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1890

Donnerstag den 10. Juli

Nr. 157

Gießener Anzeig er

Kenerat-Mnzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.

Amtlicher Theil.

--Jnspector

zu ernennen.

am

Alle Annoncen-Burcaux deS In« und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

andhing und meinem erkauften

Darmstadt, Großherzog

Die Gießener

Kamttien-lLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Der tzietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.

in das Fach ein­ten.

Msohn^

Gießen, 9. Juli.

Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten Donnerstag den 10. Juli 1890, Nachmittags

11 Weintet.

"Ad, M. Mhrch,

Vetttsches Reich.

8. Juli. Seine Königliche Hoheit der haben Allergnädigst geruht: am 3. Juli den des Dienstes eines Fabrikinspectors beaus-

mit Versetzung _

tragten Friedrich Kraus in Darmstadt zum Fabrik-

London, 8. Juli. ImOberhause erklärte heute Lord Salisbury, die gestrigen Vorkommnisse innerhalb der Polizei seien von den Zeitungen übertrieben worden. Die Ordnung in der Bowstreet-Station wäre schnell wieder hergestellt ge­wesen und neue Unruhen kaum zu befürchten, da gegen alle Ordlmngsstörungen hinreichende Vorkehrungen getroffen seien. Ueber den Vorgang der zeitweiligen Gehorsamsverweigerungen des Gardebataillons sei eine Untersuchung eingeleitet.

Christiansand, 8. Juli. Das deutsche Geschwader, mit dem Kaiser an Bord, ist heute Vormittag um 10 Uhr ausgelaufen. Das Wetter ist regnerisch.

Cettiuje, 8. Juli. Die Ermordung Bosco Mar­tino witsch s, des Vetters des Fürsten von Montenegro, erfolgte aus Privatrache durch einen gewissen Savo Pocek, der Martinowitsch durch einen Revolverschuß tödtlich ver­wundete. Martinowitsch gab nach der empfangenen Ver­wundung seinerseits zwei Revolverschüsse auf Pocek ab, der sofort tobt niedersank, während Martinowitsch selbst seiner Verwundung kurz daraus erlag.

Konstantinopel, 8. Juli. In diplomatischen Kreisen ver­lautet, die Pforte lasse soeben in London eine Note über­reichen, in welcher sie, anknüpfend an die bisherigen Ver­handlungen zwischen Rustem Pascha und Lord Salisbury und abweichend von der englischen Bedingung, die Festsetzung eines bestimmten Termins für die Räumung Egyptens ver­langt und den Wunsch ausspricht, daß das Recht der event. Wiederbesetzung von Seiten Englands auch nur bis zu einem zu bestimmenden Zeitpunkte giltig sein soll.

4 Uhr:

1. Die directe Verbindung der Bahnhöfe in Gießen mit dem südlichen Stadttheile am Seltersberg. 2. Die Vieh­marktplätze. 3. Gesuch des Turnvereins um Austausch von Gelände. 4. Anbau an den Hochbehälter. 5. Gesuch ver­schiedener Bewohner auf dem Seltersweg um Wiederherstellung des Brunnens im Bürgerhospital. 6. Erläuterung der Revisions-Bemerkungen zur Rechnung des städtischen Gas- und Wasserwerkes für 1888/89, insbesondere Bemerkung Nr. 19 und 27.

Da viele Mitglieder des Oberhesfischen Geschichtsvereins verhindert waren, an dem ersten Ausflug nach Marburg zur Besichtigung der Ausstellung über alle Zweige des Buch­gewerbes theilzunehmen, so ist ein zweiter Pereinsausflug dahin geplant, au welchem selbstverständlich auch Nichtmitglieder theilnehmen können. Der Tag wird noch besonders bekannt gegeben und ist eine möglichst zahlreiche Betheiligung sehr erwünscht.

Das Reichs-Verficherungsamt hat an die Vorstände sämmtlicher, ausschließlich vom Reichs-Versicherungsamt ressor- tirenden Berussgenossenschaften ein Rundschreiben erlassen. In demselben wird auf die für das Jahr 1887 erschienene Statistik der entschädigungspstichtigen Unfälle verwiesen und den Berussgenossenschaften Maßnahmen zur Vermei­dung von infolge Verletzungen eintretenden Blutvergiftungen empfohlen. Es ergibt sich aus dem Inhalt dieser Statistik, daß in 59 Fällen der Tod der durch Unfall Verletzten an hinzugetretener Blutvergiftung erfolgt ist. Dabei waren die Folgen der meist ganz geringfügigen Verletzungen großentheils deshalb so schwere, weil dieselben nicht von vornherein beachtet worden und ohne ärztliche Be­handlung geblieben waren. So hatte beispielsweise eine durch das Anfassen eines glühenden Nietes herbeigesührte unbedeutende Brandwunde, welche vernachlässigt wurde, ferner eine beim Ansassen von Mauersteinen erlittene kleine Ver­letzung des Daumens, in welche Staub drang, den Tod der Arbeiter zur Folge.

E. Aus Oberhessen, 7. Juli. Bei den in der Provinz Oberhessen im Jahre 1889 bestehenden 79 Telegraphen­anstalten wurden 59 700 Telegramme ausgegeben, für welche 46 288 Mk. Gebühren erhoben wurden. Die Mehr­zahl dieser Telegramme fällt naturgemäß auf Gießen, bei dessen beiden Telegraphenanstalten zusammen 22 068 Tele­gramme mit 15 916 Mk. Gebühren ausgegeben wurden. Der Zahl der Telegramme nach nimmt Bad-Nauheim mit 6022 Telegrammen den zweiten Rang ein, Friedberg mit 4289 Tele­grammen den dritten, Alsfeld mit 2951 Telegrammen den vierten.

E. Schotten, 8. Juli. Die Maul- und Klauenseuche in Ulrichstein, Eschenrod und Götzen ist erloschen.

Betr.: Maul- und Klauenseuche.

Bekanntmachung.

Zu Büdingen ist bei einem Stück Rindvieh die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.

Gießen, den 7. Juli 1890.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Netteste Nachrichten.

WoiffS relegropbiicheS Correspondenz-Bureau.

Berlin, 8. Juli. DerReichsanzeiger" theilt über den weiteren Reiseplan des Kaisers mit, daß der Kaiser zunächst in Bergen Halt machen, alsdann in verschiedene Fjords einlaufen werde, an deren Ende er jedesmal die Landung zu wählen gedenke. Speciell sei eine Landtour von Elde nach Gudwangen über Toswangen in Aussicht genommen. Weiter nördlich als nach Molde und Moldefford über Aale­sund beabsichtigt der Kaiser nicht zu gehen. Von Molde aus seien verschiedene Landpartien geplant, auf manche lohnende Partie wolle der Kaiser in Rücksicht auf die Heimath ver­zichten, da die zu erledigenden Regierungsgeschäfte ein längeres Fernbleiben nicht wünschenswert erscheinen lassen.

DasMilitärwochenblatt" veröffentlicht die Er­nennung des Kronprinzen von Dänemark zum Ches des 14. Husarenregiments.

Wien, 8. Juli. DasFremdenblatt" hebt mit großer Genugtuung die begeisterte Aufnahme der österreichisch- ungarischen Schützen in Berlin hervor. Darin präge sich die gegenseitige Sympathie der beiden Völker und ihr treues Festhalten am Bunde aus. Stimmungsvoll klangen die Worte des italienisches Schützenführers hinein, so daß das Schützenfest eine bemerkenswerte Kundgebung für die Friedensallianz ist.

London, 8. Juli. DerTimes" wird aus Buenos Aires gemeldet, daß ein ernster Strike, begleitet von Ruhestörungen, im Salpetechafen Jquique (Chile) ausgebrochen ist- der Handels- und Schifffahrtsverkehr stocke.

London, 8. Juli. Eine im Kriegs Ministerium abgehaltene Conserenz beschloß, nach dem Remer'schen Bureau, das Bataillon, welches sich gestern ungehorsam zeigte, vor­läufig in der Kaserne zu consigniren. Es verlautet, daß ein herbeigerusenes Linien-Jnsanterie-Regiment im anderen Flügel der Kaserne einquartirt werden wird. In Ausführung der kriegsministeriellen Beschlüsse ordneten die Militärbehörden an, daß die Mannschaften des widersetzlichen Bataillons vor­erst in der Kaserne zu verbleiben haben und später verlegt werden sollen. Der Commandant des Londoner Militär­bezirks verständigte das Bataillon davon, daß das East- Dorkshire-Regiment in die Wellington-Kaserne gelegt werde, um die Wachen zu beziehen und die anderen Obliegenheiten zu erfüllen. Das Regiment werde keineswegs zur Ein­schüchterung der Grenadiere oder aus Besorgniß vor weiteren Ordnungswidrigkeiten, sondern lediglich behufs Wahrnehmung des Dienstes nach der Kaserne commandirt.

London, 8. Juli. Die Unruhen in Bowstreet dauerten bis heute früh 2 Uhr; um diese Zeit begann die Menge sich zu zerstreuen. Die durch die Volkshaufen angerichteten Zer­störungen sind beträchtlich; viele Häuser sind beschädigt, zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert. Viele Personen wurden verhaftet.

London, 8. Juli. Die Unruhen in Bowstreet wurden heute gegen Abend, wie dasReuter'sche Bureau" meldet, erneuert. Drei Constabler machten von ihren Stöcken Gebrauch. Drei andere Constabler, von der heulenden Menge verfolgt, wendeten sich mir anderen Polizeimannschasten gegen dieselbe, wobei eine Frau einen Srockschlag gegen den Kops erhielt. Als die Frau blutete, wurde die Polizei mit Holz­stücken und mit Steinen beworfen. Mehrere Personen wurden daraushin verhaftet. Zur Herstellung der Ordnung griffen berittene Schutzleute ein und wurden 30 Constabler dorthin . gesandt.

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E. Friedberg, 7. Juli. Der Steuercommissär des Steuer- commissariats Friedberg Steuerrath Georg Schober wurde mit Wirkung vom 1. August d. I. an aus sein Nach­suchen und unter Anerkennung seiner mehr als sünszigjährigen treugeleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt und dem­selben aus diesem Anlaß die Krone zum Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen verliehen.

Butzbach, 9. Juli. Der Steuercommissär des Steuer- commissariats Butzbach Steuerrath Johannes Hechler wurde mit Wirkung vom 1. August d. I. an, aus sein Nachsuchen, und unter Anerkennung seiner langjährigen treugeleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt und demselben aus diesem Anlaß die Krone zum Ritterkreuz erster Klasse des Verdiyrst- ordens Philipps des Großmüthigen verliehen.

Butzbach, 8; Juli. Mittwoch den 16. Juli, Vormittags Don 912 und Nachmittags von 25 Uhr, findet die Wahl eines Bürgermeisters der Stadt Butzbach statt. Wahlberech­tigt sind 388 Personen.

Herbstein, 7. Juli. Sonntag den 13. Juli, Nachmittags 3 Uhr, findet zu Hörgenau in der Wirthschast derWittwe Eifert eine Versammlung statt, in welcher Herr Kreiswiesen­bautechniker Kunz überWiesencultur" einen Vortrag halten wird.

Alsfeld, 7. Juli. Ein Bürgermeister unseres Kreises (den Namen desselben, sowie der betreffenden Gemeinde wollen wir hier verschweigen) hat im April d. I. einem Gemeinde- Eingesessenen die nachfolgende originelle Bescheinigung ertheilt, welche der Redaction derAllgemeinen Fleischerzeitung" im Original vorliegt:D... S .. von .... Beabsichtigt nach Frankfurt auf den Mark zu fihren färbe gelb mit rothebles mit aufgeworfene Horner und wurd Bescheinigt, daß in unfern Gegent keine anstenkte Cranheit herscht." (Unterschrift und Amtssiegel.) Trotz seiner mangelhaften Orthographie kann aber der HerrBürgermeister" doch ein Mann sein, der Kopf und Herz am rechten Fleck hat. (L. A.)

Nidda, 8. Juli. Sonntag den 13. Juli, Nachmittags 3 Uhr, findet in der Ludwigshalle hier ein Vortrag des Herrn Landwirthschaftslehrers Andrae von Büdingen über Phosphat- und Kali-Düngung nach ihrem jetzigen Stand­punkte" statt.

Stumpertenrod, 7. Juli. Bezeichnend für das jetzige traurige Wetter ist die Thatsache, daß man am heutigen Nach­mittag, als sich die Sonne einige Augenblicke sehen ließ, Leute sah, welche, in der einen Hand den Rechen, in 'der anderen den Regenschirm, ans Heumachen gingen. Daß ihre Vorsorge sehr am Platze war, bewies der bald eintretende anhaltende Platzregen, der gründlich durchweichte.

Ulrichstein, 7. Juli. Seit gestern Nachmittag ver­mißte man den hiesigen Fußgendarm Sch., einen noch ledigen Mann anfangs der 30er Jahre. Heute Vormittag fand man denselben in einem unweiten Wäldchen erschossen. Der Unglücksselige hatte sich durch einen Schuß aus seinem Dienst­gewehr, der durch den Mund gegangen war und den Kopf zerschmettert hatte, entleibt. Motive zur traurigen That sind bis jetzt noch gänzlich unbekannt.

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Achtungsvoll rieh Arnold, nung, Neuenweg 13 (bei ___5691 rilkli, MtM W., Spezielle Zoologie, . M. 4, geb. M. 5. MrMr, br. M. 3.50, L50.

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* Darmstadt, 7.'Juli. Zur Berathung über die behufs Aufhebung der hessischen Weinsteuer zu veranlassenden Schritte finden innerhalb des Großherzogthums demnächst folgende Versammlungen statt: Donnerstag den 10. Juli, Vormittags 11 Uhr, im Hotel Trapp zu Friedberg. Am gleichen Tage, Nachmittags 4 Uhr, im Cafe Leib in Gießen. An demselben Tage ferner im Schwanen zu Offenbach a. M., sowohl für die Stadt selbst als für die Landwahlkreise. Freitag den 11. Juli, Vormittags 11 Uhr, im Hotel Guntrum zu Alsfeld. Montag den 14. Juli, Nachmittags 6 Uhr, bei Gastwirth L. Schönberger, Groß-Bieberau. Mittwoch den 16. Juli im Hotel Friedrich zu Michelstadt i. O. Freitag den 18. Juli, Vormittags 11 Uhr, bei Gastwirth Scheer zu Dieburg. Am gleichen Tage, Nachmittags, bei Gastwirth Hax, zum Lamm, Groß-Umstadt. Weitere Versammlungen sind vorgesehen in: Waldmichelbach, Birkenau, Oppenheim, Nieder-Jngelheim, Pfeddersheim, Worms, Schotten, Butzbach, Griesheim, Lampertheim rc.

*= Frankfurt a. M., 8. Juli. Ein Mittel­rheinischer Beamten-Verein, welcher in Frankfurt domicilirt sein wird und in den Nachbarstädten Wiesbaden, Darmstadt, Mainz Zweigniederlaffungen zu errichten beab­sichtigt, ist in der Bildung begriffen. Der Zweck des Vereins, der sich in Form einer Actiengescllschaft mit einem Grund- capital von 200000 Mk. (1000 Nominal-Actien ä200 Mk.) constituiren soll, soll in der Vertretung der wirthschastlichen