Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 4. März. Die „Nordd. Allgem. Ztg." meldet: An Stelle des schwer erkrankten Generalconsuls Dr. Arendt ernannte der Kaiser den Generalconsnl Dr. Göhring in Amsterdam zum zweiten Bevollmächtigten für die Brüsseler Anti-Sctaverei-Conferenz.
— Die Nachricht, daß französische Missionare mit Dr. Peters am Tana zusammengetrosten seien, wird nun auch von Borchert durch folgendes, dem geschäfts- sührenden Ausschüsse des Emin-PaschaComites zugegangene Telegramm aus Zanzibar widerlegt: „Die englische, sowie die französische Meldung ist durchaus unrichtig/ sie verwechseln mich mit Peters. Derselbe weilt vermuthlich in Kavirondo. Ich sende durch Uganda Missionare Nachricht an Peters. Borchert."
Barmen, 4. März. Die gestrige, von etwa 80 Fabrikanten und Riemendrehereibesitzern besuchte Versammlung beschloß, der „Köln. Z." zufolge, den letzthin gefaßten Beschluß sestzuhalten und die Forderung der Riemendreher auf zehnstündige Arbeitszeit abzulehnen. Dagegen soll in den Betrieben, wo über elf Stunden gearbeitet wird, die Arbeitszeit auf elf Stunden herabgesetzt werden. Wer gegen die Vereinbarung verstößt, soll 100 Mk. Conventionalstrafe pro Riementisch zahlen. Mehrere Fabrikanten bewilligten zehnstündige Arbeitszeit unter dem Vorbehalt, daß die übrigen Betriebe das Gleiche thun.
Barmen, 4. März. Der Strike der Riemendreher nimmt größere Dimensionen an. Gestern Mittag wurde in fünf Fabriken die Arbeit eingestellt. Man erwartet weitere Einstellungen. Einige Fabriken bewilligten vor dem Strike die Forderungen der Arbeiter. Die größeren Riemendrehereien werden von der Polizei bewacht.
Hamburg, 4. März. Sämmtliche Quaiarbeiter, incl. die Krahnmeister und Handwerker in den Maschinenwerkstätten, reichten durch eine Deputation ihr Gesuch um einstündige Verkürzung der Arbeitszeit und Lohnerhöhung ein.
— Die Plätterinnen von Hamburg und den Vororten stellten ihre Arbeit ein, weil die Forderung von zehnstündiger Arbeitszeit, 10 Mk. Minimalwochenlohn und freier Station abgelehnt worden. Die Plätterinnen Altonas, Ottensens und Umgegend beschlossen, keine Arbeit für die Hamburger Bleicher zu verrichten.
Paris, 4. März. Die Journale aller Parteien sind darin einig, daß die Stellung des Ministeriums trotz des
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Gießen, am 3. März 1890. 8etr.: Ausstellung der Jmpflisten für 1890.
Das
Großh. Kreis-Gesundheitsamt Gießen an die Grotzb. Bürgermeistereien, Standesämter und Schulvorstände des Kreises.
Die Listen für die diesjährige Impfung werden den Gr»ßh. Bürgermeistereien in den nächsten Tagen zugesandt meiden; wir ersuchen dieselben, die Formulare für die Wiederimpfung den Herren Borsttzeuden der Schulvorstände alsbald zur Ausfüllung zu übergeben. — Für die Aufstellung der Liften bemerken wir folgendes:
I. In den Listen für die Erstimpfung werden von den Standesämtern unter B alle Kinder eingetragen, welche im Laufe des Jahres 1889 geboren wurden und am Ende desselben noch am Leben waren. Demnach sind auch die aus tineu Gemeinde etwa verzogenen Jmpspflichtigen aufzuführen, dagegen sind die Kinder, welche im Lause ihres Geburtsjahres Nieder verstorben sind, wegzulaffen. Nach geschehener Auf- siellmng ist die Liste von dem Standesbeamten mit Datum imb Unterschrift zu versehen.
Hierauf sind von den Bürgermeistereien diejenigen Erst- implpflichtigen unter 0 einzutragen, welche von anderen Orten zugezogen sind; sind solche nicht vorhanden, so ist dies aus- dmcklich anzugeben: C. Augezogen — Niemand. Drrnn erst ist dre Liste auch von dem Bürgermeister zu unterzeichnen und zu datiren.
In Spalte 27 dürfen Bemerkungen (z. B- Angabe des trtes, wohin Jmpfpflichtige verzogen sind, Todestag von -indern, welche in den ersten Monaten 1890 gestorben sind) nur mit Bleistift eingeschrieben werden.
II. In den Listen für die Wieder-Impfung sind unter B die Namen derjenigen Schüler aufzunehmen, welche im Laufe dieses Jahres das 12. Lebensjahr erreichen, einerlei, welcher Klasse sie angehören. Diese Einträge haben ausschließlich nach dem Schülerverzeichnisse — nicht nach dem Kirchenbuche — zu geschehen. Es bleiben also weg: die Geworbenen , die Verzogenen und Kinder, welche nicht in ihrer heirnath, sondern an anderen Orten die Schule besuchen. — Jnaben und Mädchen sind in getrennter Reihenfolge auszu- Hren.
Die Unterzeichnung und Datirung dieser Aufstellung erfolgt Ärch den Schulvorstand.
Als zugezogen sind unter C ausschließlich solche Jmpfpflichtige einzutragen, welche an ihrem seitherigen Aufenthaltsort bereits erfolglos geimpft wurden; de übrigen zugezogenen Jmpspflichtigen erscheinen unter B. Henn unter U kein Eintrag vorzunehmen ist, ist anzugeben: <' Zugezogen: Niemand.
Die Rubrik C wird von dem Bürgermeister unterzeichnet Mv datirt.
In der Spalte 28 sind etwaige Bemerkungen mit Bleistift Wjuschreiben.
Die Listen sind bis zum 1. April an uns zurückzuschicken.
I. V.:
Dr. Balser.
Sie Frage des internationalen Arbeiterschudes,
Sie seit Jahrzehnten in Büchern, Zeitungen, diplomatischen Schrift- ftßfen und Arbeiterversammlungen besprochen worden ist, ohne recht vorwärts zu kommen, rückt durch das thatkräftige Vor- gehem des deutschen Kaisers Plötzlich in den Vordergrund des iffemtlichen Interesses. Man arbeitet in Berlin mit zielbe
Nr. 55.
Der Athener Anzeiger krlcheint täglich, «rk Ausnahme des Montags.
Die Gießener PimtkienSkätter Derben dem Anzeiger aöchentlich dreimal beigelcgt.
Donnerstag den 6. März
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Kenerat-Mnzeiger.
1890
Vierteljähriger Avonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Kchntstrahe Ar.I.
Fernsprecher 51.
Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gietzen.
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Aintlrcher Thcil.
Bekanntrnachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Gnoßherzogliches Dtinisterium des Innern und der Justiz dem Vorstände der „Ständigen Ausstellung für Kunst und IMnstgewerbe" zu Weimar die Erlaubniß erlheilt hat, die Lpl»se einer im Juni und December l. IS. zu veranstaltenden Wl loosung von Gegenständen der Kunst und des Kunstgewerbes jiylerhalb bcö Großherzogthums zu vertreiben.
Hierbei dürfen nach dem von der zuständigen Behörde Zmchmigten V.erloo'ungsplan 400,000 Loose ä 1 aus- gelben werden und müssen 200,000 Jt. zum Ankauf von Gewinnsten verwendet werden.
Gießen, den 3. März 1890.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Ga g ern.
wußter Raschheit und Entschlossenheit. Das soeben veröffentlichte Einladungsschreiben und Programm zu einer „Conferenz behufs Regelung der Arbeit in industriellen Anlagen und Bergwerken" ist in vorsichtiger Weise zunächst in Fragenform abgesaßt und beschäftigt sich nur mit der Regelung der Arbeit in Bergwerken, mit der Sonntagsarbeit, der Kinderarbeit, der Arbeit jugendlicher Personen, der Arbeit weiblicher Personen und endlich mit der Ausführung der vereinbarten Bestimmungen. Die schwierige Frage des Normalarbeitstages für Erwachsene, die sowohl in England wie auch in Frankreich aus Widerspruch zu stoßen scheint, ist fallen gelassen und nur die Beschränkung der „Schichtdauer für Bergwerke, in denen die Arbeit mit besonderen Gefahren für die Gesundheit verbunden ist", lvird angeregt.
Die meisten von der deutschen Reichsregierung aufgestellten Fragen können ohne große Schwierigkeiten von der Mehrzahl der Staaten schon jetzt in einem den Arbeitern günstigen Sinne entschieden werden. Damit ist die Bahn für eine internationale Reform der Arheitergesetzgebung geöffnet und diejenigen Staaten, welche zustimmen, können auch noch auf vielen anderen Gebieten nützliche Vereinbarungen verabreden. Das Wichtigste an der Sache ist, daß man aus diesem Wege dem Weltfrieden überhaupt vorarbeitet und daß Deutschland als einer der mächtigsten und bestgerüsteten Staaten die moralische Verpflichtung für das wichtigste Friedenswerk, die Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen, übernimmt.
Die gewaltige Aufgabe, welche sich das Deutsche Reich gestellt hat, kann aber nicht allein von oben herab und aus internationalem Wege gelöst werden. Sie muß zugleich überall von unten und aus lokalem Wege in Angriff genommen werden. Dieser Gedanke ist in Dresden am 2. März an einem zahlreich besuchten Volksunterhaltungsabende von dem Vorsitzenden des Vereins Volkswohl, Dr. Böhmen, in folgenden Worten zum Ausdruck gebracht worden: „Man spricht jetzt viel von einer neuen Zeit und von den großen socialen Aufgaben der Gegenwart. In wenigen Wochen werden wir in Berlin Diplomaten vieler europäischer Staaten vereinigt sehen, Um über internationale Maßregeln zum Schutz der Arbeiter zu berathen. Das bedeutsame Programm für diese interuatiouale Zusammenkunft ist vor einigen Tagen erschienen. Wir heißen die hochherzige Anregung unsers thatkräftigen deutschen Kaisers und die Bereitwilligkeit vieler europäischer Regierungen zur Mitarbeit freudig willkommen, denn um die Menschheit vorwärts zu bringen, müssen alle Staaten und Regierungen zusammenwirken - aber gleichzeitig muß die Heilung der socialen Schäden auch von unten, aus unS selbst, aus unfern Familien und Gemeinden ausgehen. Die Lösung der socialen Frage muß ebenso auf localem wie auf internationalem Wege in Angriff genommen werden. Und zur localen Mitwirkung sind wir alle berufen. Jeder von uns kann zunächst durch eigne Arbeitsamkeit, Mäßigkeit, Sittlichkeit und Pflichttreue, vor allem durch freundliche Gesinnung für seine Mitmenschen, sowie durch Zusammenwirken mit Vereinsgenossen auch die allgemeine Wohlfahrt und den socialen Frieden unter den verschiedenen Volksklassen fördern helfen. Dies muß auch in Zukunft das Ziel und die Losung aller Vereine für Volkswohl sein."
Derrtsiches Reich.
Darmstadt, 3. März. Das heute ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 4) enthält:
Verzeichnis der Vorlesungen, welche auf der Großh. Hessischen Ludewigs - Universität zu Gießen im Sommerhalbjahre 1890 gehalten werden und am 28. April ihren Anfang nehmen.
nn. Darmstadt, 4. März. Unter dem Vorsitze des Präsidenten Kugl.er trat heute Morgen um V2IO Uhr die zweite Kammer der Land stände zu mehrtägigen Verhandlungen wieder zusammen.
Am Regierungstische befinden sich: Ministerialpräsident Weber, Oberbaurath Dr. Schäffer, Oberbaurath Rohns, Ministerialrat!) Draudt, Oberbergrath Brauns, Obersinanzrath Ewald, sowie Betriebsdirector der oberhess. Bahnen, Altvater.
Nach Verkündigung einer Reihe neuer Einläuse und Berichtsauzeigen durch den Präsidenten Kugler interpellirt der Abg. v. Rabenau persönlich den Regierungsvertreter darüber, welche Anstände der Erstattung des Berichts über die Vorlage der Nebenbahnen entgegenstehen, da dieses nach Aussage der Berichterstatter erst in der Mitte des April stattfinden könne. Beantwortung wird für morgen Seitens Großh. Regierung zugesagt.
Die Kammer tritt sodann in die Berathung der heutigen sehr umfangreichen Tagesordnung und erledigt zunächst den Bericht über die Wahl eines Abgeordneten für den fünften Wahlbezirk der Provinz Starkenburg (Fürth-Reinheim). Gewählt wurde Hauptsteueramts-Rendant Hermann mit 26 Stimmen und wird dessen Wahl als giltig erklärt.
Bezüglich der Rückäußerung erster Kammer, den Antrag des Abg. Jöckel wegen kauf- oder tauschweiser Abtretung der sogen. Seewiese in Friedberg, beschließt die Kammer einstimmig, dem Beschluß erster Kammer : „Großh. Regierung zu ersuchen, auf Grund eines möglichst niedrig bemessenen Kaufpreises mit der Stadt Friedberg wegen käuflicher Ueber- lassung des Objects in Verhandlung zu treten und über die Resultate den Ständen behufs Genehmigung Vorlage zu machen", beizutreten, dagegen wegen des Antrags Arnold auf Aushebung des Wassersallzinses auf dem früheren zustimmenden Beschluß zu beharren.
Auch die Rückäußerung erster Kammer bezüglich des Gesuches von Steuereommissariats - Gehilfen um Regelung ihrer Gehalts- und Pensions-Verhältnisse findet mit 20 gegen 13 Stimmen nach dem Antrag erster Kammer die Genehmigung des Hauses.
Die Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, betr. Bewilligung weiterer Localzulagen von 250 Mk. jährlich für 2 Dammmeister in Worms, findet nach einer kurzer Debatte einstimmige Annahme.
Ebenso wird die Vorlage Großh. Regierung, die Ueber- weisung eines Restbetrages von 19,608 Mk. zur theilweisen Deckung der eleetrischen Beleuchtungsanlage im Großh. Hos- theater, ohne Debatte genehmigt.
Berlin, 3. März. Ergebnisse der Reichstagswahlen. Die „Nat.-lib. Cvrr." berechnet die Stärke der Parteien im Reichstage, nachdem die Stichwahlresultate bis auf 7 bekannt sind, folgendermaßen: 40 Nationalliberale, 68 Deutschconservative, 24 Freiconservative, 68- Deutsch- freisinnige, 10 Demokraten, 37 Socialdemokraten, 104 Centrumsmitglieder, 9 Welfen, 4 Antisemiten, 15 Polen und 11 Elsässer.


