1890.
Samstag den 10. Mai
Nr. 108
Gießener Anzeiger
General-Unzeiger.
Aints- und Zluzergsblatt für den "Kreis GiesZen
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Amtlichsv Theil.
Bekanntmachung,
die Unterhaltung der Kreisstraßen betreffend.
Wir bringen hierdurch den Fuhrwerksbesitzern zur Kennt- niß, daß sich auf der Kreisstraße Mainzlar-Trei- von Freitag den 9. d. M- ab eine Dampfstraßenwalze in Thätig- keit befindet.
Gießen, den 9. Mai 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz dem Vorstande des „Mitteldeutschen Kunstgewerbe- BereinS zu Frankfurt a. M." die Erlaubniß ertheilt hat, Loose für eine im IV. Quartal d. I. in Frankfurt a. M. zu veranstaltende Verloosung von kunstgewerblichen Erzeugnissen der Neuzeit im Großherzogthum zu vertreiben. Der Reinerlös dieser Verloosung ist zum Ankauf von Gegenständen für die kunstgewerbliche Vorbildersammlung (Museum) des Vereins zu verwenden. Nach dem von dem Königlich Preußischen Ober- Präsidenten der Provinz Hessen-Nassau genehmigten Ausspielungsplane dürfen nicht über 30,000 Loose, das Stück zu 1 Ji. ausgegeben werden. Der Werth der zu verloosenden Gegenstände muß mindestens 60% des Erlöses aus dem Verkauf der Loose, abzüglich des Betrags der Stempelkosten der Loose, betragen.
Gießen, am 6. Mai 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Bekanntmachung.
Die nachstehenden Militärpersonen:
1) der zur Disposition der Ersatzbehörden entlaffene Oeconomiehandwerker Johann Anton Laut aus La Chaux de fonds (Schweiz), heimathsberech- tigt in Wersan, Kreis Dieburg (Hessen) und
2) Rekrut Heinrich Schmitt aus Heppenheim, Kreisamt Worms (Hessen), Beide aus dem Landwehrbezirk Lörrach,
sind durch das unter dem 4. Mai 1890 bestätigte kriegsgerichtliche Erkenntniß vom 1. Mai 1890 in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt und zu einer Geldbuße von je 160 Mark verurtheilt worden.
Freiburg i. Br., den 8. Mai 1890.
König!. Gericht der 29. Division. I II »»» I in »I uw W.W. u. »I.^M.W
Deutsches Reich.
Darmstadt, 8. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Major Kühne, die Hauptleute Werner I., v. Schlemmer, Müller, Seitz vom 2. Großh. Jnf.-Regiment Nr. 116.
Berlin, 8. Mai. Die socialdemokratische Fraction des Reichstages hat nachstehenden Antrag eingebracht:
Der Reichstag wolle beschließen:
dem nachstehenden Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Abänderung des Zolltarifgesetzes vom 15. Juli 1879, die verfassungsmäßige Zustimmung zu ertheilen:
Gesetz, betreffend die Abänderung des Zolltarifgesetzes vom 15. Juli 1879.
Wir Wilhelm, vou Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen re.
verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesraths und des Reichstages, was folgt:
§• 1.
Der durch die Bekanntmachung vom 24. Mai 1885 (Reichs-Gesetzbl. S. 111) veröffentlichte, beziehungsweise durch das Gesetz vom 21. December 1887 (Reichs-Gesetzbl. S. 533) abgeänderte Zolltarif wird in nachstehender Weise abgeändert:
1) In Nr. 9: „Getreide und andere Erzeugnisse des Landbaues", tritt an die Stelle der Positionen a bis f folgende Fassung:
a. Getreide, auch gemalzt, und Hülsensrüchte frei.
2) In Nr. 25: „Material- und Spezerei-, auch Condi- torwaaren und andere Consumtibilien" erhalten die Positionen 25 f, 25 g 1 und 2, 25 k und 25 q 2 folgende Fassung:
f. Butter, auch künstliche frei,
g. 1) Fleisch, ausgeschlachtetes, frisches und zubereitetes - Geflügel und Wild aller Art, nicht lebend, Fleischextract, Tafelbouillon frei,
2) Fische, nicht anderweit genannt, frei,
k. Heringe, gesalzene frei,
q. 2) Mühlenfabrikate aus Getreide und Hülsensrüchten, nämlich: geschrotene oder geschälte Körner, Grgupen, Gries, Grütze, Mehl, gewöhnliches Backwerk (Bäckerwaare) frei.
3) In Nr. 26: „Oel, anderweit nicht genannt, und Fette" erhält die Position h folgende Fassung:
h. Schmalz von Schweinen und Gänsen, Stearin frei.
4) In Nr. 37: „Thiere und thierische Produete, nicht anderweit genannt" erhält die Position b folgende Fassung:
b. Eier von Geflügel frei.
5) In Nr. 39: „Vieh" tritt an die Stelle der Positionen a bis k folgende Fassung:
Lebendes Zug- und Schlachtvieh aller Art frei.
§. 2.
Dieses Gesetz tritt am 1. October 1890 in Kraft.
Neueste Nachrichten.
WoW telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 8. Mai. Der „Reichsanzeiger" meldet: In den Pfingstferien ist für die fünf westlichen Provinzen in Bonn, bezw. Trier, ein Archäologischer Feriencursus für Lehrer der alten Sprache und der Geschichte an höheren Schulen von der Unterrichtsverwaltung angeordnet, ähnlich dem vom 8. bis 12. April hier für die sieben östlichen Provinzen abgehaltenen. An der Hand der gemachten Erfahrungen soll erwogen werden, wie solche Curse dauernd einzurichten wären und ob es sich empfehle, ähnliche Einrichtungen sür andere Lehrgegenstände, insbesondere für Physik und Chemie, herzustellen.
Stettin, 8. Mai. Unter den Maurern, Zimmerleuten und den Kalk- und Steinträgern ist heute ein allgemeiner Strike ausgebrochen.
Frankfurt a. M., 8. Mai. Der Gemeinderath von Höchst hat dreihundert Mark Belohnung für Ermittelung der Haupträdelsführer bei den Excessen vom 1. und 2. Mai ausgeschrieben. Ein Mann, der unter dem Verdacht, den Schuß auf die Polizei abgegeben zu haben, verhaftet worden ist, wurde, da er seine Unschuld beweisen konnte, wieder freigelassen.
Meerane, 8. Mai. Die Arbeiter der Färbereien verlangten eine Lohnerhöhung von20pCt., llstündige Arbeitszeit und bei Sonntagsarbeit eine Lohnerhöhung von 100 pCt. Da diese Forderungen abgelehnt wurden, haben gestern die Arbeiter von fünf größeren Firmen die Arbeit eingestellt.
Hamburg, 8. Mai. Die Direction der deutsch-ostasrika- nischen Dampferlinie hat beschlossen, ihre Schiffe in Rotterdam anlaufen zu lassen.
Hamburg, 8. Mai. Der „Hamburger Correfpondent" erfährt als authentisch, Herr v. Kusserow habe behufs Verheirathung einen sechswöchigen Urlaub erbeten, der ihm vom Kaiser mit dem Ausdruck des Glückwunsches bewilligt worden sei. Die Behauptung, der Gesandte sei entlassen, sei unwahr, und die Andeutung, Kusserow stehe mit dem vielbesprochenen Artikel der „Hamburger Nachrichten" in Beziehung, entbehre jeder thatsächlichen Unterlage.
Hamburg, 8. Mai. Mehrere Firmen stellten der Hafen- polizei Dampfer zur Verfügung, um alle Wasserwege abpa- troulliren und die angenommenen Leute gegen die striken- den Ewer führ er schützen zn können. Bisher schritt die Polizei in dreizehn Fällen ein und nahm mehrere Verhaftungen vor. Auf dem Lande streifen fortwährend größere Patrouillen umher. Der Verein der Hamburger Spediteure erklärte den Ausstand der Ewersührer als force majeure und beschloß, die Ewersührer-Baasen (Geister) bei der Beseitigung des Strikes energisch zu unterstützen. — 25 Arbeitgeber bewilligten 235 Maurern einen Minimallohn von 65 Pfennigen und einen neunstündigen Arbeitstag. Die Strikenden beschlossen, daß möglichst viele Gesellen abreisen, aber dreizehn bestimmte Städte Deutschlands meiden sollen. Der Ausbruch eines allgemeinen Maurerstrikes ist für den 12. Mai zu erwarten. Die unter den neuen Bedingungen arbeitenden Maurer müssen während der nächsten zwei Wochen täglich zwei Mark, später eine Mark in die Strikekasse zahlen.
Pest, 8. Mai. Der S t a a t s k a s s e n - A u s w e i s für das erste Quartal ergab eine um 64/10 Millionen günstigere Billanz als diejenige des ersten Quartals 1889.
Paris, 8.Mai. Den heutigen Ministerrath beschäftigten verschiedene der Kammer vorliegende Gesetzentwürfe, betreffend die Auferlegung einer Steuer für in Frankreich wohnende Fremde. Es wurde constatirt, das einzige, die
Fremden besteuernde Land sei die Schweiz, die nur eine geringfügige Steuer erhebe. Der nächste Ministerrath wird prüfen, ob die dermaligen Verträge der Einführung einer Fremdensteuer entgegenstehen.
Rom, 8. Mai. Heute Mittag wurde die Deputation der deutschen Pilger vom Papste empfangen. Es wurde eine Adresse vom Grafen Galen verlesen, worin die Liebe und Dankbarkeit der deutschen Katholiken für die vom Papste ihnen erwiesenen Gunstbezeugungen ausgesprochen wird. Der Papst erinnerte dann an das Jubiläum Gregors des Großen und hob die Handlungen dieses Papstes zu Gunsten der Völker Europas hervor- er berührte die gegenwärtige Lage der Kirche in Deutschland, wo der religiöse Krieg aufgehört habe und wo es durch die Abschaffung kirchenseindlicher Gesetze zu einer besseren Verständigung gekommen sei. Der Papst rechne auf die Hochherzigkeit des Kaisers und die Treue der Katholiken, um das Werk des Friedens zu vollenden. Er sprach sodann seinen Segen über Deutschland aus. Er empfing später die Mitglieder des Comites und unterhielt sich mit Herrn v. Schlözer und dem österreichischen Botschafter Revertera. Außerdem waren acht Cardinäle zugegen.
Rom, 8. Mai. „Esereito Jtaliano" erklärt, daß die Regierung trotz der fortgesetzten neuen Rüstungen der großen europäischen Staaten ihre bisher im Militäretat beobachtete Sparsamkeit aufrecht erhalte, andererseits fest entschlossen sei, an jenen Ausgaben nicht zu rühren, deren Verminderung die Sicherheit des Staates oder die völlige Einhaltung der eingegangenen Verpflichtungen gefährden werde.
Brüssel, 8. Mai. Die Antisclaverei-Conferenz nahm alle Artikel des Entwurfs an, welcher die zur Unterdrückung des Sclavenhandels auf dem afrikanischen Festlande bestimmten Maßregeln aufführt, die Strafen für Zuwiderhandlungen festsetzt und den Handel mit Waffen und Munition regelt.
Washington, 8. Mai. Die Commission und der republikanische Caucus der Senatoren und Repräsentanten empfehlen die Annahme des Gesetzentwurfs, welcher den monatlichen Ankauf von 4% Millionen Unzen Feinsilber mit Schatzbonds verlangt, welche mit legalem Silber rück- käuflich sind. Der Entwurf sieht ferner vor, daß aus Verlangen der Inhaber der Bonds die Verwaltung des Schatzes dieselben mit nichtgeprägtem Silber zum Tagespreise zurückkaufen kann. Der republikanische Caucus der Kammer nahm den Bericht der Commission an und entschied sich für die Annahme des obigen Entwurfs - es bestehen indessen noch Differenzen unter den Senatoren über die Artikel betreffend den Rückkauf mittelst nicht geprägten Silbers. Der vom Senator Jones eingebrachte, gegenwärtig vom Senat berathene Gesetzentwurf sieht ebenfalls den monatlichen Ankauf von 4% Millionen Unzen Feinsilber mit Schatzbonds vor, enthält aber keinen Artikel betreffend den Rückkauf mit nichtgeprägtem Silber. Die heute stattgefundene Versammlung des Caucus der Senatoren gelangte zu keiner Einigung.
Cocotes mit protHnjicUes,
Gießen, 9. Mai.
— Sitzung der Stadtverordneten vom 8. Mai. Anwesend: Herr Bürgermeister Gnauth, Herr Beigeordneter Langsdorff, Seitens der Stadtverordneten die Herren Adami, Georgi, Grüneberg, Habenicht, Heyligenstaedt, Hoch, Hom- berger, Keller, Löber, Dr. Ploch, Scheel, Schiele, Schopbach, Pros. Dr. Thaer und Vogt.
Herr Bürgermeister Gnauth gibt Kenutniß von dem Eingänge zweier Schreiben der Herren Stadtverordneten Dr. Gutfleisch und Schmall, laut welchen Ersterer für die Dauer der Reichs- und Landtagssession, Letzterer für die Dauer einer Geschäftsreise das Fernbleiben von den Sitzungen zu entschuldigen bittet. — Die Herren P. Mnlch und M. Loh wollen ein Stück Gelände in der Flügelsgasse, welches früher einen Fluthgraben bildete, der aber nach Legung eines Cementrohres zugeschüttet wurde, gegen entsprechende Vergütung in Benutzung nehmen. Die Versammlung erklärt sich damit einverstanden und setzt das jährliche Pachtgeld aus 5 Mk. fest. — Zufolge Gesuches einer größeren Anzahl Bewohner der Flügelsgasse, denen der neubebaute Theil der Gasse eine Benennung als Straße aus mancherlei Interesse, z. B. höheren Miethwcrth der Wohnungen, wünschenswerth erscheint, beschloß die Versammlung, die Straße in Zukunft Damm st raße zu benennen. ES sollen nunmehr die alten Straßenschilder mit „Flügelsgasse" entfernt und durch neue, die Straße in ihrer ganzen Länge von der Wallthorstraße bis an die Eisenbahn als „Dammstraße" bezeichnende ersetzt werden. — Eine Anzahl Rechmmgen über


