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»r. 62.
Freitag den 14. März
1890
Der sicherer Aazeißer «scheint täglich, nra Ausnahme deS Montag-.
D" Gießener ßO«tttenßtLtter ,k,Len dem Anzeiger nkchenilich dreimal brigelegt.
ießener Anzeiger
Kenerat-'Anzeiger.
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olgenden Tag erscheinenden Nummer brS Borm. 10 Uhr. t __03 ---
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Atntti^ev Theil.
Bekanntmachung,
die Reichstagswahlen betreffend.
Nachdem der im L Wahlkreise des Großherzogthums zum ReilchstagSabgeyrdneten gewählte Herr Rechtsanwalt Dr. Gut- fleisch in Gießen die auf ihn gefallene Wahl abgelehnt hat, ist Die Vornahme einer neuen Wahl auf
Freitag, 28. Marz d. I.,
sestKesetzt worden.
Es wird dieses mit dem Ansagen zur öffentlichen Kennt- niß gebracht, daß
Dienstag, l. April d. I., Borm. 11 Uhr, in Dem Sitzungssaale des Regierungsgebäudes zu Gießen die Pwtocolle über die Wahlen in den einzelnen Wahlbezirken durcchgesehen und die Resultate der Wahlen zusammengestellt Ml>den. Das Ergebniß wird sodann verkündet werden. Der Zuluitt zu dem Local steht jedem Wähler frei.
Gießen, 13. März 1890.
Der Wahlcommissär: v. Gagern.
Bekanntmachung,
die Reichstagswahlen betr.
Nachdem die Nachwahl zum Reichstage für den I. Hessischem Wahlkreis zufolge Verfügung Großh. Staatsministeriums ntitt 28. März vorzunehmen ist, wird bezüglich des Wahl- Geschäfts das Folgende zur öffentlichen Kenntniß gebracht:
Die Abstimmung wird um 10 Uhr Morgens be- ginmen und um 6 Uhr Abends geschlossen werden.
Die Nachwahl findet auf denselben Grundlagen und nach denselben Vorschriften statt, wie die erste Wahl. Insbesondere bleiben die Wahlbezirke, die Wahl- locale und die Wahlvorsteher unverändert.
Wir verweisen hierbei aus unsere Bekanntmachung vom 13. Februar d. I. — Anzeiger Nr. 31.
Bei der Nachwahl werden dieselben Wählerlisten angewendet, wie bei der ersten Wahlhand- lumg. Eine wiederholte Auslegung und Berichtigung sind et nicht statt.
Gießen, den 13. März 1890.
Großh. Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Gießen, den 13. März 1890. Betreffend: wie oben.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an
iie Großh. Bürgermeistereien und Wahl-Vorsteher deS Kreises.
Die beiden vorstehenden Bekanntmachungen wollen Sie üLbald, jedenfalls aber spätestens Mittwoch den 19. fr, Mts in Ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen lassen. Zu Ihrem Bemessen verweisen wir Sie auf § 34 des Wahlreglements vom 28. Mai 1870 — Bundesgesetz. Wt S. 281 ff. — und beauftragen Sie, strengstens hiernach ;u verfahren und, soweit Sie nicht selbst als Wahlvorsteher n Thätigkeit zu treten haben, die Wahlvorsteher dement- hrechend zu bedeuten.
Die erforderlichen Protocollformulare nebst Wählerlisten tthsn Ihnen mit nächster Post zu.
Die Wahlacten wollen Sie unfehlbar am 29. d. MtS. an den Unterzeichneten zur Post ttben.
Den Wahlacten muß — wie bei der Stichwahl — die besondere Bescheinigung der Großh. Bürger- nie i ft e r e i darüber bei liegen, daß und wann die orts- Mche Bekanntmachung des Wahltermins erfolgt ist.
Die Wahlvorsteher machen wir noch besonders auf die Vecobachtung des $ 18 des Reglements aufmerffa», weil da- gtg.en auch bei der Stichwahl wieder vielfach gefehlt worden ist.
Auf Seite 4 des Protocolls sind bei den Namen der liambibaten bie einzelnen auf sie gefallenen Stimmen durch Ltmche ober fortlaufenbe Zahlen anzumerken. Ist bieses «egen ber großen Zahl ber auf einen Canbibaten fallenden Stämmen unthunlich, so ist in obiger Weise eine befonbere Zächlliste anzulegen und bem Protocoll als Beilage anzu- schlzeßen.
Die von einem Beisitzer zu führende Gegenliste ist nicht, wie auch bei der Stichwahl immer noch einige von Uimi anzunehmen scheinen, eine Liste der Ab stimmen«
den, sondern ein besonders geführtes Exemplar der Zähl liste.
Dem Protocoll hat daher beizuliegen:
1. Die Wählerliste (blos aber das Duplikat);
2. die Zählliste, falls eine solche besonders geführt worden ist;
3. die Gegenliste;
4. die Bescheinigung der Bürgermeisterei wegen Bekannt- machung des Wahltermins;
5. diejenigen Stimmzettel, über deren Gültigkeit es einer Beschlußfassung des Wahlvorstandes bedurft hat. (Vergl.
§ 20 des Reglements.)
v. Gagern.
Bekanntmachung.
SawStag den 29. März l. Js., Vormittag- 10 Uhr, findet im Regierungsgebäud e dahier eine öffentliche Sitzung des Proviazialtags der Provinz Obrrheffeu mit folgender Tagesordnung statt:
1) Prüfung der Ergänzungswahlen für den Provinzialtag.
2) Ersatzwahl zum Provinzial-Ausschuß für das verstorbene Mitglied Oberbürgermeister B r a m m - Gießen.
3) Wahl eines Mitglieds und eines Ersatzmannes für die Ober-Ersatz-Commission für die Jahre 1890/92.
4) Prüfung der Rechnung der Provinzialkaffe und Erstattung des Rechenschaftsberichts für 1888/89.
5) Feststellung des Voranschlngs der Provinzialkaffe für 1890/91.
Gießen, am 12. März 1890.
Der Vorsitzende des Provinzialtags: v. Gagern.
Lehrer-Conferenz
des Conferenz - Bezirk- Gießen.
Mittwoch den 19. März, Vormittags 10Uhr, in Gießen.
Gießen, den 12. März 1890.
Büchner, Schulrath.
pottttsche Ueverficht.
Gießen, 13. März.
Die Gerüchte über die dem Fürsten Bismarck zugeschriebene Absicht, sich gänzlich aus dem Staats- und Reichsdienste zurückzuziehen, wollen nicht verstummen, obwohl ihnen schon wiederholt entschieden widersprochen worden ist. Neuerdings macht eine als officiös geltende Correspondenz die Runde durch die Blätter, wonach der Kanzler diese seine angebliche Absicht noch nicht vollständig aufgegeben haben soll und behauptet die Correspondenz, die gegenwärtige Anwesenheit des Großherzogs von Baden in Berlin verfolge mit den Zweck, den Fürsten Bismarck zum Bleiben in seinen Aemtern zu bewegen. Schließlich heißt es, in insormirten Kreisen sei die Lesart verbreitet, bei der Erörterung des Ausscheidens des Kanzlers aus dem Dienste sei auch die Theilung seiner Befugnisse zur Sprache gekommen, doch hätten sich die Bundesfürsten mit Entschiedenheit im Sinne einer Nichtänderung der Verfassung ausgesprochen. — Jedenfalls ist die erwähnte Correspondenz ein neuer Beweis für die in der innern Reichsund preußischen Politik gegenwärtig herrschende Unbestimmtheit und Unklarheit und kann man nur den Wunsch aussprechen , daß dieser unleidige Zustand endlich am längsten gedauert haben möge.
Die Eröffnung des Reichstages ist für den 15. April bestimmt in Aussicht genommen. Der Kaiser soll die Einberufung des neugewählten Parlamentes bereits für März gewünscht haben, was sich indessen in Hinsicht auf die noch zu erledigenden Vorarbeiten und auf die Nähe des Osterfestes als unthunlich erwies.
Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Dienstag vor Fortsetzung der Etatsberathung eine ganze Reihe größerer wie kleinerer Vorlagen im Sinne ihrer endgültigen Annahme, von denen der Gesetzentwurf, betr. Abänderung des Gesetzes über Verbesserung der Oder und der Spree, und die Vorlagen betreffend die Abänderung der Pensionsgesetze vom 27. März 1872 und vom 6. Juli 1885 hervorzuheben sind. In erstmaliger Lesung fanden sodann Rechnungen und der Nachtragsetat Erledigung, worauf das Haus die am Montag abgebrochene Berathung des Etats der Ansiedelungscommission für Posen und Weftpreußen wieder aufnahm. Die Verhandlung gestaltete sich wiederum zu einer groß angelegten „Polendebatte", in welche namentlich auch wahlpolitische Momente und sogar allgemein-politische Erörterungen hineinspielren und bei welcher im Uebrigen Freisinn und Centrum in Bekämpfung der Ansiedelungspolitik der preußischen Regierung aber
mals einig waren. Die Debatte endete mit unveränderter Annahme des Etats der Ansiedelungscommission. Am Mittwoch hielt das Haus wieder einen „Schwerinstag" ab. — Die Osterferien des Abgeordnetenhauses werden am 29. März beginnen - am<15. April tritt das Haus zur Fortsetzung der Session wieder zusammen, also am voraussichtlichen Tage der Reichstagseröffnung.
Der Abgeordnete Eugen Richter ist aus noch unbekannten Gründen aus dem Vorstände der freisinnigen Fraction des preußischen Abgeordnetenhauses ausgeschieden.
Die Vorbereitungen für die Berliner Arbeiterschutzcon- ferenz sind nunmehr allseitig soweit vorgeschritten, daß der Eröffnung der Conferenz für nächsten Samstag, den 15. März, mit Sicherheit entgegengesehen werden kann. Noch in letzter Stunde hat der Kreis der Conserenztheilnehmer durch bett Beitritt Spaniens eine Erweiterung ersahren, während über die ebenfalls signalisirte Theilnahme Portugals an der Conferenz noch nichts Zuverlässiges festfteht. Möglicher Weise wird sich auch der Papst ans der Berliner Conferenz vertreten lassen, denn er soll sich außerordentlich für die bevorstehenden Verhandlungen intereffiren. Sämmtlich an der Conferenz theilnehmende Regierungen entsenden zu derselben neben ihren osficiellen Vertretern noch technische Delegirte, welche jenen die nöthigen Informationen liefern sollen.
Aus Deuschostafrika kommt die Kunde von einem neuen glänzenden Siege des Reichscommissars Major Wißmann über den arabischen Rebellenchef Banaheri. Letzerer hatte seit seiner jüngsten Niederlage eine neue befestigte Stellung bei Sadaani bezogen, in welcher er am Sonntag von den Truppen Wißmanns angegriffen wurde. Es entspann sich ein hitziges Gefecht, welches mit der völligen Niederlage der Aufständischen endete, die schwere Verluste erlitten- Banaheri selbst entkam durch die Flucht. Ein deutscher Offizier fiel, ein anderer Offizier, sowie mehrere weiße und eingeborene Soldaten wurden schwer verwundet. Leider erlagen während des Marsches ein Offizier und mehrere Soldaten Wißmanns dem Sonnenstich. — Dieser neueste deutsche Waffenerfolg dürste dem durch Banaheri nochmals emporgeflammten Araber-Aufstande in Deutschostafrika den Todesstoß beigebracht haben und steht nun wohl eine nachhaltige Beruhigung unseres ostafrikanischen Colonialgebietes zu erwarten. Als künftigen Civilgouverneur desselben nennt man jetzt Emin Pascha.
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Darmstadt, 12. März. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht: Am 12. März den Landgerichtsrath bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg Christoph Arnold zum Ersten Staatsanwalt bei diesem Gericht, am 11. März den Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen Wilhelm Keller zum Landgerichtsrath bei diesem Gericht zu eenennen.
Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 12. März. Wie die „Polit. Nachr." melden, sind die deutschen D e l e g i r t e n auf der internationalen Arbeiterschutzconferenz in Berlin: Minister v. Berlepsch, Fürstbischof Kopp, Unterstaatssecretär Magdeburg, Geheimrath Reichardt, Regierungsrath Lohmann, Bergrath Hauchercorne, bayerischer Regierungsrath Sandmann, Com- merzienrath Heyl und Fabrikbesitzer Köchlin. Conserenzsecretär ist Legationsrath Kayser.
Elberfeld, 12. März. Das Landgericht lehnte den Antrag auf Wiederaufnahme des Processes gegen den wegen Mordes verurtheilten Ziethen ab.
Barmen, 12. März. In der vorgestern und gestern abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen, vorläufig an dem Aus stände festzuhalten. Inzwischen haben Arbeiter einer weiteren Fabrik die Arbeiten bedingungslos wieder ausgenommen.
Paris, 12. März. Die Delegirten zur Berliner Conferenz wählten gestern den Gewerbeinspector Laporte, den französischen Generalconsul in Leipzig, Jacquot, und den Cabinetschef des Senatspräsidenten, Lebon, zu technischen Beiräthen.
Paris, 12. März. Nach osficieller Meldung aus Kotonu zog sich der König von Dahomey mit feiner Amazonentruppe nach Lama zurück. Der Rest der Armee verbleibt in Godomey, woselbst er sich verschanzt hat. Die gefangenen Europäer sollen von Dahomeyonen nach Widdub zurückgebracht sein.
— Der französische Dampfer „Kergueelen" ist in Klony eingetroffen.


