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imburg—'Westindien, imburg—Havana, amburg-Meiico.
Giessen, lieb In Nidda, Jobs, in Schotten, Theod. sky in Homberg a/O.
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ein Tattzaaterricht.
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Dienstag den 7. October
1890
Der Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.
Die Gießener
8M««ittexßlL1ter «erden dem Anzeiger «Lcherttlich dreimal beigelegt.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger.
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Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß 1) vom 1. November d. I. ab das seitherige akademische Hospital nur noch die chirurgische und ophthalmo- logische Klinik, nicht aber die medicinische Klinik umfassen wird. Von diesem Zeitpunkt ab sind Schreiben, Eingaben rc., welche die allgemeinen Verwaltungs- angäegenheiten der neuen Kliniken (der medicinischen sowie der gynäkologischen Klinik nebst Entbindungsanstalt) betreffen, an die Verwaltungsdirection der neuen Kliniken zu richten;
2) diejenigen Schreiben rc., welche die allgemeinen Ver- waltungsangelegenheiten der chirurgischen und ophthal- mologischen Klinik betreffen, an die VerwaltungS- direction dieser beiden Kliniken zu richten sind;
3) Anschreiben rc., die nur für eine der 4 Kliniken bestimmt sind, direct an den Director der medicinischen, chirurgischen, gynäkologischen oder ophthalmologischen Klinik zu richten sind.
Gießen, den 3. October 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Bekanntmachung,
t)ie Erhebung der Ende September dieses Jahres fällig gewesenen Domanialgefälle.
Arr die Großh. Bürgermeistereien de- Kreis- amtSbezirkS Gießen.
Diejenigen Bürgermeistereien, deren Ortsangehörige in den Großh> Oberförstereien Eichelsdorf und Nidda Holz, Streulaub u. s. w. ersteigert haben, ersuchen wir bekannt machen zu lassen, daß die Berichtigung der fälligen Beträge zu hiesiger DistrictSeinnehmerei nur noch bis zum 25. l. M. ohne Kosten erfolgen kann.
Nidda, den 4. October 1890.
Großherzogliche DistrictSeinnehmerei Nidda.
I. B. d. D.:
Lang, Finanz-Aspirant.
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politische Uebevsicht.
Gießen, 6. October.
Kaiser Wilhelm hat auch anläßlich seines diesmaligen Besuches am Wiener Hofe eine größere Anzahl österreichischer Staats- und Hofwürdenträger, Militärs und sonstiger angesehener Persönlichkeiten durch Ordensdecorationen ausgezeichnet.
Feuilleton.
Bei einem groben Wirthe.
Der Feuilletonist des „N. W. Tgbl." erzählt folgende launige Erinnerung an seine diesjährige Erholungsreise:
Auf meiner Ferienreise lernte ich in diesem Sommer -einen Dorfwirth kennen, welcher der gröbste Schlingel ist, der mir seit weiland dem S .. Wirth von Hetzendorf vorgekommen. Nur mit dem Unterschiede, daß der Hetzendorfer Wirth seine Grobheiten absichtlich stark auftrug, weil viele Gäste aus der Stadt hinausfuhren, blos um sich von dem Polterer beschimpfen zu lassen, während der besagte Dorfwirth ausschließlich einer natürlichen Anlage gehorchend, so teuselsmäßig grob ist, daß es Einem die Sprache verschlägt. Sein Gasthof sah von außen recht stattlich aus: ein einstöckiger Bau mit Holzläden, Erker und einer Sommerveranda. Der Wirth, ein stämmiger alter Kerl, stand mit seiner Sammethaube unter der Einfahrt, als ich ankam. Er rührte sich nicht, bis ich ihn grüßte und ansprach, ob ich ein Zimmer bekommen könne.
„Kummen S' mit," sagte er lakonisch und führte mich über eine knarrende Holztreppe und einen mit schadhaften Möbelstücken besetzten Vorsaal in ein Zimmer, welches muffelte wie ein Affenkäfig. Ich stieß die Läden auf und sah ein Bett aus weichem Holze mit zerwühlten blauen Kissen,- ein Sopha, in dem sich alle Roßhaare gegen den Fremden sträubten- an der Wand einen halbblinden Spiegel und mehrere eingerahmte Stiche, „Liebchens Heimkehr", „Jägers Abschied" u. dgl., auf welchen die Spuren längst untergegangener Fliegengeschlechter mit den jüngsten Staubschichten eine widerwärtige Patina bildeten. Sie war geradezu ekel- - erregend, diese Stube.
Unter den dergestalt Ausgezeichneten befindet sich auch der Wiener Oberbürgermeister Dr. Prix, welchem der preußische Kronenorden I. Klaffe mit Stern verliehen wurde und zwar, wie es in dem die Uebersendung der Insignien dieses Ordens begleitenden Schreiben des deutschen Botschafters Prinzen Reuß heißt, als Zeichen der Freude und des Dankes Kaiser Wilhelms anläßlich des ihm in Wien bereiteten großartigen und glänzenden Empfanges.
Der Reichskanzler v. Caprivi Iras am Freitag zum Besuche des Königs und der Königin Kn Württemberg in Friedrichshafen, der so idyllisch am Bodensee gelegenen Sommerresidenz des württembergischen Herrscherpaares, ein. Mit ihm fanden sich auch Prinz Wilhelm von Württemberg, der preußische Gesandte Graf Eulenburg und der württembergische Kriegs- winister v. Steinheil in Friedrichshafen ein. Sämmtliche Herrschaften speisten am Samstag bei den Majestäten.
Die bevorstehende Wintersession des Reichstages hat mit dem am vorigen Donnerstag erfolgten Wiederzusammeutritte des Buudesrathspleuums ihre Einleitung erfahren. In der genannten Sitzung erledigte der Bundesrath eine sehr reichhaltige Tagesordnung, die u. A. auch die schon für die vergangene Sommersession des Reichstages erwartete Novelle zum Krankenkassengesetz auswies. Letztere ist ein ziemlich umfangreicher Entwurf, der namentlich die Abschnitte über die Gemeinde-Krankenversicherung, über gemeinsame Bestimmungen für die Gemeinde-Krankenversicherung und für die Ortskrankenkassen und die Schluß-, Straf- und Uebergangsbe- stimmungen behandelt. Aus der Begründung der Novelle erhellt, daß dieselbe ben mancherlei Zweifeln und Unzuträglichkeiten, welche sich aus der Handhabung des Krankenkassengesetzes ergeben haben, durch Anbahnung von Erleichterungen ein Ende machen soll. Der Entwurf wurde zur näheren Prüfung an die Ausschüsse für Handel, Verkehr und Justizwesen überwiesen. Im weiteren Verlaufe des October wird dem Bundesrath wohl auch der neue Reichsetat zugehen, der in seinen Einzelheiten im Reichsschatzamte dem Vernehmen nach nahezu fertiggestellt ist.
Die Centrumspartei des Reichstages hat den Verlust des Abgeordneten für Würzburg, Dr. Stöhr, zu beklagen, welcher in Würzburg plötzlich am Schlagflusse verstorben ist. Dr. Stöhr stand im 48. Lebensjahr und war als Arzt und akademischer Lehrer in seiner Vaterstadt Würzburg thätig.
Aus Ostafrika sind durch ein Telegramm der „Times" jetzt nähere Mittheilungen über die Ermordung des Deutschen Künzel und seiner Unglücksgefährten in der Stadt Witu ein- gegangen. Aus ihnen erhellt, daß Sultan Fumo Bakani die Deutschen am 14. September nach Witu kommen und sie entwaffnen ließ, was Künzel zu heftigen Ausdrücken über den । Sultan veranlaßte. Die Deutschen entflohen zwar, aber vier |
„Um Himmelswillen, warum halten Sie denn hier Fenster und Jalousien geschlossen?" stieß ich unmuthig heraus.
„Weils einstaubt, das segn S' ja," antwortete kurz angebunden der. Wirth.
„Leider seh ich's. So lassen Sie eben abstauben."
„Ja freili' mir hab'n was G'scheidteres z'thoan! In a paar Täg is der Staub ja do wieder herinnat. Ueber- haupt hat mir koan Mensch z'schaffa, was i z'thon hab, hör'n S'!"
Meinen aufsteigenden Zorn unterdrückend, führte ich die Verhandlungen weiter und brachte es durch Standhaftigkeit bald dahin, mich nicht mehr über den Flegel zu ärgern, sondern beinahe zu erlustigen.
„Aber wegen der frischen Lust sollten Sie doch die Fenster offen halten," begann ich wieder.
„Wann S' a frische Lust hab'n woll'n, so hocken S' net im Zimmer, sondern gengnau S' aussi, da hab'n S' alleweil frische Lust g'nua."
Dieses Sophisma setzte mich im ersten Augenblick that- sächlich in Verlegenheit. Da ich nichts zu antworten wußte, so stieg ich auf das Bett, um das darüber hängende Bild von der Wand wegzunehmen und näher zu prüfen- denn ich ziehe ein nächtliches Stillleben gewissen Thierstücken entschieden vor.
„Steigen S' awer!" herrschte mich der Wirth an. „Möchten S' da ummakrabeln und nachher sag'n, daß's Jhna beißt? Dös kennan m'r schon. Bringen all's die Stadtleut selber mit — solln's a fuattern."
Der Grobian wiederholte nur, was die biederen Vermieter von Landwohnungen allerorten behaupten, wenn die Städter über Unreinlichkeit Klage führen. Aber ich hätte ihm doch mit Wonne das Bild an den Kopf geworfen, wenn ich mir für diese Nacht nur eine andere Unterkunft zu schaffen
von ihnen wurden schon vor den Thoren von Witu erreicht und sofort niedergemacht, drei andere wurden nach meilenweiter Verfolgung getödtet, dann fiel auch Künzel und zuletzt verblutete auch der zur Bewachung des Lagers zurückgelassene Carl Horn unter den Händen der Mörder seiner Kameraden. Die erregten Suaheli verwüsteten hierauf die um Witu liegenden deutschen Plantagen und tödteten hierbei den Pflanzer Lehnke. Diese Meldungen bestätigen, daß die ermordeten Deutschen der Erregung der Bewohner Witus über die Auslieferung ihres Landes an England infolge des deutsch-englischen Vertrages zum Opfer gefallen sind und daß die Utt- glücklichen keineswegs ihr Schicksal herausgefordert haben, wie englische Berichte anfänglich glauben machen wollten.
Deutscher Reich.
Berlin, 4. October. Der deutsche Generalconsul in Sansibar berichtet, entsprechend der Weisung des Auswärtigen Amtes, daß der bei der Niedermetzelung Künzels in Witu entkommene Meuschel aussagte: „Der Sultan von Witu verlangte von Künzel vor der Ertheilung der Ansiedelungs- erlaubniß die Beibringung eines Schreibens von dem englischen Consul in Lamu. Da Künzel diesem Verlangen nicht nachkam und ohne Weiteres zu arbeiten begann, ließ der Sultan die Deutschen nach Witu führen ünd dort unterbringen. Da Künzel und seine Genossen am zweiten Tage gewaltsam auszubrechen versuchten, wurden sie theils innerhalb, theils außerhalb der Stadt getödtet. Meuschel vermag nicht anzugeben, wer die Anwendung von Waffen begann. Der vom Sultan herbeigerufene Toeppen traf erst nach dem Blutbad ein.
München, 4. October. Cardinal Hergenröther ist gestern Abend in Kloster Meheran gestorben.
Detmold, 4. October. Bei der heutigen ersten Lesung der Regentschaftsvorlage sprach sich die Mehrheit des Landtags dagegen aus, dem Fürsten die Befugniß zuzusprechen, aus der Zahl der qualifizirten Agnaten nach freier Wahl einen beliebigen Regenten zu ernennen - der Landtag könne dem Fürsten nur das Recht einränmen, den nächstberechtigten Agnaten zum Regenten zu ernennen. Graf Ferdinand zur Lippe-Biesterfeld-Weißenfeld und Graf Ernst zur Lippe-Biefter- feld haben dem Landtage Proteste gegen die Regentschaftsvorlage zugehen lassen.
A«rUr«v.
Wien, 4. October. Heute Nachmittag sand die feierliche Prämiirung der Aussteller durch den Ackerbauminister und den Handelsminister in Anwesenheit des Statthalters und Vertretern ausländischer Commissionen statt. Der Vicepräsident Falkenhain hob die verdiente allseitige Anerkennung hervor,
gewußt hätte. Uebrigens doch eher im Freien geschlafen, als in diesem schäbigen Loche.
„Hier bleibe ich nicht," sagte ich entschiedenen Tones. „Haben Sie kein Eisenbett, wenn auch nur ein Strohsack darin ist?"
„Mir scheint, Jhna is nix guat gnua," brummte der Wirth und setzte dann höhnisch hinzu: „Da drent im Kammer! steht a eiserne Bettstatt, wann Jhna gar so danach g'lust."
Es war eine Kammer, nicht größer, als daß ein Bett und zwei Stühle darin stehen konnte. Aber da keine Bilder vorhanden waren, beschloß ich sofort, hier zu übernachten. Das eiserne Bett wurde nothdürftig aufgezäumt und ich legte mich mit unheimlichem Schauder hinein, den Tag verdammend, an dem es mir eingefallen war, meine behagliche Wohnung der „Erholung" willen zu verlassen.
Gegen Mitternacht erwachte ich aus dem ersten festen Schlafe durch eine geräuschvolle Katastrophe. Das zerlegbare eiserne Bett war in der Mitte zusammengeknickt und ich lag mit den Füßen nach oben halb zusammengerollt in dem zerstörten Neste. Eine Ringelnatter oder einen Igel ficht so etwas bei Weitem nicht so an, wie einen Culturmenschen. Ich turnte aus der peinvollen Lage hinaus auf den Boden und machte Licht, um den Schaden zu besehen. Es zeigte sich, daß ich nicht Techniker genug war, um ihn zu beheben. Ich suchte nach einer Klingel, um Hilfe herbeizurufen. Kein Glockenzug, weder im Zimmer noch auf dem Gange nach dem Vorhause.
„He, Wirthshaus!" rief ich nun einige Male so laut, daß es in dem stillen Hause widerhallte. Doch nichts regte sich. Was blieb mir übrig, als wieder in das so tief gesunkene Bett zurückzukriechen. Ich legte mich nun mit dem Kopse aus die Böschung, wo früher die Beine in die Höhe


