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Preise neuer Exemplare.
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Gießen.
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Nr. 207.
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Samstag den 6. September
1890
Der
Wetzeuer Jtajdgtr erichemr röglich, (Sit Ausnahme deS Montags.
Die Siebener MAmitteuSkätrsr «erben dem Anzeiger «^chentlich dreimal beigelegt.
Kenerat-Itnzeiger.
vierteljähriger AKo«neme«t5PretSL 2 Mark 20 Pfg. mtt Bringerlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mark 60 Pfg.
Redaktion, Expedttti» und Druckerei:
Kchutstrisje 3tte1* Fernsprecher 61.
Amts- uttb Anzeigeblatt fu? beit ‘Kwk (Stegen.
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«»nähme von Anzeigen zu der Nachmittags für den Pfiffet ÄtIc Annoncen-Bureaux des In. und Auslandes nehm«
folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Anzeigen für den .Gießener Anzeiger- entgegen.
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Kmtik^r Thell.
Gießen, den 1. September 1890.
Betr.: Die Errichtung einer Anstalt für arme Sieche in der Provinz Oberheffen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzh. Bürgermeistereien de- Kreises.
Soweit Sie unserer Verfügung vom 9. August ds. Js. — Anzeiger Nr. 185 — noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie an Erledigung derselben binnen 8 Tagen.
________________v. Gagern.__________________
Gießen, den 1. September 1890. Betr.: Maßregeln gegen das Zigeunerwesen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien mit Ausnahme von Gießen.
Wir erinnern Sie, soweit Sie noch im Rückstände sind, an Erledigung unserer Verfügung vom 5- August ds. Js. — Amtsblatt Nr. 4 — binnen 8 Tagen.
v. Gagern.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 4. September. Für die Delegirten-Ver- fammlung des Hessischen Landeslehrer-Vereins im Worret'schen Saale in Worms am Mittwoch, den 1. Oc- üober, Nachmittags 2 Uhr, ist folgende Tagesordnung fest- gestellt: 1) Feststellung der Jahresberichte für den Landes- lehrer-Verein, das Lehrer - Waisenstist (pro 1889 bis zur Einverleibung in die Ludwigs- und Alice-Stiftung) und den Verein provisorisch angestellter Lehrer zur gegenseitigen Unterstützung in Krankheitsfällen. 2) Rechnungsablage pro 1889. 3) Berathung und Festsetzung des Voranschlages pro 1890, 1891 und event. 1892. 4) Berathung und Beschlußfassung über etwaige Anträge. 5) Ergänzungswahl der nach § 15 ausgelosten Vorstandsmitglieder. Die Hauptversammlung des Landeslehrer-Vereins, verbunden mit einer Gedächnißfeier Diesterwegs, findet am folgenden Tage, Donnerstag, den 2. October, Morgens 11 Uhr, im Festhause zu Worms statt und weist folgende Tagesordnung auf: 1) Begrüßungen, 2) Verlesung der Jahresberichte, 3) Festrede zur Gedächtniß- seier Diesterwegs von Herrn Schulinspector Scherer-Worms.
Netteste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Flensburg, 4. September. Der Kaiser ist mit dem Herzog Günther vierspännig auf das Paradefeld gefahren.
Die Kaiserin traf Morgens am Bahnhof ein und fuhr durch spalierbildende Schulen und Gewerke zum Paradeseld.
Flensburg, 4. September. Der Kaiser sprach dem commandirenden General die Anerkennung für die Leistungen des Armeecorps bei der Parade aus. Aus Befehl com- mandirt morgen beim Manöver General Wittich den markirten Feind.
Gravenstein, 4. September. Das kaiserliche Paar wurde bei seiner Ankunft begrüßt und fuhr zum Schlosse, wo um 6 Uhr das Paradediner eingenommen wurde.
Dresden, 4. September. Nach einer vom Ministerium des Innern im Einverständniß mit dem Reichskanzler erlassenen Verordnung ist beschlossen worden, zur Erleichterung der Einfuhr lebender Schweine aus dem Auslande nach den Schlachthöfen von Dresden, Chemnitz und Zittau die bisherige Vorschrift, nach welcher vor der Einfuhr eine zehntägige Quarantäne in Steinbruch bestand, einstweilen in Wegfall zu bringen. Nothwendig sei aber ein Ursprungszeugnis, welches auch eine Bescheinigung der Gesundheit der Thiere enthalten müsse, ferner eine thierärztliche Untersuchung in Bodenbach und Tetschen und die Beförderung der Thiere in geschlossenen Eisenbahnwaggons ohne Umladung bis zum Bestimmungsorte behufs alsbaldiger Abschlachtung in dem Schlachthause.
Wien, 4. September. Die volkswirthschaftliche Section des land- und forstwirthschaftlichen Congresses nahm nach lebhafter Debatte einen Antrag an, welcher für eine Nothwendigkeit erklärt: 1) die Bildung einer mitteleuropäischen Zoll-Liga, 2) Abmachungen zwischen den Ligastaaten behufs Ausschließung wechselseitiger Schädigung durch Frachttarifpolitik, 4) die Wahl einer Commission mit dem Recht der Cooptation behufs Bildung eines internationalen Vereins. In die letztere wurden gewählt 5 Deutsche und je ein Mitglied für Frankreich, Italien, Holland, die Schweiz, Rumänien, Schweden und Dänemark, 7 für Oesterreich und 3 für Ungarn.
Wien, 4. September. Die Theilnehmer des Forst- und Landwirthschastlichen Congresses waren gestern zu Hofe geladen. Als Vertreter des Kaisers fungirte Erzherzog Karl Ludwig, welcher einen mehr als zweistündigen Cerkle hielt und mit den hervorragendsten Mitgliedern sprach.
Teschen, 4. September. Des Regenwetters wegen fand kein Manöver statt. Der Kaiser hielt Revue über die zwölfte Truppendivision ab.
Paris', 4. September. Die marokkanische Regierung bestellte bei einer französischen Gesellschaft mehrere Batterien.
Liverpool, 4. September. Der Congreß der Trade- Unions nahm heute eine Resolution an, welche die For
derung der parlamentarischen Festsetzung des Achtstundentages ausspricht und verwarf mit 8 Stimmen Mehrheit den Antrag, daß es den Gewerken und Individuen überlassen bleiben solle, den achtstündigen Arbeitstag durch ihre Vereinigungen zu erlangen. Der Congreß nahm ferner Resolutionen an, welche die Beschäftigung fremder Arbeiter in englischen Häfen als ungehörig bezeichnen, sowie sich zu Gunsten einer internationalen Convention für Inkraftsetzung des Fabrikmarken-Gesetzes aussprachen.
Brüssel, 4. September. Dr. Bumiller erklärt, die andauernden Gerüchte über die Erkrankung der Reichs- commissärs Major v. Wißmann seien vollständig erfunden.
Ostende, 4. September. Major v. Wißmann ist mit dem Könige von Belgien hier eingetroffen. Wißmann wohnt im „Hotel Continental".
Venedig, 4. September. Kaiserin Friedrich ist mit den Prinzessinnen an Bord der „Surprise" hier eingetroffen.
Madrid, 4. September. Aus den Provinzen wurden gestern 26 Erkrankungen und 15 Todesfälle an Cholera gemeldet.
Newyork, 4. September. Die Aus ständischen der Panama-Eisenbahn-Gesellschaft verhindern den Verkehr,- sie durchschnitten die Telegraphendrähte und versuchten die Schienen auszuheben. Es ist Militär abgesandt worden.
— Nach einer Meldung aus Caracas hat der Präsident von Venezuela mehrere Zeitungsredacteure wegen Verleumdung des Präsidenten und der Regierung ausgewiesen.
Newyork, 4. September. Der „Herald" meldet aus Guatemala: Das amerikanische Gesandtschafts- gebäude wurde gestern von Pöbelhaufen in drohender Haltung umlagert. Das Gebäude wird von der Polizei bewacht. Die Kundgebungen für die in strenger Haft befindliche Christine Barrundia dauern fort.
Rio de Janeiro, 4. September. (Reuter-Meldung.) Die Regierung veröffentlicht den Beschluß, wonach sie sich verpflichtet, Staatsanleihen (der bisherigen Provinzen, jetzigen Einzelstaaten) bis zum Totalbetrage von 50 Millionen Milreis zu garantiren. Die Geldnoth verschiedener Staaten ist drückend.
Rio de Janeiro, 4. September. Die Wahlcampagne verläuft ruhig. Die Gegenpartei ist bei den officiellen Can- didaturen wenig thätig.
Buenos Ayres, 3. September. (Reuter-Meldung). In der Provinzialkammer beantragte der Deputirte Fonrouge die Zahlung der Cedulas-Coupons auf zwei Jahre zu suspendiren. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Die politische Lage ist ruhiger. Der Marsch
Feuilleton.
Kon den Äonntagsjägern.
e Von B. v. Wolfshofer.
Die Jagd ist eröffnet und wenn man nun jetzt am Morgen einen Jäger erblickt, der, in ein Lohnsuhrwerk hingestreckt, mit grünem Rock und soeben gekauftem Jägerhut mit Gemsbart prunkt, der an blankem Riemenzeug die zierliche Patronentasche und eine -funkelnagelneue Büchse trägt, dessen modische Stiefelchen viel mehr die Bekanntschaft mit dem Salon als mit dem Ackerfelde verrathen, dann darf man Zehn gegen Eins wetten, daß der Mann in die Kategorie Ler „Gefährlichen" oder Sonntagsjäger gehört. Nicht als vb solcher Waidmann dem Gethier des Waldes und des Feldes gefährlich wäre — Gott bewahre! Selbst der dümmste Hase weiß heute schon ^übaß er die Kette gerade unter den Gewehrläufen dieser Art Schützen durchbrechen muß, will er seinen Balg unbeschädigt weiter tragen. Das gerade ist ja das characteristische Erkennungszeichen an einem echten Sonntagsjäger: er trifft niemals! Eine nette Geschichte aus dem Sonntagsjägerleben wird aus einem Orte des Cantons Aargau in der Schweiz gemeldet. Brachen da Zwei Waidmänner auf, um auf der Wildschweinpürsche ihr Eliick zu versuchen. Es schien ihnen auch in der That zu lächeln, denn zwei Säue, welche ihnen in den Weg gekommen toaren, standen fest wie Sägeböcke, offenbar um in voller Ergebung der Kugeln zu warten, die da kommen sollten. Und Lennoch ereignete sich das Unglaubliche: die treffsicheren schützen sehlten! Wie das kam? Es ist eine merkwürdige beschichte wildschweinischer Hinterlist! Die Jäger hatten Nämlich in weiser Besonnenheit verabredet, welcher der Säue «in Jeder den Garaus machen wolle. Denn wie der Sonn
tagsjäger äußerlich die Attribute des echten Waidmannes führt, so sucht er es ihm auch in der Gradheit und Biederkeit des Wesens nachzuthun. Dazu gehört vor Allem, daß man dem Andern die Beute, welche ihm vor das Rohr gekommen, nicht sortlistet. So wählte nun auch diesmal der eine von unseren Sonntags-Nimrods die Sau mit dem geraden, der andere die mit dem geringelten „Schwänzli". Als sie aber losdrücken wollten, geschah etwas Unerhörtes — selbst für einen Sonntagsjäger. Die Sau mit dem geraden Schwänzli ringelte dasselbe und die mit dem geringelten streckte das ihre. Die Nimrods wurden vollkommen consus, fehlten beiderseits und die „Säuli" liefen freudig grunzend ob des gelungenen Schabernacks von bannen.
Glücklich, wenn es noch so abgeht! Denn so häufig die „Gefährlichen" Hasen, Füchse und Hühner zu fehlen pflegen, ebenso gerne finden sie die Beine oder das Gesicht des Nachbarn, welchen sie im Eifer des Gefechtes nicht früher bemerken, bis sein Wehegeschrei an ihr Ohr dringt. Die Zahl der Opfer, welche alljährlich das Rohr des Sonntagsjägers fordert, ist größer, als man gemeinniglich annimmt. Aus den anscheinend so harmlosen Waidmannsvergnügen wird oftmals eine Tragödie, denn die Ungeschicklichkeit der Gefährlichen nimmt zu mit der Freude, welche alle Welt an diesem gesunden Sport empfindet. Vor einigen Jahren wurde Paul von Caffagnac, der bekannte parlamentarische Heißsporn und Randalmacher, durch die Büchse eines Sonntagsjägers dieser seiner Thätigkeit auf längere Zeit entzogen. Einer seiner Freunde, welchen er auf die Hasenjagd begleitete, war so liebenswürdig, ihm eine ganze Ladung Schrot in den Leib zu schießen. Ein Korn verirrte sich an das obere Augenlid und riß dasselbe der ganzen Länge nach auf, so daß bei einem Haare das Auge selbst verletzt worden wäre. Bei dieser Gelegenheit offenbarte sich der große Unterschied zwischen
einem Sonntagsjäger und dem echten Waidmann auf das Deutlichste. Caffagnac, welcher die Büchse zu handhaben versteht wie Feder und Rapier, sah, trotzdem ihm das Blut in Strömen über das Gesicht lief, wie der Lampe, auf welchen der „gefährliche" Schütze gezielt hatte, dicht bei ihm vorüber- lief und streckte ihn im heiligen Eifer der Jagd mit einem glücklichen Schuß nieder. Sonntagsjäger gibt es in Deutschland in keineswegs geringerer Zahl als jenseits der Vogesen. Sie finden sich auch in allen Ständen. Vornehmlich übt das edle Waidwerk eine besondere Anziehungskraft aus auf solche ältere Herren, welche es Gott sei Dank dazu haben, in Ruhe und Gemächlichkeit zu leben, aber dennoch hin und wieder den Drang nach Thaten in sich spüren. Zeigt dann ein guter Freund noch das stattliche Geweih eines Hirsches, welchen er angeblich selber erlegt, dann hilft Mutterns Abreden nichts mehr. Ein Jagdschein wird gelöst und wohlausgerüstet ziehr der corpulente alte Herr in fröhlicher Gesellschaft hinaus in den grünen Hag. Diesmal waren es wieder ihrer Vier, welche das Coups in der Eisenbahn theilten, und von denen drei einen ältlichen Herrn sehr eifrig in den Künsten der Jägerei unterrichteten. Die Reise ging bis zu einer Station in der Nähe Berlins und von dort aus noch einige Meilen zu Wagen. Dann aß man noch etwas sehr spät, aber sehr gut zu Mittag und mit einbrechender Dunkelheit ging es hinaus auf den Anstand. Am Rande des Waldes waren iw zweckmäßigen Entfernungen vier Gräben errichtet, von denen jeder einen der Jäger aufnahm. Alle machten es sich in diesen Löchern mittels der mitgebrachten Decken so bequem wie möglich und warteten in Sehnsucht auf die Hirsche, welche hier aus dem Walde herauskommen und zur Tränke gehen sollten. Auch der dicke Herr machte sich's bequem. Aber so ein Hirsch ist ein sonderbares Thier, das oft stundenlang vergebens auf sich warten läßt. Wie es nun immer später


