Ausgabe 
13.6.1890
 
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meister Heussenstcumrr erklärte, der Magistrat habe in der Sache bereits vertrauliche Berhandlungen gepflogen und Oberbürgermeister Miquel betreibe die Sache in Berlin. Es wurde schließlich eine Resolution gefaßt, worin die Bahn Frankfurt-Stockheim für Wünschenswerth erklärt wird.

* Marburg, 7. Juni. Heute Morgen um 4 Uhr, also zu einer Stunde, wo die Bewohner unserer Stadt noch im tiefsten Schlaf zu liegen pflegen, hielt vor einem der größten Hutgeschäfte in der Wettergasse plötzlich eine leere Landchaise. Gravitätisch stieg der Kutscher vom Bock und kl^fte an die selbstredend um diese Zeit noch geschlossenen Arden. Er klopfte, stampfte den Boden und schellte so wohl elfte Viertel­stunde lang, sodaß ob dieses Lärms die ganze Nachbarschaft aus süßem Schlummer erweckt wurde, erschreckt aus den Betten an die Fenster eilte und hier nun geduldig in verzeihlicher Neugier ausharrte, um die gewiß wichtige Veranlassung dieser nächtlichen Ruhestörung zu erfahren. Endlich öffneten sich in dem beklopften Hause drei Fenster gleichzeitig und man fragte den biederen Nosselenker nach seinem Begehr.En annere Hout will äch hun!" antwortete dieser gelassen und nahm dabei seine eigene, einem respectablen Kutscherhute allerdings wenig ähnelnde Kopfbedeckung zur Bekräftigung seiner Worte in die Hand. Ein heftiger Klaps und alle Fenster flogen enttäuscht zu, während unser Rosselenker, unverständliche Worte murmelnd, mit bärbeißigem Gesichte zur Stadt wieder hinauskutschirte.

Reue Schilderhäuser. Wie Berliner Blätter erfahren, beabsichtigt das Kriegsministerium, eine neue Art Schilder­häuser im Wachtdienst einzuführen. Die bisherigen sind, wie bekannt, viereckig und feststehend, die neuen, von denen Proben schon angefertigt werden, sind abgerundet und drehbar, so daß es dem schildernden Posten, der bei Regenwetter das Schilderhaus benutzt, möglich ist, dasselbe so zu drehen, daß der Eingang gegen Wind und Regen geschützt ist.

* In Gotha machte ein Soldat, der einem Kameraden den Brustbeutel mit 90 Pfg. entwendet hatte, aus Furcht vor Strafe den Versuch, an einem Baume hinter der Kaserne sich aufzuhängen, stürzte jedoch herab und brach das Genick.

UnweMtSts -

Marburg, 11. Juni. Der Herr Cultusminister hat an die llniversitätscuratoren unter dem 2. Juni 1890 nachstehenden Erlaß gerichtet:Ich bestimme hierdurch was folgt: 1. Die Universitäts­

lehrer find verpflichtet, in allen Fallen, in welchen sie, sei es durch eigene Wahrnehmung oder auf andere Weise zu der Ueberzeugung gelangen, daß ein Studierender die Vorlesung überhaupt nicht oder nur mit wesentlichen Unterbrechungen besucht hat, die Bescheinigung der Abmeldung (S 15, erster Absatz, der Vorschriften der Studieren­den der Lendesuntoersitäten rc. vom 1. October 1879) zu versagen. Wird die Bescheinigung versagt, so darf die Vorlesung im Abgangs­zeugnisse nicht vermerkt werden (S 15, letzter Absatz, der angeführten Vorschriften). 2. Bet seminaristischen und sonstigen Uebungsvorles- ungen 'haben die Universitätslehrer den Studierenden auf deren Er­suchen eingehende Zeugnisse über Fleiß und Leistungen auszustellen. Diese Zeugnisse sind auf Antrag der Studierenden den Abgangs­zeugnissen unter entsprechender Verweisung bei dem Vorlesungsem- trage betzuheften."

Verkehr, Land« nnd Volkswirthscbafl.

Die pünktliche «n-HLndignng von Postsendungen nach solchen Ländern, in weichen die demsche Sprache wenig ober gar nicht gebräuchlich ist, wird wesentlich dadurch gefördert, wenn in der Aufschrift der Sendungen die Sprache des Bestimmungslandes oder doch eine dort bekannte Sprache angewandt und die Aufschrift in lateinischen Schrifizügen abgefatzt wird. Die Adressaten müssen zwar thunlichst bestimmt bezeichnet, alle nicht unbedingt nothwendtgen Zusätze aber vermieden werden.

Limburg 11. Juni- (Fruchtmarkt). Rother Weizen X 18.60, weißer Weizen Jt., Korn 13 95, Gerste JL 11.80, Saat- @erfte JL 00.00, Hafer JL 8.80, Erbsen v* 00.00, Kartoffeln JL 0.00.

18. und 19. November, 9. und 10. December. j

Viehmärkte:

8. und 9. Juli,

19. August,

23. September.

K ram- und Viehmärkte:

24. und 25. Juni,

22. und 23. Juli,

$5. und 6. August,

2. und 3. September,

21. und 22. October,

Im Jahre 1890 finden in Gießen die Krämer- «ud Viehmärkte wie folgt statt:

Bedingungen zur Erzielung einer gesunden Milch in einer Meierei. (Nachdruck verboten.)

1. Nur Milch von völlig gesunden und kräftig ernährten Kühen darf verwendet werden. Eine gewählte Gesundheits-Eommission soll das Vieh jährlich mehrere Mate untersuchen; dieselbe soll das Recht haben, verdächtige Kühe auszuschlietzen.

2. Ausschließung dec Milch in den ersten acht Tagen nach dem Kalben, also der sog. Beestmilch, welche eine unappetitliche und ab­führende Eigenschaft besitzt. ,, _ ,,

3. Ausschließung der Milch hochträchtiger Thiere, also solcher Thiere, die nur noch acht Wochen vor dem Kalben stehen, weil deren Milch ebenfalls oft ungünstige Eigenschaften besitzt, dickflüssig, zuweilcn röthltck und von einem unangenehmen, strengen und bitteren Ge­schmack ist.

4. Ausschließung jeder Milch, die infolge sonstiger unbekannter Umstände krank ist, schlecht riecht und schmeckt.

5. Durch Fütterung nur solcher Futterstoffe, welche einen günstigen Einfluß auf die Milchgüte besitzen.

6. Durch peinlichste Reinhaltung der Milcheimer, Transport- kannen und durch peinlichste Behandlung derselben in der Meierei selbst, durch Kühlen und sonstige Behandlung, um sie gut zu con- serviren. Die Milch ist bekanntlich ein höchst pinibles Product, welches schon durch mehrstündiges Stehen in einem wenig gelüfteten Raume ungünstige und widerliche Eigenschaften annimmt.

7. Milch für Säuglinge. Zu diesem Zweck sollen die besten Kühe im besten Alter mit den gesundesten Nahrungsmitteln vor­schriftsmäßig ernährt werden, unter Berücksichtigung, daß weder Milch von ganz frisch melkenden noch altmelkenden Kühen genommen wird. Bekanntlich hat man in der Aufbesserung der Milchverhältmsse eines der wirksamsten Mittel im Kampfe gegen die große Kinder­sterblichkeit der Städte erkannt.

Verwendung des Kampfers in der Thierheilknnde.

(Nachdruck verboten.) , v

1. Der Kampfer wirkt ungemein belebend, wird deshalb zunächst bei alten Leiden mit allgemeiner Lebensschwäche angewandt und zwar gibt man einem erwachsenen Rind 5 Gramm.

2. Bei krampfhaft gesteigertem Geschlechtstrieb werden Gaben bis zu 25 Gramm verabreicht.

3. Bet Quecksilbervergiftungen oder Vergiftung mit Cantarinen ist Kampfer ein gutes Gegenmittel.

4. Am häufigsten werden wir den Kampfer äußerlich anwenden können als erregendes, flüchtiges Reizmittel, z.B. bei Schulterlähme, Rheumatismus. Der Kampfer wird auf einen kleinen Wolllappen gegossen und damit tüchtig eingerieben ober aber es wird eine Salbe (Opodeldok) hergestellt, bestehend aus 10 Theilen Salmiak, 40 Thetlen Spiritus, 4 Thetlen weißer Kalisalbe und 1 Thetl Kampfer; mit dieser wird die Stelle, zu der der Blutstrom hingeleitet werden soll, beschmiert.

Chlorkalk als Jnseclerivertilgungsmittcl. (Nachdruck verboten.) Der Chlorkalk kann zur Vertilgung der Fliegen im Stalle gebraucht werden. Man streut zu dem Zweck 'leine Portionen auf die vorspringenden Enden der Stallbalken. Ebenso wendet man den Chlorkalk mit Vortheil in Gemüsegärten an, um die Pflanzen vor Schnecken und Eierablagerung durch Schmetterlinge zu schützen.

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Temperatur der §ahu und der Luft am 12. Juni, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15, Lust 11 Gr.

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Friedrich Kühne senior, WaMhorstraße.

Bekanntmachung.

Damit die zum weiteren Ausbau der Stadtfernsprecheiurichtuug in Gießen erforderlichen VorbereitustgTarbeiten rechtzeitig in Angriff genommen werden können, werden diejenigen Personen, welche ihre Woh­nungen bezw. Geschäftsräume rc. im Laufe dieses Jahres mit der genannten Stadtfernsprecheinrichtung verbinden wollen, ersucht, ihre Anmeldungen recht bald, spätestens bis zum 1. Juli d. Js. an das Kaiserliche Postamt in Gießen einzusenden. L # i

Nur für die bis zu diesem Zeitpunkt eingegangenen Anmeldungen kann, die Herstellung der Anschlüffe für den II Bauabschnitt des laufenden Jahres in Aussicht gestellt werden Verspätet angemeldete Anschlüffe können erst im| nächstjährigen I. Bauabschnitt zur Aussührung gelangen.

Darmstadt, den 5. Juni 1890.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector.

Clavel.

Zahlreiche

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66

Verkauf in allen Apotheken und Droguen-Handlungen.

Das Haus Nestle hat an der Pariser Weltaus­stellung 1889 die höchsten Auszeichnungen, einen GROSSEN PREIS und eine GOLDENE MEDAILLE

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Mr Errichtung eines Aentumls für üllistr Friedrich bei Wörth.

Der Gedanke, dem dahingegangenen Kaiser Friedrich ein Denkmal zu errichten auf der Wahlstatt bei Wörth, hat allenthalben im deutschen Volke begeisterten Anklang gesunden, entspricht es doch einem tief empfun­denen Bedürsniß, auch äußerlich für alle Zeiten im Denkmal festzuhalten das Bild des als Fürst und Mensch so hoch Gestandenen, allzufrüh uns Entriffenen.

Und so groß und bewundernswerth auch der edle Dulder erscheint, für die Dauer soll doch nur seine herrliche Heldengestalt uns vor Augen gestellt sein:Unser Fritz", so wie er in voller Manneskrast unter uns gewellt, wie er im Drang des Kampfes die deutschen Stämme Schulter an Schulter vereint und in seinem Theile mitgewirkt hat an der Wiedererrichtung des deutschen Reiches.

Auf der Kampsesstätte von Wörth, wo unter seiner Führung der erste, große Sieg erfochten ward, wo aber auch die Schrecken des Krieges das tiefe, menschliche Fühlen des Siegers zum versöhnenden Ausdruck gebracht, soll dieses Denkmal sich erheben, und aller Orten haben bereits Gemeinden, Vereine und Einzelne die Gaben zusammengetragen, um daraus ein Werk zu schaffen, würdig des Dahingegangenen, würdig seines getreuen Volkes.

Auch an die Vertretung unserer Stadt ist die Aufforderung heran­getreten, dazu einen Beitrag aus städtischen Mitteln in Aussicht zu stellen; sie hat es aber nicht für angemeffen erachtet, in dieser Form unsere und unserer Mitbürger Theilnahme an der Errichtung solchen Denkmale- zu bethätigen, sie wollte vielmehr einem Jeden in unserer Stadt Gelegenheit geben, nach freiem Belieben feine Gabe beizusteuern.

Darum hat die Stadtverordneten-Versammlung sich selbst als Orts- ausschuß geblldet zur Sammlung von Betträgen für dieses Denkmal; alle Mitglieder derselben sowie die Expeditionen der hiesigen Zeitungen sind bereit, für diesen Zweck innerhalb der nächsten drei Wochen freiwillige Gaben in Empfang zu nehmen, vorbehälllich späterer Rechnungslegung.

Wir hoffen, damit den Wünschen unserer Mttbürger gerecht geworden zu sein und ersuchen um Zuwendung von Gaben.

Gießen, den 6. Juni 1890.

Preis verkauft bei

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Neuenweg 15.

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Gießen und Namens derselben Der Bürgermeister Gnauth.

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