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Nr. 263.

Dienstag den 11. November

1890.

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Die Gießener N««ikle»ßkäi1er Ä^rden dem Anzeiger <wb-entl>ch dreimal ifiqckgt

ießemr Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger.

Vierteljähriger A-ssae«e«tr»reEAL 2 Mark 20 Pfg. oA Bringerloyn. Durch die Post bczvA« 2 Mark 60 Pf,.

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falgenden tag erscheinenden Nummer bi« Sarai. 10 Uhr. ^lUUSPClMlgC. Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

Umflidbtr Thett.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß -ie nach § 6 des Neichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eiües Aus­schlags von Fünf vom Hundert, pro Monat Oct ob er für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen:

Hafer JL 16.60, Heu JL 5.80, Stroh Jt. 5.30. Gießen, den 8. November 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Gießen, den 10. November 1890. Betr.: Uebersicht über die Sterblichkeit.

Das

Großh. Kreis-Gesundheitsamt Metzen an die Grvßh. BürgerweistereLerr Ätbach, 81tt*nborf a. d. Lamda, Älren-Buseck, BellerS- Heiw, BerSrod, Climbach. Eberstadt, EttingS dausen, Garbenteich, Göbelnrod, Hungen, Meia-Livden, Lauter, Lumda, Ober-Bessingen, Ntödgen, Gteinheim, Treis a. d. Lumda, Trohe, Watzenborn-Steinberg.

Wir erwarten die Einsendung der ausstehenden Sterblich­keits-Nachweise innerhalb dreier Tage.

I. V: Dr. Balser.

politische Uebersicht.

Gießen, 10. November.

An diesem Mittwoch, den 12. November, tritt der preußische Landtag zu einer neuen Session zusammen, welche an Wichtigkeit und Bedeutung die meisten der bisherigen gesetzgeberischen Perioden im führenden deutschen Bundesstaate weit hinter sich lassen wird. Sie erhält diesen ihren beson­deren Character durch die großen Vorlagen, welche sich aus die Reform der directen Steuergesetzgebung, des Volksschul­wesens und aus die Schaffung einer Landgemeinde-Ordnung für die östlichen Provinzen der preußischen Monarchie be­ziehen und gegenüber den genannten hochwichtigen Gesetz­entwürfen müssen die sonstigen, des preußischen Landtages harrenden gesetzgeberischen Aufgaben mehr oder weniger in den Hintergrund treten. Ueber den Inhalt der Reform-Vor­lagen sind bis jetzt nur vereinzelte Mittheilungen in die Oefsentlichkeit gedrungen, so daß eine kritisirende Beurtheilung der Vorlagen noch nicht möglich war. Da dieselben dem Ab­geordnetenhause indessen schon in der Sitzung vom 13. Nov. vorgelegt und mit einleitenden und erläuternden Vorträgen der berreffendtn Ressortminister begleitet werden sollen, so wird also bereits in den nächsten Tagen der materielle In­halt der Reformentwürse .bekannt werden. Die Möglichkeit, jedoch, sie noch im Lause der bevorstehenden Session zu ver­abschieden, erscheint völlig ausgeschlossen, eine parlamentarische Riesenarbeit, wie sie die ganze geplante Umgestaltung der Verwaltungs-, Schul- und Steuergesetzgebung in Preußen dar- siellt, läßt sich nicht im Rahmen einer einzigen Session er­ledigen, mag dieselbe auch noch so ausgedehnt sein, vielmehr dürfte die vollständige Berathung der Reformvorlagen die ganze lausende Legislaturperiode ih Preußen aussüllen.

Die Arbeiterschutzcommission des Reichstages setzt die Vor- berathung der Arbeiterschutz-Vorlage eifrigst fort und finden die einzelnen Paragraphen meist unverändert oder doch nur mit unerheblichen Zusätzen versehen, die Zustimmung der Com­mission. Wenn die Berathungeu der Commission in dem be­schleunigten und doch nicht überhasteten Tempo weiter vor­rücken, welches sie seit ihrem Wiederzusammentritte einge­schlagen hat, so ist der Abschluß dieser Arbeiten noch im Laufe des gegenwärtigen Monats zu erwarten. Dann dürste es sich vielleicht auch ermöglichen lassen, daß das Reichstags­plenum doch noch vor der Weihnachtspause in die zweite Lesung der Vorlage eintritt.

Reichsgerichtspräsident Dr. v. Simson zu Leipzig feiert am heutigen Tage seinen 80. Geburtstag im engeren Kreise. Wie bekannt, gedenkt Herr Dr. v. Simson wegen andauern­der Kränklichkeit am 1. Februar 1891 in den Ruhestand zu treten und alsdann wird ein Rückblick auf das mit allen wich­tigen Phasen unserer neueren nationalen Entwickelung eng verknüpfte Leben und Wirken dieses hochverdienten Beamten und Politikers angebracht erscheinen.

Die Regentschastsfrage im Großherzogthum Luxemburg hat nunmehr mit der abermaligen feierlichen Einsetzung des Herzogs Adolf von Nassau zum Regenten ihre endgültige Regelung erfahren. Herzog Adolf ist zwar zur Zeit wieder nach seinem Schlosse in Königstein a. T. zurückgekehrt und führt er demnach die Regentschaft bis auf Weiteres von aus­wärts, doch wird er sofort wieder in Luxemburg eintreffen, sobald dies der Gang der Geschäfte erheischen sollte.

Auch in Holland steht in allernächster Zeit der Abschluß der Regentschaftsangelegenheit durch die Einsetzung der Königin Emma zur Regentin bevor. Uebrigens wird eine neuerliche Verschlimmerung im Zustande König Wilhelms gemeldet, doch soll trotzdem keine unmittelbare Gefahr vorliegen, so daß die gegenwärtige Situation wahrscheinlich noch längere Zeit an- dauern wird.

Gleich dem Besuche des Czarensohnes in Wien erfährt auch die Mailänder Zusammenkunft zwischen Caprivi und Crispi überwiegend eine Beurtheilung dahin, daß das Ereig- niß mit zur Erhaltung und Kräftigung des europäischen Frie­dens beitragen werde. Mit Recht bemerkt jedoch die halb­amtliche römischeItalic", man würde sich ebenso sehr irren, wenn man glaubte, daß das Zusammenkommen Caprivis und Crispis eine neue Wendung der internationen Politik hervor­bringen werde, wie wenn man demselben gar keine Folgen zuschreiben würde. Sicherlich werden aber zum mindesten die Beziehungen Deutschlands zu Italien durch die Ministerbegeg­nung von Mailand eine neue Stärkung und Befestigung er­fahren, wofür schon der intime persönliche Verkehr, den die beiderseitigen leitenden Minister bei ihrer erstmaligen Begeg­nung mit einander gepflogen haben, als ein äußerliches Zeichen gelten darf.

Die demokratische Partei in Nordamerika hat bei den politischen Wahlen vom 4. d. M. im Ganzen 87 Sitze ge­wonnen. Es würde dies für die Demokraten im neuen Re­präsentantenhause eine Mehrheit von 174 Stimmen bedeuten, während sie im gegenwärtigen Repräsentantenhause noch in der Minderheit sind. Eine Herabsetzung der republikanischen Mehrheit im Senat gilt jetzt ebenfalls als feststehend.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. November. DerReichsanzeiger" veröffent­licht die vom Justizminister erlassenen neuen Vorschriften über die erste juristische Prüfung. Dieselben treten an die Stelle der §§ 111 des bisherigen Prüfungsregulativs und treten mit dem 1. April 1891 in Kraft.

Berlin, 8. November. DemReichsanzeiger" zufolge ist die Erlaubniß zur Einfuhr lebender Schweine aus Bielitz und Steinbruch auch aus die Stadt Celle aus­gedehnt worden. J

Berlin, 8. Novbr. Die ArbeiterschutzcomMission des Reichstages berieth heute den neu eingesügten § 1206, welcher die vom Bundesrath, den Landescentral- und Polizei­behörden zu erlassenden Vorschriften zur Durchführung des Arbeiterschutzes gemäß den Bestimmungen in §§ 120a bis 120c betrifft. Nach längerer Berathung wurden die Absätze 1 und 3 unverändert angenommen. Absatz 2 wurde mit dem von dem Abg. v. Kleist-Retzow beantragten Amendement, wonach vor solchen Anordnungen der Landescentral- und Polizeibehörden erst die Vorstände der Berufsgenossenschaften unter Zuziehung der Arbeitervertreter gutachtlich zu hören sind, und Absatz 4 mit dem Antrag Bebel, wonach die vom Bundesrath erlassenen Vorschriften dem Reichstage zur Kenntniß- nahme vorzulegen sind, angenommen.

Berlin, 8. November. DieNordd. Allg. Ztg." bemerkt, bei Wiedergabe der russischen Blätterstimmen über den Niedergang der russischen Landwirthschaft, daß die deutsche Handelspolitik einem jeden Arbeitszweige einen gleichwertigen Schutz schaffe. Die Wirthschaftspolitik Ruß­lands biene jedoch nur einseitig den industriellen Interessen, während doch die Gesammtheit der russischen Interessen eine landwirthschastliche sei und schwerer wiege als die gewerbliche.

Braunschweig, 8. November. Eine von der Handels­kammer einberufene Versammlung Industrieller zur Berathung der Gewerbeordnungs-Novelle beschloß verschiedene Anträge, welche sich auf Verschärfung der Strafen für den Contractbruch der Fabrikanten, sowie auf den Fortfall einzelner Bestimmungen über die Arbeitsordnung und die Zeugnisse beziehen.

Bremen, 8. November. Heute Nachmittag sand der Stapel lauf des hier erbauten, für die deutsche Marine bestimmten Panzerschiffes statt. Bei der vom Comre- admiral Koester vollzogenen Taufe erhielt dasselbe auf Befehl des Kaisers den NamenBeowulf".

Anstand.

Wien, 8. November. Wie diePresse" meldet, sind in Angelegenheit der angekündigten handelspolitischen Verhandlungen mit Deutschland vorgestern die Vertreter der Papierindustrie, gestern diejenigen der Glasindustrie durch die Delegirten des Handelsministeriums vernommen worden. Heute sollen die Vertreter der Textilindustrie gehört werden.

Luxemburg, 8. November. Der Herzog Adolph von Nassau ist heute Nachmittag 1 Uhr in Begleitung des Erbprinzen nach Frankfurt abgereist. Eine offizielle Ver­abschiedung auf dem Bahnhofe fand nicht statt. Von der zahlreich versammelten Volksmenge wurde der Herzog mit enthusiastischen Hochrufen begrüßt.

Paris, 8. November. DemEcho de Paris" zufolge hat der Kriegsmimster angeordnet, die Ausrüstung der Forts von Modane an der französisch-italienischen Grenze zu verstärken.

Saint-Etienne, 7. November. In Folge der Zugeständnisse der Arbeitgeber sind alle Bergarbeiter st rikes beendigt. Die Arbeit wird am Montag wieder ausgenommen werden.

London, 8.November. DieTimes"schließt eineBesprechung der Entdeckung Professor Kochs, falls die Methode sich in der Prüfung bewähre, so würde deren Entdecker einen Platz unter den größten Wohlthätern der Menschheit ein­nehmen und seinem Gedächtniß unvergänglichen Ruhm verleihen.

Mailand, 8. November. Der Reichskanzler General v. Caprivi empfing heute Vormittag die deutsche Colonie unter Führung des Consuls v. Rekowski. Später hatte der Reichskanzler eine Unterredung mit Crispi. An der Hostasel in Monza werden auch der Herzog und die Herzogin von Genua theilnehmen. Vor dem Diner wird der König den Reichskanzler empfangen. Caprivi und Crispi werden ans Monza um KU/, Uhr Abends hierher zurückzukehren.

Mailand, 8. November. Der deutsche Reichskanzler v. Caprivi besichtigte heute Vormittag auf einem Spazier­gange die Via Manzonie, die Piazza della Scala, die Gallerte Victor Emanuel, den Dom, den Corso Victor Emanuel, den Senat, das Staatsarchiv und die Statue Napoleons III. Um 11 Uhr kehrte der Reichskanzler in's Hotel zurück, conferirte daselbst 3/4 Stunden mit Crispi und begab sich dann gemeinschaftlich mit demselben zum Dejeuner in den Speisesaal.

Mailand, 8. November. Nach dem Frühstück machte der Reichskanzler v. Caprivi eine Spazierfahrt, gab seine Karte auf der Munizipalität und der Präfectur ab und kehrte gegen 4 Uhr in das Hotel zurück.

Mailand, 8. November. Der Reichskanzler General v. Caprivi und der Ministerpräsident Crispi sind heute Abend 5 Uhr 30 Min. nach Monza abereist. Von dem am Bahnhofe anwesenden Publikum wurden dieselben mit sympathischen Kundgebungen begrüßt.

Zanzibar, 7. November. (Meldung desReuter'schen Bureaus.) Eine Bekanntmachung des Viceadmirals Fremantle verbietet bis aus Weiteres allen Europäern die Betretung des Witugebietes ohne besondere Erlaubniß- daselbst herrscht noch Kriegsrech t. Ueber den Sultan Fumo Bakari liegen noch feine Nachrichten vor. Fremantle begiebt sich morgen an Bord des Flaggschiffs nach Trincomalee und Calcutta.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 9. November. Das Königliche Eisenbahn-Be- triebsamt Berlin (Directionsbezirk Erfurt), Anhalter Bahnhof, theilt mit: Der heute Sonntag den 9. November von Dresden kommende, hier um 11 Uhr 15 Min. Vorm. fällige Personenzug Nr. 63 ist auf dem Bahnhose Dobrilugk- Kirchhain mit einer Rangirmaschine zusammengestoßen. Beide Maschinen, der Gepäck- und zwei Personenwagen sind beschädigt und entgleist. Ein Locomotwsührer, ein Heizer, der Packmeister, ein Postschaffner und zwei Passagiere vierter Klasse haben leichtere Contusionen, der Zugführer und zwei andere Passagiere vierter Klasse anscheinend etwas schwerere Quetschungen erlitten. Leider hat das Streckenpersonal trotz des besonders starken Nebels es unterlassen, Knallsignale zu legen, obwohl dies ganz ausdrücklich und bestimmt vor­geschrieben ist, wenn nur irgendwie die Erkennbarkeit der op­tischen Signale beeinträchtigt ist. Ob außerdem den Stations­beamten, welcher den Dienst leitete, ein Verschulden trifft, weil er noch nach Annahme des verunglückten Zuges bei de« herrschenden Nebel Rangirbewegungen auf dem Hauptgeleise der nur eingeleisigen Strecke vorgenommen hat, wird die weitere Untersuchung ergeben. Die Sperrung der Geleisa wird voraussichtlich innerhalb 6 Stunden, also bis 2 Uhr