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Nr. 182.
Freitag den 8. August
1890
Kießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger
Amts- und Anzeigeblatt fflr den Areis Gieren.
chratisöeikage: Gießener Kamitienötätter
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135
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für dm folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
Redactton, Expedition und Druckerei:
Schrrtstraße Br.1l«
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Vierteljähriger AVonnementspreirr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
Die Gießener NamittenölLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
......■---------- -"2 ■ ■.a Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Der
Kießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung,
die Heegzeit des Dachses betreffend.
Nachdem begründete Klagen über den Schaden, welchen der Dachs an Kartoffelfeldern anrichtet, zu unserer Kenntniß gekommen sind, heben wir, und zwar zunächst für die zum Bezirk der Großh. Forstämter Grünberg und Friedberg gehörigen Gemarkungen unseres Kreises, die Heegzeit dieses Thieres für August und September l. I. hierdurch auf.
Gießen, den 6. August 1890.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.:
Jost, Regierungsrath.__________________
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De«t?ckes Reich.
Darmstadt, 6. August. Fortsetzung der Nachrichten über die Landtagswahl.
Stadt Offenbach: Justizrath Dr. Weber, Offenbach. Provinz Starkenburg.
'2. Bezirk: Bürgermeister Kredel in Michelstadt.
9. „ Rechtsanwalt Ignatz Metz I. in Darmstadt.
16. „ Gastwirth Philipp Müller in Darmstadt.
Provinz Oberhessen.
10. Bezirk: Bürgermeister Christoph Muth in Salz. Provinz Rheinhessen.
6. Bezirk: Dr. jur. Bernhard Schröd er in Darmstadt.
9. „ Gutsbesitzer Oskar Lichtenstein auf dem
Windhäuser Hos.
Darmstadt, 5. August. Für den am Mittwoch den 20. August in Darmstadt im städtischen Saalbau stattfindenden Vereinstag der deutschen landwirthschaft- lichen Genossenschaften ist folgende Tagesordnung vorläufig festgesetzt worden:
I. Geschäftliche und allgemeine Angelegenheiten.
1) Wahl des Bureaus für den allgemeinen Vereinstag (Vorsitzender, drei stellvertretende Vorsitzende, vier Schriftsührer).
2) Jahresbericht der Anwaltschaft pro 1889.
3) Abänderung der Satzungen der Vereinigung.
4) Rechnungsablage sür 1889, Jahresbeiträge und Voranschlag für 1890 und 1891.
5) Eventuell : Wahl des Anwalts und seines Stellvertreters.
6) Die allgemeinen Grundlagen für eine ersprießliche Gestaltung des deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens. Berichterstatter: Der Anwalt.
7) Die Ausführung der Revision durch die Verbände und die Vereinigung. Berathung der Dienstanweisung für die Verbands-Revisoren.
8) Welche Erfahrungen sind bezüglich der Anwendung des neuen Genossenschaftsgesetzes, insbesondere im Verkehr mit den Registergerichten gemacht worden? Berichterstatter: Die Verbands vertret er.
9) Unter welchen Voraussetzungen und durch welche Maßnahmen kann der Heranziehung der landwirtschaftlichen Genossenschaften zur Steuer vorgebeugt werden?
10) Die Grundsätze und die Form für die Aufstellung und Veröffentlichung der Vermögensbilanzen (§ 7, Ziffer 3 und § 31 des Genossenschaftsgesetzes).
11) Antrag des Anwalts: Der Vereinstag wolle beschließen: daß der Verwaltungsausschuß ermächtigt sei, die von der Anwaltschaft ausgearbeiteten Dienstanweisungs - und Geschästsordnungsentwürfe für Genossenschaften aller Art und Verbände zu genehmigen.
12) Wahl des nächsten Versammlungsortes.
II. Zu den Angelegenheiten der Creditgenoffenschaften.
13) In welcher Weise soll bei den landwirtschaftlichen Creditgenoffenschaften die Sicherung für gewährten Credit erfolgen, welche Grenzen sind für die Capitalaufnahmen der Genossenschaft und für die Creditgewäh-r zu ziehen? (§ 47 d. G.-G.)
14) Die Festsetzung der Provision im Darlehns- und Conto- correntgeschäst.
III. Zu den Angelegenheiten der landw. Cousumvereine.
15)* Bericht der Dünger - Commission und der Verbände für 1889.
16) Die zukünftige Gestaltung des Handels mit künstlichen Düngemitteln in Beziehung zu dem landw. Genoffen- schaftswefen. Berichterstatter: Professor Dr. Paul Wagner, Director der landw. Versuchsstation zu Darmstadt.
Im Anschluß hieran:
17) Die Aufgaben der landw. Consumvereine, ihrer Geschäftsverbände und Centraleinkaufsgenoffenschaften, sowie der Vereinigung im Punkte des Düngergeschäfts und der Einfluß der Handels-Geschäfte der landw. Vereine rc. auf die Wirksamkeit derselben.
18) Aus Antrag des Verbandes der landw. Genossenschaften der Provinz Sachsen: Ist es überhaupt zweckmäßig und wenn, unter welchen Verhältnissen und Bedingungen, daß Centralgenossenschaften für den gemeinschaftlichen Einkauf einzelne Landwirthe als Mitglieder aufnehmen. (§ 9 Abs. 2 d. G.-G.) Berichterstatter Verbands director von Mendel-Steinfels—Halle a. S.
IV. Zu den Angelegenheiten der Molkerei-GenoffenschaftenZ und sonstigen Genossenschaften.
19) Bericht der Commission für die Förderung des Exportes und des Absatzes der landw. msbesondere der Molkerei- Producte.
20) Auf Antrag des Verbandes der Oldenburgischen Molkereigenossenschaften: Die Beförderung der Butter auf den deuschen Eisenbahnen. Berichterstatter: Verbandsgeschästsführer M a h l st e d t—Oldenburg.
21) Auf Antrag des Verbandes der West preußischen landw. Genossenschaften: Die Bildung von Verbänden und Centralverkaufsgenoffenschaften zur Verwerfung von Butter, a. Ist die Bildung solcher Verbände rc. zu empfehlen? b. Wie sollen dieselben or- ganisirt sein? Berichterstatter: Verbandsdirector Plehn—Lichtenthal.
22) Auf Antrag der Molkereigenossenschaft Fulda: Aus welchem Wege kann durch die Molkereigenossenschaften auf eine angemessene Preisbildung für den Absatz der Molkereiproducte hingewirkt werden? Berichterstatter: Molkereidirector Backhaus—Fulda.
23) Das Stimmrecht der Mitglieder der Molkereigenossenschaften (§ 8 Ziffer 4 und 41 d. G.-G.).
24) Auf Antrag des Verbandes der Provinz Sachsen: Welche Erfahrungen sind bislang mit Viehverwerthungs- genoffenschaften gemacht worden?
Königsberg, 6.August. Se. König!. Hoheit der Groß- herzog von Hessen traf mit Gefolge heute früh 9 Uhr 37 Min. auf dem Ostbahnhof ein und reifte um 9 Uhr 48 Min. nach Rußland weiter. Auf dem Bahnhofe fand eine Begrüßung durch den Commandeur des 43. Infanterie-Regiments statt.
ArrrlairS.
Newyork, 5. August. (Meldung des Bureau Reuter.) Nach über Mexiko eingelangten Meldungen aus Guatemala hätten dortige diplomatische Vertretungen sich zu Unterhandlungen im Interesse des Friedens erboten. Dieses Anerbieten sei angenommen worden, sodaß eine friedliche Austragung der streitigen Angelegenheiten in einigen Tagen zu erwarten sei.
Madrid, 5. August. Das Auftreten der Cholera in der Provinz Toledo wird bestätigt, gleichzeitig aber eine Abnahme der Krankheit constatirt. Die Behörden haben sanitäre Vorkehrungen getroffen. Der Gesundheitszustand in Madrid ist andauernd' günstig. Die aus den inficirten Gegenden ankommenden Personen werden der ärztlichen Untersuchung unterworfen.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 6. August. Der internationale Delegirtentag für Feuerbestattung besuchte Vormittags die medicinische
Feuilleton.
Eine Gründung
Von L. Bauditz.
(Schluß.)
Faschinen und Reisigwerk wurden also der Tiefe des Meeres übergeben und die beiden Austernfässer geöffnet — der feierliche Act sollte vor sich gehen.
Mit rührendem Interesse und nicht ohne eine Gefühl innigen Bedauerns betrachtete der Postdirector die verpackten Schalthiere, welche in wenigen Minuten ihrem heimathlichen -Elemente zurückgegeben werden sollten.
„Diese reizenden Thierchen," ries er, „sollen nun wieder in das Meer geworfen werden, dem man sie mit Mühe entrissen!"
„Sind sie denn auch noch frisch?" srug der Kreis- physikus und brachte seine Nase an eines der Fässer. „Wahrhaftig, sie riechen so famos, daß einem das Wasser im Munde zusammenläuft!"
Der Consul beschäftigte sich damit, die Austern aus den Fässern herauszunehmen und auf das Deck niederzulegen, als plötzlich der Schiffsjunge, dem man das Decken der Frühstückstafel in der Cajüte aufgetragen hatte, mit der Meldung erschien, es sei kein Rothwein an Bord gekommen.
„Ach, Unsinn!" meinte Consul Block, ohne seine Beschäftigung zu unterbrechen. „In der Koje hinten muß eine ganze Kiste voll sein."
„Die Kiste steht wohl dort," sagte der Junge, „aber es ist kein Rothwein drin."
„Was ist denn drin? Bringe mal eine Flasche herauf."
Nach wenigen Augenblicken tauchte der Junge wieder -aus, in der Hand eine Flasche, die er dem Consul Überreichte.
„Das ist doch um des Teufels zu werden!" rief dieser ärgerlich, „auf Niemanden kann man sich mehr verlassen. Statt des Rothweins hat meine Wirthschafterin eine Kiste Chablis eingepackt. Was sollen wir nun damit anfangen ?"
„Chablis!" riefen die andern drei wie aus einem Munde und ihre liebevollen Blicke wandten sich, wie von magischer Gewalt gezogen, den Austernfässern zu.
Dann sahen sie sich gegenseitig an, zuletzt den Consul. Anfangs bemühten sie sich, ein Lächeln zu verbergen, doch bald brachen sie in ein einstimmiges lautes Lachen aus.
Das Zauberwort „Chablis" hatte ihnen einen Gedankengang gegeben.
„Du willst doch den Wein nicht mit nach Hause nehmen, Block?" fragte der Major.
„Es ist doch schade um die armen Thiere," sagte lüstern der Kreisphysikus, „sie sind jetzt schön auf dem Trocknen und es kommt mir eigentlich vor wie ein Mord, wenn wir sie wieder ins Wasser werfen."
„Dabei ist noch zu bedenken, ob sie überhaupt nach dem Transport noch fortpflanzungsfähig find," meinte der Poft- director Kit lächelndem Schmunzeln. „In diesem Falle würde uns die ganze Geschichte nichts nützen."
Block hatte während der Zeit eine Auster geöffnet und ließ das Innere langsam über seine Zunge gleiten.
„Frisch sind sie jedenfalls," sagte er, „aber sehr lebhaft allerdings nicht, denn die, die ich soeben aß, rührte sich wenig. Vielleicht hat der Postdirector Recht, wenn er meint, daß von diesen Austern wohl kaum Nachkommenschaft zu erwarten sei. — Thomas, bringe die Flaschen aus Deck."
* * *
Was nachher geschehen ist, wird wohl in ewiges Dunkel gehüllt bleiben. Der Schiffsjunge Thomas und der Matrose
Jensen mußten in der Cajüte unten aufräumen, während die Herren oben auf Deck die Austern „aussetzten" und die vier Acüonäre waren immer sehr zurückhaltend, wenn die Uebrigen das Gespräch auf die Gründung der Austernbank brachten.
Das jedoch ist Thatsache, der Chablis des Consuls Block wurde bis auf die letzte Flasche geleert, ehe die „Wildente" wieder in den Hafen einlief, und die Austern- fischerei in der Bucht an der Waldecke hatte niemals eine Ausbeute gegeben.
Als man später einmal die Stelle genauer untersuchte, fand man Faschinen und Reisig vollkommen in Ordnung und auch eine Menge leerer Austernschalen. Der Amtsrichter schloß daraus, daß die Austern die starke Versandung der Bucht nicht ertragen hätten und nach und nach zu Grunde gegangen seien. Ein neuer Versuch ist nie wieder gemacht worden.
* Beim Scheibenschießen. Der Füsilier Mauser Hat bei fünf Schuß die Scheibe nicht getroffen. Der das Schießen beaufsichtigende Hauptmann ist darüber sehr ergrimmt und sagt wüthend: „Geben Sie mir mal Ihr Gewehr her, ich werde Ihnen zeigen, wie man schießt." — Er schießt und trifft ebenfalls nicht,- schnell gefaßt sagt er: „Sehen Sie, so schießen Sie, Sie Bierschütze." Beim nächsten Schuß passirt ihm dasselbe Malheur- er weiß sich jedoch auch jetzt zu helfen, indem er sagt: „Und so, schießt Ihr Freund, der Tippler." — Beim dritten Schuß trifft er dann endlich die Scheibe- stolz das Gewehr an Mauser zurückgebend, sagt er- „Sehen Sie, U schießt Ihr Hauptmann!"


