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*) Mit Veröffentlichung dieses Berichtes schließen wir die Er­örterungen über die Schnapsfrage. Red.

Eingesandt.

Noch besonders sei aufmerksam gemacht auf den Vortrag, den heute, Mittwoch Abend 8 Uhr, Herr Schuldirector Brandt aus Lahr in der Kleinkinderschule halten wird. Das Thema: Die Kleinkinderschule und die Kinderstube in ihrer Bedeutung für das Leben" ist ein für Jedermann wichtiges.^ Der Vortragende ist um seiner reichen Erfahrung willen der tüchtigste Bearbeiter diefes bedeutungsvollen Gegenstandes.

Temperatur der Lahn und der Lust am 11. Juni, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15, Luft 15 Gr.

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mit seinem Gewichte und seiner Geschwindigkeit einen Stoß auf das Mühlrad hervorbrtngen wird, wie es bei dem Wasser, alles im ent- prechenden Verhältnisse, auch geschieht. . , ,

Das bis jetzt Vorgebrachte rst aber gar nicht die Hauptsache!

Ich habe in meinen Ausführungen vom 26. Mai absichtlich ein ' o drastisches Bild gebraucht, um Widerspruch heroorzurufen und die Sache öffentlich besprechen zu können, denndaß hier noch Einiges zu bessern ist", scheint richtig zu sein.

So sagt z. B. bte Korrespondenz vom 26. Mai:Wohl mag es einige Orte im äußersten Vogelsberge geben, in denen der Schnapsgenuß etwas stark ist", was accevürt wird. Drei Zeilen weiter heißt es:Wenn auch in einigen Orten der Schnapsgenutz in der Thal als unmäßig bezeichnet werden mußte , auch das stimmt. Ferner ist richtig, daß die Leute schon in früher Jugend Schnaps trinken lernen, was für die körperliche und gMige Ent­wicklung Gift ist. In medictnifchen Dosen, bet schweren Krankheiten kann der Alkohol Wunder wirken. Perpetuirlich angewandt ist er einem Wechsel vergleichbar, der von Halbjahr zu Halbjahr verlängert werden mutz, dem die Zinsen, die Prooisions- und Verlängerunas- kosten stets zugeschlagen werden, wett keine Zahlung erfolgt und der den Schuldner schließlich dem (körperlichen und geistigen) Ruin un­rettbar in die Arme treibt. Der Branntweinsoll das no thi gfte^) Getränk des Mannes und Arbeiters sein". Seit Jahrzehnten ist diese Ansicht wissenschaftlich und practtfch widerlegt. Einen sehr harten Dienst, besonders im Winter, haben z.B. die Grenzzollwächter. Man kommt ganz davon ab, den Leuten Schnaps zu geben; er er= regt und erhitzt momentan wie Strohfeuer, erschlafft dann aber auch um so heftiger. Aus diesem Grunde halte Ich es auch mcht für richtig, daß durch Schnapsdie lahmgewordenen Kräfte angeregt und der Mann für die harte Arbeit gestärkt werde . Das Gegen- theil tritt ein: Erlahmung und Erschlaffung, vorzeitiger Zerfall. Nun ist es richtig, daß es steinalte Schnapstrinker gibt; auch schadet der Schnapsgenuß - scheinbar dem Vogelsberger nicht. Wurde es ohne Schnapsgenutz aber doch nicht vielleicht besser stehend

Mit dem kargen Verdienste kann der Vogelsberger weder Rheinwein noch Champagner trinken, das ist zweifellos. Aber mutz denn immer getrunken werden? Italiener, Schweizer u.A. arbeiten viel härter als die Vogelsberger und trinken nickt die Halste von dem, was bet uns confumtrt wird, obgleich das Klima heißer, aus den hohen Bergen noch rauher ist, als bei uns. Jas liegt an der Nahrung. Der Genuß von Hülsenfrüchten, von Salat, Werbklaut, Wirsing, Kohl und Rüben, von Käse in jeder Form, von Obst tritt zu viel zurück. Für das, was der Schnaps kostet, kann sich eine ganze Familie aus Hülsenfrüchten ein vorzügliches, äußerst nahr­haftes, Muskel und Hirn stälkendes Mittagessen Herstellen. Nur als Nolhbebelf läßt der Schnaps sich entschuldigen.

Wie kommt es, daß in vielen Ländern: in Rußland, Frank­reich, Italien, in der Schweiz die Schnapssteuer drei-, fünf-, sechs-, achtmal so hoch ist als bet uns, daß die Menschen Arbeiten thun, die der Vogelsberger nicht fertig brächte, daß das Elima die Men­schen viel schärfer angreift und daß man doch nut viel weniger Schnaps auskommt als bei uns? Warum wird der Schnaps in

-f- Ans dem VogelSberge, Anfang Juni. Schnapscon- sum im Vogelsberge.*) Man muß es der verehrlichen Redactwn danken, daß sie dem vorliegenden Gegenstände ihre Spalten zur Be­sprechung geöffnet hat. In Nr. 124 d. Ztg. wird nun unterEin­gesandt" eine Berechnung des Schnapsstromes, der eine Mühle treiben könnte rc., gewünscht. Hier einige Zahlen. Im Jahre 1887/88 wurde im Großherzogthum an reinem Alkohol producirt: 12101 Hectoliter; im Jahre 1888/89 11114 Hectoliter. Die Ausfuhr ist in beiden Jahren nicht nennenswerth, wohl aber die Einfuhr. Ein bedeutender Theil des Alkohols wird zu gewerblichen Zwecken, zu Essigbereitung, in Apotheken, zum Putzen, Heizen und Beleuchten verwandt. Der Rest und das, was eingeführt wird, wird gett unken. In Rheinhessen, an der Bergstraße, in der Main- und Rheinebene, in den Städten wird der Branntwein nicht so viel als Getränk be­nutzt. Von den Stationen Fulda, Gelnhausen, Hanau, Frankfurt werden von Zeit zu Zeit Bafstnwagen mit hochgradigem Spiritus (94%), aus Posen, Pommern kommend, in die Provinz Oberhessen dirtgirt und an die Kaufleute, Liqueurfabrikanten rc. abgegeben. Ein solcher Bafstnwagen hält rund 130 Hectoliter 94 procentigen Schnaps. Da aber für gewöhnlich nur 37 procentiger getrunken wird, so wird aus diesen 13000 Liter ein Quantum von rund 33000 Liter ^rtnk- branntwein hergestellt. Solche Ungeheuer von Schnapsbasstnwagen, bet deren Anblick es einem kalt überläuft, erscheinen öftet. Aus dem Inhalte von 10 derselben können 330000 Liter Trinkbranntwetn her­gestellt werden. Was im Lande producirt wird, ist dabet nickt m Betracht gezogen. Im Jahre 1887/88 producirte die Provinz Ober­hessen 7361 Hectoliter reinen Alkohol 736100 Liter 1870100 Liter 37 procentigen Trinkbranntwetn. Hiermit soll nicht gesagt sein, daß er alle im Vogelsberge getrunken wurde. (Eonf. Essigbereitung, Heizung, Apotheken.) . .. .

Nun zur Mühle. Ein oberschlächftges Mühlrad mit genügend großem Durchmesser, ober eine Turbine lassen sick mit mäßigem Flüssigkeitsquantum bei entsprechenb starkem Ge alle in Betrieb setzen. Die wieder aufgefangene Flüssigkeit laßt sich durch Rohr­leitungen über ein zweites, brittes Triebwerk leiten. Ein Beweis, baß der Schnapsauch aus bas Treiben ber Mühlen ganz besonders anregenb wirkt", kann um deswillen unterbleiben, weil der Schnaps

den Etablissements mit schwerem, besonders mit Nacht-Dienst, immer mehr zurückgedrängt und durch gesündere Genußmittel ersetzt.

Der Herr Einsender in Nr. 124 d. Ztg. meint: es ließe sich hinsichtlich des drastischen Bildes mit dem Schnapsstrome auf eine starke Phantasie schließen. Demgegenüber zeigen das vractifche Leben und hunderte von Schriftstellern die Wahrheit: daß die kühnste Phantasie häufig von der Wirklichkeit weit übertroffen wird. Man muß eine vom Schnapse ruinirte Persönlichkeit, ober gar eine oder mehrere Familien gesehen haben, um mit Faust sagen zu können. Der Menschheit ganzer Jammer faßt mich an".

Wäre hier nicht noch Einiges zu bessern? Sollten nicht alle Beamten, Geistlichen, Lehrer, Bürgermeister zusammenwuken, datz immer mehr Belehrung unter das Volk gebracht werbe: wie durch Herstellung von Speisen aller Art, in burckaus billiger Weffe, eine viel vortresflichere Kost als seither herstellbar ist, bte ben Schnaps entbehrlich macht? Wie sieht es benn mit der Kochkunst aus? Kühne Seglerin Phantasie, wirf einen muthlosen Anker hin.

Ich kenne bie vortrefflichen Eigenschaften des Vogelsbergers, ich achte und liebe sie; es foll ihnen in dieser Beziehung kein Abtrag geschehen. Aber es ist auch nicht zu bestreiten, daß durch den Schnapsgenuß materielle und geistige Güter bei ihnen unbenutzt bleiben, also verloren gehen. Auf ihre Erhaltung aufmerksam ge­macht, vielleickt Einen oder den Anderen sogar ausgerultelt zu baden, war meine Absicht am 26. Mat und wenn es gelungen sein oute, dann hätte jenes drastiscke Bild schon etwas Gutes gehabt. Ceterum censeo: In Betreff des Scknapstrinkens im Vogelsberge (cfr. auch Q-Eorrespondenz vom 26. Mai) sind Mißstände thatsächlich vor­handen. Namen zu nennen, würde Gehässigkeiten herbeifuhren. Heber die Form, wie die Mißstände angedeutet wurden, kann man verschiedener Ansicht sein. Jeder aber, der zur Hebung der Miß­stände mithilft, wird sich ein wirkliches Verdienst erwerben.

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Da diese Einrichtung und das dem Publikum durch dieselbe gebotene Mittel ai seiner Sicherstellung immer noch nicht genügend bekannt zu fern lckeint so wird auf das Bestehen derselben besonders aufmerksam gemacht.

Darmstadt, den 4. Januar 1890.

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Gießen, den 10 Ium 1890.

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