Ausgabe 
13.7.1890 Erstes Blatt
 
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1890

Sonntag den 13. Juli

Erstes Blatt

Nr. 160

Vierteljähriger

fen

Keneral-Mnzeiger

Amts- unb Anzeiget»latt für den Ureis Gieren.

chratisöeikage: chießener Iamitienökätten [

Amtlicher» Thell.

die

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Der Himmel ist bezogen und das Wetter kühl; es klärt

an.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr.

Zu Pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Unter­schrift des Vaters ober Vormundes beglaubigt sein muß. Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme

Scl. .ZUt. boft

Die Gießener Inmitteuvkätter werden dem Anzeiger «Schenllich dreimal beigelegt.

Der chießeuer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

8900 93 93 7740 73.00

Alle Annoncen-Burcaux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

bei Leipzig benutzt und viele hundert Soldaten aller Nationen starben darin an dem furchtbar wüthenden Lazar ettyp hu:-. Auch später, als es seiner Bestimmung übergeben war, erlosch das Wochenbettfieber nicht dauernd. Das Haupt­klinikgebäude aber war als Kaserne erbaut, hoch und luftig gelegen, aber als Krankenhaus nur nothdürstig brauchbar. Ein Neubau, oder besser eine große Reihe von Neubauten war unabweisbares Bedürfniß geworden, und nun stehen wir vor der erfreulichen Thatsache, daß diese Bauten nach drei­jähriger Bauzeit beendigt sind und ihre Einweihung, die Ueberweisung zur thatsächlichen Verwendung, noch in diesem Monat stattfinden wird. Schon konnte am 24. v. M. Se. Königl. Hoheit der Großherzog Einsicht nehmen und unter Führung des geschästsleitenden Baumeisters und der Direc­toren der einzelnen Anstalten sich davon überzeugen, daß hier den strengsten und neuesten Anforderungen der Wissen­schaft in mustergiltiger Weise Rechnung getragen wurde. Auch an der Einweihung selbst wird Se. Königl. Hoheit sich nebst dem gesummten Ministerium betheiligen.

Aber welche Schwierigkeiten waren auch zu überwinden, um dieses Ziel endlich zu erreichen. Die Auswahl des Platzes, die Verhandlung mit den Ständen, welche die P/2 Millionen zu verwiegen hatten und auch verwilligten, dann die Verhandlungen mit der Stadt über Grund und Boden, die Baupläne, die immer wieder umgeändert und verbessert wurden, die Versorgung der Anstalten mit Wasser, die bis ins Kleinste durchdachte innere Einrichtung der ver­schiedenen Anstalten, um diese so zweckentsprechend als nur irgend möglich zu gestalten wieviel Geistesarbeit, wieviel gereifte Erfahrung war nöthig, um endlich das zu erreichen: eine Reihe von Anstalten, die aufs vollkommenste ihren Zwecken entsprechen und von anderen Klinikbauten vielleicht an Größe, gewiß aber nicht an Zweckmäßigkeit der inneren Einrichtung übertroffen werden. Und so erscheint die An­nahme keineswegs gewagt, daß diese so außerordentlich ver­vollkommneten Lehrmittel in Verbindung mit den seither schon vorhandenen ausgezeichneten Lehrkräften zur Hebung des medicinischen Studiums sehr wesentlich beitragen müssen.

Die klinischen Neubauten bestehen aus der medicinischen Klinik, der gynäkologisch-geburtshilflichen Klinik, dem patho­logischen Institut, einer Jnfectionsbaracke und einer Anzahl zur Verwaltung und Verpflegung nöthigen Bauten, als da sind Verwaltungsgebäude und Apotheke, Küche, Eishaus und Maschinenhaus. Dazu kommt noch ein Wohnhaus ftir den Director der Frauenklinik^ ein solches für den Leiter der internen Klinik ist in Aussicht genommen. Für die Neu­bauten einer psychiatrischen Klinik ist das Geld bewilligt und der Platz unweit der vorerwähnten Klinikbauten bestimmt, aber noch keine endgiltigen Baupläne entworfen. Die chirur­gische und ophthalmologische Klinik bleiben vorerst noch in ihren alten Räumen und haben Gelegenheit, sich mehr als seither nach Bedürfniß auszudehnen.

Dieser Complex von z. T. sehr ausgedehnten Gebäuden liegt aus der Höhe des Seltersberges frei und luftig und bieten die oberen Räume eine herrliche Aussicht, was auch für Genesende nicht genug zu schätzen ist. Die weiten Räume zwischen den einzelnen Gebäuden werden als Garten an­gelegt.

Eine genaue Schilderung aller Einrichtungen muß fach­männischer Seite überlassen werden,- unsere Aufgabe ist hier nur, auch weiteren Kreisen den Beweis zu liefern, in wie vollkommen zweckentsprechender Weise die neuen Anstalten ihrer doppelten Aufgabe gerecht werden, nämlich einmal nach ihrer ganzen Einrichtung vollendete Krankenhäuser zu sein, die allen heutigen Erfordernissen vollkommen entsprechen, dabei aber auch ihren Zweck als Lehrinstitute für werdende Aerzte vollkommen erreichen.

Das nordöstlichste der zahlreichen Gebäude, die medi- cinische Klinik, ist zweistöckig und in Gestalt eines lateinischen H gebaut. Der Querschenkel, der den Mittelbau bildet, dient fast ausschließlich Unterrichtszwecken- an ihn schließen sich nach der vorderen Straße und der Hinteren Gartenseite vier Pavillons mit je einem Krankensaal in jedem Stockwerk für je 10 Personen und den dazu gehörigen Hilssränmen. Alle Fenster sind doppelt verglast und mit Jalousien ver­sehen. Auf drei Seiten vollkommen frei, sind diese Bauten für Licht, Wärme- und Ventilations-Bedingungen so günstig wie möglich gelegen. Die Schmalseite eines jeden Kranken­saales läuft in eine große Veranda aus, auf welcher sechs Betten bequem stehen können. Auf diese Weise ist die Mög­lichkeit geboten, auch Schwerkranken, welche daö Bett nicht verlassen können, den Aufenthalt in frischer Luft zu gewähren. Auf jeden Pavillon kommt in jedem Stockwerk ein Bade­zimmer und eine Aborteinrichtung, so daß also für die Kranken im Ganzen 8 Badezimmer benutzbar sind. Neben jedem der-

1890- 21950 196 00 M 16150

ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereit­willigkeit den FreiwMgen während einer ein­jährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrig­keitlich zu bescheinigen;

ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Real­gymnasien, Ober-Realschulen, Progymnasien, Real­schulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und den sonstigen mllitärberechtigten Lehranstalten) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist;

Gießener Anzeiger

402 29 20687 '62.00 13700 3930 164.90 141 82.70

, 11. J"

sich auf. DerHohenzollern" fährt über Bergen nach Gud- wangen, um dort den Kaiser zu erwarten.

Rom, 11. Juli. DieRiforma" sagt heute bezüglich des deutsch-englischen Abkommens, augenscheinlich seien die Gebiete südlich und westlich vom Gjuba-Flusse bis zu den Grenzen des Galla-Landes und Abessyniens für Eng­land reservirt, während die Gebiete nördlich und östlich dieser Linie, einschließlich des Somali-Landes, Italien zugehören. Durch Vereinbarung zwischen Italien und England sei außer der Verwaltung Italien, gemeinschaftlich mit der englischen Kismaju-Gesellschast, freie Schifffahrt auf dem Gjuba-Flusse nebst seinen Zuflüssen zugesichert, um Italien den freien Ein­tritt in feine Einflußsphäre zu ermöglichen.

Madrid, 11. Juli. Die So cialist en beabsichtigen, am Sonntag ein Meeting abzuhalten, um gegen die von den Arbeitgebern auferlegten unannehmbaren Bedingungen zu mnnifeftiren. Wie verlautet, kamen in der Provinz Valencia sechszehn Cholera-Erkrankungen und dreizehn Todesfälle vor.

Mexiko, 11. Juli. Die Zustände in San Salvador sind anarchisch. General Ezera hält die Hauptstadt mit einer bewaffneten Truppe, und Banden von Anhängern der ver­schiedenen Prätendenten durchziehen das Land. Es haben be­reits mehrere kleine Gefechte stattgefunden.

Neueste Nachrichten.

DotffS kclkgraphücheS Torrespondenz-Burcau.

Berlin, 11. Juli. DerReichsanzeiger" meldet, Prinz Heinrich ist mit derIrene" aus dienstlicher Veranlassung am 8. Juli in Kiel eingetroffen. Das Schiff geht am 12. Juli wieder in See, um zur Manöverflotte zu stoßen. Die umlaufenden Nachrichten, welche das Eintreffen des Prinzen mit der Erkrankung der Prinzessin verknüpfen, be­ruhen auf Erfindung.

Gefunden: 1 Peitsche, 2 Fahnenstangenknöpfe, 1 Hand­schuh, 1 Kinderhemd, 1 Ring, 1 Körbchen, 1 Sonnenschirm, 1 Taschentuch, 1 Paar Strümpfe, 1 Zwicker, 1 Regenschirm, 1 Halstuch.

Augeflogen: 1 Kanarienvogel.

Gießen, am 12. Juli 1890.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

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Nr» 5793 an die Exped.

Die neuen Klinikbauten in Gießen.

Die medicinische Klinik.

Wie hat sich im Laufe dieses Jahrhunderts unsere alte Universitätsstadt verändert. Die Festungswerke sind längst gefallen, aus einem armen spießbürgerlichen Landstädtchen wurde ein wichtiger Knotenpunkt des Verkehrs und die Bauten rückten immer weiter in allen Richtungen nach außen. Die Einwohnerzahl verdreifachte sich. Damit Hand in Hand mußten natürlich die Ansprüche au die Hochschule wachsen. Das erste Universitätsgebäude, stilvoll, mächtig, massiv, wurde durch ein neues ersetzt, groß, aber nüchtern und armselig. Aber auch dieses genügte nicht mehr und so steht jetzt schon das dritte im Gebrauch. Das chemische Laboratorium, zu Liebigs Zeit berühmt in der ganzen Welt, war unhaltbar geworden und wurde durch ein neues ersetzt, das in der Zweckmäßigkeit seiner Einrichtung von keinem anderen, wenn auch größeren, übertroffen wird.

Am stiefmütterlichsten aber waren die verschiedenen Klinik­bauten der Hochschule bedacht. Der älteste aus unserem Jahrhundert, die Frauenklinik, wurde zuerst nach der Schlacht

flößte

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1.

das Schulzeugniß.

Sodann wird noch besonders bemerkt:

der Reisezeugniffe für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reisezeugniffe für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen, sämmtlich nach dem Schema 18 zur Wehr-Ordnung vom 22. November 1888 Reg.-Bl. Nr. 5 von 1889 ausgestellt sein müffen.

Im Uebrigen wird aus die Bestimmungen der §§ 88, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen. Gtoßh. Prüfungs - Commission

für einjährig Freiwillige zu Darmstadt.

Der Vorsitzende: Dr. Zeller.

DerReichs - Anzeiger" publicirt den Nieder­lassungsvertrag mit der Schweiz.

Berlin, 11. Juli. Weber, der Präsident der New- yorker Independent-Schützen, erhielt ein kaiserliches Dank­schreiben für das Begrüßungstelegramm bei der Feier des 4. Juli.

Danzig, 11. Juli. Der Magistrat und die Stadtver­ordneten beschlossen einstimmig, das Rücktritt sg esu ch des Oberbürgermeisters v. Winter zu genehmigen und dem­selben in dankbarer Anerkennung der unvergänglichen Ver­dienste v. Winters um die Stadt Danzig das volle Gehalt von 18 000 Mark als Pension zu belassen, sowie das Ehren­bürgerrecht zu verleihen.

Kiel, 11. Juli. Anläßlich des Geburtstages der Prin­zessin Heinrich sind Häuser und Schiffe geflaggt. Mittags stellte sich die Besatzung derIrene" in dem inneren Schloß­hofe auf. Prinz Heinrich wies in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung des Tages hin und brachte ein drei­faches Hurrah auf die Prinzessin aus, welche von der Schloß- terraffe zusah.

London, 11. Juli. Die Königin verlieh Stanley ihr Miniaturporträt mit Brillanten in Anerkennung seiner Verdienste als Afrikaforscher. Der Generalpostmeister empfing heute eine Briefträgerdeputation. Es ist wahrscheinlich geworden, daß in Folge des günstigen Ein­drucks, den die Beamten bei diesem Empfange erhielten, ein allgemeiner Strike der Briefträger nicht ausbricht, sondern die Krisis beseitigt ist.

London, 11. Juli. Der Verband der Londoner Brief­träger macht mittels verteilter Zettel bekannt, er habe einen allgemeinen Strike beschlossen, bis den Briefträgern das Versammlungs- und Vereinsrecht zugestanden ist.

London, 11.Juli. Das Oberhaus erledigte in feiner heutigen Sitzung debattelos die Einzelberathung der auf die Abtretung Helgolands bezüglichen Bill.

Eide, 11. Juli. Der Kaiser trat heute früh um 8 Uhr eine Carriolsahrt über Voffewangen nach Stahlheim

Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redactton, Expedition und Druckerei:

Schurstraße Zlr.1. Fernsprecher 51.

Bekanntmachung,

Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwMgen Dienst auf Grund von Schulzeugnissen betreffend.

Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwMgen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgen­den, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvoll­ständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden.

1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Commission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen gestel­lungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat.

2) Die Berechtigung zum einjährig freiwMgen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet.

Der Nachweis der Berechtigung zum ein­jährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen.

3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben fein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch erscheint es zweck­dienlich, wenn die nähere Adresse angegeben wird.

4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

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den 16. Juli 1890, mittags 5 Uhr, Stadtkirche ter Leitung livertitate - Musikdirectors Wolf Felchner.

wirkende: k-Lechner aus Karlsruhe Sopran), ckow aus Berlin (Tenor), Ch aus Giessen (Orgel), Gesangverein und das

, Künstler verstärkte nsorchester.

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htigks Mädchen, weW hat, per August gesucht.

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