1890
Donnerstag den 13. März
Rr. 61
Gießener Anzeiger
rer
Kenerat-Wnzeiger
Arnts- unb Anzeigeblatt für den Nveis Gieren.
chratisöeikage: Gießener Aamilienölatter
] weigern, die Demission zurückzuziehen und wäre demnach der Zwischenfall, der anscheinend jedoch keine politische Bedeutung
2lmtlid?er Theil
besitzt, noch nicht beigelegt. — Neueren Meldungen aus Rom
zvr
die
Major
Labinets nennt man jetzt neben dem Ackerbauminister Grafen
JIM«*»0-
ff
die
wurden Unter
§
1-
Tnuahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Die Gießener
Wamikieußtäiier «erden dem Anzeiger vSchentüch dreimal beigelrgt.
zufolge hat Biancheri feine Demission zurückgenommen.
Der serbische Minister des Innern, Tausanowitsch, de- missionirte wegen der Angelegenheit der Staatsrathswahl. Ueber seinen Nachfolger ist noch nichts bekannt, doch nimmt man in Belgrader politischen Kreisen vielfach an, Tausanowitsch werde sich bestimmen lassen, seine Demission zurückzuziehen, da in der Frage der Staatsrathswahl ein Compromiß zwischen Regierung und Regentschaft zu Stande gekommen ist.
bei terschutzgesetzgebung zum Gegenstände gehabt. Als Frucht 'dieser Conserenz bezeichnet man einen Gesetzentwurf, betreffend
Der chäeheuer Anzei-er erscheint täglich, mit Ausnahme de- Montags.
versammelt. Erst am vorigen Samstag fand wiederum eine Vinndesrathssitzung statt, und wurde in derselben über die Ztuecks Ausfiihrung des Alters- unLl Jnvaliditätsversicherungs- gesetzes zu bildenden Versicherungsanstalten, außerdem in mehreren Zoll- und Steuerangelegenheiten, Beschluß gefaßt.
Die Conferenzen preußischer Fabrikinspectoren, welche kürzlich in Berlin unter dem Vorsitze des Handelsministers v. Berlepsch abgehalten wurden, haben die Frage der Ar-
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
in allernächster Zeit dem Bundesrathe zugehen und würde ’’ er wohl als eine der ersten Vorlagen für den neuen Reichstag ju betrachten sein.
Die Meldungen über eine Verschiebung der Berliner Ar- Killerschutzconserenz scheinen nicht begründet zu fein und steht
Plüskow, welcher die von Kaiser Wilhelm dem Sultan geschenkten Pferde und Trommeln hierher gebracht, ist vorgestern in Begleitung eines Tambourmajors und zweier Unteroffiziere hier eingetroffen und von Palastbeamten am Bahnhofe empfangen worden. Heute Abend wird der Sultan die übersandten Pferde und Trommeln in Empfang nehmen. Plüskow wird später im Palais einem Diner zu Ehren der Botschafters v. Radowitz beiwohnen, welcher Donnerstag Abend zu einem dreiwöchentlichen Urlaub nach Deutschland abreist.
Konstantinopel, 11. März. Wie die „Agence de Con- stantinople" erfährt, hätten die Bemühungen Bulgarien- wegen Anerkennung des Fürsten Ferdinand gegenwärtig bei der Pforte keine Aussicht auf Erfolg,- eine diesbezügliche Unterredung des Großvezirs mit Vulkowitsch sei nicht ermuthigend gewesen.
Cairo, 11. März. Vincent ist heute nach Konstantinopel abgereist.
Newyork, 11. März. Faulb ee, welcher am 28.v, M. von Kincaid in den Wandelgängen des Repräsentantenhauses durch einen Revolverschuß verwundet wurde, ist demselben heute erlegen.
Zanzibar, 11. März. Wißmann zersprengte am 8. und 9. März die letzte der von Beanaheri gesammelten Truppe. Der Feind hatte 40 Todte, deutscherseits 1 Europäer todt, 5 Farbige verwundet.
Belgrad, 11. März. In den Staatsrath gewählt zehn Radicale, fünf Liberale, ein Neutraler, den Gewählten befinden sich sechs Minister.
Konstantinopel, 11. März. Der preußische
Nerrefte Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 11. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet Gerüchte, Fürst Bismarck habe während der Verhand-
dic gänzliche Umgestaltung der Bestimmungen der Reichsge- ive-rbeordnung vom 1. Juli 1883 über die gewerblichen Arbeiter, dessen grundlegende Gedanken bereits im preußischen Sl aatsrathe aufgestellt worden sind. Der Entwurf soll schon
Einladung Wahl deS Vorstände- d-r israelitischen NeligionSgemeinde zu Gießen.
um balbigtn 9hdtM ltrrg fltW
_____Slug. M
Es wird zur Kenntniß der Interessenten gebracht, daß, da dk Dienstzeit des Vorstandsmitgliedes Meyer Homberger atHelaufen ist, die Wahl eines neuen Vorstandsmitgliedes der israelitischen Religionsgemeinde zu Gießen
Donnerstag den 20. März 1890
in dem Saale des alten Rathhauses dahier stattfinden soll.
Sämmtliche nach § 2 der Wahlordnung vom 4. August 1871 Stimmberechtigten werden zur Wahl mit dem Bemerken emgeladen, daß die Abstimmung Vormittags von 9—12 Uhr urJb Nachmittags von 3—5 Uhr stattfinden wird.
Gießen, den 10. März 1890.
Der Wahlcemmissär: Steinberger, Regierungsaccessist.
Holdreick $Ä* -ilberrente ienl lU-
lungeu des Staatsraths gegenüber den socialpolitischen Anregungen eine ablehnende Haltung beobachtet, als jeder that- sächlichen Begründung entbehrend. Im Verfaffungsstaate nehme ein activer Minister an den Sitzungen des Staatsraths zu seiner Information theil, ohne sein dem Ministerconseil vorbehaltenes Votum festzulegen. Dies gelte auch für die Plenarsitzungen des Staatsraths, in verstärktem Maße aber für die Sitzungen der Abtheilungen, denen die Minister gar nicht angehörten. Der Ministerpräsident habe thatsäch- lich an den jüngsten Berathungen des Staatsraths keinen activen Antheil genommen; der ersten Sitzung der Ausschüsse habe er als Vicepräsident des Staatsraths beigewohnt, sich aber jeder Meinungsäußerung enthalten. Die Behauptung, Fürst Bismarck habe gegenüber den socialpolitischen Anregungen eine ablehnende Haltung beobachtet, sei also willkürlich erfunden.
Berlin, 11. März. Der „Schles. Ztg." gehr, wie sie schreibt, von sonst gut unterrichteter Seite die folgende Mit- .theilung zu: „Fürst Bismarck hat seine Absicht, aus dem kaiserlichen und dem königlichen Dienste auszuscheiden, gutem Vernehmen nach noch nicht aufgegeben. Es wird angenommen, daß der Großherzog von Baden bei seiner jetzigen Anwesenheit in Berlin den Versuch machen werde, in vermittelndem Sinne zu wirken und den Reichskanzler zum Bleiben zu bewegen. Einer in informirten Kreisen verbreiteten Lesart zufolge ist bei der Erörterung der Frage des Ausscheidens des Kanzlers aus dem Dienste auch die Theilung seiner jetzigen Befugnisse zur Sprache gekommen, die Bundes- sürsten jedoch haben sich mit Entschiedenheit im Sinne einer Nichtänderung der Verfassung ausgesprochen.
Barmen, 11. März. Die Riemendrehergesellen von sieben Fabriken haben die Arbeit bedingungslos wieder ausgenommen, nachdem sich auswärtige Arbeitskräfte zahlreich gemeldet hatten.
Barmen, 11. März. Eine zahlreich besuchte Versammlung der strikenden Gesellen nahm folgende Resolution an: Die heute am 9. März in der „Schützenhalle" tagende Riemendreher-Versammlung erklärt sich mit zehnstündigem Normalarbeitstag und Minimallohn von 18 Mk. einverstanden und verspricht, diese Forderungen mit allen gesetzlichen Mitteln durchzuführen. Ein Riemendreher-Fachverein wurde beschlossen. Im Nothfalle soll das dem Verein .gehörige Vermögen zu Gunsten der Strikenden verwendet werden. Gestern haben sich die Gesellen dreier größerer Firmen ebenfalls der Bewegung angeschlossen.
München, 11. März. Die Handelskammer, der Gewerbeverein und der kaufmännische Verein proteftirten in gestern abgehaltenen Versammlungen gegen das bayerische Waarenhaus für Offiziere und Beamten, welches laut der „Allgem. Ztg." bereits am 10. October v. Js. ins Handelregister eingetragen wurde und zwar mit vollbezahlten 5,000,000 Mk.
Pest, 11. März. Dem „Pester Lloyd" zufolge würde sich das von Szapary zu bildende Cab in et am Ende der Woche dem Parlamente vorstellen. Da Teleky aus dem Ministerium ausscheidet, dürfte dem Obergespan Grafen Zichy das Ministerium des Innern angeboten werden.
Paris, 11. März. Nach dem „Echo de Paris" nahmen die Artillerie- und Cavallerie-Commissionen den kleinkalibrigen Repetircarabiner an, welcher für sämmtliche berittene Truppen geeignet ist. Die Herstellung des Carabiners beginnt Anfangs Mai in der Waffensabrik St. Etienne.
Paris, 11. März. Heute Nachmittag 4 Uhr versammelten sich die D e l e g i r t e n zur Berliner C o n s e r e n z im Ministerium des Aeußern unter dem Vorsitz Spullers behufs Wahl der technischen Delegirten, welche ihnen beigegeben werden sollen. Dieselben nehmen nicht an den Berathungen Theil und werden nur den Conferenz-Delegirten die nöthigen
aber
. Mrboli ffiefl **naH»*
SÄ**
Zzapary auch den Cultusminifter v. Csaky.
In Frankreich haben am Sonntag wiederum eine Anzahl ^Nachwahlen zur Deputirtenkammer stattgesunden. Es wurden hierbei ein Boulangist, ein Monarchist und ein Republikaner- gewählt, während in zwei Wahlkreisen, den beiden Toulouser, nigere Wahlen stattfinden müssen, das eine Mal zwischen einen Socialisten und einem Boulangisten, das andere Mal fischen einem Socialisten und einem Monarchisten. Auch die'se jüngsten Nachwahlen sind demnach keineswegs günstig für: die französische Republik ausgefallen und vermuthlich wird ihr- diese unangenehme Erfahrung auch bei den ferneren Nachwahlen zur Deputirtenkammer, die sich infolge der Ungültig- läaserklärung zahlreicher monarchistischer Mandate seitens der republikanischen Kammermehrheit nöthig machen, nicht erspart bleuben.
In der italienischen Deputirtenkammer ist es zu einer Pr-äsidentencrisis gekommen, da der erste Präsident Biancheri, infioige von Aeußerungen des Ministerpräsidenten Crispi, durch bie er sich in seiner Amtsführung gekränkt fühlte, seine Ent- iasssung gab. Crispi ersuchte hierauf die Kammer, die De- uisssion des Präsidenten nicht anzunehmen und das Haus gab biefjem Anträge einstimmig nach. Biancheri soll sich indessen
Öffnung nb beginnt von da hüt.
Bertranä
vierteljähriger Avomre«e«tspretA- 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch hie Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Rebaction, Sxpediti« und Druckerei:
KchntstraßeAr.I.
Fernsprecher 51.
^deutlicher Bursche, ck verflehi, findet Stelle ui.
_____LitbiM
politische lieh erficht.
Gießen, 12. März.
Die Wintersession des Bundesrathes zieht sich diesmal
totale» tinö provinzielle».
Siegen, 12. März.
— A« Samstag den 8. d. Mts. fand in Darmstadt
Generalversammlung »es Knnsiveremr fit »nt 6r»i-
MH« bei dm W tatet« unb ®*t«> -Mn, sowie Men, W ;ra Seite ö*
Informationen liefern. Außerdem werden sich die Delegirten heute über verschiedene Conserenzsragen verständigen. Die Delegirten, sowie die beigegebenen Techniker reisen morgen Abend ab.
London, H. März. Die Regierung des Caplander baut gegenwärtig, wie das Bureau Reuter meldet, eine Eisenbahnlinie, welche Bloemfontein mit dem eigenen Eisenbahnnetz verbindet und sich bis Johannisburg ausdehnt. Dadurch wird eine Eisenbahnverbindung zwischen Johannisburg und dem Meere hergestellt.
London, 11. März. Jrn Unterhause erklärte Smith bei Ernennung der Vertreter für die Berliner Conserenz, daß keine besondere Klasse, sondern Personen gewählt worden seien, die sich zur Erörterung der dort entstehenden Fragen gut eignen.
Cardiff, 11. März. Weiteren Meldungen zufolge ist die Kohlengrube Morpha in Brand gerathen. Die Rettung der Verschütteten ist hierdurch aufs Aeußerste gefährdet.
Madrid, 11. März. Der deutsche Botschafter überreichte gestern Abend dem Minister des Auswärtigen die officiellc Einladung zur Berliner Conserenz. Der Minister des Auswärtigen wird heute mit Sagasta conferiren, um geeignete Vertreter Spaniens für die Conserenz auszuwählen.
Lissabon, 11. März. Durch amtliches Decret ist der Municipalrath von Lissabon aufgelöst und eine Commission von sieben Mitgliedern ernannt worden, welche die städtischen Angelegenheiten bis zur Wahl der neuen Mitglieder des Municipalrathes verwaltet. Die Letztere findet nach der vorherigen Reform der städtischen Verwaltung statt. Derselben geht ein Decret voraus, welches die Gründe für diese Maßregel darlegt. — Bei der Einführung dieser Municipal- commission versuchte der bisherige Präsident des aufgelösten Municipalraths mit dem Executivcomite sich der Ausführung des Regierungsdecrets zu widersetzen. Er erklärte nur der Gewalt weichen zu wollen. Beim Verlassen des RathhauseS wurden der Präsident und das Executivcomite vom Volke mit Beifall empfangen. Die Polizei besetzte die Umgebung des Rathhauses. Die Negierung traf Anordnungen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten.
Brüssel, 11. März. Die Commission des Antisclauere icongresses hat in zweiter Lesung die auf dem Meere zu ergreifenden Maßnahmen endgültig festgesetzt. Sie berieth ferner die Maßregeln gegen den Mißbrauch der Flaggen und zur Verhinderung der Sclaventransporte.
Belgrad, 11. März. Da die Schwierigkeiten bezüglich der Staatsrathsfrage gelöst sind, nahm der Minister des Innern, Tanschanovic, seine Demission zurück. Die 8?risir ist somit beseitigt.
n v
ittn zu Kindern M i bei der Exped- d- T
'N N'»
—NLdeki.
^SHitlonb r -—____«aplanß dafi >
:peb. b Bl. n i n- 1 braDer 3uWinbi?r,
rhrling mit guten
MnusaaurmmW" uvtzewöhnlich in die Länge - obwohl das Osterfest schon Wein braves Dienstck h^nnaht, ist ,das Plenum des Bundesrathes noch immer
Irisch auszuleihen, ratzevstei«, Schiller»!
Sciudit »cteArbliteri«» öranit ic. nut «-Arbeite« von nz Hew abftemgefchäst, lejjnbÄ -avffrau gesucht für :rrn. Zu melden Bm: 31, parterre.
gegen altczechische Professoren gekommen, die sogar das Ein- ichneiten des Militärs nothweudig machten.
Zur Ministercrisis in Ungarn liegt nichts Neues vor, doch gilt der formelle Rücktritt des Ministerpräsidenten Tisza >. unmittelbar bevorstehend. Als künftigen Chef des neuen
M
janM* fe
irz. Hein, Kreu,:
artet Ur- wr *; ........... 1
u Jimance, ernannt.
s ffiuttl In Prag ist es in den letzten Tagen wiederholt zu
W flttO !iiiment)en Kundgebungen der jungczechischen Studentenschaft
'alsv der Zusammentritt der Conserenz für Samstag, den 15.. März, bestimmt zu erwarten. An der Conserenz werden ausßer den schon bekannten Mächten noch Portugal und Spanien theilnehmen. Als einer der Vertreter Deutschlands ivird auch der Fürstbischof von Breslau, Dr. Kopp, bezeichnet. Zu. Vertretern Frankreichs auf der Conserenz wurden die ....... Se-natoren Jules Simon und Tolain, der Deputirte Burdeau, P^NaUviailll ein Bergingenieur und ein socialistischer Arbeiter, Namens


