gestört ist. Bei den Beamten der Ludwigsbahn greift die Krankheit noch fortwährend um sich und zwar in der Art, daß eine Einschränkung des Verkehrs zu befürchten ist. Das städtische Rochushospital wie auch das Vincenzhospital sind schon seit Wochen bis auf den letzten Winkel belegt und müssen alle Tage wegen Mangel an Betten eine größere Anzahl Kranke abgewiesen werden. Um die Berten rasch vermehren zu können, hat das Militär die benöthigten Decken re. der städtischen Verwaltung zur Verfügung gestellt.
* Worms, 4. Januar. Die Influenza hat sich auch hier und zwar sehr stark eingestellt. Heute wurden 65 Personen im Hospital angemeldet; in den Apotheken sind nicht Hände genug, um die täglichen Hunderte von Recepten anzufertigen - im Ganzen sollen 4000 Personen erkrankt sein. Ein auf den 28. December angekündigt gewesenes Schülerconcert des Herrn Musikdirector Kiebitz mußte, da fast die Hälfte der Concertanten erkrankte, bis auf Weiteres verschoben werden. Alle Aerzte unserer Stadt sind derart von Morgens bis in die Nacht hinein in Anspruch genommen, daß dieselben kaum noch so viel Zeit erübrigen, sich selbst etwas auszuruhen.
* Marburg, 4. Januar. Die Influenza (Grippe) tritt auch in hiesiger Stadt in intensiver Weise auf und dürste wohl kein' Haus mehr vorhanden sein, wo sie nicht durch Erkrankung einzelner Personen oder ganzer Familien ibren Einzug gehalten hätte. Auch in der Kaserne des Jägerbataillons kamen zahlreiche Erkrankungen vor und hatte beispielsweise die 2. Compagnie an einem Tage 30 Kranke zu verzeichnen. Hoffen wir, daß dieser unheimliche Gast bald wieder von der Bildfläche verschwindet.
* Die Frankfurter Privatpost hat vom 31. December bis 2. Januar nicht weniger als 200000 Briefe befördert. Der Zufluß von Gratulationen war so groß, daß auf dem Börneplatz eine weitere Briefannahmestelle errichtet werden mußte.
* Berlin, 4. Januar. Im Tragen der Infanterie- Patronentaschen steht eine Aenderung bevor. Die eine Tasche soll vorn, die andere hinten getragen werden- die Anbringung der letzteren macht zugleich eine Aenderung des Tornisters nothwendig. Die betreffenden Neu-Anschaffungen sollen zu gleicher Zeit mit dem kleinkalibrigen Repetirgewehr zur Einführung gelangen.
* Die Jahreszahl 1890, die wir jetzt zu schreiben haben, besitzt die Eigenthümlichkeit, daß ihre einzelnen Ziffern, wenn man sie zusammen zählt, eine durch 9 theilbare Zahl ergeben, daß aber auch die Summe der beiden ersten und die der beiden letzten Ziffern durch 9 ohne Rest theilbar ist, ja daß die Summe der beiden ersten so viel wie die Summe der beiden letzten beträgt, und daß endlich die erste und zweite — als Zahl betrachtet — in die dritte und vierte, auch als Zahl angesehen, ohne Rest aufgeht.
* Kindermund. In der Familie des Landgerichtsrathes L. ist sonst in jedem Jahre während der Bescheerung der Weihnachtsmann erschienen. In diesem Jahre aber hat der Hausherr das Nichterscheinen desselben angeordnet, „da die Jungens nun doch schon zu groß seieil". Als nun am heiligen Abend die Bescheerung stattgefunden und der Weihnachtsmann durchaus nicht kommen wollte, bemächtigte sich der beiden Knaben, welche im Alter von sieben und sechs Jahren stehen, eine Unruhe, die sich von Minute zu Minute steigerte. Endlich hielt es der jüngere nicht mehr aus. „Papa", ries er, kommt denn heute der Weihnachtsmann nicht? Ich habe so einen schönen Glückwunsch gelernt." „Der wird wohl heute nicht kommen", versetzte lächelnd der Vater. „Ja, aber warum denn nicht?" Als der Vater, um eine Antwort verlegen, schwieg, meldete sich plötzlich der Aeltere mit den Worten: „Ich weiß schon, er wird wahrscheinlich die Jnfolenza haben."
* Kampf gegen gesundheitsschädliche Mode. Um die weibliche Putz- und Mode-Sucht, welche durch einzelne beharrliche Launen auch die Gesundheit beeinträchtigt, zu bekämpfen, hat sich in Wien ein Verein von Ehemännern gebildet. Dieselben übernehmen die Verpflichtung, die Namen der durch ihre Kleidung besonders auffallenden Damen ausfindig zu machen. Es wird dann, wenn dies geschehen ist, denselben eine Einladung zugeschickt mit dem Inhalte: „Dame N. N. von Wien wird ersucht, an einer an dem und dem Tage über Modenärrinnen stattfindenden Besprechung theilzunehmen." Diese Karten sollen wahre Wunder wirken.
Verkehr, Land« ttnfc Volkrivirthsehaft.
Gießen, 7. Januar. [Marktbericht.] Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. x 0,80—1,00, Hühnereier 1 St. 8-9, 2 St. —. H, Enteneier 1 St. 0- H, 2 St. — Gänseeier — H, Käse pr St. 4—7 Käsematte pr- St. 3 Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen vr. Liter 30 Tauben pr. Paar X 0,50—0,60, Hübner pr. Slück X 0,85—1.00, Hahnen pr. St. X 0,60-1,20, Enten pr- Stück X 1,70—2,00, Gänse pr. Pfd 60-70 H, Ochsenfleisch pr. Pfd 66-72 Kuh- und Rindfleisch 56—60 Schweinefleisch 60—70 H, Hammelfleisch 50—66 Kalbfleisch 56-60 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 4,00—4,80, Weißkraut pr St- 6—8 -A, Zwiebeln per Centner X 8,00—9,00, Milch vr. Liter 12-18 H.
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Spielplan der vereinigten frankfurter Stadttheater.
Opernha«-.
Mittwoch den 8. Januar, Nachmittags 3>/, Uhr: Dorfbarbier. Hierauf: Die Puppenfee. Ermäßigte Preise.
Donnerstag den 9. Januar: Euryanthe. Gewöhnliche Preise.
Freitag den 10. Januar geschlossen.
Samstag den 11. Januar, Nachmittags 3V, Uhr: Dorf barbier. Puppenfee. Ermäßigte Preise. Abends 7 Uhr: Die üdin. Gewöhnliche Preise. ,, ,.
Sonntag den 12. Januar, Nachmittags 3Va Uhr: D orfbar6ter. Puppensee. Ermäßigte Preise. Abends 7 Uhr: Oberon. Gewöhnliche Preise.
Schauspielhaus.
Mittwoch den 8. Januar: Kabale und Liebe. Gewöhn- üd)e Donnerstag den 9. Januar: Gastspiel des Herrn Felix Schweighofer. Zum ersten Mate: Fifi. Schwank in 4 Acten von Meilhac und Hadoy. Außer Abonnement. Gewöhnliche Preise.
Freitag den 10. Januar: Gastspiel des Herrn Felix Schwerg- hofer. 3um ersten Male wiederholt: Fifi. Gewöhnliche Preise.
Samstag den 11. Januar: Zum ersten Male: Mariannens Mutter. Schauspiel in 4 Acten von PaulLindau. Anfang 7Uhr. Gewöhnliche Preise. ,
Sonntag den 12. Januar: Vorletztes Gastspiel des Herrn Felix Schweighofer. Zum ersten Male: Der Schutzgeift. Lustspiel in 3 Acten von Rosen. Hierauf: Zum ersten Male: Hollenzwang. Anfang 7 Uhr. Gewöhnliche Preise.
Montag den 13. Januar: Letztes Gastspiel des Herrn Felix Schweighofer. Zum ersten Male wiederholt: Der Schutzgeist. Hierauf: Höllenzwang. Gewöhnliche Preise.
Wöchentliche Aeberficht der Todesfälle in Gießen.
1. Woche. Vom 29. December 1889 bis 4. Januar 1890.
Einwohnerzahl: 20 200 (incl. 1600 Mann Militär).
Sterblichkeitsziffer: 28,3 o/co.
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
1. Lebensiahr: 2.—15. Jahr:
Schlagflußdes Gehirns 2 2
Tuberkulose des ...
Gehirns 1 (1) —- — 1 W
Tuberkulose d. Lungen 3 (1) 3 (1) —
Lungenerweiterung 1. 1 —
Lungenblutschlag (bei
Influenza) 11 —
Organ. Herzkrankheit 1 1
Krebs 1 (1) 1 (1) “ “
Altersschwäche__________1__________1_________~~_______________
. Summa: 11 (3) 10 (2) — 1 (1)
Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen
Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde.
Bibelstunde am Mittwoch den 8. Januar, Abends8Uhr, in der Kleinkinderschule, Offenbarung Johannis, Cap. 1, Eingang: Offenbarung des, was geschehen soll, Segenswunsch an die Leser, der Herr kommt! Pfarrer vr. Naumann.
Missionsstunde am Donnerstag, den 9. Januar, Abends 8 Uhr, in der Kirche: über die dermalige Lage und Aufgabe der evangel. Mission in Ostafrika. Pfarrer Dingeldey.
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