1890
Sonntag den 10. August
Zweites Blatt
Nr. 184
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Frühstückspause. 4 Uhr: Gemeinsames Mittagessen im Darmstädter Hos (Rheinstrabe). 6 Uhr Abends: Spaziergang nach der Ludwigshöhe — schöner Aussichtspunkt im Wald. — Fahrt bis zum Fuße mit der Darmstadt-Eberstädter Dampfstraßenbahn. Abfahrt um die genannte Stunde an der Haltestelle in der Nähe des Darmstädter Hofs. 8 Uhr Abends: Gemüthliches Zusammensein in der Restauration Fink (Elisabethenstraße) und in anderen in der Nähe gelegenen Restaurants. — Donnerstag, den 21. August: Zweiter Versammlungstag. 7 Uhr Morgens: Versammlung der Verbandsrevisoren im Saalbau (Damensalon). 8 Uhr Morgens: Besichtigung der Einrichtungen der landwirthschaft- lichen Versuchsstation (Große Allee nahe den Bahnhöfen) unter Führung des Directors derselben, Professor Dr. Paul Wagner. 10 Uhr Vormittags: Fortsetzung der öffentlichen Verhandlungen im großen Saale des Saalbaus. 12 Uhr Mittags: Frühstückspause. 3 Uhr Nachmittags: Festmahl im großen Saale des Saalbaues. 8 Uhr Abends: Beginn des Gartenfestes im Saalbau (Concert und festliche Beleuchtung), zu Ehren der Theilnehmer am allgemeinen Vereinstage von der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt veranstaltet. — Freitag, den 22. August: Ausflug in die Bergstraße. 8 Uhr Morgens präcis: Abfahrt mit der Main-Neckar-Bahn nach Station Bickenbach. Einfache Fahrkarte III. Classe zur Rückfahrt gültig bis Auerbach. Gang über das Alsbacher Schloß und durch die Waldungen des Melibocus nach dem Auerbacher Schloß. 11 Uhr Vormittags: Imbiß und Frühtrunk in den festlich geschmückten Räumen der Auerbacher Burgruinen, den verbündeten Genossen dargeboten von den Verbandsgenossenschaften der Bergstraße und der Umgebung. Zum Eintritt in die Burgruine berechtigt das Festzeichen. 3 Uhr Nachmittags: Gemeinsames Mittagessen im Hotel zur Krone in Auerbach. Die Berheiligung am Essen muß bis spätestens am 21. August Mittags im Bureau des Vereinstages (Saalbau) gemeldet sein. 8 Uhr 48 Minuten: Rückfahrt nach Darmstadt. Bei starker Betheiligung Sonderzug um 8 Uhr. Gemüthliches Zusammensein in dem Gartenrestaurant Nummelbräu, Große Allee, neben der landw. Versuchsstation. ____
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr.
artigste gewesen sein, was Gießen in dieser Art je gesehen hat. Viele Hunderte von Lampions in langen Reihen und schönem Arrangement vor der Pulvermühle, 6 Kähne auf dem Wasser hin und her fahrend, je in den Farben der verschiedenen Cartellcorps, und ebenfalls mit unzähligen Lampions geschmückt, sodann die decorirte Brücke, an den Pfeilern mit transparenten Wappen gekrönt, und das wirklich pompöse Feuerwerk, das mitunter die ganze Gegend fast taghell erleuchtete, rief in der nach Tausenden zählenden Zuschauermenge die größte Bewunderung hervor. Nach Beendigung des Feuerwerks gaben drei Raketen ein Signal und im herrlichsten Rothfeuer prangte der Gleiberg, im Weißieuer der Vetzberg mit ihren Ruinen. Die Beleuchtung des letzteren konnte jedoch wegen seiner tieferen Lage und größeren Entfernung nicht recht zur Geltung kommen.
— Unter den während der Feier des 75j'ährigen Burschenschafts-Jubiläums in Jena eingegangenen Beglückwünschungs- Telegrammen befindet sich eins aus Gießen folgenden Wortlauts:
Gießen, 6. August. Ein unter dem Stern des Burschenschastssestes in der Gießener Frauenklinik geborenes Zwillingspärchen erhielt die Namen Arminius und Thusnelda. Assistenzarzt Straßmann, Arminia - Berlin; Praktikant Spohr, Alemania-Gießen.
— Die vom hiesigen Veteranen-Verein arrangirte Reise nach den Schlachtfeldern um Metz wurde heute Morgen 5 Uhr von ca. 65 Personen angetreten.
— Gleich wie am 5. c. ist auch für den 12. August ein Souderzug von Frankfurt a. M. nach Bremen von der Kgl. Eisenbahn-Direction Hannover angeordnet, wozu Näheres aus drm gestrigen Inserat zu ersehen ist.
Gießen, 9. August. — 50jähriges Stiftungsfest des Corps „Starkeuburgia".
vierteljähriger Avsnne«e«t5prerA» 2 Mark 20 Pfg. mA Bringerlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
Redactton, Expedition und Druckerei:
KchutstraßeZtt.l. Fernsprecher 51.
tag, wie er geplant, an der Küste Helgolands zu kurzem Aufenthalte landet, so kann der erlauchte Monarch seinen Fuß hiermit bereits auf deutsche Erde setzen. Wohl in jedem patriotischen deutschen Herzen wird die Kunde, daß Helgoland nunmehr in aller Form ein wenn auch noch so kleines Glied des deutschen Reiches ist, ein freudiges Echo Hervorrufen, denn alter deutscher Boden gehört wieder zum Mutterlande und ein kräftiger, urdeutscher Volksstamm ist jetzt in den Helgoländern auch politisch wieder mit unserer Nation vereinigt worden. -Genommen ist auf immer von dem patriotischen Empfinden des deutschen Volksherzens das drückende Bewußtsein, daß ein durch und durch deutscher Flecken Erde, wie Helgoland, vorgelagert der Mündung eines der mächtigsten vaterländischen Ströme, sich in fremden Händen befand — stolz flattert seit dem 9. August die deutsche Reichsflagge aus den Felsenzinnen Helgolands und hoffentlich wird sie bis in die fernsten Zeiten daselbst wehen.
Aber nicht nur vom nationalen und historischen Standpunkte aus muß die Thatsache, daß Helgoland nun wieder uns gehört, in uns Deutschen freudige Befriedigung erwecken, sondern auch in mehr praktischer Hinsicht, in militärischstrategischer Beziehung. Als unmittelbar nach dem ersten Bekanntwerden der Nachricht, daß Helgoland wieder mit Deutschland vereinigt werden solle, sich selbst in competenten Kreisen weitgehende Meinungsverschiedenheiten über die prac- tische Bedeutung des Erwerbs der Insel für Deutschland erhoben, da gab es sehr Viele, die ebenfalls meinten, was denn dieser winzige, kaum den 50. Th eil einer Ouadratmeile re- präsentirende Fleck Erde in der weiten Nordsee Deutschland in militärischer und strategischer Beziehung nützen solle. Aber inzwischen haben die dem Erwerbe Helgolands gewidmeten Ausführungen der Caprivi'schen Denkschrift dargelegt, daß der Besitz dieses Feseneilandes trotz seiner Kleinheit für Deutschland denn doch keineswegs unterschätzt werden darf und diese Auffassung ist von hervorragenden militärischen Autoritäten neuerdings entschieden unterstützt worden. Es wurde hierbei daraus hingewiesen, daß der kostspielige und wichtige Nordostseekanal erst durch das deutsche Helgoland seine volle Bedeutung gewinne, daß letzteres ferner im Kriegsfälle der deutschen Flotte einen trefflichen Stützpunkt zu Verthei- digungszwecken, wie zu Ausfällen gegen feindliche Geschwader gewähre und daß schließlich durch den deutschen Besitz Helgolands eine feindliche Blokade der Elb- und Wesermündungen zur Unmöglichkeit werde. Gewiß liegt es nicht im Sinne der Reichsregierung, Helgoland etwa zu einem deutschen Gibraltar umzugestalten, einfach, weil jenes nicht die weitreichende, beherrschende Stellung einnimmt, wie das englische Felsennest • an den Säulen des Herkules, aber es wird von Seiten des Reichs alles Nöthige geschehen, um Helgoland die ihm immerhin zukommende militärische und strategische Bedeutung zu verleihen und es zu einem Stützpunkt der deutschen Wehrmacht zu machen.
Ueber die Fragen der künftigen staatsrechtlichen Stellung und der Verwaltung Helgolands wird wohl schon die nächste Zeit Aufschluß bringen. Vorerst aber treten sie noch vor der eindrucksvollen Thatsache zurück, daß jener einsame und uns Deutschen doch so theuere Felsen inmitten des Wogen- gebrauses der Nordsee jetzt voll und ganz deutsches Eigen- thum geworden ist und daß unmittelbar nach der Uebergabe der Insel unser Kaiser diese Stätte betritt, kann die Bedeutung des Uebergabeactes nur erhöhen. Den Helgoländern aber zeigt der Besuch des kaiserlichen Herrn aus ihrem Eilande, welches warme Interesse der erlauchte Monarch dem neuen deutschen Besitzthum und den Bewohnern widmet und in diesem allerhöchsten Interesse liegt für die Helgoländer eine gewichtige Bürgschaft, daß sie auch unter den Fttttgen des mächtigen deutschen Aars gut wohnen werden.
Alle Annoncen-Bureaux deS In» und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgege«.
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Deutsches Reich.
Darmstadt, 9. August. Für die Tagesordnung des Vereinstages deutscher landwirtschaftlicher Genossenschaften am 19., 20., 21. und 22. August ist folgende Zeiteintheilung festgesetzt worden: Dienstag, den 19. August: Von 5 Uhr Nachmittags ab: Empfang der am Vereinstage theilnehmenden Genossen und Gäste am Bahnhofe durch Mitglieder des Ortsausschusses. Um 7 Uhr: Vorversammlung im Restaurationssaale des Ludwigsbahnhofs (obere Etage). Im Anschluß an die Vorversammlung: Gemüthliches Zusammensein im Saale und aus den zugehörigen Terassen. — Mittwoch, den 20. August: Erster Versamm- lungstag. 1/28 Uhr Morgens: Besichtigung des städtischen Electricitätswerks (Schuchardstraße). 9 Uhr Morgens: Be- ainn der öffentlichen Verhandlungen des allgemeinen Vereinstages im großen Saale des Saalbaus. 12 Uhr Mittags:
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Büdingen, im August. Auch der minder Begüterte fühlt das Bedürsniß, sich einmal auszuspannen aus dem Einerlei des gewöhnlichen Daseins und hinauszuziehen in Gottes schöne, weite Welt. Wir glauben Denen, die nicht allzu lange von Hause wegbleiben können, einen Gefallen zu erzeigen, wenn
gestern Abend auf der Pulvermühle veranstaltete, vom herrlichsten Wetter begünstigte italienische Nacht, verbunden mit großem Brillantfeuerwerk, dürste wohl das groß-
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Gießener Anzeiger erscheint täglich, 9it Ausnahme deS Montags.
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Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Großh- Ministerium des Innern und der Justiz dem Vorstand der Colonien für Eplleptische „Bethel" bei Bielefeld (Pastor von Bodelschwingh) die Erlaubniß ertheilt hat, während der Monate September, October, November und December l. I. eine Hauscollecte zum Besten der genannten Anstalt innerhalb des Großherzogthums zu veranstalten.
Gießen, den 7. August 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.:
Jost, Regierungsrath.
Bekanntmachung.
Im Anschluß an unsere Bekanntmachung vom 6. l. M. — Anzeiger Nr. 182 — haben wir nunmehr auch für die zum Bezirk des Großh. Forstamts Nidda gehörigen Gemarkungen unseres Kreises die Heegzeit des Dachses für August und September l. I. hierdurch auf.
Gießen, am 8. August 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V-:
Jost, Regierungsrath.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des R-ichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht tat Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Ausschlags von Fünf vom Hundert, pro Monat Juli für den Lieserungsverband Gießen pro 100 kg betragen:
Hafer v4L 20.40, Heu 5.90, Stroh JL 4.70.
Gießen, am 8. August 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.:
__Jost, Regierungsrath.__________________
Bekanntmachung.
Der landwirthfchastliche Bezirksverein des Kreises Gießen wird
Donnerstag den 28. August 1890 in Grünberg
(und nicht, wie in der Bekanntmachung vom 5. August angegeben, am 25. August l. I.)
aus dem Tummelplatz (Lehmkaut) in der Nähe des Wagner'- schen Gartens eine Ausstellung von Zuchtvieh, verbunden mit einer Viehpreisvertbeilung veranstalten.
An derselben können sich alle im Kreise Gießen wohnenden Viehzüchter mit ihren Zuchtthieren mit Ausnahme der Viehhändler betheiligen. f ,
Prämien werden nur für Zuchtthrere der Vogelsberger Raffe (Reinzucht) und der Simmenthaler Raffe (Reinzucht und Kreuzung) erthellt.
An Geldpreisen hat der landwirthfchastliche Provinzral- verein zur Prämiirung von Vogelsberger Vieh 200 und der landwirtschaftliche Bezirksverein zur Prämiirung von Simmenthaler und Vogelsberger Vieh 500 JL zur Disposition gestellt.
Preise werden bewilligt:
1) für Bullen im Alter von einem Jahre und darüber, 2) für Rinder im Alter von einem Jahre ab und für
Kühe jeden Alters.
Nur preiswürdiges Vieh wird prämnrt. Sämmtltche auszustellende Thiere müssen bis Morgens 8 Uhr auf dem Tummelplatz zu Grünberg aufgetrieben fein. Bullen im Alter von Vk und mehr Jahren müssen an einemNafenring geführt und an demselben aus dem Ausstellungsplatze angebunden werden.
Gelegentlich der Thierschau kann die Ankörung sprung- sähiaer Bullen durch d(e Körcommifsion stattfinden. Es finden daher Gemeinden und Bullenhalter daselbst günstige Gelegenheit zum Ankauf von Gemeindebullen.
Gießen, den 5. August 1890.
Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Jost, Regierungsrath.
Dss deutsche Helgoland!
Zur Stunde hat sich der feierliche Uebergang der Insel Helgoland aus dem Besitze Englands, welches das wogenumbrauste Felseneiland 82 Jahre hindurch sein eigen nannte, in denjenigen des deutschen Reiches vollzogen und wenn Kaiser Wilhelm II. auf der Rückreise von England an diesem Sonn-


