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Ur. 258.
Mittwoch den 5. November
1890
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Hkeßener Anzeiger erfdjeint täglich, etit Ausnahme de-
Montags.
Die Gießener
I-tmikienSkälter werden dem Anzeiger «rdchentlich dreimal beigelegt.
Weßener Anzeiger
vierteljähriger A-onnemeutspreiL r 2 Mark 20 Pfg. mif Vringerlohn.
Durch die P-ost bezog«: 2 Mark 50 Psg.
Redaction, Expeditror und Druckerei:
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Aints- und Anzergevlatt für den Kreis Greszen.
chratisöeikage: Gießener JamilienSkätter
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für dm folgenden Tag erscheinenden Nummer dir Vorm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux dcS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Amtlicher Theil.
Gießen, am 31. October 1890. Betr.: Die Zulassung eingeschriebener Hilfskassen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.
Auf Grund der Gesetze über die eingeschriebenen HllsS- tassen vom 7. April 1876 und 1. Juni 1884 theilen wir Ihnen nachstehend ein Verzeichniß der im Kreise zugelassenen eingeschriebenen Hilfskaffen, sowie die Namen der im Kreise errichteten örtlichen Verwaltungsstellen unter dem Anfügen mit, daß diese Kaffen dem § 75 des Gesetzes vom 15. Juni 1883 „die Krankenversicherung der Arbeiter betreffend" entsprechen und daß die Mitglieder dieser Kaffen von dem Beitritt zur Gemeindekranken-Versicherungskaffe befreit sind.
v. Gagern.
Verzeichniß der im Kreise Gießen bestehenden eingeschriebenen Hilfskassen.
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Bezeichnung der Kasse.
Sitz der Kaffe.
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Hilfskaffe der Cigarren- u. Tabaks-Arbeiter zu Gießen und Umgegend
Die allgemeine Arbeiter-Kranken« u. Sterbekasse für Großen-Linden
Die Kranken- u. Sterbekasse zu Heuchelheim
Die Kranken- u. Sterbekasse zu Watzenborn- Steinberg
Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe zu Steinbach
Die Kranken- u. Sterbe-Kaffe zu Garbenteich
Die Kaufmännische Kranken- u. Begräbniß- kasse zu Gießen.
Die Kränken- u. Sterbekasse zu Rödgen
Die Kranken- u. Sterbekaffe zu Wieseck
Wieseck
Großen-Linden
Heuchelheim
Watzenborn-
Steinberg
Steinbach
Garbenteich
Gießen
Rödgen
Wieseck.
Verzeichniß der örtlichen Verwaltungsstellen.
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Die allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter zu Hamburg
Oertliche Verwaltungsstellen in aj Alten- Buseck, b) Daubringen, c) Gießen, d) Lollar, e) Rödgen, f) Wieseck, g) Reiskirchen, h) Hausen'
Die Central - Kranken - u. Sterbekasse der Tischler zu Hamburg
Oertliche Verwaltungsstellen in a) Heuchelheim , b) Steinberg - Watzenborn, c) Wieseck, d) Großen-Linden
Die Central-Kranken- und Sterbekaffe der Schuhmacher in Hamburg
Oertliche Verwaltungsstellen in Gießen:
Die Central - Kranken- und Begräbnißkaffe für Frauen der Buchbinder, Porteseuiller und anderer Geschäftszweige jeder Art in Deutschland,
Oertliche Verwaltungsstellen in a) Gießen, b) Wieseck, c) Rödgen
Central-Kranken- und Sterbekaffe der deutschen Wagenbauer in Hamburg,
Oertliche Verwaltungsstelle in Gießen
Die Central'Kranken- und Sterbekaffe der Bäcker und verwandten Berufsgenoffen, Oertliche Verwaltungsstelle in Gießen
„Vulkan" Central-Kranken- u. Sterbekasse der Metallarbeiter,
Oertliche Verwaltungsstellen in a) Alten- Buseck, b) Hausen, c) Reiskirchen
Central-Kranken- und Sterbekaffe aller Arbeiter Deutschlands,
Oertliche Verwaltungsstelle in Gießen.
Hamburg
Hamburg
Hamburg
Offenbach
Hamburg
Dresden
Hamburg
Hamburg.
Gießen, den 25. October 1890.
Betreffend: Herbst-Controlversammlungen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großh. Bürgermeistereien de- Kreises.
. Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche W eise zur öffentlichen Kenntniß bringen laffen.
v. Gagern. M
Bekanntmachung.
Bei den diesjährigen Herbst-Controlversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hanptmelde- amt Gießen gehörigen:
1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve.
2) Reservisten, sowie die zur Disposition des Truppentheils und der Ersatz-Behörden Entlassenen.
3) Diejenigen der Landwehr I. Aufgebots angehörigen Mannschaften, welchen ein besonderer Gestellungsbefehl zur Gestellung bei der Herbst-Controlversammlung zugegangen ist.
Die Ersatz-Reservisten haben bei der Herbst-Controlversammlung nicht zu erscheinen.
Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Controlpflichtigen anzutreten haben:
A. Zu Gießen
am 8. November 1890 im Oswald'schen Garten für die Bewohner von Annerod, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchelheim, Kleinlinden, Oppenrod.
1. Appell Vormittags 8 Uhr: Reservisten und Dispositions- Urlauber der Infanterie.
2. Appell Vormittags 9Uhr30Min.: Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve, Reservisten und Dispositionsurlauber der Garde, Jäger, Cavallerie, Artillerie, Pioniere, Eisenbahn- und Luftschiffertruppen, des Trains (einschl. Krankenträger), Sani- täts- und Vetennärpersonals, Büchsenmachergehülfen, Oecouomiehandwerker, sowie alle übrigen im Reserve- verhältniß stehenden Mannschaften.
Diejenigen Wehrleute I. Aufgebots, denen ein besonderer Gestellungsbefehl für die diesmalige Herbst-Controlversammlung zugegangen ist.
3. Appell Nachmittags 2 Uhr für die Bewohner von Allen- dorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Langgöns, Leihgestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen.
B. Zu Lollar
am 10. November 1890, Vormittags 9 Uhr, neben dem neuen Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Alten-Vuseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibertshausen, Großen-Vuseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedel- Hausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck.
C. Zu Grünberg
am 10. November 1890, Nachmittags 12 Uhr 30 Minuten, an dem Bahnhose für die Bewohner von:
Allertshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kesselbach mit der Nabenau'fchen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer, Strelles-Mühle und Walk-Mühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- und Klein-), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain mit dem * Hainerhof, Winnerod.
D. Zu Hungen
am 11. November 1890, Vormittags 9 Uhr 30 Minuten: an dem Friedhof für die Bewohner von:
Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim mit Hof-Güll, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen.
E. Zu Lich
am 11. November 1890, Nachmittags 3 Uhr. am Bahnhof für die Bewohner von:
Albach, Birklar, Dorf-Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher- Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Rieder»Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.
Befreiungsgesuche sind bis längstens 8 Tage vorm Appell auf dem Dienstwege durch das Hauptmeldeamt einzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei beglaubigt sein — werden aber nur im dringendsten Nothsalle genehmigt.
Die Leute treten in bürgerlicher Kleidung an: Stöcke, Schirme, Pfeifen und Cigarren sind vorher abzulegen.
Die Militärpapiere (Paß und FührungSzeugniß) müssen zur Stelle sein.
Sämmtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Controltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz.
Gießen, den 23. October 1890.
Casparp,
Oberstlieutenant z. D. und Bezirks-Commandeur.
politische Uebersicht.
Gießers 4. November.
Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland sind zur Theilnahme an der bevorstehenden Vermählungsfeier der Prinzessin Victoria von Preußen am Montag Mittag in Berlin eingetroffen. Die hohen Herrschasten haben für die Dauer ihres Berliner Aufenthalts Wohnung im Palais der Kaiserin Friedrich genommen.
Die Viehsperre-Frage scheint im Bundesrathe noch immer nicht recht vorwärts kommen zu wollen, offenbar sind die sich hier gegenüberstehenden Meinungsverschiedenheiten tiefgreifender Art. Es heißt indessen, daß die Vertreter Bayerns und Sachsens im Bundesrathe von ihren Regierungen angewiesen worden seien, mit aller Entschiedenheit für die von letzteren beantragte Milderung der Viehsperre einzutreten, welchen Standpunkt ja auch die württembergische und die badische Regierung einnehmen. Namentlich soll die bayerische Regierung entschlossen sein, ihren ganzen Einfluß dahin gellend zu machen, daß trotz einer etwa erfolgenden Untersuchung über die Seuchenverhältniffe in den Nachbarländern die betreffenden Anträge im Bundesrathe in kürzester Frist zur Durchberathung gelangen. Diese Festigkeit ist sehr erfreulich, die Hauptsache bleibt, aber doch, daß die Anträge auch angenommen werden und dann baldigst zur Ausführung gelangen, denn es handelt sich um Beseitigung eines Nothstandes, der wahrlich lange genug auf unserem Volke getastet hat.
Im Eanton Basel-Stadt und im Berner Mittelland wurden am Sonntag die Stichwahlen zum Nationalrathe vorgenommen. Hierbei siegten dort wie hier die Radicalen gegenüber den Candidaten der gemäßigten Partei, da erstere wahrscheinlich von den Socialdemokraten unterstützt wurden. Eine besondere politische Bedeutung dürfte diesen Wahlen indessen schwerlich zuzusprechen sein. — Beim Zusammentritt des Großen Rathes von Tessin erklärten die conservativen Staats- räthe Respini, welch' letzterer das eigentliche Haupt der Tessiner Regierung ist, und Benzigsano, daß sie ihre Aemter niederlegten. Da Respini bei seinen politischen Gegnern tief verhaßt isy so könnten dieselben sein Ausscheiden aus der Regierung eigentlich mit Genugthuung begrüßen, die Tessiner Liberalen behaupten indessen, seine Amtsniederlegung sei ein bloßes Manöver und werde sich Respini von seinen Parteigenossen demnächst wieder in den Großen Rath wählen lassen. Es muß sich ja bald zeigen, ob diese Vermuthung wirklich begründet ist.
Die Czechen in Oesterreich machen jetzt gleich den Polen „drüben im Reiche" Front gegen den Erlaß des Fürstbischofs Dr. Kopp von Breslau, betreffend den Gebrauch der polnischen Sprache beim Unterricht. Besonders scharf zieht eine Cor- respondenz in der altczechischen „Politik" in Prag gegen den sürstbischöflichen Erlaß zu Felde, der sogar als ein Attentat auf den Glauben der Polen bezeichnet wird. Ja, die Correspondenz droht dem Fürstbischof mit offener Auflehnung der zur Breslauer Diöcese gehörigen österreichischen Slaven, falls er seine antipolnischen Sprachverfügungen auch aus die österreichischen Theile seiner Diöcese ausdehnen wolle, und deutet schließlich an, der Krakauer Fürstbischof, Dr. v. Duma- jewski, wolle in dieser Sprachensrage gegen seinen Breslauer Amtsbruder Beschwerde beim Vatican führen.
Die Nachricht, daß der russische Thronfolger bei seiner Berührung Wiens gelegentlich seiner Orientreise in der Hofburg wohnen wird, bestätigt sich. Jedoch heißt es, daß der Aufenthalt des Großsürsten-Thronfolgers in der österreichischen Hauptstadt keinerlei officiellen Character tragen werde, es dürfte deshalb auch kein sogenannter großer Empfang des hohen Gastes in Wien stattfinden.
Der seltsame Plan der französischen Garibaldi-Schwärmer, dem Nationalhelden der Italiener in Dijon ein Denkmal zu setzen, findet endlich doch Widerspruch in der französischen Presse. Der Pariser „Soleil" meist darauf hin, daß sich Garibaldi stets gegen die Abtretung Nizzas und Savoyens an Frankreich erklärt habe und daß er 1870 nicht Frankreich, sondern der Weltrevolution zu Liebe die Deutschen bekämpft habe. Auch hebt der „Soleil" hervor, daß"die Dienste Garibaldis für Frankreich keineswegs von besonderem Nutzen gewesen seien und seine Schaaren wären durch ihre Zuchtlosigkeit zum Schrecken der französischen Bauern geworden. Schließlich bemerkt das Pariser Blatt nicht mit Unrecht, die


