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Donnerstag den 7. August

1890

Nr. 181

Der

Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Mnmitienvtäiter werden dem Anzeiger »dchmtlich dreimal beigelegt.

Kießmer Anzeiger

Kenerat-Itnzeiger.

Biert^jähriger

Aöonnementspreisr

2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expeditiov und Druckerei:

Schulfiraße Wr.7, Fernsprecher 51.

Aints» rnrd Anzeigeblatt für den Urei» Gietzsn.

A-iMiliensmter.

Amtlichem Theil.

Local - Meglemcrzt

die Benutzung der Kreisstraßenflrecke Harbach- Ettingshausen bis ?ur Staatsstraße Laubach-

Kich mit schwerem Fuhrwerk betreffend.

Nach Anhörung der Localpolizetbehörde und des Orts- vorstands zu Ettingshausen wird mit Genehmigung Groß­herzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 31. Juki 1890 zu Nr. M. I. 18120 hiermit angeordnet:

§ 1-

Die Räder der Lastfuhrwerke, welche die Kreisstraße Harbach-Ettingshausen bis zur Staatsstraße Laubach-Lich gewerbsmäßig oder regelmäßig, wenn auch nur zeitweise, mit Erzen- und Eisensteinen befahren, müffen eine Felgenbreite von wenigstens 12 Centimeter haben.

§ 2.

Die Eigenthümer der unter § 1 bezeichneten Fuhrwerke, deren Räder die erwähnte Felgenbreite nicht haben, werden nach § 366, pos. 10 des Strafgesetzbuchs für das Deutsche Reich mit Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft.

§ 3.

Gegenwärtige Vorschriften treten mit dem 1. Januar 1891 in Kraft.

Gießen, den 2. August 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Jost, Regierungsrath

Gießen, den 4. August 1890. Betr.: Die Schulferien-

Die

Großh. Kreis-Schulcommission Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Da von einzelnen Schulvorständen bei Berechnung der außer den festbestimmten Ferien noch verbleibenden 42 Tage die Sonntage nicht mitgezählt werden, fo erachten wir für nöthig, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß die in die­selben fallenden Sonntage mit einzurechnen sind, d.i. als Ferien­tage mitzählen. Selbstverständlich ist der Sonntag vor Beginn und derjenige nach Schluß der Ferien nicht in diese miteinzu­rechnen.

Sie wollen darnach die Dauer der Ferien bemessen und dieselben uns mindestens zwei Tage vor ihrem Beginn anzeigen und zwar nicht nach Wochen, sondern nach Anfang- und Schluß­tag mit Datum.

Den Lehrern wollen Sie von dieser Versügung Kenntniß geben.

I. V.: __________________Jost, Regierungsrath.__________________

Bekanntmachung.

Der landwirtschaftliche Bezirksverein des Kreises Gießen wird

Montag den 2». August 1890 in Grünberg auf dem Tummelplatz (Lehmkaut) in der Nähe des Wagner'- fchen Gartens eine Ausstellung von Zuchtvieh, verbunden mit einer Viehpreisoerthellung veranstalten.

An derselben können sich alle im Kreise Gießen wohnenden Viehzüchter mit ihren Zuchtthieren mit Ausnahme der Vieh­händler betheiligen.

Prämien werden nur für Zuchtthiere der Vogelsberger Rasse (Reinzucht) und der Simmenthaler Rasse (Reinzucht und Kreuzung) ertheilt.

An Geldpreisen hat der landwirtschaftliche Provinzial­verein zur Prämiirung von Vogelsberger Vieh 200 JL und der landwirtschaftliche Bezirksverein zur Prämiirung von Simmenthaler und Vogelsberger Vieh 500 JL. zur Disposition gestellt.

Preise werden bewilligt:

1) für Bullen im Alter von einem Jahre und darüber, 2) für Rinder im Alter von einem Jahre ab und für Kühe jeden Alters

Nur preiswürdiges Vieh wird prämiirt. Sämmtliche auszustellende Thiere müffen bis Morgens 8 Uhr auf dem Tummelplatz zu Grünberg aufgetrieben fein. Bullen im Alter von 1 Vr und mehr Jahren müffen an einem Nasenring geführt und an demselben aus dem Ausstellungsplatze angebunden werden.

Gelegentlich der Thierschau kann die Ankörung sprung­fähiger Bullen durch die Körcommission stattfinden. Es finden

daher Gemeinden und Bullenhalter daselbst günstige Gelegen­heit zum Ankauf von Gemeindebullen.

Gießen, den 5. August 1890.

Der Director des landwirtschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Jost, Regierungsrath.

Deutsches Reich.

][ Darmstadt, 5. August. Wie bereits telegraphisch ge­meldet, ist Seine Königliche Hoheit der Großh erzog, nachdem er gestern Abend von Schloß Heiligenberg bei Jugen­heim hier eingetroffen war, heute Vormittag 10 Uhr 45 Min. über Berlin nach St. Petersburg abgereist, um an den russischen Kaisermanövern theilzunehmen. Im Gefolge des Großherzogs sind der functionirende Generaladjutant Oberst Wernher und Flügeladjutant Major Frhr. v. Grancy. Bei der Abreise waren die Prinzen Heinrich und Wilhelm, der englische Gesandte Nassau - Jocelyn , Divisionscommandeur Generallieutenant v. Bülow, Stadtcommandant General­lieutenant Frhr. Röder v. Diersburg, Geheimerath v. Werner und der Vorstand des Cabinets, Ministerlalrath Rothe, am Bahnhofe anwesend. Sicherem Vernehmen nach wird auch der Erb gro ßherzo g in der nächsten Woche von Leipzig aus nach Rußland reisen. Ebenso werden die Prinzessinnen Victoria und Alix, welch letztere zur Zeit in Kiel zum Besuche ihrer Schwester, der Prinzessin Heinrich von Preußen, weilt, um die Mitte des Monats nach Rußland abreisen.

Darmstadt, 5. August. Zu der auf heute bestimmten Wahl der Landtagsaügeordneten für die Stadt Darmstadt waren von 86 Wahlmännern 68 erschienen. Von denselben wurden einstimmig die Herren Oberbürgermeister Ohly und Stadtverordneter Otto Wolfs kehl dahier ge­wählt. Von weiteren Resultaten liegen nach derD. Z." vor: Für die Stadt Alsfeld: Gastwirth Karl Gun drum in Alsfeld. Für die Stadt Gießen: Rechtsanwalt August Metz in Gießen. Für die Stadt Friedb erg: Rechtsanwalt Hermann Jöckel in Friedberg. Für die Stadt Worms: Fabrikant Niehaus Reinhart in Worms. Für die Stadt Bingen: Redacteur Pennrich in Bingen. Im 4. Wahl­bezirk der Provinz Starkenburg: Erster Staatsanwalt Arnold in Darmstadt. Im 6. Wahlbezirk der Provinz Starkenburg: Bierbrauereibesitzer Georg Schönberger in Groß-Bieberau. Im 7. Wahlbezirk der Provinz Starken­burg: Sparkasserechner Jacob Lautz in Groß-Umstadt. Im 13. Wahlbezirk der Provinz Starkenburg: Rath Hechler in Darmstadt. Im 3. Wahlbezirk der Provinz Oberhessen: Philipp Köhler in Bettenhausen. Im 6. Wahlbezirk der Provinz Oberhessen: Adalbert Freiherr von Nordeck zur Rabenau in Friedelhausen. 'Im 9. Wahlbezirk der Provinz Oberhessen: Bürgermeister Zinßer in Schlitz. Im 11. Wahl­bezirk der Provinz Oberheffen: Pächter Sturmfels in Ulfa. Im 1. Wahlbezirk der Provinz Rheinhessen: Bürger­meister Alb. Möllinger in Pfeddersheim.

Das Armee-Verordnungsblatt veröffentlicht die Cabmets-Ordre, betr. die Errichtung neuer Truppentheile, wonach bei der 25. Division das Artillerie-Regiment Nr. 25 auf sechs fahrende Batterien und eine reitende Batterie in Darmstadt verstärkt wird.

Berlin, 5. August. Auf die glänzenden Kaisertage in Belgien sind nunmehr mit dem Erscheinen Kaiser Wilhelms aus der Insel Wight gleiche Festtage für England gekommen und sie finden in Deutschland ein freudiges und begeistertes Echo. Denn der abermalige Besuch, welchen jetzt der deutsche Kaiser an dem verwandten englischen Hofe nach gerade Jahres­frist abstattet, bekundet für alle Welt a^fs Neue die herzlichen und innigen Beziehungen, welche nicht nur zwischen den einander durch Familienbande eng verbundenen Herrscher­häusern Deutschlands und Englands, sondern auch zwischen ihren Reichen und Völkern bestehen. Wenn bei der dies­maligen Anwesenheit Kaiser Wilhelms in England der familiäre Charakter dieses Besuches gegenüber seiner politischen Seite vielleicht mehr hervortritt, als dies im vorigen Jahre der Fall war, so ist trotzdem die politische Bedeutung auch des gegenwärtigen Kaiserbesuches auf englischem Boden unver­kennbar. Sie erhellt hinlänglich aus dem vorangegangenen Abschlüsse des deutsch-englischen Vertrages über Afrika, der seinem ganzen Wesen nach wie durch die erst kürzlich veröffent­lichten Beweggründe der beiden Regierungen zu ihrem Ab­kommen beweist, daß die Freundschaft zwischen Deutschland und England jetzt eine dauernde Befestigung erfahren hat jind aus diesen gefestigten Bund drückt der jetzige Besuch Kaiser Wilhelms am englischen Hofe gleichsam das Siegel aus. Die Ankunft des Kaisers aus Wight erfolgte etwas früher, als zuerst geplant war, nämlich schon Montag Mittags, und war der Empfang des erlauchten Monarchen

bei der Landung in Cowes ein sehr glänzender. Von der englischen Königsfamilie hatten sich zur Begrüßung des kaiser­lichen Gastes Prinz Alfred von Edinburg und Prinz Heinrich von Battenberg, begleitet vom Prinzen Christian von Schleswig- Holstein, an der Landungsstelle eingesunden, während der Kaiser vom Prinzen von Wales und dem Herzog von Connaught noch auf See begrüßt worden war. Nachdem der Kaiser die ausgestellte Ehrenwache abgeschritten hatte, begab er sich sofort nach Schloß Osborne, woselbst die Königin Victoria ihren kaiserlichen Enkel aufs herzlichste bewillkommnete. Nach­mittags fand zu Ehren des Kaisers Familientafel.im Schlosse statt. Die Londoner Morgenblätter vom 5. d. M. widmen dem Kaiserbesuche sehr sympathische Leitartikel. Die Blätter erblicken in dem Kaiser den Friedenshort, der durch diesen zweiten Besuch eine neue Bürgschaft der Friedenser­haltung biete. Der Kaiser sei der kräftigste Exponent einer einzig gesunden Friedenspolitik, er habe alle Erwartungen übertroffen und alle Vorurtheile besiegt. Soweit bekannt, gedenkt der Kaiser bis zum 8. d. M. in Osborne als Gast der Königin Victoria zu verweilen.

Die Nachricht, Kaiser Wilhelm werde bei seiner bevorstehendes Reise nach Rußland nicht nach Peterhof, wo die Czarensamilie zur Zeit ihren Sommeraufenthalt ge­nommen hat, kommen, bewahrheitet sich nicht. Vielmehr ver­sichert eine Petersburger osficiöse Meldung auf das Be­stimmteste, daß der deutsche Kaiser vom 24. bis zum 26. August in Schloß Peterhof Aufenthalt nehmen werde.

AttslonÖ.

Zanzibar, 4. August. (Meldung des Bureau Reuter.) Die gestern abgehaltene Massenversammlung der Araber nahm den jüngsten Erlaß des Sultans betreffend Aushebung der Sclaverei an. Heute sammelte sich eine Volksmenge vor dem Zollhause an und riß das bezüg­liche Decret herunter. Der Sultan ließ darauf das Decret sofort wieder ersetzen und die Rädelsführer verhaften. Die Ruhe ist wiederhergestellt.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Correspondenz-Büreau.

Berlin, 5. August. Die gesellige Zusammenkunft, wozu der Magistrat und die Stadtverordneten von Berlin den medicinischen Congreß heute Abend geladen hatten, war von etwa 4000 Personen besucht, darunter vom Staats- secretär v. Bötticher und Minister v. Goßler. Oberbürger­meister Forckenbeck brachte den Kaiser-Toast aus. Das Fest, welches sich bis Mitternacht ausdehnte, nahm einen überaus harmonischen, alle ausländischen und einheimischen Theilnehmer überaus befriedigenden Verlauf.

Berlin, 5. August. Der internationale Delegirten- tag für Feuerbestattung beschloß die Absendung eines Telegramms an den deutschenKaiser, worin die Hoffnung ausgedrückt wird, der Kaiser werde sich für dje Sache der Feuerbestattung gewinnen lassen. Unter den Absendern waren die Delegirten Italiens, Amerikas, Schwedens, Dänemarks und der Schweiz.

Berlin, 5. August. DerReichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betreffend die Gewerbegerichte.

Schiewenhorst bei Danzig, 5. August. In Gegenwart des Ministers Lucius, der Spitzen der Behörden und der interessirten Deichverbände fand heute Mittag die feierliche Prundsteinlegung zu der durch das Gesetz von 1877 bestimmten neuen Weichselmündung statt. Nach der Festrede des Vorsitzenden der Strombaucommission, Müll, und dem üblichen Kaiserhoch wurde durch Minister Lucius unter den üblichen Hammerschlägen der Grundstein versenkt. Nach dem Festact vereinigten sich die Theilnehmer im Walde in Zelten zum Festdiner. Dabei wurde folgendes Telegramm an den Kaiser nach Osborne abgesandt:In ehrfurchts­voller Dankbarkeit für das von Euerer Majestät bethätigte rege Interesse am Werke der Weichselregulirung, zeigen Eurer Majestät die heute in Gegenwart zahlreicher Vertreter des Weichsel- und Nogatgebiets stattgehabte feierliche Eröffnung der Bauarbeiten allerunterthänigst an: Lucius, Landwirth- schastsminister; Leipziger, Oberpräsident."

München, 5. August. Der Landtagsabgeordnete für Regensburg, Lycealdirector Rittler, ist heute in Brenner­bad gestorben. (Rittler war eine Zeitlang mit Schels Führer der extremklerikalen Partei, näherte sich dann den Patrioten, die ihn zum Referenten des Cultuöbudgets machten, wurde späterconservativ" wie Bucher-Passau, zuletzt wiederge- mäßigt"-patriotisch. Er hat sonach allen Schattirungcn der Centrumspariei angehört.)