ausgesprochen, bei. — Herr Fabrikant Fießer beabsichtigt, den hinter seinem an der Grünbergerstraße gelegenen Hause errichteten Fabrikneubau mit dem Anbau zu verbinden. Da die zu verbindenden Baulichkeiten an der Baulinie der künftigen, senkrecht zur Grünbergerstraße laufenden, nach der Wieseck führenden Straße stehen, hat die Baudeputation, . indem sie die Ausführung des Bauwesens nach dem Project des Gesuchstellers für eine öffentliche Straße als mißständig bezeichnet, das Gesuch so lange zu beanstanden beantragt, als nicht der Neubau in harmonischen Zusammenhang mit dem Anbau gebracht werde. Die Versammlung trat dem Deputationsantrage bei. — Herrn Kaufmann Friedrich Habenicht soll ein Theil des zwischen seinem und dem Zöckler'schen Hause an der Westanlage gelegenen Geländes pachtweise überlassen werden. — Die Telephoneinrichtung zwischen dem Polizeigebäude, der Wache am Selters- thor und dem Stadtthurm soll, da die Apparate an derselben nicht mehr zuverlässig functioniren, solche neuen verbesserten Systems erhalten. — lieber die Bauarbeiten zur Herstellung von Räumen für die Stadtkasse im Bürgermeistereigebäude sind der Versammlung die Pläne nebst Kostenvoranschlag (2450 Mk.) vorgelegt worden, welche dieselbe genehmigt. Mit den in diesem Jahre noch vorzunehmenden baulichen Aenderungen im Sitzungssaale der Stadtverordneten soll gleichzeitig eine Erneuerung des Fußbodens vorgenommen werden, ebenso hat sich die Notwendigkeit der Erneuerung des Fußbodens im Arbeitszimmer des Herrn Architect Haas ergeben. Die Versammlung spricht sich für Ausführung dieser Arbeiten vorbehältlich noch vorzulegender Kostenüberschläge aus. Herr Wallenfells regt hierbei noch die nothwendige Verbesserung des Eingangs ins Bürgermeistereigebäude an, der jetzige Zustand sei im Winter gefährlich- Herr Schopbach befürwortet ebenfalls eine derartige Verbesserung, die vielleicht noch durch ein Schutzdach wirksamer gemacht werden könne. Es sollen der Versammlung demnächst entsprechende Vorlagen gemacht werden. — In der Ostanlage, vor dem Justizgebäude wie vor dem Rondel an der Wiesenstraße, sollen noch Ruhebänke ausgestellt werden. — Herr Prof. Dr. Wimmenauer hat an Großh. Bürgermeisterei ein Schreiben gerichtet, wonach beabsichtigt ist, zum Zwecke der Verbesserung der Fischzucht und Belehrung über dieselbe für die forstwissenschaftlichen Institute eine kleine Fischzuchtanstalt einzurichten; Herr- Prof. Wimmenauer fragt deshalb an, unter welchen Be- bingungen die Stadt das erforderliche Wasser aus der Quellwasserleitung überlassen wolle. Das tägliche Bedarfsquantum betrage 6 Cbm. für die Monate Januar bis April. Herr Bürgermeister Gnauth bemerkt hierzu, daß zwar der Umstand, daß gerade an diesen Monaten die größte Menge Ueberlaufwasser aus der städtischen Wasserleitung sich ergebe, die Annahme rechtfertigen könne, diesem neuen Universitätsinstitut das erforderliche Wasser kostenlos zu überlassen- es würde dies jedoch zu bedenklichen Consequenzen führen, weshalb die Deputation für das Wasserwerk beantrage, den Preis des Wassers auf 12 Pfg. (Selbstkostenpreis) festzusetzen. Die Versammlung spricht sich für widerrufliche Genehmigung der Abgabe von Wasser zum Selbstkostenpreise aus. — In die Commission für die Beschaffung von Brennmaterial für die städtischen Anstalten werden die Herren Heyligenstaedt, Hoch und Vogt gewählt. Es sind zur Beschaffung an Brennmaterial vorgesehen: 2200 Gentner Coaks, 1200 Gentner melirte Kohlen, 3000 Gentner Nußkohlen, 400 Gentner Anthracitkohlen, 800 Gentner Braunkohlen, 200 Gentner Briquetts. — Nach einer Zuschrift des Herrn Justizrath Baist ist derselbe beauftragt, die Eigenthumsverhält- nisse der Wodestraße zu regeln, auch der Goncurs- verwalter der Wode'schen Masse angewiesen worden, die Straße an die Stadt abzutreten. Bekanntlich hatte sich die Stadt bereit erklärt, die Straße in Eigenthum zu übernehmen und eine Fußgängerüberbrückung nach der Ostanlage in Fahrbreite gen. Straße mit einem Kostenauswande von 2600 Mk. herzustellen, wenn die Anlieger solidarisch sich verpflichten, die aus 5530 Mk. veranschlagten Ausbaukosten der Straße zu tragen. Von der Herstellung einer fahrbaren Ueberbrückung wurde wegen der Schwierigkeiten des Anschlusses einer Straße an die Ostanlage und der dadurch nothwendigen Auffüllungen an dem Anton Petri'schen Besitztum abgesehen. Nach Mittheilung des Vertreters der Anlieger wollen dieselben sich zum gemeinschaftlichen Aufbringen der Ausbaukosten verstehen, wenn von der verlangten Summe der Betrag in Abrechnung kommt, den die Besitzer der Eckhäuser in den Neuen Bäuen (Frau Dr. Brüel und Nattmann) zu zahlen haben würden, wenn sie nicht von der Beitragspflicht infolge ihrer Erklärung, daß sie an dem Ausbau der Wodestraße kein Interesse haben, entbunden würden. Es würde sonach von der Summe von 5530 Mk. pro rata der Straßenbaulänge des Nattmann'schen bezw. Brüel'schen Hauses cq. 1100 Mk. in Abzug kommen. Geht die Straße nach dem Ausbau in das Eigenthum der Stadt über, so erwächst der Stadt das Recht, die Anlieger zu den Trottoirherstellungskosten nach Maßgabe des Ortsgesetzes heranzuziehen, in welchem Falle die Besitzer der erwähnten Eckhäuser 437.74 Mk. beizutragen haben, um welchen Betrag sich dann der geforderte Nachlaß der obigen 1100 Mk. kürzen würde. Demnach hätten die übrigen Anlieger anstatt der ursprünglich geforderten 5530 rund 4890 Mk. an die Stadt zu entrichten, so daß für die Stadt ein Mehraufwand von 640 Mk. entstehen würde. Es wird, nachdem sich die Mehrheit der Versammlung dafür ausgesprochen, die Wodestraße-Angelegen- heit endlich einmal zu erledigen, beschlossen, auf das Anerbieten einzugehen, sofern die Anwohner der Straße das zur Anlage eines Wendeplatzes für Fuhrwerke am Schvorgraben nöthige Gelände der Stadt kostenlos zur Verfügung stellen.
— Das Goltsch'fche RiesenWaubel Diorama veranstaltet morgen Mittag im Gafe Leib eine große Extra-Kindervorstellung, verbunden mit einer Gratis-Verloosung von circa 200 Gewinnen, bestehend aus nützlichen Schulartikeln und Spielsachen. Den Eltern dürste zu empfehlen sein, ihren Kindern den Besuch dieser Vorstellung zu gestatten, da die
selbe nicht allein belehrend für die Kinder ist, sondern ihnen auch eine kleine Freude bereitet durch die Mitnahme eines kleinen Gewinnes. — Die Vorstellungen des Dioramas dauern nur noch bis zum Montag.
x Friedberg, 12. Juni. Herr Professor Dr. Köstlin, der vor Kurzem in der hiesigen Burgkirche eine alte Kanzel entdeckte, die nunmehr im Predigerseminar Verwendung finden soll, hat neuerlich in einer alten Kiste eine prachtvolle Altarbekleidung gefunden. Diese hat mehrere Jahrhunderte lang in diesem finsteren Gefängniß gelegen. Die Bekleidung ist von feinstem Sammt und mit wunderbaren Goldstickereien verziert. Zur Zeit wird sie von Herrn Deean Meyer cmf- bewahrt.
§ Aus dem Ohmthal, 12. Juni. Trotz des ungünstigen, unbeständigen Wetters hat die Heuernte bereits ihren Anfang genommen. Das Ergebniß derselben ist nicht, wie man nach dem Stand des Grases zu Anfang Mai und der damals herrschenden Witterung anzunehmen berechtigt war, ein sehr gutes. Namentlich ist dies der Fall bei den feuchten Grundwiesen, die sonst stets das beste Resultat lieferten. Hier ist der Graswuchs zu dünn, nicht dicht genug. Schuld mag daran vorzugsweise die kalte Witterung der letzten Maitage haben, in deren Nächten mitunter der zarte Graswuchs erfror. Besseres Ergebniß liefern die trocken gelegenen Bergwiesen. Bei den gegenwärtig stattfindenden Heugrasversteigerungen ist der Preis des Grases durchschnittlich höher als im verflossenen Jahre, trotzdem damals der Graswuchs vollkommener war. Die Grünfütterung ist eben bei dem Land- wirth meist unzureichend, da der Klee vielfach sehr schlecht steht; ersterer muß deßhalb die Wiesen grün füttern, die er sonst zu Heu.mähte. Der niedere Preis des Heues im verflossenen Winter, 2 Mk. bis 2,50 Mk. per Gtr. — wird eben schon von dem des Grases vielfach übertroffen.
E. Saasen, 13. Juni. Am Sonntag, den 15. Juni, wird Herr Obstbautechniker Metz aus Friedberg hier einen Vortrag halten.
vermischte».
— Frankfurt a. M., 12. Juni. Die Buchdrucker und Prinzipale unserer Stadt haben sich vereinigt, den 450- jährigen Gedenktag der Erfindung der Buchdrucke rkun ft festlich zu begehen. Es ist folgendes Programm aufgestellt worden: Samstag, den 21. Juni, 8*/2 Uhr Abends, Vereinigung sämmtlicher Berufsgenoffen am künstlerisch geschmückten Gutenberg-Denkmal auf dem Roß- markt zur Huldigungsfeier. Bengalische Beleuchtung des Denkmals. Zug nach der „Stadt Eaub". Biercommers dortselbst. Sonntag, den 22. Juni, 9^2 Uhr Vormittags: Besichtigung einer Special-Ausstellung von Druckwerken vom Anfang der Erfindung der Buchdruckerkunst bis zur Neuzeit in der Stadtbibliothek. 11 Uhr: Akademische Feier im festlich geschmückten Saale des kaufmännischen Vereins, Festvortrag von Dr. Pallmann, Bibliothekar des Staedel'schen Instituts. 4 Uhr: Gartenfest im Scheffeleck. Festrede des Redacteur Franz Schreiber. Goncert, Gefangsvorträge, Tanz, Spiele 2c.
* Frankfurt a. M., 11. Juni. Ein hiesiges Fräulein klagte auf der Eivilkammer gegen einen Forstpraktikanten auf Ehelichung oder Entschädigung von 6000 Mk. Der Beklagte schützte als Grund seines Rücktritts vor, daß das Mädchen herzleidend sei, was bestritten wurde - dabei wurde das Zeug- niß eines Badearztes in Nauheim vorgelegt, in welchem es heißt: „Ich bescheinige, daß das Fräulein gesund ist und ihm von meiner Seite nichts in dem Wege steht, zumal das Eingehen einer Ehe auf das Herz des Menschen keinen schädlichen Einfluß ausübt." Das" Zeugniß erregte allgemeine Heiterkeit. Es wurde auf weiteren Beweis erkannt.
* Wiesbaden, 10. Juni. Bekanntlich gibt es Bettelbriefs chreiber, welche keine fürstliche Person unbelästigt lassen. Auch der Kaiserin Eugenie ist hier eine Anzahl derartiger Briefe, zum Theil mit merkwürdigen Aufschriften, zugegangen. So lautet die Adresse eines Briefes aus Bayern: „An die huldvollste Majestät Eugenie, Exkaiserin der Franzosen." Etwas kürzer hat sich ein anderer Bries- schreiber ausgedrückt: „Frau Wittwe Napoleon III. Eigenhändig abzugeben." Das Originellste aber leistete eine biedere Bewohnerin des badischen Schwarzwaldes, welche ihren Brief wie folgt adressirte: „Eure Exsilenz habe ich Gehorsamst zu melden: Gaisterin Egenja Gaitzer der Fratzoßen der III. in Wißbaden in Teutschland." Dieser Bries trägt den Poststempel „Furtwangen, 3. Juni 1890."
* Berlin, 11. Juni. Die deutsche Reichsbank war gestern der Schauplatz eines frechen Raubanfalls. Der Handelslehrling G. hatte bei der Reichsbank einen Taufendmarkschein in zehn Hundertmarkscheine wechseln lassen. Als er, die Scheine in der Hand haltend, die Treppe hinabstieg, begegnete ihm ein blonder junger Mann, der sich bei G. nach dem Geschäftslocale von I. Salomon erkundigte. Er beschrieb die Lage und wollte sich entfernen, als er plötzlich von dem Unbekannten einen Schlag in das Gesicht erhielt. Gleich darauf fühlte er, wie der junge Mann einen Versuch machte, ihm die Banknoten zu entreißen. G. leistete erfolgreichen Widerstand, der Attentäter ergriff die Flucht und entkam.
* Berlin, 10. Juni. Aus Sportkreifen wird eine Aeuße- rung des Kaisers über das Reiten fremder Pferde durch Offiziere der deutschen Armee bekannt. Es war bisher nicht selten, daß die als Herrenreiter bekanntesten Offiziere an einem Renntage dreimal in den Sattel stiegen- natürlich waren es nicht immer ihre eigenen Pferde, welche sie ritten. Dem Kaiser, welcher die Rennberichte mit Aufmerksamkeit verfolgt, fiel das auf, er ließ den Wunsch aussprechen, daß die Offiziere hinfort „nur ihre eigenen Pferde oder höchstens die von Kameraden reiten möchten." Entsprechend diesem
Wunsche des Kaisers werden unsere ersten Herrenreiter aus dem Offizierstande in Zukunft weniger häufig in die Ereignisse auf den Rennplätzen eingreifen.
* Am Dienstag vorige Woche haben Knechre aus Bottendorf im Walde bei Ziegelroda eine geradezu unglaubliche rohe That an einer hochbetagren Frau begangen. Als an einem steilen Hang der mit Wellholz beladene Wagen um- stürzte, meinten die rohen Burschen, jene nur wenige Schritte entfernt stehende „alte Hexe" sei schuld an dem Unglück, fielen über die Alte her und prügelten und peitschten sie in der unbarmherzigsten Weise. Solchen Lümmeln sollte mit gleichem Maße gemessen werden.
* Eine schlechte Erfahrung mußte vorige Woche ein Brautpaar in Garsebach bei Meißen machen. Man war zur Kirche gewesen und hatte den Hochzeitsschmaus gründlich erledigt. Da machte man plötzlich die Entdeckung, daß Einbrecher die Kammer heimgesucht und die Brautbetten gestohlen, außerdem aber auch den Kleiderschrank geöffnet und aus der Rocktasche deS jungen Mannes die baare Mitgift mitgenommen hatten.
Eingesandt.
Gießen, 13. Juni 1890.
Bei einem Ausflüge nach Münzenberg, welchen ich vor einigen Tagen mit Freunden unternommen, wählten wir den Rückweg durch das von Münzenberg abfallende Wiesenthal der Wetter über das hübsch und sauber aussehende Oberhörgern, über Garnbach und Butzbach. In Gambach nahmen wir Gelegenheit, durch das Tönen einer Kirchenorgel aufmerksam geworden, die Orgelbauwerkstätte der Herren (Sehr. Bernhard zu besuchen und hier außer einigen in Arbeit befindlichen Werken eine sertiggeftellte Orgel, welche mit allen Erfordernissen der modernen Orgelbaukunst (mit Kegellade, Tutti- und Soli- zügen) versehen ist, zu besichtigen. Nachdem Herr B. uns das volle Werk in mächtiger Klangentfaltung und dann auch die einzelnen Register oorgesührt hatte, erhielt auch ich die Erlaubniß, zu spielen. Ich habe schon manche gute Orgel gehört und gespielt, dabei inbefien niemals einzelne Register mit solcher characteristischen Reinheit der Intonation wahrgenommen. Das Salcional, die flauto dolce rc. ertönten wie ferner Engelgesang.
Nach einer Aeußerung des Herrn B. ist die Orgel für die neuerbaute Kirche in Appenrod bestimmt und wird erst in einigen Tagen dahin abgeführt. Kenner von Orgelmusik und Diejenigen, welche sich dafür interefüren, sind hierdurch auf dieses Orgelbaukunstwerk aufmerksam gemacht.
Universität». HacbricbtcM.
— Das 75jährigeBestehen der deutschen Burschenschaften wurde in Berlin am Samstag durch einen von etwa 400 jungen und alten Burschenschaftern besuchten Commers in der „Philharmonie" gefeiert Der Präsidirende, Oberlehrer Dr. Braumüller, brachte das Hoch auf den Kaiser, der Abgeordnete Rechtsanwalt Dr. Krause gab einen Rückblick auf die geschichtliche Entwickelung der Burschenschaft. Der letzte officielle Redner, Redacteur Trojan, gedachte in gereimter Rede der Damen. Das Fest war ein höchst gelungenes.
Landwiühschastiiche Umschau.
AuS Oberheffe«, 11. Juni.
Es ist gerade ein Monat verflossen, seit ich den freundlichen Lesern dieser Zeitung ein Bild über den damaligen Stand der Saaten lieferte. Inzwischen hat der Landwirth die erste Ernte machen können — mit dem ersten Kleeschnitt — und es verlohnt sich, nach Zurücklegung dieser Etappe, der Mühe, wieder einmal Umschau zu halten. Nicht selten kommt es vor, daß der Juni das nicht hält, was der Mai in Aussicht gestellt hatte. Auch umgekehrt finden sich Jahre: Der Mai zeigt sich rauh und kühl, die Entwickelung will nicht voran; da kommt der Juni und bringt Vieles in Ordnung, was verdoroen schien.
In diesem Jahre scheint sich nun Alles zum Guten wenden zu wollen. Zu Ansang des Juni haben die Nachtfröste an manchen Orten — es sind meistens feuchte, tiefe Lagen, wo wenig Luftbewegung ftattfinden kann — Schaden an Kartoffel« und Gemüsepflanze« angerichtet. Wo die Kartoffeln wirklich umgepflügt werden müffen, lassen sich mit Vortheil Dickwurzel pflanzen, während an Stelle der Bohnen und Gurken recht gut Weißkraut, Wirsing, Rothkraut, Rosenkohl u. dgl. m., unter Umständen auch noch einmal Gurke« «Nd Bohnen «achgelegl werden können, denn dazu ist es durchaus noch nicht zu spät. Der angerichtete Schaden ist sonach nicht bedeutend. Alle sonstigen Gartengewächse, um diese hiermit zu erledigen, brachten und bringen sehr schöne Erträge.
Wenben wir unS zu den Halmfrüchten. Sie sehen gradezu brillant aus und übertreffen selbst die 1889er erheblich. Dem Umschauer denkt es manches Jahr, er kennt die drei Provinzen und auch sonst noch ein Stück vom großen deutschen Vaterlande, hat also Gelegenheit gehabt, landwirthschaftliche Gewächse zu sehen. Aber einen so herrlichen Saatenstand, wie er sich anno 1890 in Der Wetterau und in vielen Theilen Oberhesfens findet, hat er noch nicht oft gefunden. Dabei find die Aecker, durch den Bau der Hackfrüchte — Zuckerrübe, Dickwurzel, Kartoffeln — rein von Unkraut und Lagerfrucht kommt wenig vor, weil entsprechender künstlicher Dünger die Halme gekräftigt hat.
Zu den Hackfrüchten übergehend, fei bemerkt, daß die Zuckerrübe ungestört in ihrer Entwicklung vorwärts schreiten konnte, wenn auch da und dort über Jnsectenfraß (Engerlinge) geklagt wird. Die Zuckerrübe ist es, die den Halmfrüchten einen fo ausgezeichneten Boden bereitet, weil das häufige Behacken und die Düngung derselben bei keiner anderen landwirthschaftlichen Culturpflanze so intensiv zu geschehen pflegt, wie bet ihr. Sie wirkt also direct und inbirect vortheilhaft. — lieber Den Stand der Kartoffel« ist nachzutragen, daß sie sehr gleichmäßig aufgtngen und sehr geiunb und üppig aussehen, die Erträge scheinen sehr gut zu werden. — Mit dem Verpflanzen der Dickwurzeln ist man gegenwärtig beschäftigt. Hier thäte ein weiterer, ausgiebiger Regen sehr noth, was kürzlich gefallen ist, reicht bei Weitem nicht aus.
In Bezug auf Wiese«, Klee und FuttergewLchse aller Art läßt sich nur Erfreuliches berichten. Der zweite Klee wird durch die herrschende Trockenheit in seiner Entwicklung beeinträchtigt. Da die Futtergewächse unter reichlichem Sonnenschein gediehen, sind ihre Eigenschaften die besten.
Zum Schlüsse noch Einiges über das Obst. Hier wird es dieses Jahr heißen: Wer das Glück hat, führt die Braut heim, denn an manchen Orten gibt es wenig oder nichts, an anderen ziemlich viel. In letzter Zeit bemerkt man, daß viele Fruchtansätze abfallen. Das Ungeziefer setzt also seine zerstörende Wirksamkeit fort. Die sogen. Schaf«afe, ober auch Frankfurter Apfel genannt, bewährt auch dieses Jahr wieder seine guten Eigenschaften, er ist witterungsbeständig und fest gegen Jnfecten und Unbilden aller Art; der Baum wird in verhältnißmäßig frühen Jahren tragfähig und er trägt mit fast mathematischer Sicherheit alle zwei Jahre gut bis reichlich. — Soviel für diesmal!
verkehr, £and« und V*lk»rvirthsehast.
— AlS ertragreiche Futter« und Mründungspstanze ist der Japanische Weizen zu empfehlen, da derfelbe sich feines außerordentlich schnellen Wachsthums wegen besonders als Zwischenfrucht zu eignen scheint. Sutton in Beading erhielt von einer Aussaat vom 27. August schon am 13. October dichte, saftige Stengel von über zwei Fuß Länge. Besonders stark .ist die Bestockungfähigkeit, auch die Widerstandsfähigkeit gegen Kälte ist gut.


