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* Wetzlar, 1. August. Nachdem gestern Abend die Leiche des bei Mainz verunglückten Einjährigen Adolf Guht hier­her verbracht war, hat heute Nachmittag die Beerdigung des so früh Verblichenen in feierlicher Weise stattgesunden. Un­zählige Leidtragende umstanden die Gruft, in welche die irdische Hülle des jungen Mannes versenkt wurde, der im Dienste des Vaterlandes sein junges Leben hergegeben hat. Auch das Regiment, welchem der Verblichene angehörte, hatte eine Abordnung von mehreren Offizieren, einem Wachtmeister und etwa zwanzig Dragonern zu der Leichenfeier entsendet - ebenso hatten die Einjährigen sämmtlicher Schwadronen es sich nicht nehmen lassen, ihrem Heimgegangenen Kameraden und Freunde die letzte Ehre zu erweisen. Wie die Friedhofs­capelle , die in einen Schmuck duftigen Grüns gekleidet war, so wurde die Grabstätte, zu welcher die Dragoner den Sarg hintrugen, alsbald mit einem Hügel prächtiger Blumen- und Kranzspenden überdeckt, welche Liebe und Freundschaft dem Andenken des Dahingeschiedenen gewidmet hatten. Den kirch­lichen Act vollzog Herr Oberpfarrer Roebenacke. Die städti­sche Capelle ließ vor und nach Beendigung der Feier, während welcher manches Auge feucht wurde, die feierlichen Klänge eines Chorals und eines Grabliedes über die Begräbnißstätte ertönen.

h. Königsberg bei Rodheim a. d. B., 3. August. Gestern entlud sich über unsere Gemarkung ein furchtbares Hagel­wetter. Es kam so schnell heran, daß fast alle Feldarbeiter im Wetter aushalten mußten. Es wurde finster, blitzte, donnerte, regnete und hagelte so stark, daß man glaubte, der jüngste Tag sei erschienen. Der Hagel fiel in Stärke von Tauben­eiern ,- er lag durchschnittlich 2030 Ctm. stark. Die ganze Ernte ist vernichtet,- fast keine Körner sind mehr in den Aehren und die Halmen sind wie gewalzt oder in die Erde geschlagen, die Kornhausen fielen um wie Kartenhäuser. An den Obstbäumen hängen die Aeste herunter, das Obst ist heruntergeschlagen, so daß es scheint, als wären die Raupen daran gewesen. Kartoffeln und Gemüse sind entwurzelt und überschwemmt und stehen da ohne Blätter. Viele Thiere, namentlich Vögel, sind erschlagen. Der im Dorfe selbst an­gerichtete Schaden ist ebenfalls beträchtlich. Seit Menschen­gedenken hat die Ernte hier nicht so schön gestanden, es ist aber auch solche Verwüstung derselben noch nicht dagewesen.

* Frankfurt a. M., 2. August. Der neue Ober­landesgerichtspräsident Dr. jur. Hagens, bisher Kaiserlicher Geheimer Ober-Regierungsrath und vortragender Rath im Reichsjustizamt, hat heute die Geschäfte seines neuen Amtes übernommen. In seiner Ansprache forderte derselbe zu einmüthigem Zusammenwirken sämmtlicher Justizbeamten im Interesse des rechtsuchenden Publikums auf.

*= Frankfurt a. M., 2. August. Am 22. September wird der deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke in unserer Stadt seine Jahresver­sammlung abhalten. Auf der Tagesordnung steht: Die Stellung der Mäßigkeitssache zur Socialreform (Oberbürger­meister Struckmann-Hildesheim),- Das Branntweintrinken auf dem Lande, aus Grund einer aufgenommenen statistischen Untersuchung durch ganz Deutschland (Prof. Böhmert-Dresden). Mittheilungen über den am 3., 4. und 5. September in Christiania abzuhaltenden internationalen MäßigkeitH-Congreß (Pfarrer Hirsch-Lintorf und A. Lammers-Bremen.)

* Coblenz, 3. August. Achtzehntes Mittelrhein. Turnfest. Die Feststadt hat sich in ein glänzendes Festgewand gekleidet, um die Turner des Mittelrheinkreiscs der Turnsache würdig zu empfangen. Die Festhalle, auf dem prächtigen Clemens- platz erbaut, ist ein Musterbau zu nennen und kann bequem 6000 Personen beherbergen. Dieselbe ist wasserdicht gedeckt und so war es ein Glück zu nennen, daß bei einem am Samstag Nachmittag Hierselbst niedergegangenen heftigen Ge­witterregen die Gäste einen trockenen Aufenthalt finden konnten. Am Samstag Abend begrüßte Namens der Stadt Coblenz Herr Stadtverordneter Arndt die Gäste, sie herzlich will­kommen heißend am schönen Rhein mit seinem guten Wein und schönen Frauen und Jungfrauen. Ihm dankte Namens der Gäste Herr Kreisvertreter Rothermel aus Darmstadt, den Gruß erwidernd und hoffend, daß der leider erkrankte, sich um die Turnsache hochverdiente Oberbürgermeister bald

| wieder genese und, da er noch Junggeselle, sich doch eine schöne Coblenzerin zu eigen machen möge. Unter Absingen von recht schönen, dem Feste entsprechenden Liedern, wobei die hiesigen Gesangvereine ganz vorzügliches boten, unter weiteren zündenden Ansprachen und Toasten, gewürzt mit den Klängen einer herrlichen Musik, verschwanden nur zu rasch die frohen Stunden. Der Sonntag Morgen brachte dann per Schiff und Bahn unzählige Gäste, und bei dem lebhaften Temperament der Rheinländer dürste für heute ein Fest er­wartet werden, wie man es nicht allein in Gießen, sondern auch hier gewohnt ist.

Zwar zeigte am heutigen Sonntage der Himmel zuerst ein trübes Gesicht, er hellte sich jedoch aus und es ist eben ein Prachtwewer, bei welchem sich der Festzug recht imposant entwickeln konnte. An dem Zuge beteiligten sich außer ca. 3000 Turnern auch die hiesigen Gesang- und Sportsvereine, die Behörden rc. Im Festzug befanden sich 139 Fahnen und waren in demselben 12 Musikcorps vertheilt. An dem Wett­turnen heute Nachmittag betheiligen sich 60 Musterriegen.

+ Aus Kurheffen, 3. August. Reichstagsabge­ordneter a. D. Herrlein f. Eine der bekanntesten Persönlichkeiten im öffentlichen und parlamentarischen Leben des ehemaligen Kurstaates, der Abgeordnete Franz Joses Herrlein zu Margarethenhaun bei Fulda ist in der Freitag­nacht gestorben. Deralte Herrlein", wie er kurzweg ge­nannt wurde, hat ein Alter von 72 Jahren erreicht, er ist an Altersschwäche gestorben. Im Jahre 1818 geboren, hat Herrlein seit Anfang der Fünfziger Jahre bei Allem, was in Kurhessen sich auf der Oberfläche des politischen Lebens be­wegte, eifrig mitgewirkt, mitgerathen und mitgethan. Er war ein eifriger Verfechter klerikaler Ideen, ein Wortführer der Centrumspartei auf dem Lande. Nachdem er bereits in den Vierziger Jahren Mitglied des Bezirksrathes gewesen, wurde er 1852 als Vertreter der größeren Grundbesitzer Kurhessens in die zweiten Ständekammer gewählt, der er bis zum Jahre 1863 angehörte. Als hieraus die beiden Kammern in eine Ständeversammlung umgewandelt wurden, wählte man Herr­lein selbstredend auch in diese Körperschaft, welches Mandat er bis zur Auflösung Kurhessens in eine preußische Provinz bekleidete. Von da an war er für die Interessen seiner ländlichen Heimath unausgesetzt als Mitglied des ständischen Verwaltungsausschusses, des kurhessischen Communallandtages Kreis-Deputirter, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ver­eins u. s. w. thätig und verstand es meist mit Energie und Geschick dieselben erfolgreich wahrzunehmen, so daß die Fuldaer Gegend, die Rhön u. a. O. ihm manche segensreich gewordene Zuwendung für öffentliche Einrichtungen aus staatlichen und communalen Mitteln verdankt. Im Sommer 1867 wurde Herrlein als Vertrauensmann nach Berlin berufen und ver­trat von da an bis 1879, also während der 1., 2., 3. und 4. Legislaturperiode, den Wahlkreis Fulda-Schlüchtern-Gers- feld im Reichstage, ebenfalls während der gleichen Zeit den Wahlkreis Fulda im preußischen Abgeordnetenhaus. Im Jahre 1879 legte er mit Rücksicht aus persönliche Verhält­nisse beide Mandate freiwillig nieder. Zunehmende Alters­schwäche nöthigte ihn auch, vor etwa 2 Jahren seine anderen öffentlichen Aemter und Ehrenstellen niederzulegen. Er ruhe in Frieden!

* Berlin, 29. Juli. Eine unsinnige Wette gelangte am Sonntag Abend in einem Charlottenburger Concert- etabliffement zum Austrag. Eine lustige Gesellschaft gerierh in demselben darüber in Meinungsverschiedenheiten, ob ein gesunder erwachsener Mann in der Lage sei, 30 Cognacs in kurzen Zwischenräumen zu trinken, ohne dabei sinnlos betrunken zu werden. Man machte diese (Streitfrage schließlich zum Gegenstände einer geringfügigen Wette und zwar mit der Bestimmung, daß der Verlierende die Zeche zu bezahlen habe. Ein noch junger Mann, Namens H., erklärte sich bereit, die 30 Schnäpse zu trinken, unter der Bedingung, daß man ihm auch noch hinter jedem fünften Cognac ein Glas Bier zum Hinunterspülen" der Schnäpse gebe. Unter beifälligem Jubel wurde das Geforderte bewilligt, der Kellner gerufen und bald begann der Austrag der Wette. Beim zwanzigsten Cognac wurde der Trinker aber plötzlich so trunken, daß er in eine Art von Delirium verfiel und nur mit Mühe aus dem Local

und nach einem Wagen geschafft werden konnte, in welchem man ihn nach seiner Behausung fuhr. H. liegt seit gestern früh, wo ihm die Besinnung wiederkehrte, schwer krank darnieder.

. * Neber das Schlafen des Hirsches theilt dieOesterr. Forst-Ztg." Folgendes mit:Der Hirsch schlummert mit halbgeschlossenen Lichtern- man kann es nicht alsSchlafen" bezeichnen, weil die Lauscher dabei fortwährend in Bewegung find. Er liegt mit untergeschlagenen Läusen. Bein? Auf­stehen streckt er den einen zum Aufsprung. Bei seinem Schlummer" hält der Hirsch, wenn er sich ungestört fühlt, t)a§ Haupt gesenkt zur Erde, so daß seinWindfang" mit derselben in Berührung kommt.

* Humoristisches. Aus der Jnstructionsstunde. Nachdem der instruirende Unteroffizier weitläufig bett Dienstweg bei vorzubringenden Beschwerden erklärt hatte, stellt er die Frage: Nun, Müller, was haben Sie zu thun, wenn ich Ihnen in der Ruhezeit, ohne jede Veranlassung, meine Stiesel an den werfe?"Ich habe die Stiesel sofort zu putzen, Herr Unteroffizier!"

Schiff-nachrichten.

Bremen, 2. August. [Per transatlantischen Telegraph.^ Der Schnelldampfer Aller, Capt. H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 23. Juli von Bremen und am 24. Juli von Southampton abgegangen war, ist gestern 4 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

Ve-kehr, Land- ttnö Volkrwirthschasr.

2. August. (Fruchtpreise). Weizen M 20.-, Korn 18.60, Gerste JL 16.90, Hafer JL 18.20, Erbsen JL 20.-, LinsenLein, Wicken, Samen 27., Kartoffeln 4.50

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Special-Preisliste in verschloss. Couvert ohne Firma geg. Eins, v. 20 Pfg. in Briefm.

Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheaterr

Opernhaus.

Dienstag den 5. August: Meistersinger. Große Preise.

Mittwoch den 6. August: Der arme Jonathan. Hierauf: Puppenfee. Große Preise.

Donnerstag den 7. August: Don Juan. Große Preise.

Freitag den 8. August: Mikado. Hierauf: Puppenfee, Große Preise.

Samstag den 9. August: Der fliegende Holländer. Große Preise.

Sonntag den 10. August: Der Prophet. Große Preise. Schauspielhaus»

P Dienstag den 5. August: Der Bibliothekar. Gewöhnliche Mittwoch den 6. August: Die Fremde. Gewöhnliche Preise. Donnerstag den 7.August: Die Ehre. Außer Abonnement.

Gewöhnliche Preise.

Freitag den 8. August: Kaufmann von Venedig. Ge­wöhnliche Preise.

Samstag den 9. August: Neu einstudirt: Ein Fallisse­ment. Gewöhnliche Preise.

Sonntag den 10. August: Ein Fallissement. Gewöhnliche Preise.

Temperatur in Gießen.

Juli 1890.

Niederste ....... + 5,0 »B.

Mittlere.......+ 13 «0

Mittel früherer Jahre.....4- 14,46

Höchste........4- 24,0

Niederschlag an 20 Tagen.....2,61 Par. Zoll.

im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen 2,81 ,

Temperatur der Kahn und der Lust

am 4. August, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 17, Luft 18 Gr.

Rübs am en.

Briefkasten.

Einen für Mehrere. Ihr Eingesandt ist nicht verwendbar. Bitten über die beigelegten Briefmarken zu verfügen.

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Heute am 1. August übernehme ich den Betrieb meiner Wirtschaft wieder selbst und halte ich mich einem geehrten Publikum, sowie meinen werthen Freunden und Gönnern bestens empfohlen.

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