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1890.
Nr. 154. Zweites Blatt. > Sonntag den 6. Juli
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen
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Kr-entlichk Hsuploersammlung des Gewerbvereins ju Gießen.
In der am 10. d. M. stattgehabten ordentlichen Hauptversammlung des hiesigen Gewerbvereins wurde zunächst von dem Vorsitzenden über die Lage und Wirksamkeit des Vereins und der erweiterten Handwerkerschule im vergangenen Jahre Bericht erstattet, welchen Bericht wir nachstehend im Wesentlichen mittheilen.
Weiter fand die Ablage der Rechnung für das verflossene Geschäftsjahr statt, deren wesentlichste Ziffern ebenfalls nachstehend mitgetheilt werden.
Endlich fand die Neuwahl für das mit Ende des vorigen Geschäftsjahres ausscheidende Dritttheil des Vorstandes statt. Es wurden dabei in den Vorstand neu- resp. wiedergewählt die Herren Universitätsamtmann Dr. Dietz, Spenglermeister C. A. Faber, Bürgermeister Gnauth, Vergolder Leib, Buchhändler Reimer, Schlossermeister Stohr, während in demselben verbleiben die Herren: Barthel, Bergen, Buchner, Habenicht, Heß, Heyligenstaedt, Hug, Leo, Molly, L. Petri III., Roth, Schiele.
Jahresbericht für das.Jahr 188 8/90.
Mein den Satzungen gemäß in der Hauptversammlung Ihnen zu erstattender Jahresbericht theilt Ihnen zunächst bezüglich des Bestandes des Vereins und hinsichtlich persönlicher Verhältnisse mit, daß die Zahl der Mitglieder, welche im verflossenen Jahre 103 betrug, sich aus 106 vermehrt hat. — Diese geringe Zunahme kann uns nicht befriedigen und ich gestatte mir darum zunächst, meine Bitte vom vorigen Jahre zu wiederholen, die anwesenden Herren möchten persönlich in ihren Kreisen neue Mitglieder zu gewinnen suchen. Es ist auffällig, ein wie kleiner Theil der Gewerbtreibenden hiesiger Stadt an den Bestrebungen des Vereins und den Vortheilen, die er bietet, thätigen Antheil nimmt, während in anderen Städten so ziemlich alle Gewerb- treibende Mitglieder sind.
Zwei unserer hervorragendsten Mitglieder mußten wir leider im Laufe des Jahres aus dem Vereine scheiden sehen: der eine, unser so viel verdienter Ehrenvorsitzender Herr Geh. Rath v. Ritgen wurde uns im Juli v. I. durch den
im Wintersemester
„ Sommersemester ersonal betrifft, so
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können. — Die Schülerzahl ist abermals betrug:
Tod genommen- das Andenken an Alles, was er in einer sehr langen Reihe von Jahren für den Verein gethan, wird ebenso unvergessen bleiben, wie das, was er in höherer Thätigkeit als Künstler geschaffen hat. Ein anderes Mitglied, das, so lange es ihm seine Gesundheit erlaubte, den regsten Antheil an dem Verein stets genommen, Herr Baurath Walther, trat kürzlich aus dem Vereine aus.
Die neuen Satzungen des Vereins wurden, so wie sie im verflossenen Jahre beschlossen worden waren, von der Großh. Ceutralstelle unbeanstandet gutgeheißen.
Was das Leben in dem Vereine selbst — abgesehen von seiner Thätigkeit' für die erweiterte Handwerkerschule — betrifft, so habe ich zunächst bezüglich der öffentlichen Vorträge zu berichten, -daß wir in dieser Hinsicht im lausenden Jahre eine nur geringe Thätigkeit entfalteten, indem wir — theils aus Mangel an Mitteln, theils aus anderen Ursachen, nur einen Vortrag — im December v. I. — halten ließen, nämlich den in hohem Grade belehrenden Vortrag des Herrn Univ.-Amtmanns Dr. Dietz ,,Ueber das Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetz". Es ist im Allgemeinen schwer, Vorträge zu finden, die für eine größere Zahl der Mitglieder des Gewerbvereins von genügendem Interesse sind und ich glaube, es ist besser, sehr wenige Vorträge von wirklichem Werthe zu veranstalten, als viele, die geringes Jntereffe und in Folge davon auch unbedeutenden Besuch haben. — In dankenswerther Weise werden Seitens der Centralstelle alljährlich eine ziemliche Auswahl von Vorträgen — meist der Herren Prof. Thiel und Dr. Sonne jun. — den Vereinen zur Verfügung gestellt, und wurden im vorvergangenen Jahre auch zwei Vorträge von diesen Herren in unserem Vereine gehalten.
Der Vorstand war wegen Vorträgen „Hebe r d i e verschiedenen technischen Anwendungen der Elee- tricität", welche durch den Electrotechniker Herrn Egts, unter Benutzung einer großen Menge von Apparaten und maschinellen Einrichtungen gehalten werden und welche überall, wo sie gehalten wurden, das lebhafteste Interesse erregten, mit diesem Herrn in Verbindung getreten.
Diese Vorträge sind jedoch — schon wegen des Transportes und der Aufstellung der Apparate und Maschinen (Dynamomaschinen u. dgl.) ziemlich kostspielig und so hatte ich mich für das verflossene Jahr darauf beschränkt, mit Herrn Egts wegen nur eines Vortrages im November, nämlich eines solchen über das Telephon und Alles, was damit zusammenhängt (wie Mierophon und Phonograph) ein Abkommen zu treffen. Nachdem die Zeit hierfür vorläufig festgesetzt war, schrieb mir sein Stellvertreter jedoch, er finde nachträglich, daß die Zeit, die er für Gießen vorgesehen resp. zur Verfügung habe, doch zu kurz sei, daß er aber den ganzen Winter mit Vorträgen an anderen Orten bereits besetzt habe und deshalb nur Ende März kommen tonne; in Folge davon unterblieb dieser Vortrag für den vergangenen Winter.
Ich denke nun, nachdem wir das Geld für Vorträge in diesem Winter gespart haben, wollen wir im nächsten mehrere der Vorträge des Herrn Egts über die technische Anwendung der Eleetrieität halten lassen, wenn sie auch etwas viel kosten und zu dem Ende recht frühzeitig mit ihm in Verbindung treten. Diese Vorträge mit Experimenten und Apparaten werden ohne Zweifel allseitiges Interesse erregen. Vielleicht finden sich im nächsten Winter auch wieder einmal Mitglieder des Vereins, die einen Vortrag zu halten geneigt sind.
Unsere so reichhaltige Bibliothek wurde im verflossenen Jahre, wie in früheren ziemlich eifrig benutzt- — immerhin ist es zu verwundern, daß nicht noch mehr Gewerb- treibende, namentlich Schreiner und Maler, von dem großen Schatz von Belehrung und Anregung, wie von Motiven für speeielle Arbeiten, die in den Jllustrationswerken und Musterzeichnungen unserer Bibliothek enthalten sind, Gebrauch machen- am meisten wird die Bibliothek von Decorations- malern benutzt.
Im Monat September v. I. veranstalteten wir in den Räumen der Handwerkerschule eine Ausstellung von Kunstschmiede-Arbeiten von hohem Kunstwerth, die uns aus der Mustersammlung der Centralstelle für diese Zeit überlassen worden waren- dieselbe hatte sich eines sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen.
Eine an den Stadtvorstand gerichtete Eingabe um Erlassung der seither für die Gaseinrichtung in unseren Schul- loealitäten bezahlten Miethe fand, ebenso wie eine solche nm nöthige Renovirung unserer Schulräume dankenswerthes Entgegenkommen und wurde in beidem unserer Bitte entsprochen.
Seitens Großh. Centralstelle war der Vorstand aus Veranlassung des Großh. Ministeriums des Innern um eine g u t ä ch t l i ch e A e u ß e r u n g über eine Schrift der Gewerbe-
Bekanntmachung,
die Maul- und Klauenseuche zu Großen-Buseck betreffend.
Nachdem zu Großen-Buseck unter dem Viehbestand des Pachters Passavant der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, ordnen wir die Sperre über das Gehöft des Genannten hierdurch an
Es gelten hiernach für den betreffenden Besitzer die Bestimmungen unter I und für die Gemarkung Großen-Buseck die Bestimmungen unter II unseres Ausschreibens vom 24. Juni l. Js. — Kreisblatt Nr. 146 — mit Ausnahme der Gemarkungssperre.
Gießen, den 4. Juli 1890
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
meist schon eine lange Reihe von Jahren an der Schule thätigen Lehrer mit demselben Eifer und dem gleichen Erfolge an ihr weiter- — einen neuen tüchtigen Lehrer haben wir für die Sonntag sch ule, speeiell für das Maschinen- zeichnen, an Herrn C. Carlo, Construeteur in der Maschinenfabrik von Heyligenstaedt & Co., gewonnen. Es war nämlich eine Theilung der großen Anzahl der an dem eonstruetivem Zeichnen in der Sonntagschule theilnehmenden Schüler unabweisbar und wir trennten dieselben in der Weise, daß Herr Hauptlehrer Hug die hauptsächlich mit Bau- constructionen sich beschäftigenden behielt, während Herrn Carle diejenigen Schüler überwiesen wurden, die sich mehr mit maschinellem Zeichnen beschäftigen.
Herr Bildhauer Barthel gab, wie seither, den Unterricht im freien Handzeichnen und Modelliren, Herr Dr. Molly in der darstellenden Geometrie, Physik und Mechanik, Herr Gerhardt im geometrischen Zeichnen und Freihandzeichnen und Herr Kalbfleisch im Rechnen und in der deutschen Sprache.
Die Schüler der Abendschule wurden seit Beginn des vergangenen Wintersemesters in drei Abtheilungen unterrichtet, statt früher in zwei Abtheilungen, was ebenso durch die gewachsene Zahl der Schüler erforderlich war, wie um den Unterricht in Einklang mit dem Unterricht der Fortbildungsschule zu bringen, welche auch einen dreijährigen Lehrgang hat und für deren Unterricht wir bekanntlich bei den unsere Schule Besuchenden Ersatz zu bieten haben.
Weiter wurde Physik und Mechanik alö gesonderter Lehrgegenstand in neu zugesügten Unterrichtsstunden gelehrt
Bekanntmachung,
die Maul- und Klauenseuche zu Oppenrod betreffend.
Nachdem zu Oppenrod unter den Viehbeständen des Konrad Döring und Jost Konrad der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, ordnen wir die Sperre über die Gehöfte der Genannten hierdurch an.
Es gelten hiernach für die betreffenden Besitzer die Bestimmungen unter I und für die Gemarkung Oppenrod die Bestimmungen unter II unseres Ausschreibens vom 24. Juni [. I. — Kreisblatt Nr. 146 — mit Ausnahme der Gemarkungssperre.
Gießen, den 4. Juli 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
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kammer in Lübeck ersucht worden, über die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen die Rechte, welche durch die neuen §§ 100 e und 100 f der Reichs-Gewerbeordnung, event. einzelnen Innungen zuerkannt werden können, diesen zu gewähren seien. Nachdem sämmtliche Mitglieder des Vorstandes von der Schrift Kenntniß genommen hatten, wurde auf Grund eines ausführlichen Gutachtens beschlossen, sich gegen eine Zuerkennung dieser Rechte auszusprechen.
Gegen Ende des vorigen Jahres (am 10. Deeember) erhielten wir eine Aufforderung der Centralstelle, ihr, unter Darlegung der Einnahmen und Ausgaben unserer Handwerkerschule, mitzutheilen, wie groß unsere Geldbedürsnisse für diese Schule für die nächsten Jahre seien, um danach das Ersorderniß der gewünschten Staatssubvention für die erweiterten Handwerkerschulen für das Staatsbudget für die Finanzperiode 1891—1894 ausstellen zu können.
Dieser Aufforderung nachkommend baten wir um eine Erhöhung unseres jetzt 5700 Mk. betragenden Staatszuschusses, um weitere 1500 Mk., die wir in einem Berichte als für unsere Schule in der nächsten Zeit jedenfalls weiter erforderlich nachwiesen.
In der Ausschußsitzung des Landesgewerbvereins vom 7. März d. I. wurde dieser Mehrbetrag für unsere Schule auch (wenigstens sehr annähernd) in den für die erweiterten Handwerkerschulen für die Finanzperiode 1891 — 94 zu beanspruchenden Ansatz ausgenommen und wir müssen nun hoffen, daß er von Regierung und Ständen auch gutgeheißen wird.
Nachdem in der auf diesen erhöhten Staatszuschuß bezüglichen Zuschrift der Großh. Centralstelle darauf hingewiesen worden war, daß der seitherige Zuschuß der Stadt zu den Bedürfnissen der Schule ein im Verhältniß zum Beitrage des Staates und im Vergleich zu den Leistungen anderer Städte geringer sei, nahm ich daraus Veranlassung, in einer Eingabe vom 14. Februar die Stadt um Erhöhung ihres Zuschusses für die Schule zu bitten und hat uns der Stadtvorstand in dankenswerther Weise daraufhin den seitherigen Beitrag der Stadt für die Folge verdoppelt — unter der Voraussetzung, daß ein weiterer Lehrer angestellt werde — was ja bekanntlich in Folge der erweiterten Organisation der Schule in Aussicht genommen ist. Ich unterlasse nicht, der verehrt. Stadtvertretung auch an dieser Stelle den Dank für ihr dadurch be- thätigtes Interesse an der erweiterten Handwerker schule nochmals auszusprechen.
Wenn ich damit auf die erweiterte Handwerkerschule in ihren Beziehungen zum Gewerbverein, dessen wesentlichste Wirksamkeit ja in ihr liegt, übergehe, so darf ich auch für das vergangene Jahr sagen, daß wir auf deren
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Heimat-Anzeiger.
Bekanntmachung.
Nach Mittheilung Großh. Kreisamts Schotten ist die Maul- und Klauenseuche zu Ulrichstein, Eschenrod und Götzen erloschen und die Gemarkungssperre für diese Orte ausgehoben worden.
Gießen, den 4. Juli 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen-
v. Gagern.
Leistung und Entwicklung mit voller Zufriedenheit zurücksehen ......... ' gewachsen- sie
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luftigungen, Abends ittoctL Wir erlauben dem Bemerken, daß den mMor ab geboten ist.
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