei­wesen in dem Locale des Herrn Wirths Konr. Weil III. zu Lang-GonS;

6) Sonntag den 28. September 1890, Nach­mittags 2 Uhr, einen Vortrag über: landwirth- schastliche Buchführung in dem GasthofeZum Rappen" zu Grünberg;

7) Sonntag den S. Oktober 1890. Nach­mittags 2 Uhr, einen Vortrag über: Anlage von Gewannwegen in dem Locale des Herrn Joh. Heiland zu Lich halten wird.

Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins, der landwirthschaftlichen Localvereine und alle Freunde der

Landwirthschaft werden zu diesen Versammlungen hierdurch ergebenst eingeladen.

Die Herren Bürgermeister der Gemeinden, in welchen Vorträge gehalten werden, sowie die der benachbarten Gemein­den werden hierdurch ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.

Gießen, den 8. August 1890.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Jost, Regierungsrath.

Feuilleton.

Luftkurorte, Bäder und Sommerfrischen des Großher?ogthums Hessen.

Plauderbriefe für denGießener Anzeiger" von E. M.

(Nachdruck verboten.)

V.

Salzhausen Salzschlirf.

Die Sonne holt nach, was sie den Juli über versäumen mußte, und die der Erholung und Sommerfrische bedürftigen Menschen sind von Herzen froh, daß ihnen der Sommer im August wenigstens noch hält, was er ihnen durch den Kalender und die überaus lockenden und verheißungsvollen Kur- und Bäderanzeigen aus allen Richtungen des deutschen Vater­landes, die um diese Zeit einen so wesentlichen Factor des Jnsercuentheils bilden, versprochen hat.

Bei der jetzigen Temperatur hängen Blumen und Bäume allerdings etwas die Köpfe, aber um so gekräftigter, energischer erheben die Gastwirthe, Hoteliers und Inhaber von Sommer­etablissements ihre Häupter. Nach allen Windrichtungen ergießt sich der Fremdenstrom und wenn nicht an der tropischen Hitze, müßten die Schaffner es an dem fortwährenden Auf­tauchen der combinirten Rundreisebillets merken, daß die Reisezeit wieder in vollem Gange ist.

Aber nicht nur die großen Bäder und Luftkurorte, auch die bescheidenen Orte wissen davon zu erzählen, daß es nun wirklich Sommer geworden ist. Obgleich nicht unmittelbar an der breiten Touristenstraße gelegen, gehört Bad Salz­hausen doch zu denjenigen, die von Jahr zu Jahr mehr in Aufnahme kommen und sich in neuerer Zeit derartig ver­vollständigt haben, daß ein Aufenthalt daselbst mit gutem Gewissen zu empfehlen ist.

Die an dem Landstädtchen Nidda, Station der Geln­hausen-Gießener Bahn, täglich neunmal haltenden Züge setzen zahlreiche Kurgäste für das 2 Kilometer entfernte Salzhausen ab. Das am Fuße des Vogelsbergs in sanfthügeliger Lage sich hinstreckende Soolbad ist mit Nidda durch Fuß- und Fahrwege verbunden- ersterer führt über den Berg und kürzt bedeutend ab. Zweimal des Tages findet auch Post­verbindung statt.

Die völlig geschützte Lage, die prächtigen, dicht an­grenzenden Waldungen, dke den Touristen zu Entdeckungs­fahrten locken, vor Allem aber das milde Klima, die frische, ozonreiche, unverfälschte Waldesluft, lassen das Bad als ge­segneten Aufenthalt sowohl für Erwachsene, als auch ganz »besonders für schwächliche Kinder erscheinen. In dem groß­artig angelegten Park bietet sich dem Naturfreund eine Fülle reizvoller Spaziergänge mit lohnenden Aussichtspunkten.

Das Wasser von Bad Salzhausen enthält Chlornatrium, Chlorkalium, schwefel- und kohlensauren Kalk, Bromnatrium, freie Kohlensäure rc. Die Bäder, welche im Kurhause selbst verabfolgt werden, sind Sool-, Douche-, Fichten-, Nadel­bäder und russische Dampfbäder. Aerztlich empfohlen werden dieselben gegen Bleichsucht, Scropheln, chronische Katarrhe, Neuralgie, Rheumatismus, nervöse Erscheinungen rc.

Die Gastwirthschaft im Kurhause, die in Folge neuer Verpachtung in bewährte Hände übergegangen ist, bietet dem Fremden liebe und gastliche Ausnahme und gewährt bei billigsten Preisen allen wünschenswerthen Comsort, da es über Räumlichkeiten verfügt, die hoch, hell, gesund und mit Aussicht in den bis zum Walde reichenden Park sind.

Für Zerstreuung und Unterhaltung ist in Salzhausen gleichfalls gesorgt. Abgesehen von dem hübschen, gut be­stellten Lesecabinet, das sich ja wohl in jedem einigermaßen srequentirten Bade befinden wird, sollen die öfters im Kur­

saale veranstalteten Bälle und Concerte eine große An­ziehungskraft besitzen, und das ist kein Wunder, ivenn wir vernehmen, daß sich in Salzhausen während der Tommer- saison auch Künstler vom Schlage der Teresina Tua hören lassen.

Ein häufig gesuchtes Ziel, namentlich für die Herren­welt, ist das Casino in Nidda.

* Zur Stütze des Gedächtnisses. Herr Lehmann besitzt ein sehr schwaches Gedächtniß. Auf Eisenbahnsahrten wagt er es niemals, auf einer Zwischenstation auszusteigen, weil er nicht im Stande, die Nummer seines Waggons im Kopfe zu behalten. Dieses persönliche Mißgeschick klagt er eines Tages, im Coupe sitzend, seinem Vis-a-vis, einem intelligenten Geschäftsreisenden, der ihm aus Mitleid einen mnemotechnischen Wink ertheilt.Sie müssen sich" so sagt der Geschäfts­reisendedie Nummer des Wagens an einem Geschichts­datum merken- wir fahren z. B. heute, wie Sie sehen, im Wagen 1492, das ist das Datum der Entdeckung Amerikas, also gar nicht zu vergessen." Hocherfreut über den neu­gewonnenen Anhaltspunkt steigt Lehmann auf einer Halte­station aus, um sich an einem Glase Bier zu erquicken. Beim zweiten Läuten eilt er aus den Perron, um sein Coupe aufzusuchen, doch, 0 Schrecken! sein Gedächtniß läßt ihn schon wieder im Stich und in seiner Angst wendet er sich an den ersten besten Passagier mit der kläglich herausgestoßenen Frage:Sagen Sie mir, um Gotteswillen, wann ist Amerika entdeckt?!"

* Vater (von der Reise zurückgekehrt):Weßhalb heulst Du?" Söhnchen:Mama hat mich geschlagen!" Vater:Na, sei ruhig, von morgen an haue ich Dich wieder!"