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außerordentlich hohe Sterblichkeit hervorgehoben werden, welche die bisherige Annahme weit übertrifft.

Wenn auch bereits um die Mitte des Monats Dccember 1889 die Influenza in einzelnen Bezirken des Großherzog- thums, so doch nicht über das gesammte Landesgebiet ver­breitet herrschte, so scheint diese Seuche doch vorerst noch wenig Opfer gefordert zu haben, denn die auf den Monat Dccember kommenden Sterbefälle, in Summa 1852, und die hieraus für denselben sich ergebende Sterbeziffer von 19,0 auf 10 000 Lebende sind keine ungewöhnliche hohen Beträge, auch läßt sich aus der Frequenz der Sterbefälle nach den Todesursachen, in einer allgemeineren Zusammenfassung, wie solche die anbei veröffentlichte vorläufige Uebersicht gibt, eine auffällige Ab­weichung von den Ergebnissen der gleichnamigen Monate des vorausgegangenen Decenniums nicht entnehmen, namentlich waren Erkrankungen der Athmungsorgane nicht in über­mäßiger Zahl Todesursache, auch sind die gewöhnlich herrschen­den Jnfectionskrankheiten, abgesehen von den in mäßigen und leichten Epidemien verbreiteten Masern und namentlich der Diphtherie, die häufiger als sonst im Monat December tödtlich wurde, nicht von erheblichem Einfluß auf die Sterb­lichkeit gewesen.

Dagegen erreichte im Monat Januar 1890 die Zahl der im Großherzogthum Verstorbenen den enormen Betrag von 3353; im Vergleiche des Vormonats waren damit die Sterbe- sälle um nicht weniger als 1501 gestiegen und es betrug nunmehr die auf die Januarmonate des vorhergehenden Decenniums im Durchschnitt zu 19,9 aus 10000 Einwohner sich berechnende Sterbeziffer 34,4. Bei einer näheren Be­trachtung der Altersverhältnisse der im Januar 1890 Ver­storbenen wird sofort bemerkt, daß die hohe Sterblichkeit die Folge der Zunahme der Todesfälle der Erwachsenen, der über 15 Jahre alten Personen, ist und daß dieser gegenüber die allerdings auch erhöhte Zahl der Sterbesälle im Kindes­alter geringeren Belang hat. Die abnormen Sterblichkeits- Vorgänge im Januar 1890 werden weniger bei einer Ver­gleichung mit dem vermuthlich schon von der Influenza beeinflußten vorhergehenden Monate December deutlich, als bei einer vergleichenden Heranziehung eines Januarmonats von mittleren Sterbeverhältniffen, als welcher sich der Januar von 1889 besonders empfehlen dürste.

Es sind verstorben:

im Januar

im Januar 1890

Differenz

1889

Personen überhaupt

1832

3353

+ 1521

darunter

im 1. Lebensjahre

402

584

+ 182

im 2.15. Jahre

326

424

4- 98

zusammen Kinder

728

1008

+ 280

Erwachsene

1104

2345

-4- 1241

und nach den wichtigeren Krankheiten

und Todesursachen in

den Gruppen:

im Januar 1889

im Januar 1890

Differenz

I. Epidemische Krank­heiten zus. ausschl.

Influenza

173

201

4- 28

II. Lungenschwindsucht III. Acute entzündliche

236

445

4- 209

Krankheiten der

Athmungs -Organe

cinschl. Influenza

269

841

+ 572

IV. Gehirnschlagfluß

53

77

4- 24

V. Acuter Gelenkrheu­

matismus

3

2

1

VI. Darmcatarrh und

Brechdurchfall

32

32

± o

VII. Alle übrigen Krank­

heiten zusammen

807

1343

4- 536

VIII. Unbek. Krankheiten

216

370

4- 154

IX. Gewaltsamer Tod

39

38

1

Diese Uebersicht weist nach, daß im Januar 1890, ab­gesehen von einer mäßigen Anschwellung der Epldemie- stcrblichkeit Gruppe I, in erster Linie Gruppe III acute entzündliche Krankheiten der Athmungsorgane, dann die alle übrigen Krankheiten zusammenfassende Gruppe VII, demnächst Gruppe II Lungenschwindsucht, außerdem Gruppe VIII die an unbekannter Krankheit verstorbenen, weiter auch Gruppe IV Schlagfluß eine das Mittel übersteigende Sterblichkeit boten und daß in den Gruppen III, VII, II und VIII so enorme Abweichungen von dem Durchschnitt sich ergeben haben, daß die Zahl der durch die Influenza-Epidemie verursachten Todes­fälle mit größter Wahrscheinlichkeit auf nahezu 1500 bemessen werden kann.

Wenn nun die Zahl der im Januar 1890 thatsächlich ermittelten Jnfluenza-Sterbefälle nur 416*) betrug, so beweist dieser Umstand nur, daß die bezüglichen Erhebungen unzuver­lässige sind und daß etwa 3/4 der, sei es in directer oder auch in mehr indirecter Folge, der Influenza Erlegenen nicht als solche ermittelt und angegeben worden sein mögen. Die in Gruppe III hervortretende Ueberzahl von 572 Sterbe­fällen durch acute entzündliche Krankheiten der Athmungs­organe, von welchen ohnedem 416 als Jnfluenzasterbefälle bezeichnet sind, kann wohl ohne Bedenken ganz der Influenza zugerechnet werden, auch wird bei der besonderen Gefährdung der Phthisiker das Mehr von 209 Sterbesällen durch Lungen­schwindsucht unbeanstandet dem Einfluß der Seuche zugeschrieben werden müssen. Außerdem ist gewiß auch die Annahme eine berechtigte, daß unter dem Mehr von 536 Sterbefällen der Gruppe VII die bei bereits bestehenden anderweitigen Krank­heiten von Influenza betroffenen und dadurch erlegenen Personen einbegriffen sein werden. Zu diesen Krankheiten gehörten, wie die Erfahrung zeigte, Altersschwäche, Herzleiden, Nierenkrankheiten, überhaupt die verschiedenartigsten chronischen Krankheiten, aber auch manche Complicationen und zahlreiche Nachkrankheiten der Influenza selbst werden die Schuld tragen, wenn die als Todesursache mitwirkende oder vorausgegangene Seuchenerkrankung im einzelnen Fglle bei Ausstellung des Todeszeugnisses nicht Beachtung fand. Auch wird es als zweifellos zu erachten sein, daß während der herrschenden Seuche vielfach auf dem Lande ärztliche Hülse nicht verlangt wurde, auch manche Erkrankte nicht ausreichend zur Stellung der Diagnose beobachtet waren und würde sowohl das auf durch unbekannte Krankheit Verstorbene entfallende recht erhebliche Mehr als die das Mittel übersteigende Zahl der an Schlagfluß Erlegenen im Wesentlichen ebenfalls den Jnfluenzasterbefällen zuzurechnen sein.

Im Monat Februar 1890 mit nur 1866 Verstorbenen wurden 1487 Sterbefälle weniger als in dem allerdings um 3 Tage längeren Januar gezählt- davon betrafen 710 Kinder und 1156 Erwachsene,- bei letzteren war die Sterblichkeit eine erheblichere als im Durchschnitt. Aus Lungenschwindsucht und acute entzündliche Krankheiten der Athmungsorgane entfällt eine relativ hohe Zahl von Sterbefällen, auf erstere kommen 315 gegen den Durchschnitt von 240, auf letztere 306 gegen 250; dagegen hatten die gewöhnlichen epidemischen Krank­heiten im Februar eine das Mittel nicht erreichende Mortalität gehabt.

Uebrigens war mit Ende Februar die Seuche wenigstens in ihren Folgen noch nicht zum Abschluß gelangt, denn sowohl im März als auch im April nahmen durch die Influenza herbeigeführte Nachkrankheiten noch vielfach einen tödtlichen Ausgang- auch sollen in diesen Monaten noch einzelne Neue Erkrankungen und Rückfälle vorgekommen sein.

*) Im Monat December 1889 find 6, im Februar 1890 73 Sterbefälle durch Influenza verzeichnet, im Ganzen 494.

Ucbcrsicht der Todesfälle im Großherzogthum Hessen.

December 1889 bis Februar 1890.

Abtheilung für öffentliche Gesundheitspflege.

Dec. 1889

Jan. 1890

Febr. 1890

Todesfälle......

1852

3353

1866

Verstorben im 1. Lebensjahre .

362

584

363

2.15. Lebensjahre .

366

424

347

Kinder zusammen

728

1008

710

Erwachsene . .

1124

2345

1156

Todesursachen:

Blattern......

.

Masern......

56

57

18

Scharlach......

10

5

6

Rose.......

6

4

7

Rachen- und Halsbräune .

124

99

101

Keuchhusten.....

23

19

21

Unterleibstyphus ....

4

11

6

Ruhr.......

Wochenbettfieber.....

5

6

4

Epidemische Krankheiten zusammen

228

201

163

Lungenschwindsucht ....

224

445

315

Acute entzündliche Krankheiten der Athmungsorgane....

244

841

306

Gehirnschlagfluß.....

75

77

48

Acuter Gelenkrheumatismus

3

2

3

Darmcatarrh und Brechdurchfall

32

32

20

Wochenbettkrankheiten excl. Wochenbett­fieber ......

4

4

5

Wichtigere Krankheiten zusammen

582

1401

697

Alle übrigen

820

1343

789

Unbekannte

188

370

185

Verunglückung.....

21

14

22

Selbstmord.....

12

21

10

Mord und tödtliche Körperverletzung

1

3

Gewaltsamer Tod zusammen

34

38

22

Großh. Ministerium des Innern und d

er Justiz.

Literatur und Knnft

Die I. Ricker'sche Buchhandlung hier hat soeben ihren Katalog IX, Praktische Theologie herausaegeben, der sich in Bezug auf Reichhaltigkeit und Uebersichtlichkeit den vorhergehenden anschließt. In fünf Abteilungen führt der Katalog auf: Allgemeine Werke und Zeitschriften, Lehrbücher der Religion, Katechetik, Pastoral- theologie, inneres und äußeres Msfionswesen, Liturgik, Kultus, Hyrnnologie und geistliche Dichtung, Predigten, Homiletik, Gebet- und Erbauungsbücher, vractische Bidelauslegung; im Anhang: Theo­logische Werke. Dieser Katalog mit seinen 1283 Nrn. dürste für Alle, deren Beruf die Anschaffung theologischer Werke erfordert, ein will­kommener Führer fein.

Verkehr, Land« «nd L>olk»wirthsct>aft^

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Limburg, 4. Juni. (Fruchtmarkt). Rother Weizen X 18.30, weißer Weizen JL 18., Korn JL 13 90, Gerste JL 11.80, Saat- Gerste 00.00, Hafer JL 8.65, Erbsen JL 00.00, Kartoffeln JL 0.00.

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