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Nr. 213.
Samstag den 13. September
1890
Der tzletzener Anzeiger erscheint täglich, *rtt Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Ma«itte«AtLtter Verden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal deigelegt.
Kichener Anzeiger
Keneral'-Mnzeiger.
Ätertetlähri^er ASonnementsprei^r 2 Mark 20 Pfg. uHfr Bringerlohn. Durch die Post dezogue 2 Mark 50 Pfg.
Stedacnon, Expedition und Druckerei:
-chntSratze Ar.ii. Fernsprecher 51.
Amts- und Anzeigeblutt fiw den Ttvers Gießen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de« tilgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Barm. 10 Uhr.
Gratisöeitage: Gießener Kamilienölatter
sa
OBasee
Alle Annvncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm»« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen».
AnrtlicheV Lheil.
Bekanntmachung,
die Abhaltung der öffentlichen Faselschauen betreffend.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Ken-llniß gebracht, daß in Verbindung mit der am 22 l- M. zu Hungen ftattfinden- den Viehpreisvertheilung Vormittags 9 Uhr eine öffentliche Faselschau durch die Körcommission vorgenommen werden wird. Auf dem Markt zu Gießen am 23. l- M. wird dagegen eine öffentliche Faselschau durch die Körcommission nicht abgehalten werden. Die Schau am 22. d. M- in Hungen findet nur zum Zweck der Ankörung statt. Die Körcommission wird vorzugsweise Fasel der Berner und Simmenthaler Raffe (Reinzucht und Kreuzung) und der Vogelsberger Raffe (Reinzucht) berücksichtigen und Bullen anderer Rassen nur dann, wenn die Thiere besonders schön sind.
Es werden nur solche Bullen angekört, welche entweder schon sprungfähig sind oder dies wenigstens in kurzer Zeit werden.
Die Bullen müssen an einem Nasenring geführt werden. Gießen, den 5. September 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Gießen, den 9. September 1890.
Betr.: Die Verwendung sogenannter Schlackensteine zu Massivbauten.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgerweiüereien der Landgemeinden des Kreises.
Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat durch Verfügung vom 5. l M im Einvernehmen mit Großh. Ministerium der Finanzen, Abtheilung für Bauwesen, genehmigt, daß die Schlackensteine bis aus Weiteres zu allen baulichen Zwecken Verwendung finden können, bei welchen sie nicht einem sehr hohen Druck oder einer ungewöhnlich hohen Temperatur ausgesetzt sind. Voraussetzung ist hierbei, daß bei der Herstellung der Steine die einzelnen Materialien sorgfältig verarbeitet werden und daß das fertige Material vor seiner Verwendung genügend lange Zeit bis zum Festwerden gelagert hat. Es ist demgemäß die Verwendung derartiger Steine zur Aufführung von Umfangs- und Scheidewänden an Gebäuden, zur Aufführung von gewöhnlichen russischen Schornsteinen, von Brandmauern u. dgl. im Kreise Gießen genehmigt.
o. Gagern
Bekanntmachung,
die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Groß- herzogthums betreffend.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Wetterauer Obstbauverein beabsichtigt, in Verbindung mit einer vom 2.-8. October in Friedberg stattfindenden Obst- ausstellunq eine Verloosung von Obst, Obstbäumen und Obst- culturgeräthen zu veranstalten.
Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 4000 Loose zu 50 das Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 60% des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind.
Der Vertrieb der Loose ist in den Kreisen Friedberg und Gießen gestattet.
Gießen, den 10. September 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Der landwirthschaftliche Bezirksverein des Kreises Gießen wird
Montag den 22. September 1890 in Hungen auf dem Viehmarktsplatze eine Ausstellung von Zuchtvieh, verbunden mit einer Viehpreisvertheilung veranstalten.
An derselben können sich alle im Kreise Gießen wohnenden Viehzüchter mit ihren Zuchtthieren mit Ausnahme der Viehhändler betheiligen.
Prämien werden nur für Zuchtthiere der Vogelsberger Raffe (Reinzucht) und der Simmenthaler Raffe (Reinzucht und Kreuzung) ertheilt.
An Geldpreisen hat der landwirthschaftliche Provinzialverein zur Prämiirung von Simmenthaler Vieh 300 JL und der landwirthschaftliche Bezirksverein zur Prämiirung von Simmenthaler und Vogelsberger Vieh 500 zur Disposition gestellt. Die Stadt Hungen hat noch wettere 200 zur Verfügung gestalt. Dieser Betrag kann auch zur Prämiirung von außerhalb des Kreises Gießen gezüchtetem Vieh verwendet werden.
Preise werden bewilligt:
1) für Bullen im Alter von einem Jahre und darüber, 2) für Rinder im Alter von einem Jahre ab und für Kühe jeden Alters
Rur preiswürdiges Vieh wird prämiirt. Sämmtliche auszustellende Thiere müssen bis Morgens 9 Uhr auf dem
Marktplatz zu Hungen aufgetrieben sein. Bullen im Alter von 1% und mehr Jahren müssen an einem Nasenring geführt und an demselben aus dem Ausftellungsplatze angebunden werden.
Gelegentlich der Thierschau kann die Ankörung sprungfähiger Bullen durch die Körcommission stattfinden. Es finden daher Gemeinden und Bullenhalter daselbst günstige Gelegenheit zum Ankauf von Gemeindebullen.
Gießen, den 6. September 1890.
Der Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen. Jost, Regierungsrath.
Bekanntmachung,
den Wiesengang im Jahre 1890 betreffend.
Die Stadtvertretung hat in ihrer Sitzung vom 4. l. M. die Räumung des Klingelbachs beschlossen und soll am 12 d.M. mit der Räumung begonnen werden. Es wird dies in Gemäßheit des Art. 105 des Gesetzes vom 30. Juli 1887, die Bäche und die nicht ständig fließenden Gewässer betreffend, mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Lagerung des Aushubs auf den beiderseitigen Ufern des Klingelbachs stattfinden und die Fortschaffung des von den Angrenzern etwa nicht übernommenen Aushubs bei nächst eintretendem Frostwetter auf Kosten der Stadt erfolgen soll. N
Gießen, am 11. September 1890.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Kraemer.
Der Nationaldank für Moltke.
Es gießt wohl kaum einen zweiten Mann in Europa, der mit so viel Gegnern gekämpft und der heute doch keinen Feind besitzt, außer unserem Feldmarschall Moltke. 1864, 1866, 1870, in drei Feldzügen ist Moltke eine der ersten Personen gewesen, auf zahlreichen Schlachtfeldern haben die Gegner die Genialität des deutschen Strategen kennen gelernt, der mit nie verschwindender Kaltblütigkeit Zug um Zug berechnete in dem erschütternden Schachspiel, bis aller Widerstand ein Ende nahm. Und trotz alledem erhebt sich nirgends im Auslande eine feindliche, oder auch nur mißgünstige Stimme über den hervorragenden Feldherrn, dessen Erfolge ebenso groß sind, wie seine Bescheidenheit. Moltke ist in seinem ganzen Auftreten auf das Sorgfältigste bemüht gewesen, die Person von der Sache zu trennen, und daraus erklärt es sich auch, daß selbst französische Zeitungen dem Marschall vor zwei Jahren, als der ehrwürdige Held seinen Posten als Generalstabschef der Armee seines hohen Alters wegen niederlegte, Worte wärmster Anerkennung widmeten. Die Zahl
Feuilleton.
Weiße Haare.
Novelle von H. von Ziegler.
(Fortsetzung.)
Nur der Bräutigam sah klar. Leopold v. Nordeck hatte bereits längst vor seiner Verlobung erkannt, daß Julie o. Wehlens leidenschaftliches Herz sich ihm zuneigte, er hatte die dunklen Augen Juliens bisweilen in heißer Gluth auf sich gerichtet gesehen und empfand dann jedesmal ein unbehagliches Gefühl, als drohe ihm noch später Unheil von dieser Seite her. Und als er dann seine Lilli gesunden, da war es ihm abermals zu Mmhe, als müsse er sie in die Arme schließen und an seinem Herzen schützen vor der eigenen Schwester, doch immer wieder wies er dies Empfinden von sich und suchte Julie, das seltsam verschlossene Mädchen, durch herzlich brüderliche Freundschaft näher zu ziehen — zu versöhnen mit sich und seinem Glück. Doch es gelang ihm nicht. Wohl vermochte sein ernster, fest aus ihr ruhender Blick Juliens Sarkasmus zu unterbrechen und zu ersticken, er allein hatte Gewalt über das sonderbare Mädchen, doch seinem freundlichen Näherkommen, seinem Händedruck wich sie scheu, fast erschrocken aus.
In letzter Zeit hatte Juliens Gesundheit stark zu leiden begonnen, sie wurde tagelang von den entsetzlichsten Kopfschmerzen gepeinigt, die sich mitunter bis zu krampfartigen Zufällen steigerten, bei denen die Patientin zu phantasiren begann. Nach solchen krankhaften Zufällen trat dann völlige Schwäche, fast Erschöpfung bei Julien ein, in der ihr Auge t>on einem zum andern glitt, ohne Zeichen des Erkennens.
Der Arzt schüttelte nicht unbedenklich den Kopf, sprach von nervöser Ueberreizung und rieth dringend zu einer recht baldigen Luftveränderung- doch Frau von Wehlen erklärte energisch:
„Vor der Hochzeit wird nichts daraus- bis dahin muß sich Julie zusammennehmen, denn der Mensch kann alles, was er will und kann sich auch beherrschen."
Juliens Lippen preßten sich dann immer fester auseinander und sie raffte sich scheinbar, mit neuer Kraft auf, nur der Arzt selbst sah, wie ein nervöses Zittern durch ihren ganzen Körper lies. Milder war Juliens Wesen auch nicht geworden und Lilli vertraute ihrem Verlobten ganz heimlich an, daß sie sich fast vor der Schwester fürchte, denn sie könne mitunter so zornig auffahren und wild um sich blicken.
Zärtlich tröstend drückte Leopold die Geliebte dann an sich. „Sei gut mit der armen Julie," meinte er freundlich, „sie ist lange, lange nicht so glücklich wie wir und zudem krank."
Der Hochzeitstag kam heran, warm und sonnig, voll Frühlingszauber, wie geschaffen für die liebliche junge Braut - die Kirche war festlich geschmückt, das stattliche Wehlen'sche Haus gleichfalls- überall herrschte ein frohes, festliches Treiben. Nur in Lillis trautem Mädchenstübchen war es feierlich still, die junge Braut lehnte am offenen Fenster und schaute hinaus in das Blüthenmeer, während eine Thräne an ihrer Wimper zitterte. Sie war glücklich aus vollem Herzen und dennoch ergriff sie diese Abschiedsstunde von ihrem bisherigen Mädchenleben mit ernster Wehmuth. Die Mutter hatte für Lillis innerstes Wesen kein rechtes Verständniß, denn wenn Frau v. Wehlen auch ihre Töchter herzlich liebte, so war ihrem Wesen doch die zarte Theilnahme an den Regungen des Mädchenherzens fremd. Sie wollte daher auch nichts davon wissen, als Lilli sie bat, ihr selbst den Kranz aufzusetzen und den Schleier zu befestigen.
„Ach, Kind, das hält mich unnöthig aus. Deine neue Jungfer srisirt ja so gut und wird es gewiß besser machen als ich," hatte die Mutter gesagt.
Auch Julie wollte den Liebesdienst nicht leisten- eine
dunkle Röthe überflog ihr strenges Gesicht, als. sie den Wunsch der Schwester vernahm, und dann lachte sie bitter auf.
„Nein, Lilli, das verlange nicht von mir. Es wird auch ohne meine Hilfe gehen," sagte Julie dann noch.
Auf dem Sopha lag das schimmernde weiße Seidengewand ausgebreitet, welches die schlanke Gestalt des bräutlichen Mädchens umhüllen sollte, ein flimmernder Sonnenstrahl glitt darüber hin und Lilli faltete unwillkürlich die Hände.
„O, lieber Gott," murmelte sie in zitternden Tönen, „wie soll ich Dir danken für mein Glück und seine Liebe? Ja, ich fühle es in dieser stillen Stunde, sein Glück soll meines Lebens köstlichster Inhalt sein, wenn Dein Segen mit uns ist."
Auch Julie war im Begriff, Toilette zu machen, wenn schon sie sich zum Sterben elend fühlte. In ihren Schläfen toste und hämmerte es, das Herz that ihr weh und vor ihren Augen tanzten rothe Lichterflämmchen - das Stubenmädchen hatte keinen leichten Stand, dreimal riß die Herrin zornig die vollendete Frisur herab und erst beim vierten Versuch gab sie sich zufrieden.
Endlich war Julie fertig- die lilafarbene Seidenrobe stand ihrem farblosen Gesichte nicht gut, die Theerofen ließen sie womöglich noch bleicher erscheinen als sie war und als das Mädchen gegangen, lachte Julie grell und unheimlich auf: „Haha, ich werde eine gute Folio abgeben für Lilli. Es ist ja natürlich, daß er sie wählte!"
Langsam schritt Julie zur Thür, die Schleppe ihres Gewandes rauschte knisternd hinterdrein, aber dem erregten Fräulein klang dieses Rauschen und Knistern wie Hohnlachen unsichtbarer Wesen und ein Schaudern durchflog ihre Glieder. Die Hochzeitsgäste waren bereits versammelt, daS Brautpaar ebenfalls erschienen und als nun Julie eintrat, rüstete man sich zur Abfahrt. Wie schön die holde, erröthende Braut aussah und wie hoch und stattlich der Bräutigam!


