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189V
Sonntag den 5. October
Amts- und Anzergebltttt für den ICreis Gieren
Hungrig wie man war, suchte
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
man hier ein Wirthshaus aus, sand den Eingang jedoch mit einem zum Abladen bestimmten Grummetwagen derartig verstellt, daß ein Passiren der Hausthüre unmöglich war. Ein Blick und der auf dem Wagen beschäftigte Besitzer hatte die Situation begriffen, mit einem kräftigen „Anne Katrin, mach
den Bohrlöchern getroffen werden. — Die drei Karrenführer des städtischen Kehrpersonals, das sind diejenigen Personen, denen die Reinhaltung von Straßentheilen an solchen Tagen obliegt, an denen dies von den Kehrcolonnen nicht geschieht, haben um Lohnerhöhung nachgesucht,- es wird ihnen eine solche von 10 Pfg. pro Mann und Tag zu Theil. — Ueber die Anlage eines neuen Kehrichtlagerplatzes, in Ausführung eines früher gefaßten Beschlusses, nach welchem der Lagerplatz am Mittelweg aus Rücksicht gegen die Bewohner der dortigen Gegend nicht mehr benutzt werden solle, wird Beschluß noch nicht gefaßt. Die als Kehrichtlagerplatz in Aussicht genommene Steinbach'sche Sandgrube hinter dem Nahrungsberge ist aus dem vorhandenen Wege für Fuhrwerk schwer passirbar, weshalb die Baudeputation eine ca. 1600 Mk. kostende Wegverbesserung vorgeschlagen hat. In der Versammlung wurden einestheils Bedenken gegen die Aufwendung einer für diesen Zweck hohen Summe laut, anderentheils sprach man sich deshalb für die Wahl eines anderen Lagerplatzes aus, weil die Benutzung des Steinbruchs doch nur aus eine kurze Reihe von Jahren beschränkt sei. Es wird die Beschlußfassung bis zur Ermittelung eines anderen Lagerplatzes resp. event. Erwerbung eines solchen ausgesetzt. — Im Verfolg des in vorvoriger Sitzung gefaßten Beschlusses, die Ealdaunenabgänge des Schlachthauses (für welche sich Abnehmer nicht finden) nach einem Grundstücke des Wartberges zu schaffen und dort mit Straßenkehricht zu Eompoft zu verarbeiten, ist ein Voranschlag über die Ehaussi- rung des hinter dem Tonnenschuppen gelegenen Theils des Wartweges aufgestellt worden. Der Voranschlag beläuft sich aus Mk. 1415. Es wird Genehmigung des Voranschlags und, soweit möglich, unentgeldliche Abgabe des Ealdaunendüngers an Private beschlossen. — Großh. Ober-Rechnungskammer hat behufs Prüfung die Vorlage der Rechnung der Friedrich- Bücking-Stiftung, für welche eine besondere Verwaltung besteht, beansprucht. Da für die Stadt kein Grund vorliegt, Großh. Ober-Rechnungskammer die alljährliche Rechnung vorzuenthalten, wird der aus Unterbreitung derselben gerichtete, von Herrn Dr. Gutfleisch formulirte Antrag angenommen. — Betreffs der Ausübung der offenen Armenpflege theilt Herr Oberbürgermeister Gnauth die vollzogene, aber weniger belangreiche formelle Aenderung einiger Paragraphen der Satzungen und ferner mit, daß die Vorarbeiten zur Bildung der Pflegerbezirke, zur Ernennung der Armenpfleger rc. im Gange seien, so daß das Institut der offenen Armenpflege mit 1. Januar 1891 in Kraft treten könne. — Die Rechnung der Armenkasse für 1889/90 giebt, nachdem der Herr Oberbürgermeister eingehend über die Hauptpositionen derselben erläuternd berichtet, zu sonstigen Bemerkungen aus der Mitte der Versammlung keinen Anlaß. Die Rechnung schließt ab mit einer Gesammteinnahme von Mk. 70 879, der eine Gesammtausgabe von Mk. 68 508 gegenübersteht. —
Sierteljährt^rt AOonnrmrntspretei 2 Mark 20 Pfg. mit Bringrrlohn. Durch dlc Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
Rcdaction, Expedittor und Druckerei:
-chutstraße Kr.'t.
Fernsprecher 51.
Vennr-chtes.
* Marburg, 1. October. [8anbtbtyllj Dieser Tage machte eine kleine Marburger Gesellschaft einen Ausflug in die nächste Umgebung Marburgs und kam auch nach dem
Nr. 232. Zweites Blatt
Coc*U» nnd provinzielles
Gießen, 4. October.
— Sitzung der Stadtverordneten am 2. October. Anwesend : HerrOberbürgermeisterGnauth, Herren Beigeordneten Keller und Langsdorfs, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Georgi, Grüneberg, Dr. Gutfleisch, Habenicht, Hornberger, Jughardt, Keller, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schmall, Schopbach, Schiele, Prof. Dr. Thaer und Wallenfels.
Außer dem Gesuche des Herrn PH. Bob um Ertheilung der Eoncession zum Wirthschastsbetrieb kommen einige nicht aus der Tagesordnung stehende Gesuche in gleichem Betreff zur Verhandlung, die sämmtlich nach den Anträgen der Commission unter Bejahung der für die Stadtverordneten-Versammlung in Betracht kommenden Bedürfnißfrage befürwortet werden. Herr PH. Bob will in dem Hause Neustadt 11 (Lotz) eine Wirtschaft errichten, Herr Carl Schütz will seinen Wirth- schaftsbetrieb nach dem srüher Montanus'schen Hause an der Bahnhofstraße, Herr Louis Feldhaus den Wirthschastsbetrieb aus dem „Deutschen Kaiser" nach der Schulstraße (Lind'sches Haus) verlegen, Herr Maximilian Jascowsky für Rechnung einer Wormser Brauerei-Actiengesellschaft im Klein'schen Hause am Asterweg, Herr Gregor Behner für Rechnung der Gebrüder Röhrle im „Postkeller" Wirtschaft betreiben. Das Gesuch des Herrn A u g. Lang (Katharinengasse) um Erlaubniß zum Ausschank von Branntwein war unter der Voraussetzung befürwortet worden, daß dem Gesuchsteller überhaupt die Eoncession zum Wirthschastsbetrieb gestattet würde. Vom Kreisausschuß wurde indeß nur der Wirthschastsbetrieb ohne Ausschank von Branntwein gestattet, weshalb sich Gesuchsteller unter Ausdehnung seines Gesuches um Erlaubniß zum Gasthofsbetrieb nochmals um die fehlende Eoncession zum Branntwein-Ausschank bewerben will- das Gesuch soll befürwortet werden. Auch bezüglich des Gesuches des Herrn G eiße um Erlaubniß zum Verkaus von Branntwein über die Straße (aus dem von dem Gesuchsteller erworbenen Windecker'schen Geschäfte am Kreuzplatz) erkennt die Stadtverordneten-Versammlung, entgegen dem Gutachten Großh. Polizeiamts, ein Bedürfniß als vorliegend an. — Der stattgehabtcn Versteigerung eines Geländestückes hinter dem Brücher'schen Hause an der Ostanlage ertheilt die Versammlung Genehmigung. — Herr Georg Koch, welchem unter Bekanntgabe einer Reihe von Bedingungen die Vornahme von Bohrungen und Schürfungen im Stadtwalde nach Thonerde gestattet wurde, hat sich mit den Bedingungen einverstanden erklärt, will aber anstatt der geforderten 12 Mk. per Schürfloch nur 2 Mk. bezahlen. Die Versammlung spricht sich für Beharren auf dem geforderten Preise und dafür aus, daß die Vornahme von Bohrungen aus Wiesen in der Zeit vom 1. October bis 1. März gestattet werde, sofern Seitens des Unternehmers Sicherheitsvorkehrungen gegen Unfälle bei
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Die Rechnung der Plock'schen Stiftung schließt ab mit einer Einnahme von Mk. 10 743 und mit einer Ausgabe von Mk. 10 210. Es wird hierzu auf Antrag der Armendeputation beschlossen, den Satz für Pfleglinge der Plock'schen Stiftung, sowie sonstige Pfleglinge im Hospital ausMk. 1.20 pro Tag und Person zu sixiren.
— Recht schmeichelhaft für A. Juukermann, dessen Vorträge zu hören uns für Sonntag den 12. October hier, im Saale des Gesellschastsvereins, Gelegenheit gegeben ist, lauteten die Berichte des „Newyorker Herald" und des „Newyorker Journal" vom Jahre 1887, aus welchen wir folgenden Passus entnehmen:
Und wie hat August Junkermann, der Gast des Thalia- Theaters, ihn gespielt! Nein, nicht gespielt, denn alles eigentlich Schauspielerische, alles Gemachte trat in der Leistung des Künstlers so völlig hinter dem Eindrücke des vollen, echten Lebens zurück, wie er mit gleicher Frische zu den allerseltensten und weihevollen Genüssen eines ständigen Theaterbesuchers gehört. August Junkermann ist ein Künstler von einer Natürlichkeit des Tons, des Mienenspiels, reder Bewegung, welche Menschen von Fleisch und Blut schafft und keine Theaterpuppen, die den Zuschauer auch nicht einen Augenblick in die Illusion wiegen, ein Stück Lebm vor sich zu haben. Den „Entspecter Bräsig" hat Junkermann mit einer solchen Einheitlichkeit, einer so echten aus dem eingehendsten Studium strömenden Lebenswahrheit, einem so keuschen Verzicht auf alle Mätzchen des Bühnenrouttnters wiedergegeben, mit einer so realistischen Ausarbeitung jedes Details und doch den ganzen Mann als ein volles, abgeschlossenes Eharacter- btld erscheinen lassend, wie es in gleicher künstlerischer Vollendung Newyork noch bet keinem der bedeutenden deutschen Schauspieler, die den Weg zu uns gefunden haben, vereinigt gesehen hat. Der vorjährige Bräsig des Herrn Emil Thomas war eine gute schauspielerische Leistung, der diesjährige des Herrn August Junkermann ist mehr als das, er ist das Meisterwerk einer dem Reuter'schen Eharacter congenialen künstlerischen Individualität. August Junkermann hat mit dieser einen Rolle gezeigt, daß er das . ist, als was ihn sein Ruf ankündigte: ein Seelenmaler allerersten Ranges, der den Zuschauer das Theater vergessen läßt, indem er ihm echte, leibhaftige Menschen vorführt. Sein Bräsig ist eine der erquicklichsten, wohlthuendsten Bekanntschaften, die ein mit allen Raffinements der Unnatur, der Schminke, des üblichen Bühnenpathos übersättigtes Publikum machen kann. Das Newyorker Publikum fühlte mit dem ersten Augenblicke, daß das, was sich da vor seinen Augen auf der Bühne bewegte, doch etwas anderes als die althergebrachte, bet diesem etwas geschickter, bei jenem etwas ungeschickter und verdeckter Schablone sei und anerkannte diesen seltenen Genuß durch stürmischen spontanen Beifall. __________________
Fenilletsn.
Luftkurorte, Räder und Sommerfrischen des Großherzogthums Hessen-
Plauderbrtefe für den „Gießener Anzeiger" von E. M.
(Nachdruck verboten.)
VIII.
Michelstadt.
Von Darmstadt aus bringt uns die Hessische Ludwigs- bahn in etwa zwei Stunden nach dcm rühmlichst bekannten Curorte unseres Odenwaldes. Die ganze Strecke wird durch Orte markirt, deren landschaftlichen Reize zum Verweilen locken müßten, wenn sich der Reisende nicht eben ein bestimmtes Ziel gesetzt hätte. Hinter Station Zell tritt die eigenartige Schönheit des Odenwaldes voll zu Tage. Das Mümlingthal wird hier ganz eng. An herrlichen Waldungen, dem großen Eisenwerk „Unterer Hammer" und dem malerisch gelegenen Schloß Fürstenau vorbei fährt das Dampfroß nach Michelstadt, welches durch seine anmuthige Lage in einem Thalkessel, der theils von waldbesetzten Höhen, theils von frischem Wiesengrund und fruchtbarem Ackerland eingeschloffen ist, aus Sommerfrischler und Curbedürftige den wohlthuendsten Eindruck hervorbringt.
Was Michelstadt für den Touristen besonders anziehend machen muß, das ist die Fülle der historischen Erinnerungen, welche sich hier ausdrängen und die ihre sichtbaren Zeugen in verschiedenen Baudenkmälern und anderen Ueberresten eines alterthümlichen Culturlebens besitzen. Da ist zunächst Kirche und RathhauS zu nennen. Die erstere ist hoch
interessant durch ihre werthvollen Renaissance-Grabdenkmäler im Innern, und letzteres, das aus dem 14. Jahrhundert stammen soll, rechnet ob seiner merkwürdigen Bauart zu den Sehenswürdigkeiten des Städtchens, dessen Geschichte bis zu Karl dem Großen hinauf reicht und das bereits im frühesten Mittelalter eine Stätte christlicher Cultur und ein Centralpunkt des Odenwaldes gewesen ist.
Die alte Stadtmauer mit Thürmen, Graben und Wall weist aus die Zeit hin, da der Platz befestigt war und unter Burgmannen stand. Die günstigen klimatischen und meteorologischen Verhältnisse, deren sich Michelstadt erfreut, machen es zu einem höchst angenehmen Aufenthaltsorte. Die Luft ist völlig rein von allen der Gesundheit schädlichen Beimischungen und weder rauh, noch verweichlichend, auch hat Michelstadt weder anhaltend sehr hohe, noch anhaltend sehr niedere Temperatur.. Durch die Bestandttheile des Bodens zeigt das Wasser allenthalben eine ganz außergewöhnliche Reinheit, welche seiner therapeutischen und diätetischen Anwendung vorzüglich zu Statten kommt. Für die berühmte Wasserheilanstalt des Dr. CH. Scharfenberg, gegründet von dessen Vater im Jahre 1842, waren hier tatsächlich alle Vorbedingungen in seltener Weise vereinigt. In der Anstalt kommen sämmtliche Heilmittel der wissenschaftlichen Wasser- Heilkunde in streng individualisirender Weise zur Anwendung: kalte, warme, Dampf- und Fichtennadel-Bäder, Douchen, Abreibungen, nasse und trockene Einwickelungen rc., außerdem Electricität, Massage und Heilgymnastik. Unter Umständen, besonders im Winter — die Anstalt ist das ganze Jahr hindurch geöffnet — auch rein diätetische Euren.
Das Curhausgebäude, welches unter Rücksichtnahme aus alle Regeln der Hygieine im modernen Stil erbaut ist, ent
hält 60 Logirzimmer, einen Speisesaal und einen Conver- sationsraum mit Billard, Clavier und Bibliothek. Im Lause der Jahre hat es sich den Bedürfnissen entsprechend noch weiter vervollkommnet und vervollständigt. Nicht weit von dem Curhause liegt als Dependence das alte Anstaltsgebäude, das jetzt hauptsächlich zur Ausnahme von Sommerfrischlern dient. Beide Gebäude werden umgeben von großen, parkartigen Gartenanlagen, welche mit Sitz- und Spielplätzen bestens ausgestattet sind.
Wie wir hören, hat der Odenwald - Club — für die Section Michelstadt ist Dr. CH. Scharfenberg der Vorsitzende — durch Anpflanzung von schattenspendenden Bäumen an den Straßen und Wegen, die nach dem Walde führen, Anbringung von Wegweisern nach beliebten Punkten rc. viel dazu beigetragen, dem anwesenden Fremden den Aufenthalt lieb und angenehm zu machen. Herr Dr. Scharfenberg theilte uns noch mit, daß eine Eigenthümlichkeit seiner Anstalt, welche diese in den langen Jahren ihres Bestehens beibehalten hat, durch daS Bestreben ihrer Besitzer bedingt ist, alles zu vermeiden und fernzuhalten, was die Anstalt einem Hotel ähnlich machen könnte. Die Gäste leben im Hause des Arztes mit ihm und seiner Familie, in gesellschaftlicher Vereinigung in den gemeinschaftlichen Sälen oder auf ihren Zimmern, ganz nach Belieben. Nur dadurch war es möglich, daß von jeher nicht nur Damen, sondern auch junge Mädchen ohne Begleitung die Anstalt besuchen und sich unter dem Schutze des Arztes und seiner Familie wohl ausgehobcn fühlen konnten. Außer den Kranken finden auch Recon- valescenten oder sonstige Erholungsbedürftige in der Anstalt Aufnahme.


