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n junger Bursche, welcher iftliche Wb und mit unWßtfai versieht, wird b )u miet&en gesucht.

, Mendorf a. d. Lumda.

Nr. 26V.

Freitag den 7. November

1890

Der

fieber Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener -«milleuvrätler »erden dem Anzeiger »Schentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Hknzeiger.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Vorm. 10 Uhr.

chratisöeilage! Hi-ßener SamifienOCälfcr.

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Anrttrchcv Theil.

Gießen, den 4. November 1890. Betr.: Rundgang der Feldgeschworenen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien deS SreiseS.

Soweit Sie unserer Verfügung vom 30. September l. I. Kreisblatt Nr. 230 vom 3. October l. I. noch nicht nachgekommen sind, erinnern wir Sie an baldige Erledigung, v. Gagern.

politifd^e Ueberfieht.

Gießen, 6. November.

Der deutsche Reichskanzler General v. Caprivi befindet sich nunmehr auf jener bedeutsamen Reise, die ihn in den Taget! des 7. bis 10. November zu der Zusammenkunft mit dem italienischen Ministerpräsidenten Herrn Crispi in Mai­land führt. Die Mailänder Ministerbegegnung beruht zwar zunächst aus dem Wunsche Herrn v. Caprivis, den leitenden Staatsmann Italiens persönlich kennen zu lernen, aber offen­bar besitzt sie auch eine über ihren persönlichen Character hinausgehende allgemeine politische Bedeutung, denn das Er- eigniß bekundet auf's Neue den unerschütterlichen Fortbestand des innigen Verhältnisses zwischen Deutschland und Italien und hiermit zugleich das unentwegte Festhalten Italiens am Dreibund. Herr Crispi hat schon in seiner großen Floren­tiner Vanketrede die Ausstreuungen, als ob Italien bemüht sei, sich der Allianz mit den beiden mitteleuropäischen Kaiser­reichen wieder zu entwinden, bestimmt zurückaewiesen und jetzt wird die Zusammenkunft Crispis mit dem deutschen Kanzler diese Gerüchte sicherlich vollends verstummen machen. Die lange, auf vier Tage berechnete Begegnung der beiden Staats­männer läßt vermuthcn, daß es zwischen ihnen zu einer gründ­lichen Aussprache über die gesammte europäische Lage kommen toirb; von irgendwelchen neuenAbmachungen" dürften sie aber wohl absehen, wenigstens scheint hierzu kein zwingender Anlaß vorzuliegen. Die große Mehrzahl der italienischen Presse hat Herrn v. Caprivi schon in den letzten Tagen warme Begrüßungsartikel gewidmet und beweist dies, daß das italie­nische Volk, abgesehen von den verbissenen Franzoscnsreunden und Irredentisten, der Ministerbegegnung von Mailand seine herzlichen Sympathien entgegenträgt. Crispi selbst traf schon am Donnerstag in Mailand ein und gedachte er hier den deutschen Reichskanzler am Freitag früh auf dem Bahnhof zu empfangen. Nach der Begegnung mit Capnvi begibt sich CriSpi sofort nach Palermo, um daselbst vor seinen Wählern eine Rede zu halten und nimmt man an, daß er in derselben u. A. auch die Mailänder Zusammenkunft beleuchten wird.

Die Angelegenheit der von den größeren Mittelstaaten im Bnndesrathe gestellten Anträge betreffs der Milderung der Viehfpcrre scheint auf die lange Bank geschoben zu sein. Hier­aus deutet wenigstens die Annahme des preußischen Vorschlages seitens der vereinigten Bundesrathsausschüsse hin, die weitere Erörterung der betreffenden Anträge bis zum Abschlüsse der eingeleiteten Erhebungen über die Viehseuchen-Verhältnisse in Oesterreich-Ungarn zu vertagen. Mit diesem Beschlüsse ist die Erledigung der Anträge, mag sie nun in deren Annahme oder Ablehnung bestehen, bis auf Weiteres verschoben worden. Inzwischen sind wiederum Gerüchte aufgetaucht, wonach die Stellung des preußischen Ministers für Landwirthschaft, Dr. v. Lucius, wegen seines ausgeprägt schutzzöllnerischen Standpunktes in Sachen der landwirthschaftlichen Zölle wie des Vieheinfuhrverbotes erschüttert sein soll, doch wird man diese Gerüchte noch immer mit Reserve aufzunehmcn haben.

Die Regentschaftsangelegenheit in Luxemburg hat jetzt ihre vorauszusehende Erledigung gefunden. Am Dienstag wurde die luxemburgische Kammer vom Staatsminister von Eyschen durch Verlesung einer Botschaft des Herzogs Adolf von Nassau eröffnet, in welcher sich dieser unter Hin­weis auf die neuerliche Erkrankung des König-Großherzogs Wilhelm bereit erklärt, den Eid als Regent von Luxemburg zu leisten. Der Alterspräsident verwies alsdann die betr. Acten an die Abteilungen und ersuchte die Regierungsvertreter, den Berathungen beizuwohnen. Nach Erledigung einiger Wahlprüfungen beriechen die Abtheilungen in halbstündiger Debatte die Negentschaftsacten, woraus die Kammer in öffent­licher Sitzung den Antrag des Vorsitzenden, zu erklären, daß der König regierungsunsähig sei und die Regentschaft gesetz­lich dem Herzog von Nassau zufalle, einstimmig annahm. Zu­gleich sprach die Kammer ihr Bedauern aus, zu einer solchen Maßregel dem Könige gegenüber schreiten zu müssen, der dem Lande eine 40jährige Aera des Gedeihens und der Freiheit

verschafft habe. Am Mittwoch erfolgte sodann die Ankunft des Herzogs Adolf in Luxemburg und wurde er von der Ein­wohnerschaft herzlichst begrüßt,- einen officiellen Empfang hatte der Herzog im Hinblick aus den Zustand König Wilhelms ab­gelehnt. Am heutigen Tage leistet Herzog Adolf vor der Kammer den Eid, woran sich ein Festessen beim Herzog an­schließt. Derselbe beabsichtigt indessen, Luxemburg in den nächsten Tagen wieder zu verlassen und die Regentschaft vor­läufig von Königstein am Taunus aus zu führen.

Derrtsches Aeicy.

Darmstadt, 5. November. Se. Königliche Hoheit der Großherzog haben Sich heute mit Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich von Preußen nebst Gemahlin und Ihrer Großherzoglichen Hoheit Prinz Alix mittelst Extrazug zu mehrtägigem Aufenthalt nach Schloß Romrod begeben.

Darmstadt, 5. November. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 2. November l. I. Allergnädigst geruht, den Major a. D. Eduard von Hombergk zu Vach zum Kammerherrn zu ernennen.

Darmstadt, 4. November. Im Laufe der vorigen Woche wurde von einer Deputation der israelitischen Gemeinden der Provinzialhauptstädte des Großherzogthums Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog eine die antisemitische Bewegung betreffende Vorstellung überreicht und haben Allerhöchstdieselben hierauf den Erlaß der nachstehend abge­druckten Antwort zu befehlen geruht:

Auf die von Euer Wohlgeboren und mehreren anderen Deputirlen der israelinschen Gemeinden zu Darmstadt, Gießen und Mainz mündlich und schriftlich an Seine Königliche Hoheit den Großherzog gerichtete Vorstellung in Betreff der antisemitischen Bewegung in dem Großherzogthume habe ich Euer Wohlgeboren in Allerhöchstem Auftrage Nachstehendes zu eröffnen.

Von den seit einiger Zeit in mehreren Theilen des Großherzogthums stattfindenden, von Außen hereingetragenen, gehässigen Anseindungen Allerhöchst Ihrer israelitischen Unter- thanen haben Seine Königliche Hoheit der Großherzog mit Bedauern Kenmniß genommen- Seine Königliche Hoheit miß­billigen dieselben auf das Ernstlichste und erwarten von dem sonst gesunden und christlichen Sinne der beteiligten Kreise ein baldiges Aufhören jener gehässigen Angriffe, wozu übrigens wesentlich mitbeitragen wird, wenn der sittlich höher stehende Theil der israelitischen Bevölkerung es sich nach Kräften angelegen sein läßt, den Ursachen zu Klagen über die Handlungsweise mancher seiner Glaubensgenossen nachzuforschen und mit den geeigneten Mitteln abzuhelfen.

In den ihnen verfassungsmäßig und gesetzlich znstehenden Rechten werden nach dem Willen Seiner Königlichen Hoheit des Großberzogs Allerhöchstderen israelitische Untertanen ebenso geschützt werden, wie diejenigen anderer Bekenntnisse.

Darmstadt, den 1. November 1890.

Der Großherzogliche Staatsminister, Minister des Innern und der Justiz: gez. Finger.

Seiner Wohlgeboren dem Nabbinen Herrn Dr. Salfeld in Mainz.

Aus dem Großherzogthum Hesien, 4. November. Nach einer soeben erschienenen offiziellen Zusammenstellung über den Stand der Sparkassen im Großherzogthum Hessen im Jahre 18§8 belief sich die Zahl der Einleger in diesem Jahre auf 173,890 gegen 98,310 vor zehn Jahren - die Summe der verzinslich angelegten oder ausgeliehenen Capi­talien hat die Höhe von 115,623,056 Mk. erreicht gegen 58,819,334 Mk. im Jahre 1878, so daß sich die Summe dieser Capitalien binnen zehn Jahren gerade verdoppelt hat- das Gleiche ist bei dem Reservefonds der Fall, derselbe hat sich von 4 Millionen im Jahre 1878 aus 8 Millionen im Jahre 1888 gehoben. Auf jeden Einwohner des Groß- herzogthums kommen im Jahre 1888 im Ganzen 115.53 Mk. Einlagen, 62.26 Mk. im Jahre 1878.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Torrespondenz-Bureau.

Berlin, 5. November. Die Arbeiterschutzeommission des Reichstages hat heute Vormittag die Berathung der Gewerbe­ordnungsnovelle bei § 154 (teilweise Außerkraftsetzung resp. Erweiterung einer Reihe von Schutzvorschriften durch kaiserliche Verordnung) wieder ausgenommen. Der Antrag Hirsch aus Streichung der Bestimmung, daß die §§ 135 bis

139 b auf andere Werkstätten ausgedehnt werden können, wurde mit einer Resolution angenommen, daß setrens der verbündeten Regierungen baldmöglichst auf Grund von um­fassenden Erhebungen ein Gesetzentwurf zur Ausdehnung der Bestimmungen der §§ 135139 b auf Hausindustrie und Handwerk vorgelegt werde.

München, 5. November. Der Reichskanzler v. Caprivi ist um 11 Uhr Vormittags eingetroffen. Er wurde von Crailsheim im Auftrage des Prinzregenten, ferner von dem preußischen Gesandten von Rantzau und den Mitgliedern der Gesandtschaft, von Lerchenfeld und dem Generaldireetor der Staatsbahnen empfangen. Er begab sich, von dem Publikum lebhaft begrüßt, mit Crailsheim in das preußische Gesandt­schaftshaus - Rantzau und Lerchenfeld folgten.

München, 5. November. Der Prinzregent empfing um 1 Uhr Caprivi und überreiche ihm dem Hubertus­orden.

München, 5. November. Der Prinzregent stattete dem Reichskanzler um V/2 Uhr einen Gegenbesuch ab. Der Reichskanzler begab sich um 2 Uhr zu den Prinzen Lud­wig, Rupprecht und Arnulf in das Wittelsbacher Palais und darauf zum Prinzen Leopold und zur Prinzessin Gisela. An dem Diner beim Prinzregenten nehmen Theil die Mitglieder der preußischen Gesandtschaft, das gesammte Ministerium, der Gesandte Lerchenfeld, die obersten Hofchargen, die Generäle Fries, Maillinger, Parseval, Staudt, Wirthmann, die Gene­ralmajore Helbig (Ingolstadt) und Freiherr Asch (Würz­burg).

München, 5. November. Das Diner beim Prinz­regenten zu Ehren Caprivis begann um 4 Uhr und verlief programmmäßig. Der Reichskanzler Caprivi saß rechts, Rantzau links vom Prinzregenten, welcher Caprivi zutrank.

Budapest, 5. November. Im Abgeordneten hause bei der Budgetdebatte erklärte Finanzminister Wekerle unter lebhafter Zustimmung, daß die Zolleinnahmen kein geeignetes Mittel zur Regelung der Staatsfinanzen seien, da Ungarn mehr oder weniger auf freihändlerische Politik angewiesen sei. Ein selbstständiges ungarisches Zollgebiet sei nur als äußerstes Kampfmittel anzusehen. Ungarn müsse seine Interessen durch Zollbündnisse auf breitester Basis sichern.

Paris, 5. November. Eine Meldung desTemps" be­sagt, der dritte und vierte Bericht über die Arbeiter- Verhältnisse des Auslandes würden demnächst dem Parlamente vorgelegt werden. Der erstere umfaßt Scanbi- navien, der letztere Deutschland.

London, 5. November. DemStandard" wird aus New- York vom 4. November gemeldet, die Zollbehörde habe ent­schieden, daß Unterkleider und Strump fwaaren nicht als Strickwaaren, sondern als Kleidungsstücke und daher mit 49V2 Cents das Pfund und 60 Proeent des Werthes zu verzollen seien.

Petersburg, 5. November. Der Großfür st-Thron­folger wurde bei seiner Abreise von dem Kaiserpaar bis zur Station Ssiwerskaja begleitet. Im Gefolge befinden sich der Generalmajor in der kaiserlichen Suite Fürst Barja­tinski, die Stabsrittmeister Fürst Kotschubei und Wolkow.

DerNowoje Wremja" zufolge ist eine Commission zur Prüfung des Entwurfs eines neuen sinländisch e n Gesetzbuchs bezüglich dessen Conforinität mit dem russischen eingesetzt.

Brüssel, 5. November. Die mit Ausarbeitung des Tarifs für die Eingangszölle des Congostaates beauftragte Commission trat heute zu ihrer ersten Sitzung zusammen. In Abwesenheit des Ministers des Auswärtigen bewillkommnete der Finanzminister die Commission. Zum Vorsitzenden wurde Baron Lambermont ernannt. Die Commission beginnt morgen ihre Arbeit.

Athen, 5. November. Das neue Cab inet ist end- giltig folgendermaßen zusammengesetzt: Delyannis (Inneres und Krieg), Deligeorgis (Auswärtiges), Kumunduros (Marine), Karapanos (Finanzen), Gerokostopulo (Unterricht), Zaimis (Justiz). Die Minister werden heute den Eid leisten und sofort ihre Aemter antreten.

Newyork, 5. November. Die demokratische Partei scheint im ganzen Lande siegreich gewesen zu sein. In einer Depesche aus Columbus, Ohio, von gestern Abend 7 Uhr, hieß es, die Demokraten räumten ein, daß Me. Kinley mit einer kleinen Majorität gewählt sei- in einer Depesche aus Masillon, in demselben Staate, von heute früh 2 Uhr wird dagegen gemeldet, daß derselbe eine Niederlage erlitten habe. Im Staate Newyork haben die Demokraten bei den Wahlen zum Congreß die Majorität gewonnen.