Technik, verfaßte viele volkswirthschastliche Arbeiten und war ein hervorragendes Mitglied des Landesausschusses, seit 1877 auch Reichstagsabgeordneter.
Leeds, 3. Juli. Die Stadt ist noch immer ohne Gas. Die wiederholten Conserenzen des Gascomites mit den feiernden Arbeitern verliefen erfolglos.
Kopenhagen, 3. Juli. Der „Berlingske Tidende" zufolge wird Deutschland den Schweineexport, sowie den Export von Schweinefleisch, Speck, Würsten aus Dänemark unter bestimmten Bedingungen wieder zulassen.
London, 3. Juli. Die Fisch er eiconseren z faßte gestern eine Resolution zu Gunsten einer internationalen Con- ferenz der europäischen Seemächte behufs Abfassung einer Convention, wonach das Laden und der Verkauf kleiner Fische verboten werden soll. Hierauf vertagte sich die Conserenz aus unbestimmte Zeit.
Christiania, 3. Juli. Der Kaiser empfing um 1 Uhr eine Deputation der Deutschen. — Der Kronprinz von Schweden ist Mittags eingetroffen.
Rom, 3. Juli. Die Kammer setzte die Berathung des Gesetzentwurfs betr. die frommen Stiftungen fort. Der Art. 78 wurde in der Fassung des Senats, für welche Crispi eintrat, angenommen, desgleichen Art. 87 nach dem Commissionsantrage, welcher einen Ausgleich bildet zwischen dem Beschluß der Ersten Kammer und demjenigen des Senats. Ferner nahm die Kammer eine Resolution an, in welcher die Regierung ausgefordert wird, den Art. 18 des Garantiegesetzes zur Ausführung zu bringen und für den niederen Clerus vorzuforgen. Die übrigen Artikel wurden in der Fassung der Vorlage angenommen.
Belgrad, 3. Juli. Nach einer Depesche des serbischen Consuls in Ueskueb ist der serbische Consul in Prischtina, Marinkovic, aus dem belebten Marktplatze, 150 Meter vom Regierungspalaste, ermordet worden. Die Leiche lag eine Stunde aus dem Platze. Einige Zigeuner sind verhaftet worden. Die Pforte sicherte dem serbischen Gesandten die strengste Untersuchung zu. Näheres ist der Regierung noch nicht zugegangen.
Belgrad, 3. Juli. Die Regenten, die Mitglieder der Regierung und der hohe Clerus brachten dem Könige Alexander anläßlich des gestrigen Jahrestages seiner Salbung ihre Glückwünsche dar.
— Die „Agence de Belgrade" dementirt die Nachricht auswärtiger Blätter, daß die Regierung bei der Regentschaft gegen Milan gerichteteMaßregeln beantragt habe. Weder die Regierung habe irgendwelche Anträge dieser Art gestellt, noch habe die Regentschaft Veranlassung gehabt, dem König irgendwelche Vorstellungen zu machen, da die vielbesprochene Auslassung Milans durchaus als persönliche Meinungsäußerung anzusehen sei, welche den gesetzlichen Gang der Staatsgeschäfte in keiner Weise beeinflussen konnte und auch nicht hierauf berechnet war.
Madrid, 3. Juli. In der gestrigen Sitzung der Kammer unterstützte Mar tos einen Antrag auf Erlaß einer Amnestie für politische Vergehen und Begnadigung für Militärpersonen, welche sich eines Vergehens schuldig gemacht haben. Sagasta erklärte, die Regierung würde die Amnestie zu einer ihr passenden Zeit beantragen- derartige Maßregeln dürfen allein von der Regierung vorgeschlagen werden.
CocaUs und ^provinzielles.
Gießen, 4. Juli.
— Sitzung der Stadtverordneten am 3. Juli. Anwesend : Herr Bürgermeister Gnauth, Herr Beigeordneter Langsdorff, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Georgi, Grüneberg, Dr. Gutfleisch, Habenicht, Hey- ligenftaedt, Hoch, Homberger, Jughardt, Keller, Löber, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schiele, Schopbach, Simon, Pros. Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.
Dem Eintritt in die Tagesordnung ging eine kleine, aber bemerkenswerthe Feier voran. Am 1. Juli waren es 50 Jahre, seit Herr Bürgermeisterei-Secretär W. Demuth in städtische Dienste getreten. Herr Bürgermeister Gnauth beglückwünschte Namens der Stadtverordneten Herrn Demuth, indem er hervorhob, daß derselbe während 50 Jahren in städtischen Diensten geblieben, theils im Bureau, theils bei der Stadtkaffe. Die Stadtverordneten-Versammlung könne deß- halb diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne ihren formellen Glückwunsch in dieser Sitzung darzubringen und sich dabei selbst zu beglückwünschen, daß sie in Herrn Demuth einen Diener gefunden, der sechs Bürgermeistern zur Seite gestanden, der namentlich in den letzten Jahrzehnten bei den mannigfachen Neuerungen in der städtischen Verwaltung das stabile Element derselben gewesen. Um dem Glückwünsche für den Jubilar auch äußerlich Ausdruck zu geben, ersuchte der Herr Bürgermeister die Stadtverordneten, sich zu erheben- nachdem dies geschehen, überreichte er Herrn Demuth, dem Beschlüsse der Stadtverordneten gemäß, als Andenken einen silbernen Becher. Herr Demuth, dessen Pult, an dem er seit langer Zeit das Protocoll über die Stadtverordnetensitzungen führt, mitGuirlanden undBlumen geschmückt war,dankte sichtlich bewegt für die ihm erwiesene Ehre, er sei stolz aus diese Zeichen der Anerkennung, er gebe die Versicherung, daß er auch ferner bestrebt sein werde, die Zufriedenheit der Stadtverordneten zu erwerben. Herr Demuth theilte hierauf noch mit, daß bei seinem Dienstantritte im Jahre 1840 Bürgermeister Schneider an der Spitze der städtischen Verwaltung stand, ihm folgte im Jahre 1842 Bürgermeister Reiber, 1849 Bürgermeister Ferber (während welcher Zeit Herr Demuth bei der Stadtkasse thätig war), 1852 Bürgermeister Ebel, 1862 Bürgermeister Vogt, 1875 Bürgermeister Bramm und 1889 Bürgermeister Gnauth.
Es folgt Berathung der beiden ersten Gegenstände der Tagesordnung: Ausbau der Schiller st raße und Trottoirpflasterung im Asterweg, wobei es sich um infolge erhöhter Eisenpreise nöthig gewordene Mehrbewilligung für Lieferung von eisernen Trottoirrinnen handelt- die Mehr
forderung wird bewilligt. — Betr. Anfrage der Verwaltung des Garnisonlazareths, ob die Stadt in der Lage sei, zur Lagerung von ca. 55 000 Kilogr. Kohlen einen passenden Raum zu überlassen, wird beschlossen, hierfür die Keller des alten Hofgerichtsgebäudes oder die im nächsten Frühjahr frei werdende Stallmeister-Wohnung für solange, als über diese Gebäude nicht anderweitig verfügt wird, in Vorschlag zu bringen. Herr Heyligenstaedt bemerkt, daß die Stadt sich selbst einen geeigneten Lagerraum sichern und dem Beispiele der Garnison folgen möge und ebenfalls einen eisernen Bestand an Kohlen für die städtischen Anstalten anlegen solle, weil die Kohlen im Sommer billiger seien. Herr Bürgermeister Gnauth erwidert, daß die auf Grund von Abschlüssen gelieferten Kohlen am Orte ihres Verbrauches gelagert würden, ein besonderer Lagerraum also nicht nöthig sei- es könnten höchstens die an die Stadtarmen zur Ver- theilung gelangenden Kohlen in Betracht kommen, hierbei sei es aber fraglich, ob der Stadt ein Vortheil aus dem Bezüge von Kohlen in der warmen Jahreszeit erwachse, wenn dieselben z. B. nach dem Lagerraum im alten Hofgerichtsgebäude gefahren und zur Vertheilung an die Armen dann nach dem Hospital verbracht werden müßten, denn mit der Vertheilung könne sich wohl nur der Hospitalverwalter befassen. — Infolge von Gesuchen um Trottoirpflasterung in der Goethe- straße wird auf Antrag der Baudeputation beschlossen, erhöhte Trottoirs in der Goethe- und der Bl eich st raße anzulegen und die Kosten hierfür in das nächstjährige Budget einzustellen. — Herrn Weißbinder L. Hellmold soll ein in Folge Verlegung eines von der Steinstraße nach der ver- > längerten Schillerstraße führenden Fußweges ihm züfallender
Streifen städtischen Geländes von 13 lH Mtr. zum Preise von 4 Ml. per lD Mtr. überlassen werden. — Dem Uebergang des zwischen der Stadt und Herrn G. Franz über die an der Franz'schen Badeanstalt gelegene Wiese bestehenden Pachtverhältnisses auf Herrn Friedr. Seibel wird Genehmigung ertheilt. Wegen der bereits früher von Herrn Scheel zur Sprache gebrachten Userabschwemmungen an sragl. Wiese wird es von dem noch einzufordernden Gutachten über die Ursachen dieser Abschwemmungen abhängen, inwieweit eine Verpflichtung des Pächters zur Ausbesserung der Schäden in den betr. Pachtvertrag aufzunehmen ist. — Herr Löber empfiehlt, auf dem Auskleideplatz des Volksbades an der unteren Mühle aus Sittlichkeitsgründen einen Bretterverschlag zu errichten. Herr Bürgermeister Gnauth will Erhebungen über die Nothwendigkeit eines entsprechenden Verschlages anstellen. — Herr Scheel macht auf die von den Bewohnern der Neustadt beklagte Verschlechterung des Wassers in dem Brunnen vor dem Gail'schenHause aufmerksam und empfiehlt Untersuchung über deren Ursache event. Schließung des Brunnens. Herr Bürgermeister Gnauth bemerkt, daß die in Folge früheren Hinweises hierauf erfolgte Untersuchung ergeben habe, daß die Verunreinigung des Wassers nicht, wie angenommen, in Folge der Schadhaftigkeit eines städtischen Canals herbeigesührt sei, wahrscheinlich aber von einem durchlässigen Privat-Canal her- rühre. Er werde bis zur Klarstellung der Sachlage an der Pumpe eine Tafel anbringen lassen. — Die Punkte 8 und 9 der Tagesordnung, betr. Gesuch von Bewohnern des Selterswegs um Wiederherstellung des Brunnens im Bürgerhospital, und Anbau der Hochbehälter werden ausgesetzt, da eine dieserhalb nöthige Sitzung der Deputation für das Gas- und Wasserwerk nicht abgehalten werden konnte. — Ue6er die Erbauung einer Kühlanlage im städtischen Schlachthause legte Herr Bürgermeister Gnauth ein von einer Wiesbadener Firma ausgearbeitetes Project vor, nebst Kosten- und Rentabilitätsberechnung. Danach würden sich die maschinellen Arbeiten einer 240 HIMtr. Kühlfläche mit 140 lüMtr. Zellenfläche haltenden Kühlanlage, vermittelst deren Fleischtheile bls zu 6 Wochen aufbewahrt werden können, aus 27 170 Mk. berechnen, die Bausumme der hierzu noch noth- wendigen Gebäude (ausschließlich aller Nebenkosten) aus 38 700 Mk., Alles in Allem genommen ca. 77 000 Mk. Die jährlichen Kosten der Anlage, Betrieb, Abschreibung, Verzinsung u. s. w. sind mit 9920 Mk. angenommen, so daß sür den lüMtr. Zellenfläche, vorausgesetzt daß sämmtliche Kühl- zellen vermiethet würden, 70 Mk. Miethe pro Jahr erhoben werden müsse. Die Schlachthaus-Commission hat sich in Anbetracht der Höhe der Anlagekosten dahin ausgesprochen, daß [ von der Erbauung einer Kühlanlage bis auf Weiteres abge- , sehen werden möge. Aehnlich hat sich die Fleischer-Innung । geäußert, die eine neue Belastung ihres ohnehin schwer be
lasteten Gewerbes für bedenklich erklärt, und sich für Anlage t einer Kühleinrichtung höchstens aussprechen könne, wenn die ; jährliche Zellenmiethe vielleicht 30 Mk., entsprechend den Be- , triebskosten eines Eisschrankes, betrage. Wie aus den Er- ' läuterungen des Projektes hervorgeht, würden sich die An- ' lagekosten um annähernd die Hälfte reducirt und infolge dessen
eine Herabsetzung der Zellenmiethe ermöglicht haben, wenn J die Kühlanlage bei dem Neubau des Schlachthauses mit aus-
x geführt worden wäre. Es wird beschlossen, im Hitzblick auf
; die hohen Kosten, von der Einrichtung einer Kühlanlage zur , Zeit abzusehen. — Die Tur n hal le für die Realschule soll
c nach einem von Herrn Architect Haas entworfenen Plane er-
■ baut, der Kostenanschlag demnächst vorgelegt werden. — An- ’ läßlich der Regulirung der Arbeitslöhne im städtischen c Gaswerk hat sich die Frage ergeben, inwieweit ein Bediirsniß ) vorliege, die Löhne der übrigen städtischen Arbeiter einer , Regelung zu unterziehen und ob die gegenwärtige Methode einer r augenblicklichen Deckung des Bedarfs an Arbeitern entspricht. t Die städtischen Taglöhner (ausschließlich der Straßenkehrer) , wurden seither nicht von der Stadt angenommen, sondern r von Unteraccordanten, die für den Mann in der Zeit vom
15. März bis 15. October bei zehnstündiger Arbeitszeit r 2 Mk., vom 15. October bis 15. März bei achtstündiger b Arbeitszeit 1.60 Mk. pro Tag erhielten, wobei Ausschläge n bis zu 80 Pfg. pro Tag hinzukamen, wenn Arbeiten im g Wasser rc. vorgenommen werden mußten. Daß diese Umstände
den Einfluß der Stadt bezw. des städtischen Bauamtes auf
diese von Unternehmern angenommenen Leute erschwerten, hat Anlaß zu einer Aenderung gegeben, nach welcher fortan die Taglöhner in directes Verhältniß zur Stadt treten und vom Stadtbauamt angestellt werden sollen. Es hat deshalb die Baudeputation beantragt, unter Beibehaltung der Vorarbeiter,. für welche ein Tagelohn von 2.10 Mk. im Sommer, 1.90 Mk. im Winter und 80 Pfg. mehr bei Wasserarbeiten festgesetzt wurde, die Löhne der Tagearbeiter um den seither ihnen entgangenen Unternehmergewinn zu verbessern, so daß die Arbeiter im Sommer 2 Mk., im Winter 1.80 Mk. und den Zuschlag von 80 Pfg. bei Wafferarbeiten erhalten. Die Baudeputation hofft damit eine größere Stabilität in dem Bestände der Taglöhner zu erreichen, so daß auch im Sommer, wo im Allgemeinen die Möglichkeit besseren Verdienstes die Arbeiter veranlaßt, ihr Arbeitsver- hältniß zu lösen, der Stadt ein Stamm geschulter Arbeiter erhalten würde. Weiter hat die Baudeputation beantragt, denjenigen Taglöhnern, die während des ganzen Sommers in ihrem Arbeitsverhältniß zur Stadt geblieben, im Herbst eine Art Gratifikation bis zu 20 Pfg. für jeden Arbeitstag zu gewähren, so daß beispielsweise ein durch volle 7 Monate thätiger Arbeiter 35 Mk. erhalten könne. Herr Heyligen- taedt würde sich gegen eine Gratifikation, eher für eine mäßige Lohnerhöhung aussprechen, da die Arbeiter ja nach Leistung bezahlt würden. Herr Bürgermeister Gnauth bemerkt, daß diese Gratifikation nicht als Prämie für gute Arbeit und bewiesenen greife, sondern für die Ausdauer im Arbeitsverhältniß gezahlt werden solle, eine Abstufung nach Leistungen werde sich schon von selbst ergeben, denn es sei selbstverständlich, daß ein junger Mensch nicht denselben Lohn- atz erhalte, wie ein älterer, eingearbeiteter. Jedenfalls würden die städtischen Arbeiter eines augenblicklich anderwärts gebotenen Vortheils willen ihre Arbeit nicht verlassen, wenn sie sicher seien, daß sie im Herbste einen Betrag ausbezahlt erhielten, der ihnen die Beschaffung ihres Winterproviants ermögliche. Die Herren Löber und Petri sprechen sich ebenfalls für Gratifikationen aus. Es wird dem Anträge der Baudeputation entsprechend beschlossen: das Accordverhältniß mit den Vorarbeitern Gräs und Bellof zu lösen, dieselben als Vorarbeiter beizubehalten, die Taglöhne nach den oben angeführten Sätzen zu erhöhen und die empfohlenen Gratifikationen zu bewilligen. Die Arbeitsgeräte haben sich die Arbeiter selbst zu stellen. — Gegen den Wirthschastsplan der Stadt Gießen über deren Waldungen pro 1891/92 findet die Stadtverordneten - Versammlung nichts zu erinnern. — Der kürzlich verstorbene Metzger Philipp Schmidt hat neben einigen Legaten zu öffentlichen und mildthätigen Zwecken, zu Gunsten des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege, des Diakonissenhauses, der Kleinkinderschule u. s. w. der Stadt 2400 Mk. mit der Bestimmung vermacht, daß die Zinsen von 2000 Mk. am Todestage des Stifters an arme Waisenkinder vertheilt, die Zinsen von 400 Mk. zur Unterhaltung seines Grabes verwendet werden sollen. Herr Bürgermeister Gnauth bemerkte, daß, sofern die Annahme des Vermächtnisses staatlich genehmigt sei, für die Stadt wohl kein Grund vorliege, dasselbe abzulehnen, die Stadt vielmehr allen Grund habe, dem Stifter für die bewiesene Fürsorge zum Besten der Armen von Herzen zu danken - er bitte um die Ermächtigung, diesen Dank den Hinterbliebenen des Ph. Schmidt abzustatten. Das Stiftungscapital soll mit 3^0/0 verzinst werden.
— Das Jahresfest des Oberhessischen Vereins für innere Mission wird am 23. Juli d. I. dahier in Gießen gehalten werden. Die Festpredigt hat Herr Pfarrer Frohnhäuser übernommen. Bei der daranschließenden Jahresversammlung sollen die Anregungen, welche die von dem Centralausschuß für innere Mission in Berlin veranstaltete Versammlung und der evangelisch-sociale Congreß gegeben haben, für die Vereinsarbeit fruchtbar gemacht werden. Herr Pros. Dr. Gott sch ick, der beide Versammlungen besucht hat, wird darüber berichten, der neue Reiseprediger Wagner über die dem Vereine aus der gegenwärtigen Lage erwachsenden Aufgaben Thesen stellen.
— Wie wir erfahren, wird der berühmte Cornet-ä- Piston-SSirtuofe Hugo Türpe in einem demnächst in Steins Garten stattfindenden Concerte auftreten. Herrn Türpe stehen eine große Anzahl Kritiken zur Verfügung, von denen wir eine in der „National-Zeitung" veröffentlichte hier mittheilen : „Im „Königsbau" hat sich der Besuch in den ersten 10 Tagen, die seit der Eröffnung vergangen sind, stetig gehoben. Die Gesammtzahl der Besucher wird uns auf 22 000 angegeben. Am Sonnabend und Sonntag bildete eine besondere Anziehungskraft das Auftreten des Cornet-Virtuosen Hugo Türpe, der feit langer Zeit zum ersten Male wieder in Berlin aufgetreten ist, nachdem er auf feinen künstlerischen Wanderfahrten Rußland, Amerika, Australien und Westindien besucht hat. Türpe, der früher der Bilse'schen Capelle angehörte, hat feine bedeutende Fertigkeit auf dem Cornet noch erheblich gesteigert. Er hat sich mit glücklichem Geschmack den Künsteleien, zu denen das Virtuosenthum nur allzu leicht verführt, ferngehalten. Höher als seine hochentwickelte Technik ist noch der weiche, discrete Ton zu rühmen, den er dem Instrument entlockt, welches unter seinen Händen nicht schmettert, sondern singt. Reicher Beifall begleitete alle feine Nummern."
— Wie auswärtige Blätter von hier berichten, ist, nachdem erst vor Kurzem ein gefährlicher Einbrecher entflohen, am 30. Juni der zu einer Gesängnißstrafe von 1 Jahr 9 Monat wegen Wilderns verurtheilte Jagdpächter Jäckel aus dem hiesigen Provinzial-Arresthaus entflohen.
— Gestern Abend wurde in der Marburgerstraße ein Fechtbruder abgefaßt, der seine Aufwartung sogar bis zu im Keller beschäftigten Leuten ausdehnte.
E. Eberstadt, 3. Juli. Der hiesige Kriegerverein hat eine Fahne angefchafft, die bei Gelegenheit des am 13. und 14. Juli hier stattfindenden Bezirksfestes des Verbandes Butzbach-Bad-Nauheim geweiht werden soll.


