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T, Dominos

Nr. 37.Donnerstag den 13. Februar 1890

Der

Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener

Asa«ikien0tLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

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Generat-Mnzeiger.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für dm folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

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Amtlicher Theil.

Bekanntmachung

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf­schlags von Fünf vom Hundert, pro Monat Januar für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen:

Hafer JC. 17.80, Heu JL 7.90, Stroh 6.80. Gießen, den 11. Februar 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern,

politische Ueversieht.

Gießen, 12. Februar.

Heber die Vorbereitungen zu der von Kaiser Wilhelm angeregten Conferenz zur internationalen Regelung der Arbeiter­frage verlautet noch nichts Näheres, doch sind die nothwen- digen diplomatischen Vorbesprechungen zweifellos bereits ein­geleitet worden. Zunächst dürste eine Verständigung über das Conferenzprogramm erstrebt werden und erst wenn das­selbe in seinen Grundzügen festgestellt worden ist, steht die formelle Einladung seitens Deutschland zur Conserenz an die betheiligten Staaten zu erwarten. Daß schon in diesen Vor­fragen Schwierigkeiten zu überwinden sind, wird sich aller­dings kaum leugnen lassen und speciell in Frankreich scheint man sich mit dem Conferenzgedanken noch wenig befreunden zu können, hauptsächlich, weil er von Deutschland ausgeht, aber schließlich wird sich auch die französische Regierung zur Beschickung der Conferenz wohl oder übel bequemen. Recht anerkennenswerth ist die Haltung der schweizerischen Presse in den Besprechungen, welche letztere dem Conferenzvorschlage widmet, denn nirgends tritt in diesen Erörterungen eine Em­pfindlichkeit darüber hervor, daß Deutschland in der Conferenz- angelegenheit der Schweiz nunmehr den Rang abzulaufen droht. Bekanntlich hat die Schweiz die anderen europäischen Staaten bereits zu einem Congresse behufs einer internationalen Verständigung über die Arbeiterfrage eingeladen und sollte derselbe am 5. Mai in Bern zusammentreten- jetzt aber kommt Deutschland mit seinem Conferenzvorschlag, wodurch die Schweiz gewissermaßen in's Hintertreffen geräth, und um so erfreu­licher ist es, daß sich schweizerischerseits in dieser Frage keinerlei Empfindlichkeit gegen den deutschen Nachbar zeigt. Aus der Berner Conferenz wird nun allem Anscheine nach wohl nichts werden, indessen liegen über einen etwaigen Beschluß der schweizerischen Regierung, die von ihr erlassenen Conferenz- einladungen wieder zurückzuziehen, noch keine Meldungen vor.

Ueber den Zeitpunkt des in dem kaiserlichen Erlasse an den Handelsminister angekündigten Wiederzusammentrittes des preußischen Staatsrathes verlautet noch nichts Bestimmtes. Doch nimmt man allseitig an, daß die Einberufung genannter Körperschaft baldigst erfolgen wird und ein baldiger Zusammen­tritt des Staatsrathes würde sich schon aus der Dringlichkeit und Wichtigkeit der diesmal seiner harrenden speciellen Auf­gaben erklären. Vor der Einberufung des Staatsrathes werden noch eine Anzahl von Neuernennungen für denselben erfolgen, von denen sich einige als Ersatz für ausgeschiedene Mitglieder nothwendig machen, während anderseits eine Ver­stärkung des Staatsrathes durch in der Arbeiterfrage be­sonders sachkundige Persönlichkeiten stattfinden soll, deren Auswahl sich der Kaiser Vorbehalten hat. (S. Neueste Nachr.)

Das preußischeArmee-Verordnuugsblatt" veröffentlicht in seiner jüngsten Nummer das vom Reichstage genehmigte neue Militärgesetz, betr. die Bildung zweier weiteren Armee­corps , des 16. und des 17. Die Neuformationen treten, wie bekannt, am kommenden 1. April in s Leben und wird demnach dieser Tag ein bedeutsames Datum m der militä­rischen Weiterentwickelung des deutschen Reiches bilden. Das 16. Armeecorps hat sein Generalcommando in Metz und wird sich aus der 33. und 34. Division nebst der 33. und 34. Cavallerie-Brigade und der 16. Feldartilleriebrigade, außerdem aus den entsprechenden Pionier und Trainabthei- lungen zusammensetzen. Das 17. Armeecorps hat sein General­commando in Danzig und wird gebildet aus der 35. und 36. Division, der 35. und 36. Cavallerie-Brigade, der 17. Feld-Artillerie-Brigade und den nöhigen Train- und Pionier­abteilungen. Selbstverständlich bedingen diese Neuformationeu auch wesentliche Veränderungen in den bisherigen höheren Commandostellen der Armee, worüber man wohl bald Näheres erfahren wird.

Das preußische Abgeordnetenhaus hat sich am Montag nach Erledigung einiger kleineren Vorlagen theils in erster,

theils in zweiter Lesung wegen der bevorstehenden Reichstags­wahlen bis zum 24. Februar vertagt.

Challemel-Lacour, der frühere Botschafter Frankreichs in London, hielt in Marseille eine hochpolitische Rede. In der­selben äußerte sich Challemel-Lacour bezüglich der Lage Frank­reichs im Allgemeinen dahin: Wir stehen einer unvermeidlichen schrecklichen Zukunft gegenüber, wir müssen uns allzeit bereit halten und dürfen bei keinem unserer Schritte vergessen, daß bei dem Spiel der Allianzen unsere Existenz der Einsatz ist. Jedenfalls sind wir fest entschlossen, die Ereignisse nicht zu beschleunigen.

Der italienische General Orero hat, wie eine Meldung aus Massauah besagt, mit seinen Truppen die abyssinische Provinz Tigre wieder verlassen und ist nach Asmara, resp. Massauah zurückgekehrt, nur die italienischeu Irregulären sind in der Hauptstadt Adoa zurückgeblieben, um die Verbindung mit den Streitkräften des Königs Menelik aufrecht zu er­halten. Aus der Rückkehr des italienischen Expeditionscorps nach dem Gebiete von Massauah darf man wohl schließen, daß die Lage in Tigre für den Bundesgenossen der Italiener, eben König Menelik, keine bedrohliche mehr ist.

Aus Sofia berichtet man officiös, daß die gerichtliche Untersuchung gegen Major Panizza und seine verhafteten Mitverschworenen bis jetzt noch nichts wesentlich Neues er­geben hätte. Nur ist festgestellt worden, daß die Verschworenen nicht die Ermordung des Fürsten Ferdinand, wie es ursprüng­lich hieß, planten, sondern nur dessen Gefangennahme und Fortführung, dagegen war in der That die Ermordung Stam- buloffs und Murkuroffs beabsichtigt. Die verbreiteten Ge­rüchte, wonach Fürst Ferdinand infolge der Verschwörung abdanken wollte, sich aber vom Ministerrathe zum Bleiben habe bestimmen lassen, werden von derAgence Balcanique" als vollkommen unbegründet erklärt. Freilich lassen sich alle diese officiösen Meldungen aus Sofia über die Affairc Panizza auf ihre Richtigkeit nur schwer prüfen, da die bulgarische Regierung an allen nach dem Auslande bestimmten Nachrichten über diese Vorgänge begreiflicher Weise strenge Censur übt. Was das muthmaßliche Schicksal der verhafteten Verschwörer anbelangt, so dürfte ihnen die Kugel sicher sein, es sind ja auch die Führer der früheren Putsche gegen den Fürsten Ferdinand erschossen worden.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 11. Februar. Der Staatsrath soll dem Vernehmen nach schon Ende dieser Woche zusammentreten und dürfte vom Kaiser jedenfalls mittels einer längeren An­sprache eröffnet werden. Es ist zweifellos, daß dem Staats­rath sofort eine Vorlage im Sinne des kaiserlichen Erlasses gemacht wird.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ernenn­ung des Unterstaatssecretärs v. Bosse zum Staatssecretär des Staatsraths, sowie den Geheimen Legationsrath Kayser zum Stellvertreter desselben - ferner sind zu Mitgliedern des Staatsraths berufen Fürst Pleß, Freiherr v. Stumm, Com- merzienrath Krupps Geheimrath Hintzpeter, Frhr. v. Huene, Generaldirector Ritter auf Schloß Waldenburg, der Vor­sitzende der Handelskammer in Essen Jenke, Graf Douglas, Aschersleben, und Professor v. Heyden, Berlin.

Berlin, 11. Februar. Kochhann, Ehrenbürger und früher Stadlverordnetenvorsteher von Berlin, ist heute Nacht gestorben.

Hamburg, 11. Februar. Der CosmosdampferSak- karah" ist laut Mittheilung der Direction bei Acajutta (Centralamerika) gestrandet. Die Besatzung ist wohl­behalten in Acajutta gelandet, Schiff und Ladung sind wahr­scheinlich verloren.

Metz, 11. Februar. Bei der Bezirkstagswahl im Canton Großtänchen wurde der deutschfreundliche Bürgermeister Sibille fast einstimmig gewählt.

Paris, 11. Februar. Gutem Vernehmen nach beschäf­tigte sich der Ministerrath heute mit der Besprechung der morgen stattfindenden Verhandlung gegen den Prinzen von Orleans und dessen wahrscheinlicher Verurteilung. Es heißt, der Herzog würde in eine Strafanstalt der Provinz geschickt und dort als politischer Gefangener behandelt werden.

London, 11. Februar. Die zur Eröffnung des Parla­ments verlesene Thronrede bezeichnet die auswärtigen Beziehungen als fortgesetzt freundschaftliche und weist auf die Entsendung bewaffneter Macht unter einem portugiesischen Offizier nach Gebieten, wo sich britische Niederlassungen be­fanden, und aus die mit Blutvergießen verbunden gewesene Collision, sowie auf die Begehung von Handlungen hin,

welche mit der der britischen Flagge gebührenden Achtung unvereinbar seien - Portugal habe nunmehr aus das Gesuch der Königin versprochen, seine Militärmacht aus diesen Ge­bieten zurückzuziehen. Die Königin hofft, daß die Berathungen der Brüsseler Anti-Sclaverei-Conferenz die Unterdrückung des Sclavenhandels fördern werden. Die Rede erwähnt den Abschluß der anglo-egyptischen Handelsconvention und des provisorischen Abkommens mit Bulgarien zur Regelung dringender fiscalischer Fragen - sie kündigt ferner eine Vor­lage betreffs der Samoa-Convention, sowie des Auslieferungs­vertrags mit den Vereinigten Staaten an.

London, 11. Februar. Der Schluß der Thronrede constatirt die andauernde Besserung der Zustände in Irland durch die Abnahme der Agrarverbrechen, wodurch eine Ein­schränkung in der Anwendung des Zwangsgesetzes ermöglicht worden sei. Sie kündigt Vorlagen zur Erleichterung des Landankauses seitens der Pächter, sowie die Verleihung lo­caler Selbstverwaltung in Irland, ähnlich der bereits in Großbritannien bestehenden, an, ferner Vorlagen zur Ver­besserung der Londoner Sanitätsgesetzgebung und der Woh­nungsverhältnisse der Arbeiterklassen, endlich zur Feststellung der Haftbarkeit der Arbeitgeber bei Unfällen. Die Regierung werde weiter die Verbesserung des Unterkommens und der Verhältnisse der Truppen in den Lagern und Kasernen, sowie die bessere Fürsorge für deren Gesundheit und Bequemlichkeit beantragen.

Lissabon, 11. Februar. Eine Bekanntmachung des Civilgouverneurs untersagt im Interesse der Aufrecht­erhaltung der öffentlichen Ordnung die auf heute zusammen­berufene Versammlung im Colosseum, sowie jede Straßen- kundgebung.

Das Amtsblatt veröffentlicht Erlasse, wodurch die Regierung ermächtigt wird, zur Vervollständigung der Befestigungswerke des Landes Armirungsgeräth und Kanonen anzuschaffen, ferner vier Kreuzer, vier Kanonen­boote und Torpedoboote anzukaufen. Weiter sollen die Armee und die Municipalgarden von Lissabon und Oporto reorgani- sirt werden. Zur Deckung der Kosten werden Obligationen ausgegeben, außerdem soll ein Specialfonds zu Zwecken der Landesverteidigung geschaffen werden.

Belgrad, 11. Februar. Gegenüber von Privatnachrichten, wonach bulgarische Flüchtlinge von den serbischen Grenz­behörden zurückgewiesen sein sollten, constatirt die Ageuce Belgrade" nach authentischen Informationen, daß sich keine politisch compromittirende Personen in Serbien auf­halten, aber auch nicht von den Grenzbehörden zurück­gewiesen worden seien, iweil diese dazu keinen Auftrag ge­habt hätten.

Sofia, 11. Februar. Obgleich Panizza und drei weitere Offiziere den Civilbehörden überliefert worden, kommen sie doch vor ein in etwa vierzehn Tagen zusammen­tretendes Kriegsgericht, da es sich um Hochverrath handelt. Den Angeklagten sind die Epaulettes genommen worden. Es soll die äußerste Strenge des Gesetzes in Anwendung kommen.

Athen, 11. Februar. In der Deputirtenkammer richtete Comunduros eine Anfrage an die Regierung, ob die Nachrichten begründet seien, wonach Offiziere in Larissa den Gehorsam verweigert und dem Könige ein Memorandum überreicht hätten, worin sie für die Armee Unabhängigkeit vom politischen Einflüsse verlangen. Der Ministerpräsident Tricupis stellte die Behauptung entschieden in Abrede und erklärte, die Opposition habe den Zwischenfall aufgebauscht. Delyannis warf dem Ministerium vor, daß es die Opposition zu verdächtigen suchte. Wenn der Minister politische Per­sönlichkeiten verdächtige, solle er sie vor Gericht stellen. Er wünscht ferner zu wissen, ob sich die Offiziere einer In­subordination schuldig gemacht haben. Der Ministerpräsident wies nochmals auf die bereits abgegebene Erklärung hin und fügte hinzu, die Untersuchung über den Vorfall sei eingeleitet worden. Weitere Details könne er nicht geben, die Ange­legenheit sei damit vorläufig erledigt.

Massauah, 11. Februar. Das Kriegsgericht hat Hamed Kantibai des Habab und Moussa El Hacad zum Tode, Talialitad, welchem mildernde Umstände zugebilligt wurde, zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilt.

Newyork, 11. Februar. Bei den Wahlen in Salt- Lake-City sind gestern die Mormonen unterlegen.

Washington, 11. Februar. Ein Erlaß Harrisons kündigt die Eröffnung der Sioux-Jndianer-Reservats in Süd- dacota für Ansiedelungszwecke an.